Ausgabe 
27.10.1901
 
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Gießen, Sonntag, den 27. Oktober 1901.

8. Jahrg.

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Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

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nnen. kur, Kaplan 49 At. 1. Igasse,

Mitteldeutsche

Redaktions schinß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr

ug s⸗ Zeitung.

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ess n Ort eine zuverlcß acht, welche sich! it an leichter

Ueber dasHetzen,

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Stunde bei 50 0s namentlich gegen unsere Partei sehr oft Verdient bescaßnd mit besonderer Vorliebe auch von gebildeten ele de Aufegegnern angewendete Wörtlein, stellt ein Mit⸗ Went postle gan heiter* Münchener Parteiorgans fol⸗ ide Betrachtungen an.

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Wann hetzt man denn eigentlich? Antwort:

ahh UHE hetzt, wenn man z. B. sagt, es sei ein

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kandal, dem Prolelariat während einer wirt⸗ chaftlichen Depression auch noch die Lebens⸗

, Marttila 18 Uittel künstlich zu verteuern; man hetzt, fir egipzquele nenn man meint, die Aktionäre, die 25 Proz. en, Golbbdwidende einsacken, könnten doch die kärglichen

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lähne ihrer Arbeiter aufbessern. Ebenso hetzt er, der es nicht in der Ordnung findet, daß Causende von fleißigen Menschen, die sehr gerne lrbeiten würden, hungern, während reiche Faulenzer, trotzdem sie jeder ernsten Be⸗ schäftigung aus dem Wege gehen wie der Hase em Jagdhund, in Ueppigkeit leben. Auch hetzt Jeder, der sagt, es sei unqualifizierbare Klassen⸗ ustiz, wenn ein Arbeiter, der gegen die Gewerbe⸗ rdnung verstößt, Wochen lang eingesperrt wird, am Unternehmer aber bei solchen Verstößen mit im paar Mark Geldstrafe davonkommt usw. Ein Mensch, der nicht ganz reichspreußisch hesstert ist, wird hier allerdings sagen, daß Ulche Ausstellungen vollauf am Platze und durch sie traurige Wirklichkeit nur zu sehr ge⸗ lechtfertigt seien. Aber die Patentstützen e Thrones und Altares sind der Ansicht, daß krartige Mängel des teueren Vaterlandes mit

ben Schleier der christlichen Nachsicht überdeckt Ichören, dieweilen den Leuten nur jene Dinge

opfzerbrechen machen, die ihnen bewußt sind.

ew lange ein armer Teufel glaubt, Hunger,

brost und Eingesperrtwerden seien nun einmal lt sein em Dasein unvermeidlich verbunden nnd nlüßten als Kismet(Schicksal) betrachtet werden,

leibt er für die an den übervollen Schüsseln Sitzen⸗

e gänzlich ungefährlich. Erwacht in ihm aber

er Gedanke, daß es eigentlich doch gar nicht

utig sei, daß er hungere und friere und wegen en Plunders hinter die schwedischen Gardinen

900 50 kiteckt werde, kurz dämmert ihm die Erkenntnis

uf, daß er gerade so gut ein Mensch ist, wie

0 Prinz oder ein Kommerzienrat, dann ist

8 14 t verwandelt.

hm schon eine gehörige Portion seinerMilch . frommen Denkungsart in gährend' Drachen- Solch einen Umwandlungs⸗

kezeß zu verhindern ist natürlich die heiligste

15 4 Nicht jedes loyalen Unterthanen, denn es ist

uch von höchster Wichtigkeit, daß es auch Leute

ane cht, die ihr ganzes Leben hindurch nichts de übeiten, sondern nur auf die Jagd gehen, eee, sanen und Austern schnabulieren, Champagner 11 5

mee olhanden

kinken und Maitressen halten; ebenso müssen einemgeordneten Staatswesen auch Leute

an, die glatt und ohne Unfall durch Maschen des Gesetzes schlüpfen, wo Andere hängen bleiben. Und darum wird ein wer Staatsbürger denaufreizenden Unter⸗ hhed zwischen Reich und Arm, die Parteilichkeit hohen Justiz, der Privilegien der Geburt, U zweifellos zu den größten Errungenschaften menschlichen Geistes gehören, niemals be⸗ Umen. Wer es doch thut, ist ein Hetzer, den

e, an nach ameritanischer Lynchmanier mit Pe⸗

eum abgießen und dann anzünden sollte.

Die Nationalliberalen, Konservativen und

Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814)

Zentrumsmänner hetzen natürlich nicht. Wir müssen es ihnen neidlos zugestehen, daß sie es wirklich nicht thun, denn hetzen bedeutet, wie im Anfange unserer Ausführungen gezeigt, nichts als die unverblümte Darstellung der Wahrheit, auch wenn sie den tonan⸗ gebenden Klassen nicht angenehm ist. Die Herrschaften haben vielmehr ein anderes Mittel, mit dem sie ihre Wähler, wenn es das eigene Geschäft gerade verlangt, aufrütteln: Sie kon⸗ struieren dann, ohne sich um die Wahrheit viel zu kümmern, selbst allerlei Spukge⸗ stalten, mit denen sie ihren Schäflein graulich machen. Will z. B. das Zentrum mehr Leben in die Bude bringen, dann marschiert es mit derKnechtung der katholischen Kirche in Deutschland an; die verbannten Jesuiten, die das Zentrum schon längst in Deutschland haben könnte, wenn es ernstlich wollte, müssen her⸗ halten, die verletzte Parität, von der sonst Niemand etwas bemerkt, wird ebenfalls aus dem Kasten ezogen. Und mit diesen künstlich fabrizierten Entrüstungsobjekten wird die Masse scharf gemacht. Aehnlich arbeiten die Konser⸗ vativen und Nationalliberalen mit dem U m⸗ sturz, der Revolution, den Exoberungs⸗ gelüsten der Franzosen und Russen usw. Ob nun dasHetzen der Sozialdemokraten oder die mit Erfindungen operierende Taktik der gutgesinnten Parteien die ehrlichere Kampfesweise 15 mag der Leser entscheiden.

