Ausgabe 
21.4.1901
 
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Teite 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Entscheidung des Gewerbe-Gerichtes in Leipzig kann einseitiges Aussetzen der Arbeit nicht stattfinden. Der Steinmetz G. war bis zum 1. April d. J. bei der Firma D. u. T. als Polier thätig gewesen. Von dieser Zeit an sollte G. als Akkordarbeiter thätig sein. G. ist aber nicht ganze drei Tage als folcher beschäftigt worden, sondern es ist ihm eröffnet worden, daß er aussetzen müsse, weil keine Pläne da seien. G. behauptete, daß er gegen das Aussetzen protestiert habe und fordert deshalb 70 Mark Entschädigung für die Kündigungszeit von 14 Tagen. Der Beklagte mußte zugeben, daß Kläger nicht mit dem Aussetzen einverstanden war, er bestritt nur die Angemessenheit der Forderung. Das Gericht verurteilte die Firma zur Zahlung von 56 Mark. In der Begründung des Urteils wurde vom Vorsitzenden Dr. Roth ausgeführt, daß ein festes Arbeits verhältnis nicht ohne weiteres durch Aussetzen beendet werden könne, wenn der andere Teil seine Zustimmung nicht gäbe oder nicht mehr gäbe. In diesem Falle müsse die Kündigungszeit, in diesem Falle 14 Tage, eingehalten werden.

Pon Nah und Fern.

Sießener Angelegenheiten.

K. Buchdrucker versammlung. Sonn⸗ tag Vormittag fand eine von Gießen zahlreich, sowie auch von Grünberg, Friedberg, Nauheim und Alsfeld besuchte Bezirksversammlung des Verbandes deutscher Buchdrucker statt, in der die Delegierten über den Verlauf des Gautages, der an den Osterfeiertagen in Offenbach tagte, Bericht erstatteten. Die Ausführungen der Delegierten fanden den Beifall der Versamm⸗ lung, die ihnen für ihre Thätigkeit und aus⸗ führliches Referat dankte. Nur mit den Er⸗ gebnissen der Generalversammlung der Witwen⸗ und Waisenkasse war man nicht einverstanden. Schließlich bewilligte die Versammlung 20 Mk. aus der Bezirkskasse für die Glas⸗ arbeiter in Nienburg und Schauenstein. Am Nachmittag trafen sich die auswärtigen und Gießener Kollegen zu geselligem Beisammensein.

Der Tapezierer⸗ Verband, Filiale Gießen, hält am 28. April seine General⸗ versammlung im Wiener Hof bei Löb ab. Der Beginn derselben ist auf Punkt ½9 Uhr festgesetzt, weil sich an die Mitgliederversamm⸗ lung eine öffentliche Tapezierer⸗Versammlung anschließen soll, zu welcher ein auswärtiger Referent erscheinen wird. Mögen deshalb alle im Tapezierer⸗Gewerbe Beschäftigten recht zahl⸗ reich erscheinen!

Eine Bäckerversammlung, in der Genosse Jöst aus Frankfurt unter lebhaftem Beifalle der zahlreich erschienenen Bäcker, die Bestrebungen des Verbandes auseinandersetzte, fand am Mittwoch imWiener Hof statt. Die überzeugenden Ausführungen des Referenten fanden allseitige Zustimmung. Der Wirt zurStadt Cassel, Kaplaneigasse, Herr König, bei dem die Bäcker und auch die Buchdrucker bisher ihr Vereinslokal hatten, verweigerte sein Lokal für diese Versammlung. Dem Manne ist Arbeiterkundschaft offenbar unangenehm; es muß deshalb dafür gesorgt werden, daß er von Arbeitern nicht mehr belästigt wird.

Bürgermeister Köhler, Reichs- u. Landtagsabgeordneter ꝛc. ꝛc. stritt sich mit seiner Gemeinde vor dem Provinzialausschuß wegen der Bureaukosten von 752 Mk. jährlich, die ihm seine Gemeinde nicht zahlen will. Die Amtsvergütung wurde ihm aber zugesprochen.

Wieseck.

Für Wieseck findet die Maifeier am Sonntag den 28. April im Lokale von Adam Ziegler statt. Die Festrede wird Genosse Krumm-⸗Gießen halten. Gesangs⸗ vorträge, Deklamationen, theatralische Auffüh⸗ rungen werden unsern Genossen reichliche und angenehme Unterhaltung bieten. Sorge ein

Jeder in seinen Freundes- und Bekanntenkreisen für zahlreiche Beteiligung; angesichts der junker⸗ freundlichen

Politik der Regierung ist fester

Zusammenschluß der Besitzlosen und entschiedene Betonung unserer Klassenforderungen notwendig! Samstag, den 20. April wird Gen. Vetters über den hess.Landtagswahlgesetzentwurf sprechen.

