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Mitteldeutsche Sonntaas⸗Zeitung.
Nr. 25.
von Nah und Fern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗
kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste
Gewissenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten.— Wir
bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf otner Seite zu beschreiben.
Besserungen im hessischen Gefängniswesen.
Eine vom hessischen Justiz⸗Ministerium er⸗
lassene neue Dienstordnung für die Pro⸗
vinzialarresthäuser bringt in Bezug auf die Behandlungen der Gefangenen bemerkenswerte, den modernen Anschauungen mehr als seither entsprechende Bestimmungen. Danach darf bei⸗ spielsweise politischen Gefangenen und solchen, die wegen Preßvergehen zur Ver⸗ urteilung gelangten, stets Selbstverkösti⸗ gung gewährt werden. Der 8 73 besagt u. A. „Gefängnissträflingen, die stch im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und nicht wegen einer mit Zuchthaus oder den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bedrohten straf⸗ baren Handlung verurteilt sind, kann von dem Vorsteher der Anstalt ausnahmsweise die Selbst⸗ verköstigung gestattet werden, wenn nach der bisherigen Lebensführung des Gefangenen die Verpflegung mit Anstaltskost eine besondere Härte in sich schließen würde. Auf Anordnung des Arztes können denselben auch geistige Ge⸗ tränke verabreicht werdeu. Auch bezüglich der Beschäftigung solcher Gefangenen besagen die allgemeinen Bestimmungen des§ 78 Folgendes: „Bei der Zuweisung von Arbeit an die Ge⸗ fangenen ist auf ihren Gesundheitszustand, ihre Fähigkeiten, ihren Bildungsgrad, ihre Berufs⸗ verhältnisse und ihr Fortkommen Rücksicht zu nehmen. Ferner heißt es in 883:„Ausnahms⸗ weise wird den zu Gefängnisstrafe Verurteilten, namentlich solchen, welche in ihrem bürger⸗ lichen Berufe geistig beschäftigt sind, sofern sie sich im Besitz der bürgerlichen Ehren⸗ rechte befinden und Zuchthausstrafe noch nicht
verbüßt haben, mit Genehmigung des General⸗
staarsanwalts gestattet, sich selbst zu be⸗ schäftigen.“ Solche Gefangenen brauchen auch keine Anstaltskleider zu tragen.
Gießener Angelegenheiten.
— Das Sommerfest der Gewerk⸗ schaften Gießens findet, wie schon durch die Annonce in der vorigen Nummer bekannt gegeben, diesen Sonntag, den 23. Juni im Walde an der Licherstraße statt. Für Unter⸗ haltung hat das Gewerkschaftskartell in ge⸗ nügender Weise gesorgt, so daß hoffentlich kein Besucher das Fest unbefriedigt verlassen wird. Selbstverständlich gelangen für unsere Kleinen wieder ein paar ansehnliche Körbe voll Bretzeln zur Verteilung. Unsere Freunde und Genossen in Gießen und Umgebung werden ersucht, das Fest nicht nur selbst zu besuchen, sondern auch in ihrem Bekanntenkreise für zahlreiche Betei⸗ ligung zu wirken.
— Der„Wahre Jakob“ hat soeben die Nummer 13 seines 18. Jahrganges erscheinen lassen. Wir machen unsere Leser auf die reich⸗ haltige, 12 Seiten starke Nummer empfehlend aufmerksam. Das Blatt kostet 10 Pfennige und ist in unserer Expedition zu haben.
—r. Buchdruckerversammlung. Die gutbesuchte Versammlung der Buchdrucker, die am vorigen Samstag im Vereinslokale statt⸗ fand, beschloß zunächst, das Johannisfest am 0. Juni auf der Liebigshöhe abzuhalten. Ferner bewilligte man für die streikenden Weber in Cunewalde aus der Ortskasse 10 Mk., welche Summe vom Bezirksvorstande auf 25 Mk. erhöht wurde. Der Vorsitzende gab eine inte⸗ ressante Statistik über die Verbandszugehörigkeit der hiesigen Verbandsmitglieder bekannt. Da⸗ nach steuerte das älteste Mitglied 1486 Wochen, gehört also dem Verbande beinahe 29 Jahre an. Das jüngste steuerte 6Wochen; im Ganzen leisteten die 43 Mitglieder 22686 Wochenbei⸗ träge, so daß durchschnittlich auf jedes 527 entfallen. 9 Mitglieder steuerten mehr als
1000 Wochen. Da die Zeit der Krankheit, Arbeitslofigkeit ꝛc. dabei nicht inbegriffen ist, ergiebt sich aus diesen Zahlen, daß die Kollegen
mit Zähigkeit an ihrer Organisation festhalten. Nicht zu ihrem Schaden!
