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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 16.
dauernde Abhilfe für die Notlage der Landwirtschaft enthalten. Denn aller Gewinn derselben, sagt er, welchen der Landwirt und Bauer für sich selbst erhofft, fällt dem Kapital zu.„Der Kapitalwert eines Gutes ergiebt sich aus dem Geldwerte seines Durchschnittsertrages nach dem landesüblichen Zinsfuße kapitalisiert, selbstverständlich nach Abzug der Steuern und anderweitigen Betriebs- Ausgaben. Steigt dieser Kapitalwert durch Schutzzölle, so wird das Gut bei der nächsten Verteilung höher veranschlagt, beim nächsten Verkauf höher ge⸗ wertet und der künftige Inhaber muß als Tribut der Erde und der Arbeit an das arbeis⸗ lose Kapital noch mehr Zins und Amortisation bezahlen, wie der vorhergehende. Nach kurzer Zeit ist die Lage wieder die gleiche, wie jetzt: Ueberschuldung und als Folge derselben das Defizit. Dann erhebt sich neuerdings der Ruf nach Schutzzöllen, um dadurch der Landwirt⸗ schaft wieder aufzuhelfen und so eine künstliche Grundrente an Stelle der natürlichen zu schaffen. Kaum ist dies geschehen, so beginnt das Spiel von Neuem, die Verschuldung durch neue kapi⸗ talistische Belastuug vermehrt sich wieder und so geht es fort in beständigem Wechsel zwischen E höhung des Schutzes und Erhöhung der Versculdung, während der Kapitalismus durch tausend Saugarme jeden Vor⸗ teil, den die produzierenden Klassen vom Zollschutz haben könnten, in sich sammelt.“
So ist es. Die Ausführungen des Zentrums— abgeordneten laufen auf dasselbe hiuaus, was auch von unserer Seite über die Wirkung der Getreidezölle gesagt wurde, nämlich, daß am letzten Ende doch nur der Großkapitalist den Vorteil und der Kleinbauer das Nachsehen hat. Und der Wert der Jäger'schen Argumentationen wird ebensowenig dadurch abgeschwächt, daß sie älteren Datums sind, noch dadurch, daß die Zentrumspartei jetzt eine andere Stellung in der Frage einnimmt. Den klerikalen, antisemi⸗ tischen ꝛc.„Bauernfreunden“ müßten diese von einem der ihren angeführten Gründe gegen die Getreidezölle gebührend unter die Nase ge⸗
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Politische Rundschau.
Gießen, den 18. April. Das Hunnenblld,
das der„Vorwärts“ seiner Osternummer bei— legte und das wir in unserer letzten Nummer besprachen, hat sich als unecht erwiesen. Es stammt aus einem älteren Reisewerke und soll hingerichtete Räuber in Siam darstellen. Der „Vorwärts“ bemerkte schon bei der Veröffent⸗ lichung des Bildes, daß es vorher in einem christlichen Missionsblatte abgedruckt worden sei. Entweder ist nun der Soldat, der diese Photo⸗ graphie mit in die Heimat schickte, selbst ge⸗ täuscht worden, oder er hat andere getäuscht. Natürlich fällt die gesamte Ordnungspresse, die Muckerblätter im Verein mit den„unpar⸗ teiischen“ Organen wütend über den„Vorwärts“ her und kläfft ihn ob seines Irrtums an. „Seht“, rufen die Hunnenverteidiger jubelnd aus,„so sieht das Anklagematerial gegen den Hunnenzug aus— alles Schwindel!“ Der „Vorwärts“ hat mit vollem Recht erwidert, daß ein einzelner Irrtum nichts gegen das gesamte übrige massenhafte Material beweise, daß jedenfalls für diese eine falsche zahlreiche echte hunnische Photographien beigebracht werden könnten. Das scheert aber die Gesellschaft nicht. Wir meinen sogar, daß nach den zahlreichen übereinstimmenden Berichten zu schließen, viel grausigere Scenen stattgefunden haben, als die auf dem Bilde dargestellte. Die Ent⸗ rüstung über den einen Irrtum des sonst sehr gut unterrichtsten„Vorwärts“ ist also höchst unangebracht, die guten, frommen„Patrioten“ sollten sich lieber über die von Europäern be⸗ gangenen Greuelthaten entrüsten, deren gerade jetzt eine japanische Zeitung wieder eine ganze Menge und zwar höht grauenvolle berichtet.
