Ausgabe 
24.2.1901
 
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Nr. 8.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

nete Niemand mit der Möglichkeit eines Sieges.

Dagegen nahmen die Antisemiten den Mund möglichst voll und geberdeten sich, als ob ihnen schon ganz Hamburg gehöre. Sie sind aber kläglich hereingefallen, haben nicht einen einzigen Sitz gewonnen, nur ihr bisheriges Mandat gerettet. Auch die antisemitischen Stimmen sind zurückgegangen, während auf unserer Seite bedeutende Zunahme zu verzeichnen ist. So haben wir nun auch in Hamburg den ersten, wenn auch einzigen Sozialdemo⸗ kraten in dem republikanischen Parlament. Es leben die Folgenden!

Staatlich anerkannter Achtstundentag.

Aus Frankreich kommt wiederum die Nach⸗ richt von einem erfreulichen Fortschritte. Der Achtstundentag wurde in den dem Minister Millerand unterstehenden Staatsbetrieben definitiv eingeführt. Im September 1899 verfügte der Handelsminister Millerand, daß in den seinem Ressort unterstehenden Betriebs⸗ werkstätten des Post⸗ und Telegraphendienstes der Achtstundentag probeweise eingeführt werden solle. Jetzt, nach 17 Monaten An⸗ wendung hat sich der Minister veranlaßt ge⸗ sehen, diese Maßnahme als eine definitive festzulegen. Die achtstündige Arbeitszeit hat sich vollkommen bewährt, die Arbeitsleistung ist nicht herabgegangen. Der Minimal lohn in den genannten Betrieben beträgt fünf Frank (4 M.) pro Tag.

Sozialistischer Wahlsieg in Paris.

Vergangenen Sonntag fand im 11. Pariser Bezirke eine Ersatzwahl zur Deputierten⸗ kammer statt. Zur Stichwahl standen der Antisemitenführer bon Algier, Max Regis und der Sozialist Allemane. Die Antise⸗ miten hatten riesige Anstrengungen gemacht, suchten alle Säumigen heranzuholen und rech neten mit Bestimmtheit auf den Sieg. Es nützte aber nichts, unser Genosse Allemane wurde mit 4235 Stimmen gewählt, während Regis nur 3347 erhielt. Der sozialdemokrattsche Sieg wäre schon bei der Hauptwahl entschiedeu worden, wenn die sozialistischen Gruppen sich auf einen Kandidaten geeinigt hätten.

Deutscher Reichstag.

Einen besseren Besuch als die Tage vorher hatte der Reichstag am Mittwoch aufzuweisen. Bei Beginn der Sitzung wies Genosse Heine in einer scharfen Er⸗ klärung, die unqualifizierbaren Angriffe zurück, die im Dreiklassen⸗Hause, wo keine Vertreter des arbeitenden Volkes sitzen, der preußische Justizminister Schönstedt gegen ihn gerichtet hat. In der dritten Lesung des Reichs jnstizamts, erklärte Heine, werde er mit dem Justizminister abrechnen. Vorausgesetzt, wenn sich der Herr Minister nicht drückt, sondern im Reichstage Rede steht. Nach Erledigung des Restes des Etats der Eisenbahnverwaltung wurde in die zweite Lesung der

China⸗Vorlage eingetreten. Ueber den Chinarummel war ja schon das Nötige bei der ersten Beratung gesagt worden; die

Dis kussion drehte sich mehr um eine von der Kommission

vorgeschlagene Resolution, wozu unsere Genossen einen Zusatz beantragten. Die Resolution der Kommisston verlangt, daß in dem Vertrag, der wann, das mögen die Götter wissen den chinesischen Wirren ein Ende machen soll, die Freiheit des christlichen Bekennt⸗ nisses in China ausbedungen und das ist das Ent⸗ scheidende die chinesischen Christen unter den Schutz der Vertragsmächte gestellt werden. Zu dieser Reso⸗ lution beantragt unsere Fraktion einen Zusatz, der den Misstonaren die Verpflichtung auferlegen sollte, sich nicht in die sozialen und politischen Verhältnisse einzumischen und nicht die Kleidung chinesischer Mandarinen zu tragen. Die letzte Forderung ist natürlich nicht etwa dem Geist kleiulicher Etikette entsprungen, sondern wendet sich gegen die beliebte Methode, namentlich der katholischen Missio⸗ nare, sich dem Amtscha rakter chinesischer Be amten beizulegen oder beilegen zu lassen.

