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Nr. 35.
Gießen, Sonntag, den 1. September 1901.
8. Jahr g
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Sonnt
Mitteldeutsche
Igs-Zeitung.
Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Abounemeutspreis: die Mitteldeutsche
Haben die Deutschen in China geplündert?
Diese Frage wird von allen„Gutgefinnten“ und der patriotischen Presse mit aller Ent⸗ schiedenheit und indem man sich als christliche unnd gebildete, als„Kulturnation“ in die Bruft pirft, verneint. Vaterlandsloser Geselle ist, ver etwa aus den zahlreichen Hunnenbriefen heweisen wollte, daß unseren tapferen Kreuz⸗ üglern thatsächlich die Fähigkeit, zwischen den Begriffen„Mein“ und„Dein“ zu unterscheiden, übhanden gekommen sei. Im Gegenteil wird hon verschiedenen Stellen aus den deutschen Truppen für ihr„Wohlverhalten“ die höchste Anerkennung ausgesprochen, was ja auch von Seiten des Weltgenerals geschah. Plünderungen herübten nur die anderen Nationen; die hrerseits waschen aber ebenfalls ihre Hände in Unschuld.
Mit derartigen amtlichen und halbamtlichen bersicherungen stehen aber die aus Wilhelms⸗ saven kommenden Mitteilungen über die von dem aus China zurückgekehrten Dampfer„Palatia“ nusgeschifften Güter im schärfsten Widerspruch. Von verschiedenen Seiten wird bestätigt, was in voriger Nummer nach der„Nordd. Volkst.“ mitgeteilt wurde, nämlich, daß es sich dabei wirklich um die astronomischen Instrumente von der Pekinger Sternwarte handelt.„Es ind alte herrliche Sachen aus Bronze .. abgesehen von den Justrumenten wiegen ste za. 15 Tonnen(300 Zentner). Die Sachen bleiben 1 hier, bis auf weitere Bestimmung aus Berlin.“
So sagt ein khakifreundliches Wilhelms⸗ havener Blatt. Die„Köln. Ztg.“ verlangt, daß man den Chinesen ihr Eigentum sofort zurückschicke, wie es die Franzosen gethan haben. Die Regkerung hat sich bisher noch nicht über den Fall geäußert. Fest steht, daß diese Gegenstände unbefugt weggenommen wurden.
Ist's ein Wunder, wenn die Soldaten den von der obersten Leitung gegebenen Beispiel folgten und sich unter Umständen mit Gewalt chinesische„Andenken“ zu verschaffen 5 8 Es geht nicht an, die aus früheren Hunnen⸗ beriefen bekannt gewordenen„Heldenthaten“ in das Reich der Fabel zu verweisen, sie als bhantastische Uebertreibungen, und soldatische Renommistereien hinzustellen. Wir können das umsoweniger, als uns selbst dieser Tage der Brief eines Chinakriegers zur Ver⸗ fügung gestellt wurde, aus dem wir unten Auszüge wiedergeben. Die Schtheit dieses Nriefes steht außer allem Zweifel; der 2dressat, der ihn von einem seiner bei der (hinaexpedition befindlichen Bekannten erhielt, it uns persönlich als durchaus zuverlässig bekannt, auch lag uns das von der Feldpost ahgestempelte Kouvert vor. Hier kann man dso nicht von einem Produkt der Luzerner Fabrik reden!
Unser Hunnenkrieger schreibt also(orthogra⸗ Hische Fehler sind beseitigt):
„. Ich habe übrigens jetzt schon so viel
Zeug gesammelt, wenn ich das alles mit⸗
nehmen darf, wenn wir heimgehen, dann
Sonutags⸗Zeitung kostet durch unsere Iusträger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch hie Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.
Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814)
1 Juserate
finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt
Bei mindestens
will ich's loben. Mein Kleipersack ist schon ganz voll von Reliquien— alte Waffen von allen Gattungen, chinesische und internationale Waffen sind auch dabei,— dann habe ich auch schon ein kleines Kistchen, welches auch schon bald voll ist mit kleineren Sachen, chinesischen Schmuckgegen⸗ ständen und dergleichen. Dies alles Sachen von den verschiedenen Streif— zügen(Expeditionen), welche wir gemacht haben, denn dabei kostet so etwas, wie Sie wissen werden, ja nichts. Sonst im Verkaufen sind die„Schainis“ (wörtlich) so unverschämt teuer, daß man jedem erst ein paar tüchtige AA tritte geben muß, bis er wenigstens einen annehmbaren Preis sagt, und wenn man dann davon die Hälfte bezahlt, sind sie auch noch zufrieden und bedanken sich auf's schönste, auch für die A... tritte und sagen dann mit ihren paar Wörtern, welche sie Deutsch() verstehen: Germain schang⸗kouti(die Deutschen sind doch echte Kerls), wenn sie auch nicht so denken, die Schufte.——————— Wir liegen jetzt in einem, in ein Feldlazaret umgewandelten Götzentempel. Ich wollte nur, ich könnte Sie hier einmal einige Stunden herumführen, dann würden Sie staunen, diese Götzen in den verschiedenen großen Sälen, an 50 Stück, nun sind ja auch noch diejenigen, welche im Wege standen, rausgeschmissen worden.——— ä——— f. In den vielen Tempeln, wo ich sonst schon herumgestoͤbert habe und mir alle die Götzen angesehen habe, natürlich nicht, ohne die meisten umzuschmeißen oder zu zer⸗ schlagen. Die Geschichte mit einer Chinesin müssen Sie einmal(Rame eines Bekannten) vortragen, wenn er wollte, würde ich ihm auch eine mitbringen. Die„Vieger“ sind nämlich zu drollig, hauptsächlich wenn sie gehen steht's aus wie ein Schmetterling.