Der Zolltarif
dürfte in dieser Reichstagssession kaum erledigt werden. Bis jetzt gelang es noch nicht, ihn an den Bundesrat zu bringen, es erscheint da⸗ her, nach Meinung der„Frkftr. Ztg.“, voll⸗ ständig ausgeschlossen, daß der Entwurf in dieser Session noch dem Reichstage zugeht.
„Not der Landwirtschaft.“
Seit Jahren schon stimmen die Agrarier bewegliche Klagen über die Not der Landwirt⸗ schaft an, der durch Erhöhung der Zölle auf das Doppelte und Dreifache abgeholfen werden soll. Mit der„Not“ ist es aber nicht so schlimm, besonders nicht bei den Landwirten, die am lautesten nach Echöhung schreien. Dafür lieferte wiederum die„Mindener Ztg.“ ein schlagendes Beispiel. Danach verkaufte im vorletzten Winter der Rittergutsbesitzer Schmidt sein Rittergut Wietersheim für einen sehr anständigen Preis an zwei Braunschweiger, die Brüder v. Lauingen. Dieselben bewirt⸗ schafteten dasselbe während eines Jahres und kürzlich verkauften sie das Rittergut Wieters⸗ heim an den aus den Peiner Gegend stammen⸗ den Oekonomen Steinmeyer mit einem Ge⸗ winn von Mk. 50000. Außerdem haben die Brüder von Lauingen den Viehbestand um das Kapital von Mk. 30 000 verringert, so daß diese beiden adligen Agrarier in dem einen Jahre einen Gewinn von Mk. 80,000 gemacht haben. Da Stein⸗ meyer ein tüchtiger Landwirt sein soll, so muß er doch die Ueberzeugung haben, daß es mög⸗ lich ist, die Verzinsuug der mehr bezahlten Mk. 80 000 aus dem Gute herauszuwirtschaften. Denn ihrer schönen Augen wegen hat er doch sicher das Mehr von Mk. 80 000 an die Herren v. Lauingen nicht bezahlt.
Gutbezahlte Agitatoren des Bundes der Landwirte.
Man muß anerkennen, daß sich der Bund der Landwirte in Bezug auf die Bezahlung seiner Agitatoren nicht lumpen läßt. Das zeigt eine Erklärung des Führers des bay⸗ rischen Bauernbundes, des Herausgebers der „Neuen bayr. Landesztg.“, Memminger.
Mit dem Bunde der Landwirte, der die Mitglieder des bayrischen Bauernbundes gerne kapern möchte, will letzterer nämlich nichts zu thun haben und beide Organisationen führen einen erbitterten Krmpf gegeneinander. Gelegentlich einer Auseinandersetzung erklärte nun Memmin⸗ ger:„Der Bund der Landwirte ließ mir 1893 für jede Versammlungsrede 50 Mk. außer den Reisespeseag, dann 70 Pfg. jährliche Ver⸗ gütung für jedes Exemplar meiner Zeitung an⸗ bieten. Das hätte für mich per Jahr an 10000 Mark Mehreinnahme aus⸗ gemacht, ich habe sie bestimmt abgewiesen.“ Also der Bund zahlt unter Umständen recht
anständig. Die gutbezahlten Agitatoren fühlen
sich dafür natürlich verpflichtet, in ihren Ver⸗ sammlungen über die„gewerbmäßigen und be⸗ zahlten Hetzer“ der Sozialdemokratie zu schimpfen.
Herr v. Heyl vergrößert seinen Grund besitz.
Vor einiger Zeit veröffentlichte die„Darm⸗ städter Ztg.“ eine Bekanntmachung des Amts⸗ gerichts Oppenheim, aus der hervorgeht, daß Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim, Fabrik- und Großgrundbesitzer in Worms, das in der Ge⸗ markung Guntersblum gelegene Fideikommiß Guntershausen durch Angliederun! einer Reihe von Grundstücken, die in den Gemarkungen Gundernhausen, Großzimmern, Lampertheim, Seehof, Viernheim und Lorsch liegen, zu ver⸗ größern beabsichtigt.— Da Herr Heyl schon wiederholt„angegliedert“ hat, so ist wohl anzu⸗ nehmen, daß er mit den Erträgen aus seiner Land wirtschaft bisher nicht allzu schlecht abge⸗ schnitten hat. Und in Zukunft solls ja durch die Kornzoll⸗Erhöhung noch besser werden.
Merkwürdige Gesundheitsrücksichten.
