Ausgabe 
27.1.1901
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 4.

Mächte zu richten beschloß, wird befürworten, daß die Mächte sich über die Zurückziehung ihrer Truppen von Peking nach Tientsin verständigen, daß nur hinreichen de Truppen zur Bewachung der Gesandtschaften zurückbleiben und daß der chinesischen Regierung Bürgschaften gegeben werden sollen, daß, sobald der inter nationale Friedensvertrag unterzeichnet worden ist, die Räumung des chinesischen Gebiets, einschließlich der Nandschurei, er⸗ folgen werde. Gleichviel, ob die Mächte diesen Vorschlägen beipflichten oder nicht, so würden doch die gegenwärtig in Peking befindlichen amerikanischen Truppen im Frühjahr, sobald die Witterung es gestattet, zurückgezogen werden.

Pon Nah und Lern.

Gießener Angelegenheiten.

Sozialdemokratischer Wahlver⸗ ein. Der letzte Versammlungsubend zeigte einen bedeutend besseren Besuch als seine Vor⸗ gänger. Doch wurden die von uns angekün⸗ digten Verhandlungsgegenstände(Vorstandsbe⸗ richte; Anträge zur Konferenz 2c.) auf die nächste Versammlung zurückgestellt, in der mit diesen Punkten zugleich die Vorstandswahlen vorge⸗ nommen werden sollen. Die Versammlung nahm einen kurzen Vortrag über die Entstehung des preußischen Königsthums entgegen, in wel⸗ chem den überschwänglichen Lobpreisungen, mit denen die Hohenzollernfürsten von der bürger⸗ lichen Presse gefeiert werden, geschichtliche Thatsachen gegenübergestellt wurden. Ferner wurde die Errichtung einerRettungsstation eines Lokales, von dem aus bei Unglücks⸗ fällen die erste Hülfe geleistet werden kann angeregt. Genosse Orbig versprach, in der Stadtverordnetenversammlung die Einrichtung einer derartigen Stelle zu befürworten. Zum Schluß wies der Vorsitzende darauf hin, wie in letzter Zeit in denGießener Neuesten Nach⸗ richten unsere Partei beschimpft und verleumdet werde und ersuchte die Genossen, das arbeiter⸗ feindliche Verhalten des Blattes in gebührender Weise zu beantworten.

Wenn man seine Steuern bezah⸗ len will. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns:Große Mißstände herrschen bei der hiesigen staatlichen Steuereinnehmerei in Bezug auf Abfertigung der Steuerzahler. Als meine Frau, um die Steuern zu zahlen, am 22. d. M. etwa um 12½ Uhr im Steuer⸗Bureau anlangte, waren bereits eine Anzahl Leute zu gleichem Zwecke anwesend. Bis 1 Uhr, dem Schluß der Dienststunden, kamen noch mehr dazu, so daß um diese Zeit mehrere noch nicht abgefertigt waren. Trotzdem machte der Beamte Schluß mit der Bemerkung: Ich kann nicht für Euch bis 5 Uhr hier sitzen, ich habe nur Dienst bis 1 Uhr! Nun wird man dem Maune gewiß nicht zumuthen, daß er läuger arbeiten soll, aber da laut Stenerzettel Zahlungen bis 1 Uhr entgegengenommen werden, so müssen doch Ein⸗ richtungen ten werden, daß, wer in den angegehe cu Dienststunden kommt, auch abge

fertigt werd. Es haben an diesem Tage Leute

zweiter Beamter im Zimmer auf und ab ging. Als nun Verschiedene ihre Sache noch erledigt haben wollten, forderte der Beamte zum Ver⸗ lassen bes Lokals auf und drohte schließlich mit Gendarmerie! Das ist ja nicht übel. Die Steuerzahler haben wohl Recht auf etwas mehr.

Noch etwasUnparteiisches. Unsere Eemerkungen in der vorigen aer über dieGießener Neuesten Nachrichten und ihreUnparteilichkeit haben das Blatt in solche Erregung versetzt, daß es sich sogar gegen Be⸗ schuldigungen vertheidigt, die wir gar nicht er⸗ hoben haben. Es kommt ihm, wie es scheint, auf eine Handvoll nicht an. Beinahe eine Spalte lang ergeht es sich in albernen Redeus⸗ arten und Verdrehungen, beklagt sich über Denunziation unsrerseits, stelt wiederum die lächerliche Behauptung auf, daß wir es aus politischem Konkurreuzneid angegriffen hätten, weil esentschieden für Arbeiterinteressen ein⸗

