Ausgabe 
22.9.1901
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 38.

b AUnterhaltungs-Ceil

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ä .. warum?

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin. Die Unvernunft unserer Seiten, Die kommt mir nicht aus dem Sinn.

Für Den, der im Grabe geborgen, Erstellt man einen Palast, Läßt aber an Obdachssorgen Verzweifeln viel Tausende fast.

Mit Männern, die ehedem waren, Die nicht viel großes gethan, Blockiert man die Wege in Schaaren, Man rennt sich die Nase fast an.

Dagegen in Elend verkommen Cäßt man ein lebendes Heer. Hier ist's, wo für die Reichen, die Frommen Am Platze ein Pflichtgefühl wär'. Sind Denen sie schuldig zu danken, Die längst schon bedanket der Tod, Warum nicht den Armen, den Kranken, Die ihnen erwarben das Brot d

Kriegerische Abenteuer eines Friedfertigen. Erzählung von Heinrich Zschokke.

5(Fortsetzung)

Denn in eben dem Augenblick, als unsere tapfere Schar mit den Blicken der Sehnsucht und Liebe an den Schätzen des vorüberfahrenden Wagens hing, donnerte des Feindes erster Kanonenschuß gegen uns. Und, o Schrecken! die Kugel fuhr, wie aufs beste gezielt, mitten ins große Branntweinfaß, daß der Nektar in krystallener Klarheit herausflutete, während die Rosse mit dem Wagen im Schrecken querfeldein spreugten.

Nun war's, als wäre mit dem Göttertrank der erschlagenen Tonne auch die Seele unseres Heeres entflohen. Das Vordertreffen wankte: die Arrieregarde machte eine retrograde Be⸗ wegung nach dem Dorfe zu. Karl der Große rief: vorwärts marsch aber da war kein Leben mehr; nichts ging vorwärts. Er hatte in der Augst vergessen, daß sein weißer Feder⸗ busch auf dem Wege des Ruhms voranleuchten sollte nun aber hielt er beständig hinter der Fronte, daher glaubten unsere Leute steif und fest, der Weg des Ruhms gehe dem Dorfe zu.

Jetzt fiel der zweite Kanonenschuß. Mein Roß hatte sich schon über den ersten arg ver⸗ wundert; beim zweiten fing es an, die Unruhe seines Herrn zu teilen. Ich konnte mich nicht enthalten, gelegentlich den Kopf umzudrehen, um mich zu überzeugen ob auch der Weg ins Dorf noch sichtbar sei.

Darauf begannen die Feinde ihr kleines Gewehrfeuer. Einzelue Kavallerie sprengte gegen unsern Flügel an. Da schrie ich, gleich einem Besessenen:Feuer! gebt Feuer! schießt! drückte den Hut in die Augen, und dachte: helf euch Gott! fort wollte ich, ins Dorf. Aber ehe ich die hartmäulige Bestie unter mir umdrehen konnte, gaben neben mir meine gehor⸗ samen Soldaten Feuer. Darüber erschrak mein Gaul nicht weniger als ich. Er flog mit mir unter dem Nußbaum erst hoch in die Luft und dann hinaus ins Freie. Ein Paar französischer Chasseurs zu Pferde schossen auf mich. Da ste mich aber nicht fallen sahen, vielmehr sahen, wie ich mit geschwungenem Säbel(ich hatte zwar den Säbel in der Hand, hielt aber mit der gleichen Hand den Hut am Kopf fest, was mir ein martialisches Aussehen geben mochte), wie, sag) ich, mit Wetterschnelle auf sie losflog, drehten sie um, und jagten davon.

Mein Pegasus, umsonst waren Zaum und Gebiß, hatte den Kopf zwischen die Beine gelegt, und setzte, wie rasend, den Feinden nach. J fluchte, ich weinte, ich schrie:Halt! Brr!

hat! Nichts, im Galopp, in gestrecktem Galopp riß es mich fort. Die Chasseurs ereilten einen schmalen Fahrweg zwischen Zäunen; mein höllisches Streitroß wählte die gleiche Straße. Die Feinde, die sich nun nicht mehr schwenken konnten, überfiel wahrscheinlich ein Grausen, da ich ihnen wenngleich wieder meinen Willen, fast im Nacken war. Sie spornten ihre müden Gäule noch mehr, und meine verhexte Rosinante, die mutig mit mir durchging, verdoppelte ihre Sprünge.

