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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Auskunft darüber giebt eine andere Meldung, in der es heißt:
„Feldmarschall Graf Waldersee ist in Folge der Erregung bei der Brandkatastrophe sehr ange⸗ griffen. Außer ihm sind auch mehrere Mitglieder des Hauptquartiers mit knapper Not dem Tod in den Flammen entgangen. Die verbrannten Baulich⸗ keiten bedecken zusammen mehr als einen Morgen Lands. Mit ihnen wurden einzigartige Kunstschätze, darunter auch kostbare, für den deutschen Kaiser bestimmte Geschenke, ein Raub der Flammen. Die Feuerschutzvorrichtungen waren im Palast unzureichend. Der Brand wütete bis 2 Uhr morgens, ohne daß ihm Einhalt gethan werden konnte. Außer General v. Schwarzhoff soll, wie es heißt, auch eine deutsche Feldwache in den Flammen umgekommen sein. Graf Waldersee verlor Alles, sogar sein Papiere und Kleidungsstücke..
Danach ist die Sache verständlich. Man hatte offenbar wertvolle Kunstschätze, die dem chinesischen Kaiser gehören, als Geschenke des letzteren mit Beschlag belegt, um sie bei der Rückkehr mit nach Deutschland überzuführen. Nun, vielleicht sorgt der chinesische Kaiser für Ersatz, damit der Weltgeneral nicht mit leeren Händen nach der Heimat zurückkommt.
Krieg in Südafrika.
In voriger Woche nahmen wir Notiz von einer Nachricht, nach der der General French, der zweifellos erfolgreichste euglische Heerführer im südafrikanischen Kriege mit 500 Mann von den Buren gefangen sei. Die Nachricht wurde in England bisher amtlich entschieden bestritten. Es scheint aber, als sei doch etwas an ihr. Die Gefangen zahme scheint in der That erfolgt zu sein und die Buren haben den General, nachdem er Urfehde geschworen hat, wieder laufen lassen. — Euglische Blätter melden seine Rückkehr aus dem Osten Transvaals nach Johannesburg mit dem Hinzufügen, er sei krank und müsse der Ruhe pflegen. Möglicherweise leidet er an der⸗ selben Kraukheit als Buller.
Erfolge der Engländer. Es wird berichtet, daß die Engländer in den letzten Tagen 242 Gefangene gemacht und 248 Ge⸗ wehre, sowie Munition und Wagen erbeutet hätten.— Eine andere Meldung besagt da⸗ gegen: Die Buren erscheinen überall in kleinen Abteilungen. An mehreren Orten fanden Zu⸗ sammenstöße statt. Von den Höhen bei Middel⸗ burg geben die Vuren Feuersignale, auch haben sie einen heliographischen Apparat aufgestellt. Die Buren überschreiten oft die Eisenbahn. Der häufige Verkehr gepanzerter Züge ver⸗ hindert aber, daß sie die Bahnlinie zerstören.— Wo Dewet gegenwärtig steckt, ist unbekannt. Schließlich heißt es, General Botha habe wieder Friedensverhandlungen angeknüpft.
Von nah und Fern.
Gießener Angelegenheiten. Zur Maifeier!
Die Gießener Genossen begehen die Mai⸗ feier wie alljährlich. Am 1. Mai abends findet eine Versammlung für Männer und Frauen im Lokale Orbig statt, in der Genosse Vetters über die Bedeutung der Maifeier sprechen wird. Das Maifest findet wie gewöhnlich im Walde an der Licherstraße statt. Die Fest⸗ rede hält hier Genosse Stadtverordneter Krumm. Durch Konzert, Preisschießen, Kinder⸗ spiele, Tanz ꝛc. wird im weiteren den Festteilnehmern reichliche Unterhaltung geboten werden. Genossen! agitiert nachhaltig für die Maifeier, damit Gießen anderen Orten nicht nachsteht, sondern eine Massenbeteiligung an dem internationalen Feste der Arbeit aufweist!
Zum 1. Mai
ersuchen wir unsere Freunde und Genossen sich die Verbreitung der„Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung“ recht angelegen sein zu lassen.— Ferner sei darauf hingewiesen, daß die hiesigen angeblich unparteiischen„Neuesten Nachrichten“ sich fortgesetzt bemühen, unsere Partei, die ein⸗ zige politische Vertretung der Arbeiter, herunter⸗ zureißen und zu beschimpfen. Kein denkender
Arbeiter unterstützt ein derartig arbeiterfeind⸗ liches Blatt durch Abonnement.