— Gebildete Jugend. Ein Anwohner der „Neuen Bäue“ schreibt uns:„Heillosen Spektakel verursachten am vorigen Sonntag früh einige von einem Fest heimkehrende Studenten. Sie stritten sich mit Schutzleuten herum, wobei man die unflätigsten Worte hören konnte. Einen Schutzmann schrie so ein Herrchen an: Sie Rind vieh! Ich bin Student! Bitte keine Beleidigung, entgegnete dieser sehr höflich, geben Sie mir Ihre Legitimationskarte!„Die konnten sie gleich verlangen“ war die Antwort und schimpfend zogen sie ab, gefolgt von den Schutzleuten. Von dem Bildungsgrad dieser Leute, die doch später als Staatsbeamte, Richter, Lehrer des Volkes ꝛc. fungieren sollen, bekam man einen recht eigentümlichen Begriff.“ Gewiß, die„Bildung“ jener Herren besteht nur in ihrer Einbildung; das hält sie aber nicht ab, lch Vorrechte anzumaßen und spaͤter als „Ordnungsstützen“ manchmal auch als un⸗ parteitsche Redakteure— über Verrohung der Arbeiter zu jammern.— Uebrigens tritt ja so ein kleiner Straßenkrakehl noch zurück hinter dem„feinen Scherz“ den sich neulich ein Studtosus in Erlangen erlaubte. Dieser be⸗ nutzte wiederholt die Postbriefkästen als Pissoir! Dafür wurde ihm nur die lächerlich geringfügige Strafe von 20 Mk. zudiktiert.
— Berunglückt. In den Gail'schen Thongruben ereignete sich am vorigen Donners⸗ tag ein schweres Unglück. Mehrere Arbeiter waren mit Graben beschäftigt und arbeiteten in einer Tiefe von etwa 5 Meter, als eine Wand einstürzte und Erdmassen die Arbeiter verschütteten. Während drei noch rechtzeitig bei Seite springen konnten, blieb ein anderer, etwa 38 Jahre alter verheirateter Arbeiter aus Hachenborn sofort tot. Eine eingeleitete Unter⸗ suchung wird ergeben, ob die vorgeschriebenen Schutzmaßregeln von den Betriebsleitern beob⸗ achtet wurden.
— Das Oberersatzgeschäft(General⸗ musterung) findet für den Kreis Gießen an folgenden Tagen statt: Montag, 24. Juni, vormittags 8 Uhr im Rathause zu Lich; Dienstag, den 25., Mittwoch, den 26. und Donnerstag, den 27. Juni im Saale„Lonys Bierkeller“ in Gießen; Freitag, 28. Juni im Gasthaus„Zum Rappen“ in Grünberg.
— Anarchistisches. Nach Blätter meld⸗ ungen soll sich der in Gießen höchst unrühm⸗ lich bekannte„Anarchist“ Bürstenmacher Klink jetzt in Bietigheim in Württemberg mehrere Anklagen elch Beleidigung und Verbreitung 905 anarchistischen Blattes„Freiheit“ zugezogen
aben.
— Im Gießener Stadttheater finden gegenwärtig Vorstellungen des Wiesbadener Operetten⸗Ensembles statt. Es wird nur noch diese Woche und zwar am 24., 26. u. 28, Junt gespielt. Zur Aufführung gelangen beliebte Operetten, wie„Bettelstudent“,„Fledermaus“, „die Geisha“. Wir können den Besuch der Vorstellungen nur empfehlen.
— Der Sozialistentöter in den„Gieß.⸗ Neuest. Nachr.“ schreibt bei Besprechung der Nachricht von den geschlossenen Parteitagsitzungen:
„Nun, die Partei, die bloß weiß, was sie nicht will, aber selbst unter Anwendung von Daumschrauben nicht sagen kann, was sie will, wird derartige Mark⸗ steine zukünftig in Hülle und Fülle an ihre Heerstraße setzen. Ein treugläubiger Genosse stolpert nicht darüber.“
Es gehört eine reichliche Portion Anmaßung dazu, wenn ein Mensch, der seine politischen Lehr⸗ und Wanderfahre bei der Truppe„Dreh⸗ scheibe“ durchmachte dann agrarische und schweinburgische Politik unterstützt, bei alledem aber sich für unparteiisch ausgiebt, über die einzige Partei, die ein klares, auf wissen⸗ schaftlichen Grundlagen beruhendes Programm hat, derartiges schreibt. Wenn die„G. N. N.“ nichts dagegen haben, gestatten wir uns zu be⸗ merken, daß unsere Partei nicht blos sehr genau weiß, was sie will, sondern auch was andere wollen. Zum Beispiel, daß gewisse„unpar⸗ teiische Politiker“, die mit ihrer Ueberzeugung wie mit Gletscher⸗-Wachs handeln, durch Täuschung des Publikums nur ihre Geschäftsinteressen zu fördern suchen.
