Ausgabe 
29.9.1901
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 39.

Verteilung der davon verbleibenden 70 Prozent der Ein⸗ gänge zwischen Lokal⸗ und Kreiskassen bleibt den Kreisen überlassen.

In welcher Weise diese Beiträge erhoben werden sollen, bleibt den einzelnen Mitgliedschaften überlassen. Für den richtigen Eingang der Quartalsbeiträge haften die betreffenden Vorstände der einzelnen Orgauisationen. Die Organisationen sind verpflichtet, die genauen Adressen der Vorstände resp. Vertrauensmänner an den Vorsitzenden des Landeskomitee's gelangen zu lassen. Organisationen, welche Beiträge an das Landeskomitee nicht abführen, sind von einer Vertretung auf der Landeskonferenz aus⸗ geschlossen. Bei außerordentlichen Verhältnissen können auf Antrag der zuständigen Kreisorganisationen Mitglied⸗ schaften vorübergehend ganz oder teilweise von den Bei⸗ trägen entbunden werden. Die Entscheidung trifft das Landeskomitee. Auch können die Organisationen einzelne Mitglieder von den Beiträgen entlasten. f

§ 6. Der Sitz des Landeskomitee's wird durch die Landeskonferenz bestimmt, ebenso findet die Wahl des Landeskomitee's auf der Landeskonferenz statt. Einfache Mehrheiten entscheiden, bei Stimmengleichheit entscheidet das Los.

Landeskonferenzen.

§ 7. Jedes Jahr findet eine ordentliche Landes⸗ konferenz statt, welche vier Wochen zuvor unter Bekannt⸗ gabe der Tagesordnung durch das Landeskomitee einzu⸗ berufen ist und soll dieselbe vor dem deutschen Partei⸗ tage stattfinden.

§ 8. Der Ort, an dem die Landeskonserenzen statt⸗ finden, ist alljährlich zu wechseln. Die Bestimmung über den Ort steht der Landeskonferenz zu. Die Landes⸗ konferenz wählt das Bureau zur Leitung der Verhand⸗ lung aus ihrer Mitte.

§ 9. Die Mitgliedschaften werden auf der Landes⸗ konferenz durch Delegierte vertreten und können Mit⸗ gliedschaften bis zu 100 Mitgliedern zwei Delegierte entsenden. Größere Mitgliedschaften können für jedes weitere volle Hundert einen weiteren Dele⸗ gierten wählen.

Stimmberechtigt sind auf der Landeskonferenz außer den gewählten Delegierten auch die Mitglieder des Landes⸗ komitees, sowie die Reichs- und Landtagsabgeordneten und die Vorsitzenden der Kreiswahlvereine. Jedoch haben die Abgeordneten in allen Fällen, wo es sich um eine Kritik ihrer parlamentarischen Thätigkeit, und die Landes⸗ komiteemitglieder sowie die Kreisvorsitzenden in allen Fällen, wo es sich um eine Kritik ihrer Geschäftsführung handelt, kein Abstimmungsrecht. Die Kosten für die Delegierten tragen die Lokalorganisationen, für die Kreis⸗ vorsitzenden die Kreiskassen, für die Landeskomiteemit⸗ glieder und die Landtagsabgeordneten die Landeskasse. In Ausnahmefällen jedoch können die Kosten der Dele⸗ gation von der Landeskasse getragen werden; hierüber entscheidet das Landeskomitee.

§ 10. Die Landeskonferenz prüft die Mandate der Delegierten, nimmt die Referate sowie den Rechenschafts⸗ bericht des Landeskomitee's entgegen.

§ 11. Eine außerordentliche Landeskonferenz kann von dem Landeskomitee einberufen werden; sie muß ein⸗ berufen werden, wenn sie von drei Kreisen beantragt wird.

pon Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

kommen, Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste

Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gießener Angelegenheiten.

8. Eine recht anerkennenswerte Einrichtung hat Herr Zigarrenfabrikant Bock in seinem Betriebe getroffen. Seit Mitte dieses Monats ist eine Küche eingerichtet, in

welcher für die zahlreichen de dale ee

hergestellt wird. Für den sehr billigen Preis von 17 Pfg. erhält jeder ein, wenn auch ein⸗ faches, aber gut zubereitetes Essen mit zirka 1 Pfd. Ochsenfleisch. Für Zubereitung, Uten⸗ stlien ꝛc. trägt Herr Bock die Kosten. Damit ist nun zwar keineswegs diesoziale Frage gelöst, doch muß man diese Fürsorge umsomehr anerkennen, als in andern hiesigen Fabriken höchst bedenkliche Mißstände herrschen.