— Auf die Mainummer des„Wahren Jakob“, die sehr reichhaltig ausgestattet ist, machen wir hiermit aufmerksam. Preis 10 Pf. (Bei H. Schneider, Sonnenstr.)
— Bericht über die Kreiskonferenz befindet sich auf der 7. Seite.
— Folgenschwere Schlägerei. Unter dieser Ueberschrift berichtete voriger Woche der „Gieß. Anz.“ über einen zwischen zwei Speng⸗ lern in der Werkstelle stattgefundenen Streit, im Verlauf dessen der eine seinen Kollegen mit einem Hammer auf den Kopf schlug, so daß dieser bewußtlos zusammenbrach. Der Schläger — er heißt Lopata— wurde natürlich ver⸗ haftet. Er hatte erst eine Woche bei dem be⸗ treffenden Meister in Arbeit gestanden. Das Blatt fügte seinem Berichte noch hinzu:„Man nimmt an, daß den eifrigen Verfechter sozial⸗ demokratischer Ideen Keips(seines Kollegen) Arbeiten über Feierabend hinaus in maßlose Wut versetzt hat.“ Von sozialdemokratischen Ideen war der Mann sicher nicht erfüllt, sonst hätte er sich nicht zu solchen Hunnenthaten hinreißen lassen, die von uns unter allen Umständen und schärfer, wie von vielen „Gutgesinnten“ verurteilt werden. Ob er wirklich Sozialdemokrat ist oder sein wollte, wissen wir nicht; beim Wahlverein war er nicht angemeldet.
Bürgermeister Köhler und seine Gemeinde.
Wir konnten in der letzten Nummer nur ganz kurz auf den Streit, den der Bürgermeister Köhler— selbstverständlich der von Langs⸗ dorf— mit seiner Gemeinde führt, eingehen und das Urteil des Provinzialausschusses mit⸗ teilen. Es dürfte jedoch unsere Leser interessieren, über die netten Verhältnisse in der antisemitisch verwalteten Gemeinde Näheres zu erfahren. Der Kreisausschuß hatte nämlich die Bureau⸗ kosten⸗Entschädigung des Bürgermeisters auf jährlich 752 Mk. erhöht. Bürgermeister Köhler ist nämlich nicht nur Reichs⸗ und Land⸗ tagsabgeordneter, er ist außerdem noch Post⸗ agent, Vorsitzender des Ziegenzuchtvereins, Vorsitzender der Kreiskonferenz der Bürger⸗ meister, Vorsitzender des Zuchtvereins für Simmenthaler Vieh und Vorsitzender der Spar⸗ und Darlehenskasse. Wie die„Frkf. Ztg.“ berichtet, weiß die Gemeinde die Veelseitigkeit nicht recht zu schätzen, denn der Gemeinderat verwahrte sich einmütig gegen die Erhöhung der Vergütung und bezeichnete in seiner Rekurs⸗ schrift die Dtenstführung des Bürger⸗ meisters als leichtfertig, pflichtwidrig und die Gemeinde schädigend; einem tüchtigen Bürgermeister werde die Gemeinde ohne ein Wort des Widerspruchs erhöhte Bureau⸗ kosten vergüten, der Bürgermeister Köhler verdiene sie nicht. In der betreffenden Ver⸗ handlung erschienen für das Kreisamt Gießen Kreisamtmann Böckmann, für die Gemeinde Rechtsanwalt Grünewald. Dieser führte aus, er erkenne die Grundsätze an, nach denen die Behörde die Bureaukosten von dem Gesichts⸗ punkt aus ansetze, daß nicht nur die wirklichen Auslagen zu ersetzen seien, sondern auch eine Vergütung für Arbeitsleistung und Zeitverlust gewährt werde, obwohl das Amt eines Land⸗ bürgermeisters ein Ehrenamt sei. Aber die Frage, ob ein Bürgermeister fleißig, gewissen⸗ haft und tüchtig sei, dem Gemeindewohl förder⸗ lich wirke, müsse geprüft werden. Wenn diese Voraussetzungen nicht zuträfen, so müsse von Erhöhung einer Vergütung abgesehen werden. Die Thätigkeit des Herrn Köhler in der Presse, seine Beleidigungsprozesse, die Arbeit, die er sich mit konfusen Anträgen in der Kammer mache, nehmen ihn derartig in An⸗ spruch, daß er für die Gemeinde nichts thun könne, und deshalb wolle ihn die Gemeinde nicht noch länger als Bürgermeister. Der Vertreter des Kreisamtes erwiderte, er wolle Köhlers Lob nicht reden; er verkenne nicht, daß Köhler eine eigenartige Erscheinung und schwer zu behandeln sei, und daß eine tiefe Kluft zwischen ihm und der Gemeinde
bestehe, wesentlich deshalb, weil Köhler seine
Befugnisse bei der Finanzgebahrung der Gemeinde 0
zu überschreiten trachte. Aber das Kreisamt werde die erhobenen Beschuldigungen auf dem Disziplinarwege prüfen, und wenn sie sich als begründet erweisen, Ahndung eintreten lassen. Vorerst müsse erwartet werden, daß eine Besserung des Bürgermeisters nicht
ausgeschlossen sei, und man verspreche sich,
daß auch die Erhöhung für seineAmtsentschädigung mit dazu beitrage, ihn arbeitsfreudiger zu machen. Nachdem der Vertreter der Gemeinde noch er⸗ widert hatte, die letztere halte Köhler für unverbesserlich, und gerade aus päda⸗ gogischen Gründen sei es bedenklich, durch höhere Amtsvergütung ihn in dem Wahn seiner Bedeutung zu stärken, erging das Urteil des Provinzialausschusses dahin, daß der Rekurs abzuweisen sei. Die Gründe sind noch nicht bekannt gegeben.