Zum Kampfe gegen den Brotwucher.

Christliche Arbeiter gegen die Zoll⸗ erhöhung. In Köln⸗Deutz nahm eine Volksversammlung, die auch von katholischen Arbeitern stark besucht war, 7 eiue Resolution an, die sich gegen die Zoll- erhöhungen ausspricht. Der christliche Gewerkschaftler Müller führte in der Diskussion aus: mit den Ausführungen des Hauptredners, des nationalsozialen Pfarrers a. D. Kötzschke, könne sich jeder christliche Arbeiter einverstanden erklären. Die Zoll⸗ erhöhung sei eine große Gefahr für die gesamte Arbetterschaft; hier dürfe es keine verschiedenen Richtungen geben, sondern der ganze Arbeiter⸗ stand müsse geschlossen dastehen. Wenn das Zentrum sich als Volks⸗ und Arbeiterpartei bewähren wolle, so müsse es sich unbedingt gegen den Zolltarif erklären; er erkenne die Notwendigkeit der Einwirkung der katholischen Arbeiter auf das Zentrum im Sinne des Referenten durchaus an. Auch die Ortsgruppe Köln⸗Ehrenfeld des christl. Metallarbeiter⸗ Verbandes nahm nach einem Referat des Ver⸗ bandsvorsitzenden Wieber in einer Resolution scharf gegen den Brotwucher Stellung.

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Sogar die Zünftler wehren sich gegen die Fleischzölle. In der Berliner Metzger⸗Innung sprach Obermeister Burg gegen die Einführung des Rindviehzolles von 12 Mark pro Doppelzentner. Damit werde das bessere auswärtige Schlachtvieh das österreichische Rindvieh z. B. sei erste Qualität und mindestens um 25 Prozent tuberkelfreier

2 Inserate

finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33 ¼%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt

Bei mindestens

als das deutsche dem deutschen Konsum ent⸗ als der

zogen und die deutsche Bevölkerung auf den Genuß minderwertigen Fleisches bei hohen Preisen angewiesen. Wenn die Agrarier glaubten, damit die Freundschaft der Fleischer gewinnen zu können, dann befänden sie sich in einem starken Irrtum. Die Folge einer solchen Verteuerung des Fleisches sei doch ein Rückgang im Konsum, unter welchem auch die Fleischer schwer zu leiden hätten. Einstimmig wurde eine Resolution an den Bundesrat angenommen, welche die in Aussicht genommene Erhöhung der Zölle auf lebendes Schlachtvieh als geeignet bezeichnet, eine Fleischverteuerung in ganz Deutschland herbeizuführen. Wenn zur Zeit auch nur eine beschränkte Einfuhr lebenden Schlachtviehs in Frage kommt, so würden die betreffenden Landesteile dennoch unter der be absichtigten Zollerhöhung schwer zu leiden haben. Es müsse aber mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß die Reichsregierung, wenn nicht elne allgemeine Verteuerung des Fleisches in Per; Deutschland eintreten soll, endlich in eine

lane der Grenzen behufs Einfuhr lebender Schlachtlere willigen muß. Diese Einfuhr werde aber für die Verbilligung des Fleisches völlig illusorisch, wenn die Schlachttiere mit einem so hohen Zoll belegt werden, welcher nicht mehr als Ausgleich gegen das deutsche Schlachtvieh zu betrachten ist, sondern überhaupt als eine Verhinderung der Einfuhr ausländischen 7 nach Deutschland bezeichnet werden muß.

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Gedanken über die Getreidezölle.

Hilf mir nur hinauf auf Deinen Rücken, reiten werde ich schon auf Dir! sagte der Agrarier zum Zentrumsmann. Wenn man sieht, wie er auf manchem Nationalliberalen reitet, kann man dem Mann nicht ganz Unrecht

geben. **

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Der Bund der Landwirte ist nur der Hänge⸗ gendarm des Junkerthums und der Patriotismus des Junkerthums nicht der des einzelnen Junkers bethätigt sich heute im Wesentlichen durch das eifrige Wahren seines Einflusses und durch den Haß gegen das konkurrirende Bürger⸗

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Jemand, der nur 10 Scheffel verkaufen kann, erhält falls der Preis durch den Zoll um 2 Mk. gesteigert wird 20 Mk. Jemand, der 1000 Scheffel verkaufen kann 2000 Mk. Es ist in der That leicht, für 20 Mark bauernfreundlich zu sein wenn man 2000 Mark dabei verdient!!

Politische Rundschau.

Gießen, den 24. Oktober.

Eine Verschlechterung des Reichstags⸗ wahlrechts

wünschen die Rückwärtser aller Schattierungen schon beinahe, solange es besteht. Sowohl die

Kraut⸗ wie die Schlotjunker empfinden ein heimliches Grauen, wenn sie daran denken, daß der Lohnarbeiter das gleiche Stimmrecht habe,

Millionär und sehnsüchtig hoffen sie