Autisemiten⸗Versammlung in Hungen.

Um die Junker in ihrem Raubzuge auf die Taschen des werkthätigen Volkes nach Möglich⸗ keit zu unterstützen, hatten die Antisemiten, die sich früher einmal alsVolkspartei be⸗ zeichneten und im Interesse des Mittelstandes reformieren wollten, sich aber mehr und mehr zu einer Schutztruppe der adligen, brotwucherischen Großgrundbesitzer entwickeln, ihren Anhang mobil gemacht uud eine Versammlung nach Hungen einberufen. Zu der Versammlung, die dort imSolmser Hof am Sonntag statt⸗ fand, hatten sich die Bauern aus der Umgebung zahlreich eingefunden. Herr Köhler führte den Vorsitz und Herr Hirschel hielt das Referat, in dem er natürlich die Getreidezoll erhöhung als einziges Mittel pries, umdie Landwirtschaft vor dem Ruin zu schützen. Vorher ließ man den Großherzog hochleben, ein Zeichen, daß die Herren noch nicht unter die Revolutionäre gegangen sind, wie sie es mehrfach angedroht haben. Wer aber glaubte, daß Hirschel den Bauern das Wesen der Zölle und ihre volkswirtschaftliche und handelspolitische Wirkung einigermaßen auseinandersetzen würde, wenn auch von seinem Standpunkte aus, der war gründlich getäuscht. Seine Rede war nichts als eine wüste Schimpferei auf die Sozialdemo⸗ kraten, die, bezahlt von dem jüdischen Groß kapital, sich gegen die Forderung der Land⸗ wirtschaft wenden und so deutlich sind, von Brotwucher zu sprechen.(Hirschel sagte dabei nicht, daß er und seine Parteifreunde Böckel und Werner für jüdische Journalisten be⸗ zahlte Berichte lieferten). Die städtischen Arbeiter bezeichnete er ais Abschaum der Bevölkerung; sie lebten herrlich und in Freuden, was er aus Inseraten des Offen⸗ bacher Abendblattes, in denen Wirte ihre Lokalitäten empfehlen, zu beweisen suchte. Schließlich wandte er sich noch dagegen, daß man nach dem hessischen Wahlgesetzentwurf dem Lumpenzeug, das nach Hessen zugezogen sei,(damit meinte er offeubar die Arbeiter) das Wahlrecht geben wolle.

Genosse Vetters ergriff hierauf das Wort, um unsere Ansichten über die Getreidezölle darzulegen. Er bemerkte zunächst, daß, so wie das große Kapital auf allen Gebieten den kleineren und mittleren Besitz aufsuche, es auch bei der Zollerhöhung den größten Vorteil haben werde, während der Kleinbauer keinen Nutzen davon habe. Daß unsere Partei die Interessen des Kapitals vertrete, glaube Hirschel wohl selbst nicht. Unerhört sei, daß dieser die städtische Arbeiter, unter denen sich doch auch Söhne von Bauern befänden, als Abschaum der Menschheit bezeichne. Die Arbeiterschaft habe schon jetzt schwer zu kämpfen, die Arbeits⸗ löhne sinken, während Lebensmittelpreise und Wohnungsmieten steigen, letztere durch die Parteifreunde Hirschels in die Höhe getrieben. Hätten die Bauern Nutzen von den Zöllen, so müßten sie seit 20 Jahren, seitdem sie einge⸗ führt sind, etwas gemerkt haben. Getreidezoll⸗ erhöhungen, wie sie von agrarischer Seite ver langt würden, bedeute allerdings Brot wucher. Vetters wurde oft durch minutenlanges Gebrüll unterbrochen. Dann erging sich der Redakteur vom Offenbacher antisemitischen Blatte noch eine zeitlang in einer niedrigen Schimpferei auf die Arbeiter und unsere Partei. Genosse Busold aus Friedberg sagte Hirschel: er dürfe nicht so verächtlich von den Arbeitern, die ge⸗ zwungen wären, ihren Wohnsitz zu wechseln, sprechen, das könne ihm auch passieren. Sein Blatt könne auch einmal verkrachen wie das Dresdener Antisemitenorgan, daun müsse er auch andere Unterkunft suchen. Hirschel suchte die gemachten Einwendungen zu entkräften, be⸗ hauptete, daß Offenbacher Fabrikbesitzer die Sozialdemokratie unterstützten, konnte aber auf Aufforderung Vetters, keinen Namen nennen. Als Hirschel aus einer von Köhler in Langs dorf aufgenommenen Statistik Nutzen für

die Kleinbauern durch die Zölle nachweisen wollte, rief uns ein Bauer aus Langsdorff zu: das stimmt nicht, Köhler hat allen vorge⸗ sagt, was sie schreiben sollen! Nun, wir wollen uns die Statistik gelegentlich näher ansehen.