In einer trefflichen Rede vertrat Genosse Bebel den Antrag unserer Partei: Unwidexleglich und auf unan⸗ fechtbare Zeugnisse der allerneuesten Zeit, die aus gut bürgerlichen Kreisen stammen, gestützt, beleuchtete Bebel das verhängnisvolle Treiben der Missionare der ver⸗ schiedenen Glaubensschattierungen in China, jenes Trei⸗ ben, das in allererster Linie die Schuld an den gegen⸗ wärtigen chinesischen Wirren trägt. Graf Stollberg

(Tons.) und Bachem(Zentr.) suchten die Ausführungen

Bebels zu widerlegen, während Dr. Müller⸗Sagan von der Freisinnigen⸗Volkspartei unsern Genossen im Wesentlichen Recht gab. Die Forderung sie beträgt bekanntlich 153 Millionen wurde bewilligt, die Resolution angenommen, der sozialdemokratische Zusatz⸗ autrag abgelehnt. Abgelehnt wurde auch die Vorlage betr. die Fürsorge für die Chinakämpfer, dieser Gegen⸗ stand soll zusammen mit einer einheitlichen Regelung des gesammten Militärversorgungswesen erledigt werden. In der Freitags⸗Sitzung Donnerstag fand leine statt kam die China⸗Vorlage in der dritten Lesung zur Erledigung. In einer großen und glän⸗ zenden Rede beleuchtete Bebel noch einmal das China⸗ Abenteuer, den Krieg, der angeblich kein Krieg ist, die

Hunnenthaten, die zur Verbreitung des Christentums

praktiziert werden, die Waldersee⸗Komödie, die Gefahr internationaler Verwicklungen. Unbehilflich, wie immer, trat ihm der Kriegsminister v. Goßler entgegen; er bemühte sich krampfhaft, aber vergeblich, einige Witze zu reißen, und suchte Bebel in Widersprüche zu ver⸗ wickeln. Natürlich sind dem Herrn Kriegs minister die deutschen Truppen in China wahre Musterexemplare von Manneszucht und Humanität. U. a. leistete sich die Kriegsexcellenz die famose Redeblüte:Seit Waldersee in China ist, sind Ruhe und Ordnung dort eingekehrt! ein Sprüchlein, das die Sozialdemokraten und ein Teil der bürgerlichen Linken mit großer Heiterkeit quit⸗ tierten. Dann fühlte wieder einmal Herr Stöcker das Bedürfnis, von sich reden zu machen. Er sprach von der Revolution, von der angeblichen Verteidigung des Fürstenmordes durch Bebel und anderen, mit dem Thema in sehr losem Zusammenhange stehenden Dingen. Bebel erteilte dem abgedankten Hofprediger, sowie dem Kriegsminister eine Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Natürlich wurde die China⸗ Vorlage in der Schlußabstimmung angenommen. Auch die Freisinnigen stimmten dafür. Unsere Fraktion stimmte selbstredend dagegen. Hierauf ging man zur Beratung des Postetats über, die am Samstag fort⸗ gesetzt wurde.

Auch am Dienstag beschäftigte sich das Haus noch mit demselben Gegenstande. Seit lange hat der Reichstag die Besserstellung der Post⸗ und Oberpost⸗ assistenten, sowie der Diätare und die Abkürzung der diätarischen Dienstzeit gefordert. Der Bundesrat hat nach löblicher Unsitte alle diesbezüglichen Resolutionen in den Papierkorb geworfen. Daher hatte der Frei⸗ sinnige Dr. Müller ⸗Sagan in der Kommission die einfache Einstellung der vom Reichstag geforderten Ge⸗ hälter der betreffenden Beamtenkategorien in den Etat beantragt. Die Mehrheit der Kommission hatte sich aber in ihrer Schlaffheit nicht darauf eingelassen, son⸗ dern sich wieder mit zwei Resolutkonen begnügt, die es dem Plenum zur Annahme anempfahl. Unser Fraktions⸗ redner, Genosse Singer, geißelte gebührend diese Schlaff⸗ heit: er führt mit Recht den Widerstand des Reichstags auf denVater aller Hindernisse, den preußischen Fi⸗ nanzminister, zurück. Forner brachte Singer die Art nnd Weise zur Sprache, wie die Postämter in die Agi⸗ tation des Flottenvereins eingespannt werden.

Der Staatssekretär v. Podbielski legte einmal wieder seine ganze schöne Unbefangenheit an den Tag. In der Polemik gegen Singer meinte er u. a., der Flottenverein sei kein politischer Verein. Singer leuchtete ihm für diese Naivetät gründlich heim. Als während Singers Rede auf der Rechten gegähnt wurde, unterbrach sich der Redner und meinte unter großer Heiterkeit der Linken:Die Herren, die da drüben Tier⸗ stimmen nachahmen, zeigen, wo ihr liebster Aufenthalt ist. Mit der Annahme der erwähnten zwei Reso⸗ lutionen schloß die Beratung.

Krieg mit China.