Die flüchtigen Chasseurs hielten mich ver⸗ mutlich für einen Teufelskerl, der darauf geschworen habe, ihnen das Blut abzuzapfen. Denn sie sahen sich von Zeit zu Zeit nach mir mit Gebärden voller Entsetzen um. Ach, die guten Herren! hätten sie nur gewußt, wie mir bei dem Siege zu Mute war.

Und immer weiter, hopp, hopp, hopp, Ging's fort im sausenden Galopp, Daß Roß und Reiter schnoben,

Und Kies und Funken stoben.

Als wir um die Ecke eines Kiefernwaldes bogen, kamen wir auf eine geräumige Fläche, wo von französischer Seite ein Lager aufge⸗ schlagen war. Hier verlor ich den Steigbügel von den Füßen meine Flüchtlinge zerstreuten sich einige Soldaten im Lager legten auf mich an und schossen. Meine Bestie that einen Satz seitwärts, und ich fiel wie ein Sack herab auf den Boden.

Adieu, Friederike! gute Nacht, falsche Welt! seufzte ich; denn ich so gut als die Soldaten glaubten, ich sei tot. Die Kerle sprangen lachend zu mir. Auch die Flüchtlinge kamen zu mir heran. Ich stand zitternd auf. Man forderte mir den Degen ab. Ich gab ihn. Die In⸗ fanteristen wollten mich plkündern. Die Chasseurs aber nahmen mich in Schutz und schworen, ich sei ein Mann von Ehre und Mut. Ein so unverdientes Lob vom Feinde selbst freute mich gar sehr; noch mehr aber, daß nirgends eine Wunde an mir fühlte.

Jetzt war ich Kriegsgefangener. Man führte mich zu einem einzelnen Bauernhaus; unter⸗ wegs büßte ich meine Uhr, meinen Geldbeutel und den goldenen Fingerring ein, den ich zum Andenken Friederikens trug. 5

Ein Oberst, der nebst mehreren Offizieren in dem Bauernhause am Frühstück saß, fragte mich, nachdem man ihm die Geschichte meiner Gefangennahme, und wie ich die Chasseurs bis ins Lager verfolgt habe, erzählt hatte, nach meinem Rang. Was sollte ich antworten? Designierter Parrer? Maitre des arts? Docteur en philosophie? Die Herren hätten mich für wahnsinnig gehalten.

Karl der Große hatte mich zu seinem Generaladjutanten erhoben. Also antwortete ich dem Frager ohne Bedenken: Aqjutant- général. Kleider machen Leute; aber Titel auch. Ich mußte mich sogleich mit zum Früh⸗ stück niedersetzen kalten Braten, Malaga, Liqueur. Der humane Oberst sagte mir einige Worte des Trostes wegen meiner Gefangenschaft: Das ist der Wechsel des Kriegsglücks. Vor fünfzig Jahren hatten die Herrn Preußen Friedrich den Großen, Sie ein Jena.

Kriegsgefangenschaft.

Die Offiziere setzen sich zu Pferde. Ich ward der Wache im Lager übergeben. Den alten Fieberfrost hatte ich noch immer nicht verloren; darum befreundete ich mich mit der Glut des Wachtfeuers.

Was mag aus dem Lieutenant Leonidas und seiner tapfern Schar geworden sein? was aus der Königin mit ihrem gesprengten Fasse? seufzte ich. Und was wird aus mir werden? Man hatte mir schon vorläufig angekündigt, ich würde nach Frankfurt au der Oder gebracht, und von dort mit einem Transport Kriegsge⸗ fangener nach Frankreich geführt werden. Mein aus dem aufrichtigsten Gemüt dargebotenes Ehrenwort, nie wieder, wenn man mich frei ließe, gegen Se. Majestät den Katser der Fran⸗ zosen die Waffen zu tragen, war vom Obersten nicht angenommen worden. Mein Schicksal, hieß es, müsse höhern Orts entschieden werden.