Arbeiterentlassungen haben vorige Woche auf dem Fernie'schen Braunsteinberg⸗ werke in ziemlicher Zahl(etwa 50) stattgefunden. Die Direktion kündigt Betriebseinschränkungen an, falls die schlechte Geschäftslage in der Eisen⸗ industrie andauere. Die entlassenen Arbeiter haben teilweise am Bahnhofsbau Beschäftigung gefunden. Dteese dürfte jedoch nicht sehr lange andauern. Für die Arbeiter sollte die gegen⸗ wärtige Krise, unter der die Arbeiterschaft am meisten zu leiden hat, eine Mahnung sein, alle Kräfte anzuspannen, um eine Besserung ihrer

Lage, die dauernd nur durch die Verwirk⸗ lichung des sozialdemokratischen Programms erreicht werden kann, herbeizuführen.

Das Stadttheater unter der be⸗ währten Leitung der Herren Kruse und Helm wird nun Dienstag den 1. Oktober wieder seine Pforten öffnen. Für die Wintersaison sind neben älteren klassischen Werken auch zahlreiche Stücke der neueren dramatischen Dichtkunst zur Aufführung angekündigt. Unter dem Personal kennen wir nur Herrn Ramseyer vom vorigen Winter.

Unpartetisches. Herr Hopp⸗ städter, der Jünger Schweinburgs, der die Sozialdemokratie in und um Gießen mit Stumpf und Stiel ausrotten wollte, hat sich nunmehr seit Langem schon getrollt, ohne seine Aufgabe erfüllt zu haben. Auch sein Kompagnon hat die Fabrikation der öffentlichenunparteiischen Meinung längst aufgesteckt, und sie einem Herrn Lehner überlassen, der unter Aufbietung aller möglichen Reklame dieGieß. Neust. Nachr. mit Gewalt zumWeltblatt machen und neben⸗ bei natürlich reich werden will. Unsere Genossen kennen die unparteiische Presse zur Genüge und ste haben umsomehr Ursache denG. N. N. die Thüre zu weisen, als diese für den Brot⸗ wucher in verschämter Weise eintreten.

Genossen! Sorgt vielmehr in jeder Weise für Verbreitung Eurer Parteipresse! Werbt jetzt beim Quartalswechsel eifrig Abonnenten für dieMitteldeutsche Sonn⸗ tags⸗ Zeitung! Unterstützt nicht Blätter, die Eure Interessen mit Füßen treten!

Aus dem Rreise gießen.

r. Bei der letzten Heuchelheimer Gemeinderatswahl boten die vereinigten bürgerlichen Parteien Alles auf, was in ihren Kräften stand, nun den Sieg an ihre Fahne zu fesseln. Zur Agitation vor dem Wahltage wurden sogar Frauen herangezogen, welche die Getreuen zu den Versammlungen bestellen mußten. Ein Beigeordneter glaubte auch sein Möglichstes thun zu müssen und bearbeitete den Arbeiter B., der zugleich dasAmt des Wasenmeisters versieht, folgendermaßen: Höre mal, Du kannst auch wählen. Aber bedenke wem Du deine Stimme zu geben hast. Du hast da das Gemeindeämtchen und da mußt Du Dir über⸗ legen, von wem Du dein Geld verdienst. Die armen Leute haben kein Vieh, das ihnen kaput geht. Der so Angeredete war aber auch nicht auf den Kopf gefallen und erwiderte, daß den Armen auch als einmal eine Ziege kaput gehe und die hätten ihm auch immer seinen Lohn gegeben, jedoch von einem wohl⸗ habenden Mitbürger, dem er vor Zeiten ein Stück Vieh begraben habe, hätte er heute das Geld noch nicht! So erreichte in diesem Falle der sehr ehrenwerte Beigeordnete seinen Zweck wohl nicht. Seine Agitation sieht aber einer Wahlbeeinflussung verteufelt ähnlich.

h Wieseck. Eine vom soz.⸗dem. Wahl⸗ verein einberufene gut besuchte Volks ver⸗ sammlung, die vorigen Samstag stattfand, beschäftigte sich mit der bevorstehenden Ge⸗ meinderatswahl. Folgende Kandidaten wurden aufgestellt: Aug. Seibert, Spezerei⸗ händler; Karl Schäfer I., Landwirt; Ludw. Daubert, Arbeiter; Heinr. Reuter V., Landwirt. Der Wahltermin ist noch nicht bekannt gegeben. Unsere Freunde fordern wir auf, dafür zu sorgen, daß sie mit ihren Ge⸗ meindesteuern nicht im Rückstande sind, weil sie sonst ihr Wahlrecht nicht ausüben können. Daß alle Genossen zur Wahl gehen, dazu brauchen wir wohl nicht erst aufzufordern. Streichungen auf dem Stimmzettel müssen möglichst vermieden werden, damit unsere Kan⸗ didaten einhellig gewählt werden.

e Alten⸗Buseck. Gewisse Leute regen sich über den Ausfall der am Dienstag statt⸗ gefundenen Gemeinderatswahl nicht wenig auf. Gewählt wurden das frühere Gemeinderats⸗ mitglied F. Dell mit 61, ferner Eberhardt Benner mit 81 und Joh. Vogel mit 52 Stimmen. Letztere Beiden waren von unserer Seite aufgestellt. Dies Ergebnis erörterten am Wahlabend einige hochmögende Herren unter dem Ausdruck ihres Mißfallens. Diese

deren Gespräch einer unserer Genossen anzu⸗

Vogel nicht verzeihen, daß er sich hatte au

stellen lassen und noch weniger, daß er gewähl

Und das trotzdem Herr Wir Wilh. Rabenauindirekt tüchtig für die Wahl Anderer gearbeitet hatte, wie er sich ang

worden war.

