Ausgabe 
28.4.1901
 
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Seite 2.

Mitteldentsche Sonntag⸗Zeitungs.

Nr. 17.

Zum Maifest der Arbeit!

Mit dem Eintritt des Lenzes naht wiederum auch das Friedens- und Frühlingsfest der Arheit, die internattonale Maifeler. Zum zwölften Male begehen die Arbeiter aller Länder ihren selbstgeschaffenen Feiertag. Ist es auch vielen Arbeitern noch nicht möglich, sich durch Arbeits⸗ ruhe an dem Wettfeste beteiligen zu können, so stieg trotzdem von Jahr zu Jahr die Zahl Derjenigen, die am 1. Mai die proletarischen Forderungen erheben. Jeder denkende Arbeiter erkennt bie Notwendigkeit der Organi⸗ sation und der internationalen Ver⸗ brüderung. Und jeder Arbeiter nicht blos, sondern jeder vernünftige Meusch sieht die gemeinschädliche Wirkung des Kapitalismus ein. Deshalb erblicken auch zahlreiche Auge⸗ gehörige der besitzenden Klasseu soweit sie einsichtig und gebildet genug sind im Sozialismus das Heil der Gesellschaft und stoßen zu unserer Partei. Und sicher wäre der Zuzug aus diesen Kreisen noch stärker, wenn der Einzelne die Stellungnahme für den Sozialismus nicht mit der gesellschaftlichen Aechtung seiner Klassengenossen büßen müßte. Die Sozialdemokratie hat nicht ein Titelchen ihrer Kritik an der heutigen Gesellschastsordnung zurückzunehmen. An Versuchen, die von uns vertretenen politischen und wirtschaftlichen An⸗ schaͤuungen zu widerlegen, hat es wahrlich nicht gefehlt. alle berartige Versuche find aber kläglich gescheitert, so daß unsere Gegner zu dem Mittel der Gewalt, Lüge und Verleumdung greifen mußten. Aber solche Kampfmittel kann man nicht lange benützen, sie stumpfen sehr schnell ab; ihre Wirkungslosigkeit zeigt sich am besten an der Erstarkung der sozialistischen Arbeiterbewegung in allen Ländern. Wir haben kaum nötig, die Berechtigung unserer Mai⸗ forderungen auseinanderzusetzen. Sie sind selbst⸗ verständlich für jeden, der die heutige Wirt⸗ schaftsweise und die durch den Kapitalismus gezeitigten Zustände mit klaren Augen betrachtet.

Unrecht, Gewalt und Ausbeutung mit ihrem Gefolge von Uebermut, Schwelgerei, Entsitt⸗ lichung und Elend herrschen heute. Dagegen empört sich jeder, der die Vergewaltigung am eigenen Leibe spürt, aber auch jeder, dessen Augen noch ungetrübt sind, dessen Herz noch für Wahrheit und Recht schlägt. Was wir wollen ist Liebe und Wohlstand, was wir er⸗ streben ist Freiheit, Gerechtigkeit und Brüder⸗ lichkeit. Für diese Ideale kämpfen wir, kämpft die klassenbewußte Arbeiterschaft der ganzen Erde. In unablässiger Arbeit diesen Zielen . geloben wir durch unsere Maifeier.

nsere Loosung ist:

Für den Achtstundentag!

Für internationale Verbrüderung

und den Weltfrieden!

Nieder mit der Herrschaft

Geldsacks! Hoch der erste Mai!

Für den Weltfrieden.

Zu den Forderungen, für welche die Arbeiter⸗ schaft aller Länder mit ihrer Maidemonstration eintritt, gehört diejenige der internationalen Verbrüderung und des Weltfriedens. Das Spteßbürger⸗ und Philistertum erklärt natürlich bis heute den Weltfrieden ebenso wie den Achtstundentag und die übrigen Mai⸗ forderungen für unmöglich, wenn nicht gar für hirnverbrannt und verhöhnt und ver⸗ spottet sie. Doch dürften sich zahlreiche Ele⸗ mente au in bürgerlichen Kreisen finden, welche die Notwendigkeit der Forderung aner⸗ kennen. Denn was ellein in den zwei letzten Jahren der Kriegsfurie zum Opfer fiel, muß schließlich den ärgsten Reaktionär mit Entsetzen erfüllen. Welche ungeheuere Summe an Menschenleben forderte allein der südafri⸗ kanische Krieg, welches Elend hat er über zahllose Familien heraufbeschworen, welche Massen von Kulturgütern vernichtet! Tausende fleißiger Menschen verfielen dem Tode,

des

viele Quadratmeilen fruchtbaren Bodeus, kulti⸗ vierter Länderstrecken sind zur Wüste gemacht! Sieger und Besiegte soweit von solchen überhaupt geredet werden kann bluten aus tausend Wunden.

