Ausgabe 
24.3.1901
 
Einzelbild herunterladen

Seite 2.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 12.

Dresdener Glasfabrik ist durch Anschlag be kundet, daß alle diejenigen, die zu einem Streik Unterstützung sammeln und Unterstützung geben, sofort entlassen werden.

Herr Heye ist ein mächtiger Mann und seine Kollegen stehen ihm treu zur Seite. Aber die deut sche Arbeiterschaft hat die Zucht⸗ hausvorlage, hinter der weit Mächtigere als Herr Heye standen, zu Falle gebracht, sie wird auch dafür sorgen, daß dem Nienburger Scharfmacher die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Deshalb, Genossen, verhelfen wir durch reichliche Unterstützung den kämpfenden Glas⸗ arbeitern zum Siege!

politische Rundschau.

Gießen, den 21. März.

Agrarische Unverschämtheit.

Von einem Agrarier, der in der Gießener Protestversammlung gegen den Brotwucher das Wort ergriff, wurde bestritten, daß von agra⸗ rischer Seite ein höherer Zoll als Mk. 7.50 gefordert würde. Dem muß ein Beschluß des rheinischen Bauernbundes entgegenge⸗ halten werden. In der Bundes⸗Versammlung zu Geldern nahm man eine Resolution an, welcheentsprechende Zölle auf Milch, Käse undandere Produkte verlangt, insbesondere aber Getreidezölle in folgender Höhe for⸗ dert: Weizen von 20, Roggen 16, Gerste und Hafer 15 Mk. per Doppelzentner.

Das Ausland trägt den Zoll

wollen die Agrarier dem Volke weis machen. Gegenüber diesem Schwindel sei au eine Aeuße⸗ rung der amtlichen und natürlich konser⸗ vativenLeipziger Zeitung aus dem Jahre 1890 erinnert. Damals schrieb diese gewiß unverdächtige Zeugin:Tagtäglich können wir in der konservativen Presse, und zwar nicht blos in den untergeordneten Blättern der Partei, jetzt lesen, daß lediglich das Ausland den Zoll trage. Ein Blick auf die Marktberichte zeigt, da ß das Umgekehrte der Fall ist. Die Ge⸗ treidepreise in den Welthandelsplätzen London, Amsterdam u. s. w. siad augenblicklich ziemlich um den deutschen Zollbetrag niedriger als bei uns.. Jetzt tragen wir den Zoll, und zwar nach seinem pollen Betrage. Daß dem so ist, steht für Jeden, der des Lesens kundig ist, so zweifellos fest, daß konservative Blätter etwas Besseres thun sollten, als solcher⸗ gestalt die liberalen Waschzettel in Seichtheit und Räsonnements und Unwissenheit über that⸗ sächliche Vorgänge noch zu überbieten. That⸗ sache bleibt unter allen Umständen Thatsache und Wahrheit Wahrheit. Sich der letzteren absichtlich oder aus Obe flachlichleit verschließen, könnte der konservanven Presse leicht so ver⸗ hängnisvoll w den, wie es vormals dem libe⸗ ralen Doku mismus seine Farbenblindheit ge⸗ genüber thatsächlichen Verhältnissen gewesen ist.

Ein einträgliches Geschäft

hat doch Herr Krupp, der Kanonenkö nig. Nach Mitteilung mehrerer Blätter soll er sich in diesem Jahre mit 21 Millionen Nark Einkommen eingeschätzt haben, gegen 16 Mill. im Vorjahre. Jeder gute Deutsche wird den steigenden Wohlstand dieses wackeren Patrioten, der dem deutschen Reiche das Doppelte für die Panzerplatten abnimmt als dem Aus⸗ lande, mit Vergnügen wahrnehmen. Dies Vergnügen darf sich der ächte Deutsche auch nicht durch die Erwägung verkümmern lassen, daß ein guter Teil jener 21 Millionen den Armen und Aermsten durch indirekte Steuern abgepreßt werden. Was kostet ein Kaiserbesuch?

Ueber diese Frage giebt der Haushaltsetat der Stadt Elberfeld nähere Auskunft. Er weist nach, daß der Kaiserbesuch der Stadt⸗

kasseetwa 280000 Mark, also über eine Viertelmillion, gekostet hat. Und das

nochetwa; wahrscheinlich werden es demnach auch etwa 300 000 Mark sein. Das aber ist erst die Hälfte der offiziellen Kosten, denn die Stadt Barmen hat natürlich auch ihre Kosten gehabt. Und zu alledem kommen noch die Gelder, die die einzelnen Patrioten privatim ansgegeben haben. Man darf daher die Gesamtausgaben, ohne sich der Uebertreibung schuldig zu machen, auf über eine Million schätzen.