Dieser ausgezeichnete Bürger vertritt auch di

Ansicht, daß ein richtiger Gemeinderat nun

derjenige sei, der für Errichtung eines Kriegen denkmals und für Zubilligung größerer Ge.

meinderechte an die Besitzenden eintrete. Als ob diese nicht schon genug Vorrechte besäßen!

Hoffentlich halten sämtliche Gemeinderatsmit⸗ glieder, unbeirrt durch solche Redereien nur das Wohl der Gesamtheit im Auge!

r. In Leihgestern wurden bei der am Samstag stattgefundenen Gemeinderats

wahl zwei der von unsern Genossen aufge⸗ stellten Kandidaten und zwar Johs. Seip mit 71 und Karl Faber mit 70 Stimmen gewählt. Letzterer kommt zum erstenmale in die Gemeinde⸗Vertretung. Als dritter wurde der gegnerische Kandidat Peter Damm mit nur 47 Stimmen gewählt. die auf unserer Seite in Erscheinung getretene

höchst bedauerliche Stimmenzersplitterung ge⸗

schehen; mehrere Arbeiter stellten selbst ihre Kandidatur auf, was wiederum zahlreiche Streichungen auf unserm Zettel zur Folge hatte. Das zeigt wieder, wie nur den Gegnern in die Hände gearbeitet wird, wenn auf unserer Seite es an der nötigen Einheitlichkeit fehlt. Zu bemerken ist noch, daß ein früherer Genosse, der schon öfter für die Partei kandi⸗ dierte, diesmal auf der gegnerischen Liste, zu⸗ sammen mit den rückständigsten Antisemiten figurierte. Aber wie immer, ist er auch als Ueberläufer erst recht durchgeplumpst.

Aus dem Nreise Friedherg⸗Püdingen.

n. Das Friedberger Spießbürger⸗ tum ist noch immer aufgeregt über die Wahl des Genossen Busold zum Stadtverordneten. Aber auch Leute, die besser daran thäten, sich um ihre eigenen Verhältnisse zu bekümmern, ergehen sich über unsern Genossen in überflüssigen Bemerkungen. So hat sich dieser Tage ein Metzgermeister und Wirt darüber aufge⸗ halten, daß unser Genosse kein reicher Mann ist und schon gebrummt habe. Zur selben Zeit passterte ihm selbst das Malheur, daß ihm Wagen und Pferd, sowie 2 Schweine gepfändet wurden, gleichzeitig wurde bekannt, daß er selbst schon wegen Diebstahl im Gefängnis gesessen hat. Unsere Genossen werden bei ihrem Bedarf an ihn denken. Uebrigens scheint unser Beispiel gewirkt zu haben. In Rodheim v. d. H., auch eine Hochburg des Grafen Oriola, wurde am Freitag ebenfalls ein Genosse in den Ge⸗ meinderat gewählt und der Sieg unserer sämt⸗ lichen Kandidaten in Vilbel ist ja den Lesern der M. S.⸗Ztg. schon bekannt.

n. Zu dem Brande in Rodheim v. d. H. hören wir noch, daß an der Ausdehnung des Brandes vor allem der Wassermangel Schuld war. Das ist aber nicht so zu verstehen, daß kein Wasser vorhanden gewesen wäre, vielmehr fehlte es an Leuten zu dessen Herbeischaffung. Viele Bauern fuhren einfach nicht und mußten durch den Ortsdiener dazu aufgefordert werden. Auch an der Einheitlichkeit des Kommandos soll es gefehlt haben, obwohl der Kreisfeuerwehr⸗ inspektor von Friedberg selbst anwesend war. Ferner trägt der Umstand, daß man seit Ein⸗ führung der uniformierten freiwilligen Wehren die andern Leute von der Brandstätte ausnahms⸗ los absperrt und immer glaubt, sich die Lor⸗ beeren allein verdienen zu müssen, viel dazu bel, daß sich eben bei solchen Gelegenheiten e hilfsbereite Hände finden. Der verspätete Ein⸗ Nil hat in diesem Falle die Ausdehnung des

randes ebenfalls begünstigt. Aehnliches konnte man auch schon anderorts beobachten.

Aus dem Nreise Wetzlar.

Die Volksversammlung in Glei⸗ berg, die am Sonntag stattfand; erfreute sich eines guten Besuches. Genosse Krumm ver⸗ breitete sich eingehend über die Schäden, welche

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