Gleich furchtbar wie für die Buren machen sich die wirtschaftlichen Folgen des Krieges auch für die Engländer geltend. Dieser Tage legte

der englische Schatzkanzler dem Parlamente

den neuen Staatshaushaltsplan vor. Er schließt infolge des südafrikanischen Kriegs mit einem Defizit von einer Milliarde und hundert Millionen Mark ab! Mehr als drei Milliarden Mark kostete der Krieg bereits, bis er erledigt ist, wird er sicher vier Milliarden verschlingen. Viertausend Millionen Mark! Genau soviel als vor dreißig Jahren Frankreich Kriegsentschädigung au Deutschland zahlen mußie; eine Summe, von deren Unermeßlichkeit sich der besitzlose Arbeiter kaum einen Begriff machen kann. Und vielleicht noch mehr als den Eugländern Südafrika, dürfte den Großmächten zusam men das Chinaabenteuer kosten. Welcher kolossale Aufwand von Menschenleben, Arbeit und Gütern! Und für was? Kein vernünftiger Mensch wird für den, chinesischen Kreuzzug einen vernünftigen Grund finden können. Mit dem zehnten Teile der in den zwei letzten Jahren für Zerstörung und Vernichtung aufge⸗ wandten wirtschaftlichen Kraft könnten zum Segen der gesamten Menschheit, im Interesse der Kultur und des Fortschritts unge⸗ ahnte Leistungen vollbracht werden. Führt man sich die Opfer vor Augen, welche die durch Nationalitätenhaß oder richtiger durch kapi⸗ talistische Eifersucht hervorgerufenen Völkerkriege erforderten, so sollte man es nicht für möglich halten, daß es noch Leute giebt, die dem volksverderblichen Militarismus irgendwie Sympathieen entgegen bringen und mit Be⸗ dauern sieht man sogar besitzlose Arbeiter, die doch seine Last am meisten empfinden müssen, an Bestrebungen zur Förderung der Mordkultur sich beteiligen. Eine betrübende Erscheinung! Fast müßte sich angesichts dessen eine gewisse Hoffnungslosigkeit auf Erreichung eines höheren Kulturzustandes des Fortschrittsfreundes be⸗ mächtigen.

Allein, wie der Kapitalismus selbst den Keim seines Unterganges in sich trägt, so geht auch der Militarismus an seinen eigenen Uebertreibungen zu Grunde. Diese Ueberzeugung sprach auch neulich in einer in derNeuen Zeit erschienenen Abhandlung überZukunftskrieg der Militärschriftsteller Rudolf Kraft aus. Er weist darin nach, daß bei einem kriegerischen Zusammenstoße zweier Militärmächte nicht nur die Verpflegung, sondern auch die planmäßige Direktion der ungeheuren Truppenmassen fast unmöglich sei. Außerdem dürfte der wirt⸗ schaftliche Zusammenbruch der beteiligten Staaten des Siegers wie des Besiegten unausbleiblich sein. Das wissen auch die Re⸗ gierungen und hüten sich daher, einen Krieg zu provozieren. Unterdeß seufzen aber die Völker unter den unerträglichen, durch den Militärismus hervorgerufenen Lasten! Darum dürfen wir nicht ruhen, sondern immer wieder unsere Maiforderung erheben;

Nieder mit dem Militarismus!

Es lebe der Welt friede!

politis che nundschau.

Gießen, den 25. April. Reichs⸗Schulden und Steuern.