Für die 50 00 der Elberfelder Stadt⸗ väter, die hier 280 000 Mark für Straßenputz usw. leichthin ausgaben, dürfte sicher nicht in allen Kreisen der Bevölkerung Verständnis vor⸗ handen sein. Ebensowenig für ihr Verhalten in anderen Dingen. So lassen sie sich von der soztaldemokratischen Partei 2000 M. für eine Stadthalle zahlen und verwei⸗ gern nachher der Partei diese Halle; ferner fühlen sie sich so wohl und satt, daß sie über einen freisinnigen Antrag auf eine Erklärung gegen die Erhöhung der Get reidezölle nicht einmal debattieren, sondern einfach zur Tagesordnung übergehen!

Lübeckischer Senat auf dem Nückzuge.

Das vielerörterte Verbot des Streik⸗ postenstehens, das der Senat in Lübeck erlassen hatte, ist von diesem wieder aufgehoben worden. Jedenfalls infolge der Reichsgerichts⸗ 0 die das Verbot für ungültig er⸗

ärte.

Beraubung der Konsumverelne.

Seit einigen Jahren besteht in Sachsen die Umsatzsteuer. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen haben die Ortsgemeinden das Recht, festzusetzen, wieviel Prozent des Umsatzes an Steuern erhoben werden sollen. Natürlich nur von solchen Geschäften, deren Jahresumsatz eine gewisse Höhe irren wir nicht, 200000 Mk. erreicht. In Löbtau bei Dresden beträgt die Steuer 2 Prozent. Der dortige Arbeiter⸗ Konsumvereiu, der in noch zwei andern Orten Verkaufsstellen hat, muß bis Ende 1901, also in Jahren, die ungeheure Summe von 90367 Mark an Steuern bezahlen. Man kann mit Recht behaupten, das diese Zehn⸗ tausende sich direkt aus den Spargroschen der Arbeiter, der Mitglieder des Konsumvereins, zusammensetzen. Die Ungerechtigkeit dieser Be⸗ steuerung hat man im Löbtauer Gemeinderat endlich eingesehen. Wie wir in letzter Nummer schon erwähnten, wurde die Steuer auf 1 Proz. herabgesetzt.

Knuten⸗Oertel trauert,

weil die Petitionskommission des Reichs⸗ tags beschlossen hat, über alle Petitionen, die die Einführung der Prügelstrafe bezwecken, zur Tagesordnung überzugehen. Diese Petitio⸗ nen wollten in Fällen sittlicher Rohheitbis zu je 25 Hiebe mit einer Lederpeitsche verab⸗ folgt wissen. Betrübt ist der begeisterte Prügel⸗ freund besonders über die Erklärung des Regierungskom missars, der sagte, es sei eine Ergänzung des Strafensystems des Reichs⸗ strafgesetzbuches durch Einführung der Prügel⸗ strafe bislang weder vom Herrn Reichskanzler ins Auge gefaßt, noch im Schoße des Bundes⸗ rats von einer der Bundesregierungen in An⸗ regung gebracht. Nun will der dicke Oertel seinen Herzenswunsch im Plenum des Reichstags durchzusetzen versuchen. Wären wir nicht aus Gründen der Kultur Gegner der Prügelstrafe, so, würden wir solche für die Brotwucherer empfehlen.

Fallen seh ich Blatt um Blatt.

Die an tisemitischeDeutsche Wacht in Dresden, das Blatt des vielfach durchge fallenen Reichstagskandidaten Zimmermann und Hauptorgan der sächsischen Antisemiten wird ihr Erscheinen einstellen. Aus der

Einladung zur Generalversammlung der Akti⸗ onäre geht hervor, daß die Gesellschast mehr als die Hälfte des Aktienkapitals eingebüßt hat. Der Vorstand beantragt deshalb, die Gesell⸗ schaft aufzulösen, trotzdem die Druckerei für jüdische Ramschbazare flott Drucksachen ange⸗

fertigt hat und sich mitjüdischem Geld über Wasser zu halten versuchte. Für die deutsche Kultur bedeutet das Verschwinden des Blattes keinen Nachteil.

Genosse Paul Göhre,

der frühere Pastor und Nationalsoziale, wurde von einer Vertrauensmännerversammlung des 15. sächsiscen Reichstagswahlkreises(Franken⸗ berg⸗Mittweida) als Reichstagskandidat für diesen Kreis proklamiert.

Sozialdemokratischer Landtags⸗ präsident.

Im Gothaischen Landtage wurde bei der Konstitution Genosse Bock als Vicepräsident gewählt. Darüber werden allen Ordnungs⸗ stützen die Haare zu Berge stehen.

Attentat gegen einen Miuister.

