Ausgabe 
22.9.1901
 
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Nr. 38.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

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Seite 3.

Werken die Achtstundenschicht eingeführt. Was das Beste ist, der Bericht des Unternehmer⸗ Vereines macht bekannt, daß an der verkürzten Arbeitszeitstreng festgehalten wird!

Entwicklung des Genossenschaftswesens.

Die Großeinkaufs⸗Gesellschaft Deutscher Konsumvereine hat im Monat Juli einen Umsatz von zirka 1,271,500 Mk. zu verzeichnen gehabt. Der Umsatz im Juli des Vorjahres war 598,100 Mk., das ist eine Zu⸗ mahme von 673,400 Mk. oder 112 ¼ Prozent. Diese gewaltige Zunahme für den Monat Juli stellt alles bisher in der Entwickelung der Groß⸗ einkaufs⸗Gesellschaft Dagewesene in den Schatten. Wie wir seiner Zeit mitteilten, betrug die Zu⸗ tahme im 4. Quartal 1900 48 Prozent, im 1. Quartal 1901 63 Prozent und im 2. Quartal 1901 83 Prozent. Dieses von Monat zu Monat sich steigernde Wachstum ist jedenfalls ein sprechender Beweis für die außerordentlich gestiegene Leistungsfähigkeit der Gesellschaft und für das lebhafte Interesse, das derselben immer mehr von den deutschen Konsumgenossenschaften tutgegengebracht wird. Nur durch die Energie der deutschen Konsumgenossenschaften ist dieses gewaltige Wachstum möglich gewesen. Wenn dieses einige Jahre festgehalten werden kann, o wird der Gedanke der Organisation des onsums auch für Deutschland bald kein leerer Schall mehr sein.

Ferner sind noch folgende Zahlen bemerkens⸗ bert, die auf dem Aufangs dieses Monats in Baden-Baden stattgefundenen Genossen⸗ schaftstage von Seiten des Anwalts mit⸗ geteilt wurden. Danach haben 568 in die Statistik aufgenommene Konsumvereine 522116 Mitglieder, wovon 60,8 Prozent Arbeiter sind. Der Verkaufserlös betrug 126,970,187 Mk., wovon 12,743,520 Mk., also etwa ein Zehntel, als Ueberschüsse an den zu Tagespreisen ver⸗ kauften Waren den Mitgliedern wieder zu Gute emen. Das Betriebskapital betrug 28,034,596 Mk., bestehend aus 10,842,265 Mk. Heschäftsguthaben der Genossen, die zumeist aus leinen Beiträgen und Gewinnanteilen ange⸗ sammelt wurden, aus 4,856,624 Mk. Reserven und aus 12,335,707 Mk. angeliehenen fremden Geldern, worin 6,481,631 Mk. Anlehen auf igene Grundstücke enthalten sind; letztere stehen nit etwa dem doppelten Werte zu Buch. bigene Produktion haben 86 Konsum⸗ bereine: 74 Bäckereien, 3 Schlächtereien, 1 Kel⸗ rei, 4 Destillationen, 1 Korbwarenfabrikation, J Blumenstabfabrikatton, 2 Vereine lassen Hem⸗ ben⸗ und Herrengarderobe anfertigen. Für Fortbildungs- und gemeinnützige Zwecke wurden Meder 32,018 Mk. aufgewendet.

der Verbandstag Deutscher Gewerbe⸗ gerichte.

at vorige Woche in Lübeck stattgefunden. leber die Verhandlungen sei in gedrängter stärze folgendes berichtet. Nach geschäftlichen Mitteilungen des Stadtrates Dr. Flesch⸗Frank⸗ irt referirte Gewerberichter Dr. Grote⸗Bremen iber das Verfahren in Einigungssachen bei etreiks und Aussperrungen und sodann Privat⸗ hzent Dr. Jastrow, Stadtrat in Charlotten⸗ burg, über die Einigungsämter im Auslande. siechtsrat Dr. Menzinger⸗München sprach lber die durch die letzte Novelle herbeigeführten hewerbegerichts⸗Reformen und Rechtsrat Bacher⸗ Augsburg über die kaufmännischen Schiedsge⸗ lichte, deren Angliederung an die Gewerbegerichte u pfohlen wurde. Ueber die Arbeitsordnung und ihre Bedeutung im Allgemeinen referirten kwerbeinspektor Dr Czimatis⸗Solingen und g werberichter Dr Trenner-München. Dieser benkt zeitigte eine lebhafte Debatte und ergab ue Differenz in den Anschauungen zwischen den llbeitgeber- und Arbeitnehmer ⸗Beisitzern. Endlich wurde noch die Anwendung des§ 616 B.⸗G.⸗B. leprochen, wozu Gewerberichter Siegel⸗Stutt⸗ jet referirte. Die Arbeitnehmer⸗Beisitzer, die ndiesem Jahre zum ersten Male mit beraten⸗ se Stimme an den Verhandlungen teilnahmen, soderten mit Recht als vollberechtigte Teil⸗ shmer zugelassen zu werden, da sie sich sonst setändig or ganisiren würden. Ihre Ab⸗