Die Schulden des deutschen Reiches beliefen sich nach dem Berichte, den die Reichsschulden⸗ kommission dem Reichstage zugehen ließ, am Schlusse des Rechnungsjahres 1899 auf nicht weniger als 2 Milliarden 478 Millionen 517,700 Mk. An Zinsen mußten im gleichen Jahre 75,235,402 Mk. aufgebracht werden. Seitdem erhöhte sich natürlich die Schulden⸗ und mit ihnen die Zinsenlast noch weiter ganz

bedeutend. Für den cqhinesischen Rachezug dürften allein etwa 500 Millionen draufgehen, für die vorläufig noch kein Pfennig Ersatz in Aussicht steht. Die Regierung sieht sich des⸗ halb nach neuen Reichssteuern

um. Welcher Art dieselben sein werden, weiß man noch nicht; verschiedene Anzeigen deuten darauf hin, daß mau eine Erhöhung der Biersteuer plant. Für die Arbeiter ist das eine rechterfreuliche Aussicht. Der Bissen Brot und der Schluck Bier im Interesse des Hunnenkurses und des Junkerregiments sündhaft verteuert, dabei Lohnabzüge und Arbeitslosigkeit infolge der Weltmachtspolitik.

Zu der Getreidezollerhöhung

erklärte die bayrische Regierung nach dem Berl. Tageblatt, daß sie den neuen Zolltarif einer längeren Prüfung mit Sachverständigen unter⸗ ziehen müsse und sich deshalb nicht vor Ende des Jahres darüber äußern könne. Also ge⸗ denken in diesem Falle die Bayern nicht so schnell zu schietzen.

Auch katholische Arbeiter erwachen!

Bergmann Brust dürfte wohl der einzige, nach Ansicht der Agrariereinsichtige und ver⸗ ständige Arbeiter bleiben, der für die Erhöhung der Getreidezölle eintritt. Mehr und mehr schließen sich auch katholische Arbeiter dem Proteste gegen den Brotwucher an. So fand kürzlich in dem katholischen Orte Eilendorf bei Aachen eine von dem christlichen Metall- arbeiter⸗Verband veranstaltete stark besuchte Protestversammlung gegen die Getreide⸗ zollerhöhung statt. Der Versammlung wohnte auch der Pfarrer des Ortes bei, um sich für den Kornzoll ins Zeug zu legen. Der Herr erlitt aber einen schweren Reinfall und war außer sich, daß ihm das in seinem eigenen frommen Eilendorf widerfuhr. Das war dem überwachenden Bürgermeister zu bunt, er löste die Versammlung auf, weil der Herr Pastor persönlich angegriffen worden sei. Trotz dieser ungesetzlichen Auflösung und dem Widerspruch des Seelenhirten wollen die Arbeiter ihre Protestversammlung in Kürze fortsetzen.

Antisemiten und Bund der Landwirte.

Nicht alle Antisemiten spielen gegenüber dem Bunde der Landwirte die Rolle der stummen Hunde, die zum Apportieren agrarischer Beute abgerichtet sind. Die antisemitischeStaats⸗ bürgerztg. erklärt, daß es ihr nicht einfalle, die Forderungen desBundes der Landwirte bezüglich der Getreidezölle anzuerken⸗ nen oder zu unterstützen. DieDeutsche Tagesztg. antwortet darauf mit der Frage: Wie sich die Abgeordneten der deutschsozialen Reformpartei im Reichstage, als deren Organ dieStaatsbürgerztg. immer noch gilt, zu diesen Darlegungen der Zeitung stellen werden. Von diesen Abgeordneten seien Gräfe, Lotze und Wernermit Unterstützung des Bundes, ja als seine anerkannten Kandidaten gewählt worden. Sie fordert die Abgeordneten auf, öffentlich zu erklären, daß sie die Meinung derStaats⸗ bürgerztg. nicht teilen. Darauf sagt die auf dem letzten Loche pfeifendeDeutsche Wacht in Dresden dem Bündlerorgan, daß sich die antisemitischen Abgeordneten nicht in die Rolle von Hörigen gegenüber den Machern des Bundes herabdrücken ließen, zumalder auch⸗antisemitische Bund der Landwirte meint, mit jüdischem Geld seine Ziele fördern zu können. Also auch dierassenreinen Agrarier sind verjudet! Wir sind übrigens neu⸗ gierig, wie sich die hessischen Antisemiteriche zu der Stellungnahme ihrer Berliner und Dresdener Parteigenossen verhalten werden.

Bestrafte Hunnen.

Aus Lüneburg kam Ende voriger Woche die Nachricht, daß vier wegen Mordes und Totschlags von den Kriegsgerichten in Tientsin und Shanghat zu Zuchthaus⸗ strafen bis zu fünf zehn Jahren verurteilte Chinakrieger durch acht Mann vom zweiten Seebataillon aus Wilhelmshaven zur Verbüßung

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