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Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung..
Nr. 43.
auf eine„Verbesserung“ nach sächsischem Muster. Sie fürchten weitere Erfolge der Sozialde⸗ mokratie, wie aus folgenden Sätzen hervorgeht, die sich dieser Tage in dem Scharfmacherorgan „Berl. Neueste Nachr.“ fanden: r „Für den Reichstag liegt, obwohl jetzt schon die zweitstärkste sozialdemokratische Fraktion dort dem ganzen Geschäftsgang viel zu sehr ihren Stempel aufzudrücken vermag, allerdings die Gefahr einer sozialdemo⸗ kratischen Mehrheit und Herrschaft noch nicht vor. Wenn aber einmal wirklich eine solche in absehbarer Zeit drohen soll— was immerhin nach der Entwickelung der Dinge nicht unmöglich ist— dann würden gewiß selbst Freisinn und Zentrum die Hand zu einer Abänderung des Wahl⸗ rechts bieten, mögen sie das jetzt noch so sehr grundsätzlich perhorreszieren und fürchterlich verschreien! Für die Standhaftigkeit des Zentrums und der Freisinnigen in Sachen des allgemeinen Wahlrechts il allerdings keine Garantie zu übernehmen, denn wir haben ja in Sachsen die nötigen Erfahrungen gesammelt. Wenn aber die sozialdemokratische Fraktion die Mehrheit besitzt, dann steht hinter ihr die große Masse des Volkes und dann muß jeder Versuch der Schmälerung der Volksrechte scheitern.
Zentrums ⸗ Schwindel.
Schon in diesem Frühjahr brachte der Zentrumsabgeordnete Kienle im württem⸗ dergischen Landtage eine angebliche Aeußerung Bebels zur Sprache, die dieser in der Bud⸗ getkommission des Reichstags vor Jahren gethan und die gelautet habe solle:
„Wenn Sie mir sagen, in zwei Jahren werde die ganze Landwirtschaft kaput sein, so würde das für mich die erfreulichste Aus- sicht sein.“
Bebel brandmarkte es als Schwindel, erklärte, er habe nie eine solche oder ähnliche Aeußerung gethan. Als er von Kienle und dem Zentrums⸗ abgeordneten Pichler, auf den sich der erstere berief, den Beweis für jene Behauptung ver⸗ langte, waren die Herren nicht im Stande ihn zu erbringen. Trotzdem brachte vor einigen Tagen im bayrischen Landtage der ultramontane Abg. Steininger den Schwindel wiederum vor, was den Genossen Bebel zu einer scharfen Abwehr in der„Münchener Post“ veranlaßt. Bebel sagt da:
„Ich konstatiere zunächst und wiederhole, daß in dem offiziellen Bericht der 14. Kommission des Reichs⸗ tags, die über den Antrag Kanitz beriet, kein Wort enthalten ist, das auf eine Aeußerung von mir, wie die mir unterstellte, schließen läßt.
Ich konstariere aber auch insbesondere und damit dürfte der Beweis erbracht sein, daß der Abg. Steininger seine tendenziösr Behauptung in der leicht⸗ fertigsten Weise aufstellt, daß unmittelbar nach jener meiner Rede in der Sitzung der Kommission vom 27. April 1895, der Abg. Franke Baden, ein Agra⸗ rier, und unmittelbar nach jenem der Abg. Steininger selbst zum Wort kamen(siehe S. 5 und 6 des offiziellen Berichts), aber keiner von diesen Beiden mit einem Wort auf jene an⸗ geblich von mir gemachte Aeußerung reagierte.
Erst jetzt, nach länger als sechsundeinhalb Jahren, glaubt der Abg. Steininger es wagen zu dürfen, mir eine solche tendenziöse und wahrheitswidrige Unterstellung zu machen.
Das charakterisiert den Abg. Steininger. Ich er⸗ kläre, daß ich den Abg. Steininger so lange für einen Ehrabschneider halte, bis er den Beweis führt, daß ich die mir unterstellte tendenziöse Aeußerung machte.“
Ob das die Herren abhalten wird, weiter ihre Unwahrheiten zu verbreiten, muß man nach den gemachten Erfahrungen bezweifeln. Uns sollte es gar nicht wundern, wenn dieser oder jener Antisemiterich in den Bauernversammlungen ebenfalls damit krebsen ginge.
Zu Kreuze gekrochen.