Nirgends findet sich in dem Briefe eine Andeutung darüber, daß von den Kommandeuren das Plündern, das Mitnehmen von„Andenken“ verboten wäre, der Briefschreiber sieht das als etwas ganz Selbstverständliches an, wie er es auch für seine Aufgabe hält, die Götzenbilder umzuwerfen und zu zerschlagen.— Was würden wohl unsere Frommen sagen, wenn— Kriegs⸗ zustand vorausgesetzt— fremde Soldaten der⸗ artig in ihren Kirchen hausen würden? Andere Bemerkungen in diesem Briefe, die den Schreiber selbst, wie auch die Hunnenkrieger im Allge⸗ meinen in sittlicher Beziehung in höchst un⸗ günstigem Lichte erscheinen lassen, wollen wir nicht wiedergeben.
Zum Kampfe gegen den Brotwucher.
Ueberall in Deutschland hat eine mächtige Protestbewegung gegen den Hungertarif eingesetzt, der, je mehr er in seinen Einzelheiten bekannt
wird, immer neue„Schönheiten“ aufweist. Fast bei allen Positionen tritt die Tendenz hervor, durch Belastung der Armen und Aermsten den Reichen und Reichsten noch mehr die Taschen zu füllen. Gewiß kommen Proteste gegen den Tarif und die jetzt von der Regierung beliebte Schutzzollpolitik auch aus bürgerlichen Kreisen, man sieht auch da ein, daß, wenn dieser Ent⸗ wurf Gesetz wird, Industrie, Gewerbe und Handel eine empfindliche Schädigung erleiden müssen, aber unsere Partei steht doch bei diesem Kampfe im Vordertreffen, sie übernimmt die Führung und wird auch den Kampf zu einer für uns, für die Gegner des Brotwuchers sieg⸗ reichen Entscheidung bringen. Aus allen Teilen des Landes wird von überaus starkbesuchten Protestversammlungen berichtet, die mit Ein⸗ mütigkeit den Wuchertarif und die Zollpolitik verurteilten; unsere Petitionslisten werden überall mit Unterschriften gefüllt.
Auch unsere Gießener Genossen hatten auf Montag Abend eine Volksversammlung einberufen, um die jetzt alle Gemüter bewegende Frage öffentlich zu verhandeln und ebenfalls gegen den Lebensmittelwucher zu protestieren.
Pünktlicher als man es sonst hier gewohnt ist, waren die Zuhörer zahlreich am Platze, auch Frauen waren gut vertreten, man bemerkte auch Angehörige bürgerlicher Kreise. Genosse Abg. Dr. David war als Referent erschtenen und setzte in etwa anderthalbstündigen, klaren, mit humorvollen Bemerkungen gewürzten, äußerst beifällig aufgenommenen Ausführungen die Bedeutung des Zolltarifs und den Schaden, den er dem Volke zufügen würde, auseinander. Er führte etwa aus:
Eine große Kampffrage, die Brot-, die Ernährungsfrage steht auf der Tages⸗ ordnung. Zwei mächtige Heerlager stehen sich in diesem Kampfe gegenüber; auf der einen Seite die Landwirtschaft treibende Bevölkerung und was mit ihr zusammenhängt, auf der andern Seite die gewerblich und industriell thätigen Schichten, die Konsumenten der landwirtschaftlichen Produkte. Zur ersteren Gruppe gehört etwa ein Drittel der Bevölke⸗ rung, während die der Brotkonsumenten zwei Drittel der gesamten Bevölkerung umfassen.
Den äußeren Anlaß zu dem Kampfe um ie Zölle geben die Handels verträge, die 1903 ablaufen. Diese bezeichnete man damals als eine„rettende That“; der verstorbene Reichskanzler Caprivi, der an ihrem Zustande⸗ kommen stark beteiligt war, wurde dafür in den Grafenstand erhoben. Mit um so tiefer em Haß verfolgten ihn die Agrarier noch über das Grab hinaus, stellen ihn im Gegensatz zu Bis⸗ marck, beschuldigen ihn, die Landwirtschaft ruiniert zu haben. Die Landwirte haben sich zum geoßen Teil in den Bauernbünden zu⸗ sammengeschlossen, die zu einer einheitlichen Macht angewachsen sind und mit großem Ge⸗ schrei die Erhöhung der Zölle fordern. Die von ihnen dafür angeführten Gründe sind auf den ersten Blick plausibel. Sie sagen: Wir haben die starke Konkurrenz des Auslandes auszuhalten, dessen Landwirtschaft unter gün⸗ stigeren Produktionsbedingungen arbeitet, weil der jungfräuliche Boden Amerikas und anderer Länder weniger der Pflege bedarf, fast keinen Dünger beansprucht, bi ist. Ferner
„ ygichigey ergiebige!