Also nach Frankreich, du armer Doktor! auf eine Festung. O wie plötzlich hat sich alles

umgestaltet! Säßest du noch auf desnem Dichterstübchen mit der stillen Aussicht auf eine

Plutarch von großen Männern, oder auch nur

deiner Seligkeit abgehen? Wenn du dein Tag⸗ werk beendigt, deine Lehrstunden von Haus zu

Friederiken von einer schönern Zukunft unter⸗ halten, oder könntest in deiner poetischen Einsam⸗ keit neue Grenadierlieder in Vater Gleims Manier schreiben!

ein, die ich noch immer in der Tasche bei mir trug. Rasch fuhr ich mit der Hand zu den Manuskripten, sah mich um, ob ich beobachtet wäre und schleuderte sie ins Feuer. Denn Siegeslieder in feindlicher Gefangenschaft Lieder voller Hohn und Verachtung gegen Napoleon und sein Heer die konnten mir den Kopf kosten! Ich sah sie nun mit eben dem Vergnügen in den Flammen sterben, mit welchem ich sie im Feuer der Begeisterung einst zur Welt Aba hatte. Selbst daß ich in der ersten Angst zu tief gegriffen, und meine

konnte meine Freude nicht mindern.

Plötzlich standen einige Soldaten vor mir dieselben, die mich vom Pferde geschossen und fragten:Was haben Sie da heimlich ver⸗ brannt? Sie ließen einige Worte von Espionage fallen und vom Füsilieren. Ich war verlegen um eine Antwort: das verbesserte meine Sache nicht. Die Kerls, ich bemerkte es gar wa suchten Händel an mir. Sie erklärten mich verdächtig, führten mich in die Wachthütte, wo ich Ueberrock und Stiefel ausziehen und den Hut abgeben mußte. Sie nahmen das alles mit sich fort. Ich sah weder die Kerls noch meine Kleider wieder.

Den Tag über ward ich noch einige Male wegen der verbrannten Papiere in Frage genommen. Und da ich auf meinen Aussagen beharrte, es seien Kleinigkeiten, Familienange⸗ legenheiten, Privatbriefe gewesen, wurde ich von zwei Mann, die Angesichts meiner ihr Gewehr luden, fortgeführt, wie es hieß, ins Quartier des Generals.

Ohne Rock, barhäuptig und barfüßig, im feuchtkalten Oktoberwetter, mußte ich nun mit meinen Begleitern eine Spazierreise von drei Stunden Weges machen. Kotig und zerlumpt, rein ausgeplündert, war ich ärmer als ein Bettler; denn selbst die Freiheit fehlte mir. Ja sogar mein Leben war ein schlecht versichertes Gut, weil die Franzosen im Felde einen zu kurzen Prozeßgang lieben. Angeklagt wegen Espionage hängt man den armen Teufel auf, oder füsiliert ihn, und bekümmert sich hinten⸗ nach nicht weiter um ihn, ob er's übel nimmt.

(Fortsetzung folgt.)

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Schwelgende Verschwender.

In der vorletzten Nummer zitierten wir einen in derWoche erschienenen Artikel, in welchem den Arbeitern als genügende täg⸗ liche Nahrung ein Kilo Brot, 100 Gramm Butter und/ Pfund Käse zugebilligt wurde. Was darüber sei, wäre Verschwendung. Hören wir, was man inbesseren Kreisen verspeist.

Der Pariser Journalist Jules Huret berichtet imFigaro über die Kosten schwelgerischer Mahlzeiten. Er bemerkte in einem der berühmten Restaurants, daß an einem Tisch mit elf Ge⸗ decken eine Rechnung von 5000 Franken(rund 4000 Mark) bezahlt wurde. Man trank Weine zu 50 und 100 Franken, die Blumen auf dem Tische kosteten 100 Franken, Pfirsiche das Stück zu 15 Franken wurden gekostet. Durch diese Mitteilungen neugierig gemacht, begab sich Huret auf das Gebiet der Forschung: Er wollte wissen, wie hoch sich die fürstlichen Rechnungen in den Pariser Restaurantsà la mode belaufen. In den meisten großen Restaurants erklärte man übereinstimmend, daß man bei mehr als 100 oder höchstens 150 Franken per Kopf nicht mehr das Essen oder Trinken bezahlt; wenn

man mehr verwendet, so will man es eben durchaus, so wünscht und verlangt man es.

lange Reihe von Dächern; läsest du deinen

die Zeitung für die elegante Welt, und Coulissen⸗( anekdoten bei einer Pfeife Tabak! Was könnte

Haus gegeben hättest, würdest du dich mit!

Hier fielen mir die preußischen Siegeslieder

Vokation zum Pfarrer mit verbrannt hatte,

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