Dem württembergischen Kriegs minister Schott von Schottenstein wurde das ein⸗
gereichte Rücktrittsgesuch in Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand bewilligt. Welcher Art diese Gesundheitsrücksichten sind, teilten wir kürzlich mit. Der genannte Herr sollte nämlich in einem Kuppelei-Prozesse als Zeuge ver⸗ nommen werden; zuletzt nahm man jedoch von seiner Vernehmung Abstand, da der Angeklagte sich bereit finden ließ, auf sein Zeugnis zu verzichten. Dem Entlassenen wird der Justiz⸗ minister Breitling in der Ministerpräsident⸗ schaft nachfolgen.
Unternehmergewinne.
Die Donnersmarckhütte erzielte im Jahre 1900 einen Bruttogewinn von 4,307,740 Mk.(im Vorjahre 3,706,561). Der Aufsichtsrat beschloß, die Verteilung einer Dividende von 16 pCt. (im Vorjahre 15 pCt.) vorzuschlagen. Außer⸗ dem wurden verwendet 806,714 Mk. zu Ersatz⸗ bauten, 1,440,500 Mark zu Abschreibungen, 200,000 Mark für Rückstellungen, 93,026 Mark für den Reserve⸗Fonds, 72,656 Mark für Tan⸗ tiemen, 77,689 Mark zu Wohlfahrtszwecken. Hauptaktionär ist Graf Henckel v. Don⸗— nersmarck.— Der Aufsichtsrat der Höchster Farbwerke beschloß, der Generalversammlung der Aktionäre pro 1900 eine Dividende von 20 pCt. vorzuschlagen. Im vorigen Jahre gab es 26 pCt. Die Herren Farbwerk-⸗Patrioten erfahren somit eine kleine Einbuße gegen das Vorjahr, was auf den allgemeinen Rückgang in Handel und Industrie infolge der Chinapolitik zurückzuführen ist.
Die Landesversammlung der württem⸗ bergischen Sozialdemokratie,
die Ostern in Stuttgart tagte, war von 112 Ortschaften mit 260 Delegierten beschickt, 13 Ortschaften und 39 Delegierten mehr als im Vorjahr. Den ersten Punkt der Tages⸗ ordnung bildete ein Referat des Genossen Kloß über die Thätigkeit der sozlaldemokratischen Fraktion im Landtag. Einer Anregung der Stuttgarter Genossen entsprechend verbreitete sich Kloß besonders oaesah ehe e Forde⸗ rungen des sozialdemokratischeff Prögramms in Beziehung auf die Schule, deren Neuorgani⸗ sation in Württemberg demnächst in Folge einer Petition Landtag aktuell werden dürfte. Eine vom Landesvorstand eingebrachte Resolution, daß die Landesversammlung ihr volles Einverständnis mit der Thätigkeit der Fraktion ausspricht und insbesondere in den Befreiung der Schule von religiöser Bevormundung und Aufsicht den Ausbau der Volksschule zur Einheitsschule sowie der Unentgeltlichkeit der Schule unter Uebernahme der Schullasten auf den Staat die wichtigsten Aufgaben der Fraktion im Landtag erblickt, fand einstimmige Annahme. Alsdann sprach Genosse Landtagsabgeordneter Hilden⸗ brand über die Stellung der Partei zu den Fragen der Handelspolitik, insbesondere zu der brennenden Frage der Getreidezölle. Er entwickelte das Programm der Partei in dieser Sache aus taktischen, wirtschaftspolitischen und allgemein kulturellen Gesichtspunkten und brachte eine scharfe Resolution des Landes⸗ Parteitages gegen die Getreidezölle zur Annahme. Dem von Wasner erstatteten Bericht des Landesvorstandes ist zu entnehmen, daß der Verkehr mit den Mitgliedschaften ein sehr leb⸗ hafter war. Eingelaufen sind 1110 Post⸗
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der Volksschullehrer an den
sendungen, denen an Ausgängen 1007 Briefe, 4
Postkarten ꝛc. gegenüberstehen. Die Zahl der Mitgliedschaften hat sich um 15 vermehrt. Der Schwäbische Tagwachtkalender wurde in 16,000 Exemplaren abgesetzt. Der Kassen⸗ bericht weist eine Jahreseinnahme von Mark 25,786,93 und eine Ausgabe von Mk. 25,527,11 auf. Ferner wurde beschlossen, innerhalb des nächsten halben Jahres einen Parteisekretär anzustellen.
Kampfesweise unserer Gegner.
Was die Gegner der Sozialdemokratie in Bezug auf Roheit der Sprache, Gemeinheit der Gesinnung, Fertigkeit im Lügen, Verdrehen und Entstellen leisten können, wenn es sich darum handelt, unsere Partei zu bekämpfen, wissen und
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