änderungsanträge zu den Verbandsstatuten werden, auf dem Würzburger Verbandstage beraten werden. Bisher war der Verband nur eine Organisation der Vorsitzenden der Gewerbe gerichte.

AuchArbeiter Vereine.

Von unserer Seite ist immer darauf hinge⸗ wiesen worden, daß die Mitgliedschaft der evangelischen Arbeitervereine sich nur zum Teil aus Arbeitern zusammensetzt. Das geht offen⸗ kundig aus einer Statistik hervor, die kürzlich veröffentlicht wurde. Danach haben die ge⸗ nannten Vereine 76761 Mitglieder, worunter sich aber nur rund 40000 wirkliche Arbeiter befinden. Also nahezu die Hälfte der Mitglieder dieserArbeitervereine setzt sich aus Pastoren, Handwerksmeistern, Beamten usw. zusammen. Diese Zusammensetzung ist ein sehr wichtiger Erklärungsgrund dafür, daß diese Organisationen zu wichtigen wirtschaftlichen und poltitischen Fragen immer so unentschieden Stellung neh⸗ men. Wie dem Zentrum scheint aber auch dieser Vereinigung der neue Zolltarif gefährlich werden zu wollen. Allenthalben regt sich in ihren Kreisen der Widerspruch gegen den Zoll⸗ wucher. Selbst der Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes der evangelischen Arbeiterver eine und dieser Verband ist sonst allenthalben Schleppträger der konservativen Reaktion ge⸗ wesen! erläßt einen Aufruf zum energischen Protest an seine Mitglieder. Die frommen Brotwucherer erleben wenig Freude an ihren Schützlingen.

Kläglich hereingefallen.

Vor Kurzem hat in Schlesien ein Kranken⸗ kassenvorsitzender, Preisker, von einem Arzt, der sich um die Kassenarztstelle bewarb, Geld zu erpressen versucht, für den Fall, daß er gewählt sein möchte. Der Erpressungsbrief wurde vernünftiger Weise von dem Arzt ver⸗ öffentlicht. Verschiedene Ordnungsblätter er⸗ laubten sich nun, den sauberen Herrn Vorsttzenden alsGenossen zu bezeichnen und Angriffe gegen die Sozialdemokratie an den Vorgang zu knüpfen. 5 bürgerliche Blätter brachten die folgende Notiz:

ehe Preisker eignet sich da die saubere

Praxis an, die in derkapitalistischen Gesellschaft bei kommunalen und anderen Lieferungen u. s. w. leider häufiger vorkommt, als zugegeben wird.

Alle diese Blätter sind ganz erbärmlich hineingefallen; denn unser Breslauer Parteiorgan veröffentlicht in seiner letzten Nummer folgende Erklärung zu dem Fall:

Wir stellen fest, daß Herr Preisker wohlbestallter Schneider meister ist, mehrere Gesellen beschäftigt und Parteigänger der konservativ⸗klerikalen Richtung ist. Unsere Genossen sind im Krankenkassenvorstande fast gar nicht vertreten. Lügen haben zwar kurze Beine; es sollte uns aber gar nicht wundern, wenn gewerbmäßige Verleumder der Sozialdemokratie damit weiter krebsen gehen.

Wieder ein verkrachtes Antisemitenblatt.

Die seit längerer Zeit in Krefeld heraus⸗ gegebene antisemitischeDeutsche Zeitung ist vor Kurzem eingegangen, ohne daß ihr Abgang irgendwie einem größeren Publikum bemerklich wurde.

