Ausgabe 
21.4.1901
 
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Nr. 16. 8. Jahrg. Redaktion: Mebaktionsschluß Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 3 U 5

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Arbeiter, Genossen! Das Fest der Arbeit

naht heran!

Der 1. Wai ist die feierliche Kundgebung der Arbeiter aller Länder für internationalen Arbeiterschutz, der Massenprotest der Arbeit gegen die Ausbeutung durch das Kapital, gegen den Terrorismus der Kapitalsherrschaft, gegen den Uebermut der Junker und Schlotbarone, gegen den Krieg in jeder Form der 1. Mai ist die internationale Kundgebung des klassenbe⸗ wußten Proletariats für den Frieden der Ge⸗ sellschaft und für den Frieden der Völker, gegen Zollkriege und künstliche Sperren.

Zum zwölften Male kehrt nun der Tag wieder, an dem die Arbeiter aller Länder sich im Bewußtsein ihrer Klassenlage im Geiste die

um von Neuem zu bezeugen, Ich festhalten an dem großen zum Ausdruck kommt in

Rüstet euch deshalb überall, die Maifeier in würdiger Weise zu begehen. Agitiert für das Fest, trefft die nötigen Vorbereitungen! Wo immer zielbewußte Genossen wohnen, muß dem Maigedanken Ausdruck gegeben werden.

Drum auf zur Maifeier allerorts!

Die Wirkung der Getreidezolle.

Vor nicht langer Zeit hat sich ein Arbeiter, der Führer der christlichen Bergarbeiter-Organi⸗ sation, W. Brust, in dem von ihm redigierten Blatte für die Erhöhung der Getreidezölle er⸗ klärt. Seitdem wird Brust von den Agitatoren und den Preßorganen der Wucherzöllner als glänzendes Beweisstück für die Notwendigkeit der Lebensmittelverteuerung vorgeführt. Man lobt ihn alseinsichtsvollen und verständigen Arbeiter, der die Notlage der Land wirtschaft anerkenne; seine 8 wird als Beweis dafür angesehen, daß die Erhöhung der Zölle keinen Nachteil für die Arbeiter mit sich bringt, daß die Behauptung von der Verschlechterung der Lebenshaltung, vom Brotwucher, von der Habsucht der Junker eine böswillige Erfindung der vaterlandslosen Sozialdemokratie ist. Natürlich ist es das gute Recht der Agrarier, die Stellungnahme des katholischen Arbeiter⸗ führers in ihrem Sinne auszubeuten; sie täuschen sich aber gewaltig, wenn ste glauben die ganze katholische Arbeiterschaft sei mit Brust ein⸗ verstanden.

Schon vor einigen Wochen erklärten Ange⸗ hörige der christlichen Arbeiter⸗Organisation in einer Versammlung in München⸗Gladbach, in der unser Genosse Erdmann aus Köln gegen die Getreidezölle sprach, ihr volles Einver⸗ ständnis mit dem Referat und ihre Gegnerschaft gegen die Getreidezölle. Gleiche Ansichten

äußerte dieser Tage dieWestdeutsche Arbeiter⸗ zeitung, das Organ der katholischen Arbeitervereine. Sie fragt die Centrumsabge⸗ ordneten, ob sie etwa glaubten, über die katholische Arbeiterschaft zur Tagesordnung übergehen zu können, weil ste arme Schlucker und keine Gutsbesitzer wären und erklärt, die Arbester würden nicht mehr für die Er⸗ höhung der Zölle eintreten, es herrsche in den Kreisen der katholischen Arbeiter über⸗ haupt keine Begeisterung für Getreide⸗ zölle.

Die Centrumspartei kommt dadurch in eine schwierige Lage. Ihre Reichstagsmitglieder traten alle für die Erhöhung dieser Zölle ein, haben aber auch Rücksicht auf die Arbeiterschaft zu nehmen, weil viele von ihnen das Mandat Arbeiterstimmen verdanken. Man sucht die Arbeiter deshalb damit zu trösten, indem man ihnen vorredet, die Erhohung der Zölle ziehe keine Verteuerung der Lebensmittel und somit keine Verschlechterung der Lage der Arbeiter nach sich. Ein schlechter Trost! Kann man auch die Wirkung der Zollerhöhung nicht ganz genau in Zahlen ausdrücken, so steht doch fest, daß sie eine schwere Belastung des Konsums bedeutet.