Stunden warten müssen; unterdeß ein

getreten sei, läßt dabei zahlreiche Schimpfereien einfließen, vermeidet aber, unsere Behauptungen mit Thatsachen zu widerlegen. Darauf kommt es aber an. Ein starkes Stück leisten sich die G. N. N., indem sie uns vorwerfen, wir hätten ihren neuen Redakteur als national⸗ liberaldenunzirt. Da hört sich doch wirk lich alles auf. Wie liegt denn die Sache? Die G. N. N. führten als Beweis für die Tüchtigkeit ihres neuen Redakteurs an, daß er als nationalliberaler Reichstagskandidat auftrat. Wir nahmen davon Notiz und fügten hinzu was eigentlich ganz selbstver⸗ ständlich ist daß die von den national⸗ liberalen Redakteur geleitete Zeitung natio⸗ nalliberal sein werde! Wer das als Denun⸗ ziation ansieht, muß wirklich verrückt sein. So lange der Mann nicht erklärt, er gehört nicht mehr zur nationalliberalen Partei, was er unseres Wissens noch nicht gethan hat, müssen wir ihn doch als Angehö⸗ riger dieser Partei betrachten. Außerdem ließen die von ans gerügten Artikel, die in der letzten Zeit in den 8. N. N. erschienen, in denen die Arbeiterpartei heruntergerissen und beschimpft wurde, ihrenunparteiischen Standpunkt zur Genüge erkennen. Wenn sich der inallen Sätteln gerechte Redakteur rühmt, gegen die Zuchthausborlage aufgetreten zu sein, was nebenbei bemerkt, andere Leute aus der natio⸗ nalliberalen Partei auch gethan haben, so er⸗ klären wir, daß wir uns nicht mit dem früheren Verhalten des Redakteurs, sondern mit den jetzigen derGießener Neuesten Nachrichten zu befassen haben. Und diese haben in letzter Zeit bei jeder Ge⸗ legenheit unsere Partei beschimpft. Noch heute hat z. B. das Blatt die Schwindelnotiz von den Hamburger Akkordmaurern nicht be⸗ richtigt. Und das will Arbeiterinteressen ver⸗ treten? Auf die sonstigen blöden Angriffe und gemeinen Unterstellungen lassen wir uns vorläufig nicht ein. Wenn wir auch nur alle acht Tage zum Wort kommen, wird sich noch Gelegenheit genug finden, zu zeigen, wie die G. N. N.Arbeiterinteressen vertreten. Einen Umstaud wollen wir noch erwähnen,

der zeigt, wie gewissenlos das Blatt vor⸗ geht. Unsere Bemerkungen in der letzten Num⸗

mer über die Mahnung des AnzeigersGe⸗ denket der hungrigen Vögel heziehen die G. N. N. auf sich und werfen uns dabeiUnehr⸗ lichkeit vor. Liegt dabei Irrthum vor, der allerdings kaum einem Kinde passiren konnte und gar nicht zu entschuldigen ist, so hätte er doch austandshalber später richtig gestellt werden müssen. Man suche aber Anstand beiUnpar⸗ teiischen! Unpartetisch heißt im politischen Leben überhaupt soviel wie unehrlich.

Verduftet. Seit Montag hat sich der Restaurateur des LokalsKaiserhof in der Schulstraße mit sammt seiner Frau auf Reisen begeben. Wie die Dinge liegen, dürfte auf seine Rückkehr vergeblich gewartet werden. Die hinterlassenen Schulden sind ganz bedeutend.

Heuchelheim.

1. Im GesangvereinLiederkranz wurde kürzlich Vorstandswahl vorgenommen. Bisher hatten in dem Verein die Vorstandsämter Ge⸗ nossen von uns, Lohnarbeiter, inne. Verschie denenbesseren Mitgliedern wollte dies nicht passen, weshalb sie durch einen Extraboten in der Stille sämmtliche Ehren- und passtve Mit⸗ glieder zusammentrommelten, um unsere Ge⸗ nossen zu überrumpeln, was denn auch gelang. Das ist ja nun weiter kein welterschütterndes Ereigniß. Unsere Genossen sollten aber daraus die Lehre ziehen, daß es ihre Aufgabe sein muß, einen leistungsfähigen Arbeitergesang⸗ verein zu schaffen. Die Klimbim⸗Vereine sollen sie ihrem Schicksal überlassen.

Aus Wetzlar.

th. Reklamationen in Militär⸗ sachen müssen nach der amtlichen Bekannt⸗ machung Nachmittags von 2 4 Uhr im Bür⸗ germeisterbureau angebracht werden. Dabei sind Nachweise über die gesammten Familien⸗ Verhältnisse des Reklamirten mitzubringen.