In dem Konflikte zwischen dem Kaiser und der Berliner Stadtvertretung hat sich letztere den„höheren Wünschen“ gefügt. Das haben
wir übrigens in vorletzter Nummer schon vor⸗ ausgesagt. Wie dort schon mitgeteilt, handelt es sich um den„Märchenbrunnen“ im Fried⸗ richshain, den der Kaiser wesentlich anders
ausgeführt zu sehen wünscht, als die in jahre⸗ langer Arbeit hergestellten Entwürfe tüchtiger Künstler vorsehen. Ueber diese Angelegenheit hatte nun der Oberbürgermeister eine Audienz bei dem Kaiser in Hubertusstock, bei welcher Gelegenheit auch über die Stadtbahnfrage ver⸗ handelt wurde. Ueber diese Audienz verlangte Singer in der Stadtverordneten⸗Versammlung Auskunft vom Oberbürgermeister. Singer meinte, der König habe kein Genehmigungsrecht in Betreff des Brunnens. Die Versammlung müsse mit aller Schärfe feststellen, daß die An⸗ nahme eines solchen Genehmigungsrechts ein Irrtum sei. Die Rechtslage sei hier selbst für ängstliche Gemüter klar. Das war sie nun allerdings, aber die ängstlichen Gemüter haben nicht die Kourage, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Eine Anzahl Freisinniger trat mit den Sozialdemokraten für den Autrag Preuß ein, der in scharfer Form die Wahrung des Rechtsstandpunktes und die etwaige Einleitung des Verwal tungsstreit verfahrens for⸗ derte. Der Majorität ging dieser Antrag aber zu weit, sie lehnte denselen mit 67 gegen 45 Stimmen ab und nahm nur eine Erklärung an, die den Rechtsstandspunkt betonte. Ein Wollen, hinter dem keine That steht, ist für die Katz. Mit dem Beschlusse der Stadtverordneten ist die Sache versumpft und der Berliner Kommu⸗ nalfreisinn ist um eine Blamage reicher.
Patriotische Freigebigkeit.
Es ist schon eine alte Erfahrung, daß beim Geldbeutel nicht blos die Gemütlichkeit, sondern auch der Patriotismus aufhört. Das mußte auch der Kassierer des deutschen Patrioten⸗ bun des erfahren. Diese Vereinigung hat sich nämlich die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht zur Aufgabe gesetzt, an deren Erfüllung sie schon mehr als zehn Jahre arbeitet. Als der Kassierer am 18. Oktober seinen Jahresbericht erstattete, klagte er beweglich über das schlechte Ergebnis der Geldsammlungen. Durch eine Lotterie sollten Mittel beschafft werden, aber eine Reihe Bundes⸗ staaten versagten die Erlaubnis zum Verkauf der Lose, weshalb der Lotterieplan vorläufig aufgegeben werden mußte. Weiter hatten 2000 Schreiben an hervorragende Millionäre Deutschlands nicht einmal so viel Er⸗ folg, daß die dabei entstandenen U n⸗ kosten gedeckt wurden.— Das ist bitter. Wir beklagen diese Erscheinung ja durchaus nicht; wir sind der Meinung, daß es notwen⸗ digere Aufgaben zu lösen gilt, als Denkmäler zu bauen, aber die Opferwilligkeit der„Patri⸗ oten“ zeigt sich dabei im schönsten Lichte.„Für Vaterland, Kaiser und Reich“ tönt stets das Geschrei, kosten darf's aber nichts.
Wird nicht viel helfen.
Um den Duellunfug entgegenzuwirken, trat eine Versammlung von Zweikampfgegnern am Samstag in Leipzig zusammen. Die Teil⸗ nehmer der Versammlung gehörten meist dem katholischen Adel an. Es wurde gegen den Zweikampf als unreligiöse und unsittliche Handlung gesprochen und man wählte ein Komitee, das die Propaganda für die Beseitigung des Duells betreiben solle. Oberbürger⸗ meister Dr. Antoni⸗Fulda forderte, der Kaiser möge ein„Machtwort“ sprechen, dann werde der Zweikampf wie eine Seifenblase verschwinden. — Da täuscht sich der Bürgermeister. Erstens würde sich der Kaiser dazu nicht verstehen und zweitens dürfte auch ein„Machtwort“ die Duell⸗ fexen nicht von ihrer Verbohrtheit kurieren. Auch die gewählte Kommission wird wenig ausrichten, so lange erklärte Duellgegner„oben“ gesellschaft⸗ lich geächtet werden.