Das hat auch ein Zentrumsabgeordneter und zwar der Vertreter für den Wahlkreis Dillingen, Dr. Eugen Jäger in Speyer, selbst zugegeben. Dieser veröffentlichte nämlich in den Jahren 1882 bis 1893 sozialpolitische Studien, worin er sich sehr eingehend über die Wirkung der Getreidezölle ausspricht und zwar in abfälligem Sinne. Genosse Calwer hat sich das Verdienst erworben, jene Abhandlungen des Centrumsmannes der Vergessenheit zu eut⸗ reißen und die hauptsächlichen Stellen daraus zu veröffentlichen. Und trotzdem sie schon zehn Jahre alt sind, treffen sie noch heute in gleicher Weise zu. So sagt Dr. Jäger bei Besprechung des Unterschieds zwischen landwirtschaftlichen und industriellen Schutzzöllen, daß der Zoll auf Nahrungsmittel einer Lohnherab⸗ setzung gleichkomme. Er führt aus: Diese(Nahrungsmittel) kann man sich nicht versagen, eine unnötige Verteuerung trifft hier also sehr schwer und lastet besonders hart auf den arbeitenden und besitzlosen Klassen, welche die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bilden. Für diese Klassen bedeutet jeder Getreidezoll, sobald er den Brotpreis verteuert, eine Lohnherab setzung, die sich vielleicht gar nicht oder aber erst nach langem Kampfe wieder ausgleicht. Jäger stellt nun fest, daß durch Schutzzölle die Lebens mittelpreise erhöht werden. Er schreibt:Weil aber der Unter⸗ schied der wechselseitigen Produktionskosten im Steigen begriffen ist, und wir bezüglich der ausländischen Konkurrenz aller Wahrscheinlich⸗ keit nach erst im Anfange einer ungekannten und schwer absehbaren Entwickelung stehen, so bedürfen wir immer höherer Schutzzölle auf fremdes Getreide und Fleisch. Damit erhalten wir aber steigende Lebens mittelpreise und infolgedessen wieder steigende Industrie⸗ schutzzölle mit lästigen Ausfuhrvergütungen für die Erportartikel der Industrie. Wir müssen uns daher wohl überlegen, ehe wir unserer Landwirtschaft durch Getreide⸗

zölle in Form von Schutzzöllen zu helfen gedenken.

Außerdem weist Jäger nach, daß die Ge⸗ treideschutzzölle nur dem Großgrundbesitz zu Gute kommen genau wie das von unserer Seite jederzeit betont worden ist. Er sagt darüber:Die Preiserhöhung, welche sie(die Zölle) herbeiführen, kommt vorwiegend dem Großgrundbesitzer zu Gute und daher besonders den östlichen und nördlichen Ländern des deutschen Reiches.... Ein Teil des dentschen, besonders des südwestdeutschen Bauernstandes, der Parzellenbauer, pflanzt vorzugsweise Handelsgewächse, als: Tabak, Hopfen, Wein, Obst, oder er verlegt sich auf die Milch⸗ und Eierproduktion, sowie auf die Geflügel⸗ zucht. Diese Leute müssen sich Brot und auch ein wenig Fleisch kaufen, so daß ihnen dje fremde Einfuhr zu statten kommt. Im Ganzen ist diese Klasse, über ganz Deutsch⸗ land genommen, nicht so sehr zahlreich, wenn auch für manche und gerade die wohlhabendsten Teile Deutschlands von großer Bedeutung.

Der größere Teil des Bauernstandes erzeugt Getreide, Kartoffeln und Vieh für sich selbst, kann sich aber infolge g ng, wie sie die modernen Bedürfni Hracht haben, nicht wie früher auf eine fast reine Naturalwirtschaft beschränken, sondern muß von seinen Erzeugnissen verkaufen und leidet dabei Schaden durch die amerikanische Konkurrenz. Er spürte diese um so stärker, je mehr die kapitalistische Gestaltung unseres Staates und besonders unseres Steuerwesens ihn zum Ver⸗ kaufe seiner Produkte nötigt, weil derjenige Teil, welcher als Beitrag zu den öffentlichen Lasten bestimmt ist, erst durch die Geldform hindurch gehen muß, wobei der Bauer leicht zur kurz kommt. Dieser Teil unseres Landvolkes bilder die überwiegende Mehrheit und verlangt Schutz, sowohl gegen die fremde Einfuhr, wie gegen die kapitalistisch- liberale Strömung, deren Träger ihn rupfen, so oft er mit ihnen in Berührung kommt und die durch die Gesetz⸗ gebung dafür gesorgt haben, daß er mit ihnen in Berührung kommen muß.

Anders ist es mit dem Großgrundbesitzer. Dieser bewegt sich durchweg in der Geldwirt⸗ schaft, weil vermöge seiner sozialen Lebens⸗ sphäre, die mit jener der sog. höheren Stände zusammenfällt in seinem Bedürfniskreis der Naturalverbrauch stark zurücktritt und dafür eine Menge anderer Bedürfnisse erscheinen, welche nur durch Geld erworben können. Für diesen Stand ist unter den heutigen Verhält⸗ nissen des Weltmarktes, falls keine Abhilfe möglich, ein Schutz gan nicht zu entbehren: ihm kommt ein solcher Schutz aber auch am meisten zu Gute. Daher ist der Ein⸗ wand nicht ganz unberechtigt, daß der Ge treideschutzzoll ihm zum Vorteil ge reiche auf Kosten der industrie- und parzellenreichen, beson ders der mitt⸗ leren, westlichen und südlichen Ge genden Deutschlands.

Nach Jäger vermehren die Getreidezölle die Verschuldung der Grundbesitzer und erhöhen dadurch das Uebel, dem man abhelfsen wollte. Er weist darauf hin, daß unter der gegenwärtigen kapistalistischen Gesetzgebung auch die landwirtschaftlichen Schutzzölle keine