Krieg in Südafrika. Kämpfe. Vorigen Freitag griffen die Buren unter Theron⸗Heidelberg, das von einer Abteilung des West⸗Norksire⸗Regiments ver⸗ teidigt war, mit großer Kühnheit an, wurden jedoch zurückgeschlagen. 3 Major Demant, der gegen Hertzogs Kommando operiert, gelang es bei Fauresmith, 11 Buren in einen Hinterhalt zu locken und gefangen zu nehmen. n Oberst Crabbe hatte mit Scheepers ein Gefecht bei Ockerstkraal in der Nähe von Ladysmith. Der Feind, der 200 Mann stark war, hatte 11 Verwundete. Auf englischer Seite wurden ein Offtzier und zwei Mann verwundet. Der Feind zog sich in östlicher Richtung zurück.

Der Sekretär Therons ergab sich in Riversdale. Es ist dies der einzige Burenoffizier, der sich in der Kolonie infolge der Proklamation Lord Kitcheners ergeben hat.

Arbeiterbewegung.

T Ueber Einführung der Arbeits⸗ losen⸗Unterstützung nahm der Verband der Zimmerer eine Urabstimmung vor. Mit Ja stimmten 3577 Mitglieder, mitNein 8133; 107 Zettel waren ungültig; somit ist die Einführung der Arbeitslosenunterstützung abgelehnt.

T Ende des amerikanischen Stahl⸗ arbeiterstreiks. Der Streik der Stahl⸗ arbeiter wurde am Samstag nach einer sechs⸗ stündigen Besprechung zwischen den Vertretern der Amalgamated⸗Assoziation und der United States⸗Steel⸗ Corporation für beendigt erklärt. Die Arbeiter nahmen die Arbeit wieder auf, zu welchen Bedingungen wurde noch nicht mitgeteilt.

Die Maurer an den Kasernenbauten des Unternehmers Flügge in Mainz stellten die Arbeit wegen Lohnabzügen ein. Von der Lohn⸗ kommission unternommene Einigungsversuche scheiterten. Vor Zuzug wird gewarnt.

T Der Glasarbeiter-Generalstreik ist wegen Mangel an Mitteln aufgegeben worden.

4 Der Kampf der Tabakarbeiter in Nordhausen dauert noch fort. Zu empfehlen ist der Konsum von Kautabak von folgenden Firmen: Grimm und Triepel, Hendeß und Schumann, Walther und Sevin, Athenstädt und Bachrodt, Steinert und Hellmund, Paul Kuntze, Nottrodt und Comp. Die übrigen acht Firmen: C. A. Kneiff, G. A. Hanewacker, Berlin u. Bona, F. C. Lerche, H. u. R. Wittig, Rothhardt u. Co., G. Red⸗ dersen, Salfeldt u. Stein(Firma Gail⸗ Gießen) haben den Schiedsspruch noch nicht anerkannt.

Von Fern. Mittetlungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf ei ner Seite zu beschreiden.

Gießener Angelegenheiten.

Beachtung für die Rekruten. Die zur Ableistung ihrer Militärpflicht demnächst einrückenden Rekruten werden gut thun, ihre Quittungs karten über die gezahlten Bei⸗ träge zur Alters-und Invaliditäts⸗ versicherung sorgfältig aufzubewahren, da diese nach der Entlassung und bei dem Wieder⸗ eintritt in die versicherungspflichtige Beschäfligung abzugeben sind. Die Militärdienstzeit wird den Versicherten so angerechnet, als hätten sie während dieser Zeit ihre Beiträge gezahlt. Wir machen ferner darauf aufmerksam, daß eine Karte ihre Gültigkeit verliert, wenn sie nicht innerhalb zweier Jahre, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, umgetauscht wird. Um Scheerereien zu vermeiden, geben die zum Militär eintretenden Versicherungs⸗ pflichtigen am besten vor ihrer Abreise die Karte bei der zuständigen Stelle ab. Hier in Gießen können die Karten der Ortskassenmitglieder bei der Ortskasse niedergelegt werden.

Ein netter Rechtsanwalt. Vorigen Freitag verurteilte die Strafkammer den hiesigen Rechtsanwalt Aug. Wagner zu zwei Wochen Gefängnis. Er war wegen Betrugs vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von M. 20 verurteilt worden, weil er, widerrechtlich Er sparnisse seines Dienstmädchens, mit dem er in Differenzen geraten war, abgehoben und für sich verwendet hatte. Gegen das Ur⸗ teil legten sowohl die Staatsanwaltschaft wie der Verurteilte Berufung ein. Der Staats⸗ anwalt vertrat in der Strafkammerverhandlung auf Grund der Beweisaufnahme die Ansicht, daß die vom Schöffengericht erkannte Strafe nicht ausreichend sei. Wenn ein Mann, wie der Angeklagte, der kraft seines Amtes dazu berufen sei, das Recht zu vertreten, so handelte,