Natürlich wurde die Refolution für die Zölle gegen die Stimmen unserer Genossen(es waren nur einzelne anwesend)? angenommen und schließlich gröhlte man das berühmte Deutsch⸗ land, Deutschland über Alles!

Aus dem Kreise Friedberg.

d. Chinakämpfer gesucht. Bei der Kontrollversammlung in Friedberg fragte Major Peytsch, ob Jemand Lust habe als Nachtschub nach China freiwillig mitzugehen. Nur tadel⸗ lose Leute mit guten Zeugnissen sollten sich

melden, damit keine Hunnenbriefe mehr

herüber können. Diese Bemerkung nahm man mit allgemeinem Lachen auf, doch meldete sich nicht ein einziger.

Baienheim.

Hier hat am Mittwoch voriger Woche ein braver Bergarbeiter auf eigenartige Weise sein Leben eingebüßt. die Hecke, wobei er sich durch einen Dornenstich eine Blutvergiftung zuzog, an deren Folgen er Freitag Nacht verschied. Die Teilnahme an dem traurigen Vorfall ist eine allgemeine.

Aus Bad Nauheim

Man schreibt uns: Als vor einigen Wochen die Nachricht hierher kam, die Regierung beab sichtige die Errichtung eines staatlichen Badehotels, da bemächtigte sich einer An⸗ zahl Interessenten, Hoteliers usw. eine große Erregung. Sie verstanden es in meisterhafter Weise, weite Kreise unseres Kleinbürgertums, Villenbesitzer und den gesamten Gemeinderat mobil zu machen, ungefähr in derselben Weise, wie die Junker in Sachen Getreidezölle für ihre Interessen zu arbeiten verstehen. Und als dann in der Kammer die Angelegenheit zur Sprache kam, da schrieb der Bad Nauheimer Anzeiger: die und die Abgeordneten waren da⸗

für und auchUlrich, auf den man hier Nicht ein⸗ mal, daß man auch nur an den nationalliberalen Abgeordneten für Bad Nauheim erinnert hätte, der doch nie etwas von sich hören läßt,

so großes Vertrauen setzt.

während man von dem Sozialdemokraten Ulrich unbedingt verlangt, daß er Bad Nauheims Interessen wahrnimmt. Bei der Wahl freilich da sind die Sozialdemokraten nicht Diejenigen, die Bad Nauheims Interessen wahrnehmen und auf die man großes Vertrauen setzt! Doch zur Sache selbst. nichts gegen die Errichtung eines Badehotels einwenden und wir teilten den Standpunkt des Genossen Ulrich. Heute sind wir jedoch einer anderen Meinung.

eine Unsicherheit in unsere Erwerbs⸗ verhältnisse gebracht, die für Hunderte von hier und der Umgegend unheil⸗

voll werden muß, wenn die Regier ung Was die Regierung in Verbindung mit der Kammer seit

nicht allen Ernstes eingreift.

einer Reihe von Jahren zur Förderung des Bades geschaffen hat, droht innerhalb kurzer Zeit verloren zu gehen. Vor allem muß

versucht werden, die Bevölkerung zu

beruhigen und dazu gehört auch das Fallen⸗ lassen des Badehotel⸗Projekts. Man wird ohne⸗ hin genug Mühe haben, für den Sommer genügend Fremde heranzuziehen.

Aber auch von einem andern Gesichtspunkte empfiehlt sich, den Plan aufzugeben. Einsichtige Sachkenner sowie auch, wie wir gehört haben, hervorragende Bergbeamte, sind der Meinung, daß im Winter vorerst unsere Quellen nach Möglichkeit geschont werden müssen, um sie für den Sommer zu kräftigen, wenn nicht ähnliche Vorkommnisse, wie in diesem Jahre, sich wiederholen sollen. Und dieser Mahnung sollte man nachkommen. Der jetzige Augenblick ist der allerungceeignetste für die Verwirklichung des erwähnten Planes.

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Die letzten Vorkommnisse haben hier eine Erregung gezeitigt und

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