Heuchelheim.
„Zu unserm Festbericht in voriger Nummer müssen wir noch hinzufügen, daß nicht blos aus den dort angeführten Orten Gen. erschienen waren, sondern auch Watzenborn⸗Stein⸗ berg, Alten-Buseck, Wieseck und noch andere Orte, erstere sehr stark, vertreten waren. Die Nichtanführung dieser Orte geschah natür⸗ lich ganz ohne Absicht, die beschwerdeführen den Genossen wollen das also entschuldigen.
In Lich
fand am Sonntag eine gut besuchte Volks ver⸗ sammlung im„Holländischen Hof“ statt, in der Genosse Vetters referierte. Er wies be⸗ sonders darauf hin, daß heute die Minder⸗ bemittelten und Besitzlosen, welche die große Masse des Volkes bilden, keineswegs den ihnen ihrer Zahl nach gebührenden Einfluß auf die Regierung ausüben könnten. Darum würden ihnen auch der größte Teil der Staatslasten von der besitzenden und hereschenden Klasse in Form von Zöllen und indirekten Steuern auf⸗ erlegt. Um dagegen anzukämpfen, sei fester Zusammenschluß des werkthätigen Volkes nötig. Es wurde beschlossen, einen Wahlverein zu gründen, zahlreiche Anwesende erklärten ihren Bettritt.
Aus Vilbel.
Das am Sonntag abgehaltene Fest der Fahnenwethe des sozialdem. Arbeiter⸗ gesangvereins„Bruderkette“ in Vilbel nahm einen großartigen Verlauf. An dem Festzuge nahmen viele Gesang⸗ und andere Vereine aus der nahen und ferneren Umgebung, besonders aus Hessen im Ganzen ca. 2000 Personen teil. Der Friedberger Sozial⸗ demokratische Verein hatte sogar ein besonderes Musikkorps mitgebracht. Das Originellste aber im Zuge, was zur Zeit wohl nur in Hessen möglichst ist, war die Thatsache, daß sich der Gemeinde⸗ Ausschuß, laut Aufschrift eines Schildes, mit dem Bürgermeister daran be⸗ teiligte. Das Fest selbst wurde auf den Wiesen, wo sich alljährlich der Vilbeler Markt befindet, abgehalten. Die höchst wirkungsvolle Festrede des Genossen Dr. David wurde mit großer Begeisterung aufgenommen.
Wetzlar.
th. Die Bäckergehilfen in Wetzlar scheinen nun endlich auch einzusehen, daß sie
ihre Lage nur verbessern können, wenn sie sich
ihrer Organisation, dem deutschen Bäckerver⸗ bande, anschließen, wozu sie als vernünftige Arbeiter verpflichtet sind. Während die von Gießen aus betriebene Agitation zunächst wenig Erfolg hatte, sind jetzt schon die Mehrheit der Gehilfen Verbandsmitglieder geworden, so daß die Gründung einer Zahlstelle des Verbandes in Bälde bevorsteht. Bei einer am Sonntag stattgefundenen Besprechung wurde mehrfach betont, daß die Arbeitsverhältnisse im Bäcker⸗ gewerbe besonders in Wetzlar dringend einer Besserung bedürften. Namentlich müsse die Arbeitszeit geregelt werden, in allen Bäckereien mit ace wenigen Ausnahmen würde die Mapi⸗ malarbeitszeit überschritten, weder Gewerbe ⸗ inspektor noch Polizei kümmert sich darum. Ein Kollege erzählte auch, daß ein Meister seinen Gesellen mit dem Hundefuhrwerk auf das Land schicke; ein anderer, daß er mit seinem Nebenkollegen ein und dasselbe Bett abwechselnd beuutzen müsse und noch andere schöne Sachen kamen zum Vorschein. Die Gehilfen haben also allen Grund, sich eine Organisation zu schaffen, der wir herzlich Blühen und Gedeihen wünschen.
n. Ueber den vor etwa 14 Tagen erfolgten Tod des 84 jährigen früheren Spenglers Lehr sind Gerüchte im Umlauf, die der Aufklärung von zuständiger Seite bedürften. Der Ver⸗ storbene hatte sich in das Kranulenhaus ein⸗ gekauft, um dort seinen Lebensabend zu per⸗ bringen. In der letzten Zeit soll er Geistes⸗ schwäche gezeigt haben und vielleicht in einem Anfalle stürzte er sich zum Fenster hinaus. Man spricht im Publikum die Neinung aus, daß die Verwaltung verpflichtet gewesen wäre
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