Der russische Unterrichtsminister Bogol⸗ jepow wurde am 27. Februar von einem Studenten gelegentlich eines Empfangs von Bittstellern schwer verletzt. Dieser Ver⸗ letzung ist nun Bogoljepow erlegen, als Opfer eines politischen Attentats; denn nicht Privatrache war es, die jenen Studenten zu einem Schritte bestimmte, wie ihn am 5. Feb⸗ ruar 1878 die Wjera Sassulitsch that, sondern es handelte sich auch bei diesem Attentat um einen politischen Akt. Unter den Studenten macht sich übrigens in der letzten Zeit eine lebhafte Bewegung bemerkbar. Straßenkund⸗ gebungen fanden wiederholt in Petersburg und Moskau statt, an denen sich Studenten und Studentinnen in großer Zahl beteiligten. Da⸗ bei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei und den Kosaken, wobei es zahl⸗ reiche Verwundete auf beideu Seiten gab. 750 Personen, fast sämtlich Studierende, darunter über die Hälfte Frauen, wurden verhaftet.

Deuts. cher Reichstag.

In der Donnerst age sitzung erledigte der Reichs⸗ tag den Etat des Reichsversicherungsamtes in zweiter Beratung. Hierbei unterzog unser Genosse Stadt⸗ hagen das ganze

Versicherungswesen,

besonders die Unfallversicherung einer scharfen Kritik. Es giebt auf diesem Gebiete sehr viel zu rügen. An⸗ stalten, die ursprünglich rein human gedacht und als solche von den Arbeitern freudig begrüßt wurden, wer⸗ den zu gesinnungsterroristischen Zwecken mißbraucht. Die von den Berufsgenossenschaften errichteteu Sana⸗ torien schließen sozialdemokratische, freisinnige und ultra⸗ montane Zeitungen rundweg von dem Auslegen aus. Den angeblich ehrenamtlichen Vorsitzenden der Berufs⸗ genossenschaften werden unter der Form von Diäten im direkten Widerspruch zum[Gesetz Bezüge zugebilligt, deren außerordentliche Höhe mit den niedrig bemessenen Arbeiterrenten im grellsten Widerspruch stehen.

der Versicherungsgesetze trug Genosse Sach se vor. Mit Recht verlangte er, daß die Unfallverhütungsvorschriften auch in polnischer Sprache in denjenigen Bergbau⸗ distrikten erlassen würden, in denen polnische Arbeiter in großer Zahl beschäftigt werden. Endlich verlangte er, daß man der Frage der Anstellung von Arbeiter⸗ inspektoren in gesundheitsgefährlichen Betrieben näher trete. Der konservative Abg. Pauli-Potsdam sang wieder das alte Unternehmerlied, daß der Leichtsinn und die Bequemlichkeit der Arbeiter an den meisten Unfällen schuld sei.

Genosse Dr. Herzfeld gab ihm die gebührende Antwort und beleuchtete die Schädigung der landwirt⸗ schaftlichen Arbeiter Mecklenburgs durch das dort er⸗ lassene Ausführungsgesetz zur Invalidenversicherung.

Diezweite Chinavorlage, das ist die Nachtrags⸗ forderung für die

Kosten des Chinakreuzzuges stand am Freitag auf der Tagesordnung. Dabei hielt der Herr Reichskanzler eine große Rede in der er über den Stand der chinesischen Angelegenheit Auf⸗ klärung geben wollte. Die Reichsboten und das Volk sind aber nach der Rede im ganzen so klug wie vorher. Graf Bülow weiß sich recht wohl der Beantwortung knifflicher Fragen zu entziehen. Er sieht im übrigen alles im rosigsten Lichte; ihm hängt der chinesische Himmel voller Geigen. Mit Rußland wie mit Eng⸗ land stehen wir gleich gut und mit China im grunde auch: wenn nur erst die böswilligen und fahrlässigen

hilt der? stteitbar eint nung der ant der Redner England de Chiua seine keine Hände obenteuer il Bebel. W

scharser und

hege, daß Englands m führungen de als wenn je in leddlicher lungen einge Felndseligkei sich nicht m guläre chine von Trupp zu halten.

nur den e Möglichkeit und gegen

unsere Rüc unserem ei englischen Thalsache 0 it, irgend große Zahl Ste wird n Mächte sich

begonnen i gefochten we Weltpolitik

neuen versp Es har den

China heraf der Nation die neue schen Ching

wurde der? Die dritte

Jah dieset

sch das ha

wichtigeren

Au

1 lahr Bear Di hierfür 1 beschedener Beschwerden der Bergarbeiter gegen die Handhabung

bewiligt U rwortun ausspricht, bher sen und Amort im Wohnn lunzlerz ligen bad Jan bah,