Expedition in's Innere? Der Welt⸗ marschall scheint plötzlich von dem Drange er⸗ füllt zu sein die Lorbeeren, die er vorschußweise bereits gepflückt hat, nachträglich doch noch ab⸗ verdienen zu wollen. Nach einer Meldung der Times aus Peking erließ nämlich Graf Waldersee am Samstag einen Befehl, wo⸗ nach die verbündeten Truppen sich auf einen Feldzug vorbereiten sollen, um im Früh⸗ jahr nach Taiyuenfu weiter zu marschieren. DieTimes, das einflußreichste englische Blatt, bemerkt zunächst, daß der oben genannte Ort die Hauptstadt der Provinz Schansi ist und die Hauptstraße von Peking nach Singanfu, wo sich jetzt der chinesische Hof befindet, beherrscht. Das Blatt sagt, die leitenden englischen Kreise hätten von der Unternehmung Waldersees nichts gewußt und fügt hinzu, eine solche Expedition würde eine höchst verhängnisvolle Politik be⸗ deuten. Allerdings sei man dafür, daß auf die chinesische Regierung ein Druck dadurch aus⸗

geübt werde, daß die Mächte chinesisches Ge⸗ biet besetzt halten, bis der Palast die Forder⸗ ungen der Mächte erfüllt hat oder daß die Mächte außerdem die Zufuhr von Tribut nach Singaufu abschneiden; wollte aber Graf Wal⸗ dersee eine Expedition in das Innere unternehmen, ohne daß Deutschland seine Ver⸗ bündeten befragt, so würden alle Verbün⸗ deten kompromittiert werden. Für China würde es unmöglich sein, mit den übrigen Mächten weitere Unterhandlungen zu führen, während eine dabei ist, eine Expedition nach Taiyuensu oder weiter gehen zu lassen. Eine alle Parteien befriedigende Lösung würde dadurch un⸗ absehbar verschoben, und die Gefahr inter⸗ nationaler Verwicklungen würde vergrößert. Amtlich ist diese Meldung noch nicht bestätigt; doch dürfte immerhin so viel daran wahr sein, daß Graf Walderseegroße Thaten plaut. Wenigstens meldet auch die Köln. Ztg. aus Pecking: Angesichts des ungewissen schleppenden Ganges der Friedensverhandlungen ersuchte Waldersee alle Befehlshaber der verbündeten Europatruppen, für Ende Februar neue Expeditionen im größeren Maßstabe vorzubereiten, um die Provinz Tschili endgiltig von chinesischen Soldaten zu säubern. Weiter wird berichtet: Das deutsche Kommissariat gab Befehl, binnen 18 Tagen 1000 Transport⸗ wagen für eine Frühjahrsexpedition bereit zu halten. Wie es scheint, verfolgen die Anordnungen hauptsächlich den Zweck, den Chinesen einen heilsamen Schrecken beizubringen.

Hungersnot. Für die Kulturverbreiter in China besteht die Gefahr, kläglich verhungern zu müssen. Wenigstens soll nach zuverlässigen chinesischen Meldungen in den Provinzen Schansi und Schensi eine Hungersnot herrschen, wie nie vorher. Zwei Drittel des Volkes sind ohne genügende Nahrung und sie leiden unter der bitteren Kälte, weil wenig Brennstoff vorhanden ist. Die Leute reißen Stücke des Holzwerkes aus ihren Häusern, um damit Feuer zu machen. Ochsen, Pferde und Hunde sind schon fast alle dem Hunger geopfert worden. Prinz Tsching teilte dem amerikanischen Gesandten Conger mit, die Bevölkerung sei genötigt, Menschen⸗ fleisch zu essen und die Männer verkauften ihre Frauen und Kinder; Kindermord sei ent⸗ setzlich häufig. Eltern würden irrsinnig durch die Schreie der Kinder nach Nahrung, und sie töteten lieber ihre Kinder, als daß sie ihre Schreie anhörten. Das sind die Folgen des Kreuzzuges!

Krieg in Südafrika.

Englische Blätter geben jetzt zu, daß die von sieben Kolonnen unternommene Einkreisungs⸗ bewegung gegen die Buren im südlichen Traus⸗ vaal in der Hauptsache gescheitert ist. Die Daily Mail berichtet aus Pietermaritzburg, daß das Burenkommando von Carolina die Reihen Frenchs durchbrechen konnte und sich augenblicklich auf dem Marsche nach dem Westen befindet. Unter den Afrikaudern hat die Auwesenheit Dewets in der Kapkolonie große Genugthuung hervorgerufen. Sie sind sicher, daß er, falls er den ihn verfolgenden Englän⸗ dern entschlüpft, einen allgemeinen Aufstand hervorrufen wird. Doch glauben ihn die Engländer jetztganz sicher zu fangen. Eng⸗ lische Meldungen besagen, er sei westlich von De Aar mit 2500 Mann von 12000 Englän⸗ dern unter Kitchener vollständig umzingelt. Ein Entweichen sei unmöglich. Das Gleiche wurde bekanntlich schon öfter behauptet. Andere Meldungen stellen die Lage Dewets als nicht so schlimm dar. So wird dem Berl. Tagebl. gemeldet: Sämtliche in der Kapkolonie stehen⸗ den Burenkommandos suchen sich mit dem nörd⸗ lich von De Aar operierenden General Dewet zu vereinigen, dem eine unerwartete Hilfe auch durch die heftigen Regengüsse geworden ist, die den Oranjefluß unpassterbar gemacht haben; General Hamiltons Mitwirkung für die Einschließung Dewets im Süden ist hierdurch unmöglich geworden.