„Selig sind die Armen!“
Das werden die Diener Christi nicht müde allen Denen zuzurufen, welche, wie Christus selbst, nicht wissen, wo sie ihr Haupt hinlegen sollen. Manche jener Herren treten sogar den Bestrebungen der Arbeiter, ihre Lage zu ver⸗ bessern, feindselig entgegen, weil der Arme sein Schicksal geduldig tragen, nicht murren und sich ruhig von den Kapitalisten ausbeuten lassen
soll. Sie selber verstehen sich aber in dem
lich einzurichten. Das zeigen folgende Zahlen über die finanzielle Lage der Geistlichkeit in Sachsen. Dort gab es am 1. Januar 1901: 314 Stellen mit einem Einkommen von 24003000 Mk., 414 bis 4000 Mk., 329 bis 5000 Mk., 137 bis 6000 Mk., 67 bis 7000 Mk., 31 bis 8000 Mk., 15 bis 9000 Mk. und 18 über 9000 Mk., wobei der Wohnungswert nicht gerechnet ist.— Auch in England nährt das Pfaffenhandwerk seinen Mann. Ein englisches Blatt bringt eine Liste von 130„Dienern des
ranks hinterließen, ohne von den Bischöfen zu reden, wie z. B. der von Gloucester und Bristol, der 4 Millionen Franks hinter⸗ ließ.— Man sieht, diese frommen Priester stören sich nicht an das Wort vom Schätze sammeln, die die Motten und der Rost fressen. Unter solchen Verhältnissen ist es auch begreiflich, wenn sie die jetzige Weltordnung für eine„gött⸗ liche“ erklären.
Wahrheitsliebe der Urteutschen. Zwei Prozesse, an denen Antisemiten be⸗
„Staatsbürgerzeitung“, der zu 6 Monaten
vorgeworfen, daß er mit Mündelgelderg unredlich verfahren sei. Er habe auf diese Weise und durch geschäftliche Manipulationen mit Mündelgeldern mindestens Mk. 100000 „hinter sich gebracht“. Von den vorgesetzten Behörden wurde sofort eine genaue Untersuchung der in der„Staatsbürgerzeitung“ angeführten Fälle angeordnet, die die vollkommene Halt⸗ losigkeit der gegen den Justizrat erhobenen Anwürfe ergab, worauf gegen Böckler Anklage erhoben wurde. Die Beweisaufnahme ergab, daß, wie der Gerichtshof konstatierte, auf den Justizrat auch nicht der Schatten eines Vor⸗ wurfs falle, deshalb erfolgte die Verurteilung zu obiger Strafe.— Im zweiten Falle handelt es sich um den von dem Nationalsozialen Erd⸗ mannsdörfer gegen den Abg. Werner er hobenen Vorwurf, daß W. für jüdische Jour- nalisten Berichte gegen Bezahlung liefere. Des⸗ wegen strengte Werner Beleidigungsklage an, die am Dienstag in vurde Das Schöffengericht sah den Beweis für die Behauptungen gegen Werner betreffend dessen Verbindung mit dem Journalisten Hamburger, und daß eine bewußte Unwahrheit Werners bei Ableugnung dieser Thatsache vorläge als erbracht an und sprach Erd⸗ mannsdörffer wegen dieser Behauptungen frei. Es verurteilte ihn nur wegen einer Briefkasten⸗ notiz von nebensächlicher Bedeutung aus formalen Rücksichten zu einer Geldstrafe von 50 Mark.
Antisemitische„Einigkeit“.
Auf dem antisemitischen Parteitag in Leipzig wurde u. a. der„Deutsche Volls. bund“, der unter der Leitung Dr. Böckels und von Mosch's steht, lebhaft 1 Ein Redner führte an, daß v. Mosch„den Antisemitismus nur dazu benütze, um Geschäfte zu machen, und daß dabei in Breslau, Berlin, 9 0 worden seien, die höchst bedenklicher Natur seien.“
Herrn v. Mosch die Anrufung des pleibt aber die Antwort nicht schuldig. seinem Organ„Deutsche Hochwacht“ dem Abgeordneten von folgende Schmeicheleien: f
0 0 e e e 3 10 einem„Täuschungsversuche“ spricht, so f in fam! Wenn. weiter sagt, daß der Deutsche Volle zu machen, so ist das gemein! Und wenn der Begründung unserer Ortsgruppen in
Berlin und Magdeburg sagt,„daß dabei
Anwendung gebracht worden seien,
teiligt waren, haben sich dieser Tage abgespielt und beide verliefen für die Antisemiten höchst unglücklich, dabei liefern sie für die politische Moral und die Kampfesweise dieser Herren neue, charakteristische Beiträge.— Der erste Fall betrifft den Redakteur Böckler von der
Gefängnis verurkeilt wurde. Er hatte dem Berliner Stadtverordneten Justizrat Cassel
Kassel verhandelt wurde.
Stettin und Magdeburg Mittel zur Anwendung
jelich wurde sogar gegen Schließlich wur 1 5 backen
walts empfohlen. Der solcherart Angegriffene“
sagt er f Alsfeld⸗Lauterbach ö
1 4 bund den Antisemitismus„nur“ benutze, um„Ge An
Stettin, Breslau“ Mittel zul!
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