Anläßlich der Preußenfeier, die hier durch verschiedene Feste begangen wurde,

bekamen wir auch eine Anzahl Festreden zu

hören, die natürlich sämmtlich die Verherrlichung

der Hohenzollern zum Gegenstande hatten. Bemerkenswerth ist die Rede des Oberlehrers Dr. Gloel bei der Feier des Gymnasiums. Er bezeichnete das Eindringen des Sozialismus in Deutschland als eine der bemerkenswerthsten Kulturerscheinungen. Wenn er auch dann der Arbeiterpartei Demagogenthum und Schü⸗ rung des Klassenhasses nachsagte, so bedeutet doch die Bezeichnung des Sozialismus als Kulturerscheinung einen Fortschritt. Denn nach der in denbesseren Kreisen hiesiger Gegend herrschenden Ansicht ist der Sozialismus Teufels⸗ werk, Verrohung, gleichbedeutend mit Kultur⸗ untergang. Es ist erfreulich, wenn solche verbohrte Auschauungen weniger zu Tage treten. Im Uebrigen hat sich das Volk wenig um die Feier gekümmert. Die ganze Geschichte trug den Stempel des von oben her Gemachten.

K. Rödgen, Kreis Friedberg. Von einer, vor Weihuachten hier abgehaltenen Versamm⸗ lung berichteten wir, daß eine Kommission ge⸗ wählt wurde, welche die zur Gründung einer Filiale des KreiswahlvereinsFriedberg nö⸗ thigen Vorarbeiten machen sollte. Nachdem diese sich ihrer Aufgabe erledigt hatte, konnte am vorigen Sonntag, 20. Januar, eine weitere Versaumlung abgehalten werden, in welcher der Verein auch zu Stande kam, indem sich 28 Genossen aufnehmen und Bücher ausstellen ließen. Bei der stattgefundenen Vorstandswahl wurden gewählt: Vors. Genosse Gg. Kreuter II., Kassierer Genosse Gg. Wolf, Schriftführer Ge⸗ nosse Hch. Stock, sämmtlich aus Rödgen. Ge⸗ nosse Busold⸗Friedberg, der als Vorstand des Kreiswahlvereins zu der Versammlung erschienen war, hielt es für angebracht, derselben Bericht über deu Parteitag in Mainz zu erstatten und wurde diese, sowie die sich daran anknüpfenden Ausführungen über die Partei im allgemeinen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zum Schluß wurde dann noch an die Mitglieder der neuen Filiale der Appell gerichtet, fest zu⸗ sammenzuhalten und eifrig zu agitiren, damit sich die Mitglieverzahl immer mehr erhöhe, worauf der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemo⸗ kratie schloß.

Aenderung des Frankfurter Gemeinde⸗ wählrechts.

Am Dienstag nahm die Frankfurter Stadt⸗ verordneten-Versammlung mit 34 gegen 27 Stimmen einen Antrag an, der sich für Her ab- setzung des Census auf 900 Mark unter Aufrechthaltung des gleichen und direkten Wahl⸗ rechts ausspricht und den Magistrat ersucht, diesen Beschlüssen beizutreten und eine diesbe⸗ zügliche Eingabe an die Staatsregierung und den Landtag zu richten. Bisher betrug in Frank⸗ furt, dessen Gemeindeverfassung der Städteord⸗ nung nicht untersteht, der Census 1200 Mark.

Der von dem Demokraten Rößler gestellte Antrag wurde von unserm Genossen Quarck narürlich lebhaft unterstützt, während der Ober⸗ bürgermeister denselben bekämpfte und äußerst rückständige Ansichten zu Tage förderte.

Hülfsarbeiter und Preußenfeier.

Mit recht gemischten Gefühlen werden sich die Hülfsarbeiter der Wiesbadener städti⸗ schen Steuerbureau's der Preußenfeier erinnern. Den armen Teufeln wurde zwar der 18. Januar durch Verfügung des Oberbürger⸗ meisters frei gegeben, aber hierfür auch der volle Lohn abgezogen. Für die Leute, die sich ohnehin mit einer kärglichen Bezahlung begnügen müssen, bedeutet das einen immerhin empfindlichen Einnahmeausfall. So kleinlich das Verhalten der Wiesbadener Behörden ist, übt es doch vielleicht auf die Betroffenen eine heilsame Wirkung aus, indem der allzugroße patriorische Euthustasmus etwas gedämpft wird.

Durch die Juristerei verrückt geworden. Während des Vortrages des Unterstaats⸗ sekretärs Petri in der Konferenz praktischer

Juristen zu Straßburg wurde ein Amts⸗ richter plötzlich tobsüchtig und unterbrach den Redner mit den Worten:Zum Kukuk das

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