Herr Hirschel
bestreitet in einer an das„Offenbacher Abend⸗ blatt“ gesandten Berichtigung, daß er in Hungen den Ausdruck„Abschaumder Bevölkerung mit Bezug auf die Arbeiter gebraucht habe, ebenso will er mit der Wendung„Lumpen⸗ zeug, das nach Hessen zuzöge und dem man das Wahlrecht geben wolle“, nicht die Arbeiter gemeint haben. Also hat er damit vielleicht die Beamten gemeint.— Wir halten das in unserem Bericht in voriger Nummer Gesagte vollkommen aufrecht.
Heuchelheim.
Vorige Woche wurde eine hiesige Arbeiter⸗ familie von einem schweren Uuglücksfalle be⸗ troffen. Der in der Brauerei Bichler als Fuhrknecht beschäftigte 32jährige Arbeiter H. Kröck verunglückte am Mittwoch voriger Woche bei seinem Fuhrwerk so schwer, daß er bereits am anderen Tage starb. Er hinterläßt eine Witwe nebst 2 Kindern. K. galt als tüchtiger Arbeiter und erfreute sich bei seinen Mitarbeitern sowie im hiesigen Orte allgemeiner Beliebtheit. So waren denn auch seine Mitarbeiter, Freunde und Bekannte zu Hunderten erschienen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Von Seiten des Arbeiterbildungsvereins Heuchelheim, dessen langjähriges Mitglied der Verstorbene war, wurde ein Kranz an seinem Grabe nieder⸗ gelegt. Ehre seinem Andenken!
Aus dem Kreise Friedberg.
J. Zur Maifeier halten die Friedberger Genossen am 1. Mai abends 8 Uhr eine Ver⸗ sammlung bei Jönson„Zum alten Schweden“ ab. Genosse Repp wird über die Bedeutung des 1. Mai sprechen. Für zahlreiche Beteiligung an der Kundgebung für den Achtstundentag und den Völkerfrieden muß jeder Arbeiter Sorge tragen.— Das Maifest findet Sonntag den 5. Mai von 3 Uhr ab in Steinhäusers Garten statt. Alle Arbeiter mit ihren Familien sind eingeladen.
Aus Wetzlar.
— Ueber das falsche Hunnenbild im„Vorwärts“ entrüstet sich selbstverständlich auch der„Wetzlarer Anzeiger“ pflichtschuldigst. Er meinte, der Wahlspruch unseres Zentral⸗ organs scheine zu sein:„Verleumde getrost, es bleibt doch etwas hängen.“ Auch viele Be⸗ hauptungen Bebels über Soldatenmißhandlungen hätten sich nicht bewahrheitet. Ach, du lieber Gott! Wenn Bebel alle Soldatenmißhandlungen vorbringen könnte, die gar nicht an das Tageslicht kommen, könnte er zwei Tage ununterbrochen reden. Fast jeder, der Soldat war, hat vielleicht von strafbaren Dingen Kenntnis, Mißhandlungen nicht ausge⸗ schlossen, die nie herausgekommen sind. Und wollten wir alle bewußten Lügen, die von der bürgerlichen und Reptilien-Presse über die Sozialdemokratie verbreitet werden, registrieren, so kämen Dutzende von dickleibigen Bänden zusammen. Der„Anzeiger“ mag sich nur nicht so überaus brav und tugendhaft hinstellen. Er hat dazu am allerwenigsten
Ursache, gewährte er doch schon so manchem,
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