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Nr. 42.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

och keine Ursache haben könne, für die Zoll⸗ erhöhung einzutreten. Im Uebrigen kann Iich Reuther nicht gegen den Vorwurf der

bewußten Lüge vertheidigen, den wir ihm in

1 Ar. 38 mit Recht gemacht haben.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

St. Der Konsumverein für Marburg und Umgegend ist nunmehr definitiv gegründet worden. In der am vorigen Samstag im Jesbergschen Lokale abgehaltenen Versammlung, welche ziemlich gut besucht war, wurden zunächst hüe Statuten, welche dem Hamburger Konsum⸗ herein entnommen sind, beraten und gelangten mit einer ganz unwesentlichen Aenderung zur Unnahme. Alsdann wurde der Vorstand, be⸗ stehend aus dem Geschäftsführer, dem Kassirer und dem Kontroleur, sowie ein aus sieben ersonen bestehender e e ede Der Verein zählt bereits über 60 Mitglieder und 1 also das Bestehen desselben gesichert. Mit dem 1. Januar n. Js. soll die Verkaufsstelle, möglichst im Mittelpunkt der Stadt gelegen, öffnet werden. Der Geschäftsanteil beträgt ho Mitglied 30 M., wovon 6 Mk. innerhalb ines halben Jahres eingezahlt werden müssen; er Rest kam ratenweise von der jährlich im Dezember zur Auszahlung gelangenden Dividende nm Abzug gebracht werden. Das Eintritts⸗ geld für die Mitglieder beträgt 50 Pfg. und t möglichst bald zu entrichten. Möge der erein zum Segen der Arbeiter und ihrer Familien blühen und gedeihen!

Rezitation Walkotte. Zu dem un Freitag, den 8. November d. J. stattfindenden ezitationsabend des Herrn WalkotteDas berlorene Paradies, Schauspiel in 3 Aufzügen don Ludwig Fulda bemerken wir noch, daß eitens der Gewerkschaftskommission das Ein⸗ srittsgeld für Herren auf 25 Pfg., für Damen auf 15 Pfg. festgesetzt wurde. Hierdurch ist es dem Arbeiter ermöglicht, sich für einen ge⸗ ngen Betrag einen sehr genuß⸗ und lehrreichen Ubend zu bereiten und hoffen wir, daß der Quentin'sche Saal bei dieser Gelegenheit bis nuf den letzten Platz gefüllt sein möge; denn o bald wird uns etwas derartiges hier nicht wieder geboten werden.

Mit Strafen von 10 bis 15 Mk. vurden eine Anzahl hiesiger Einwohner bedacht, die einer Waschfrau, welche früher bei ihnen gearbeitet, der sie aber die Invalidenmarken qu kleben unterlassen eine Arbeits⸗Bescheinigung, zwecks Erlangungen der Invalidenrente, ausge- stellt hatten. Der Waschfrau wurde die Rente und eine Nachzahlung gewährt. s

Gesunder Schlaf. Ein Ockershäuser Fünwohner, der schon am Samstag im Kreise liner Freunde die Kirmes tüchtig vorgefeiert hatte, schlief am Sonntag den Schlaf des Herechten und begab sich, als er gegen 6 Uhr lwends erwachte, in der Meinung, es sei bereits Montag früh, auf den Acker zum Kartoffelaus⸗ machen. Er wurde erst seinen Irrtum gewahr, as es anstatt heller, immer dunkler wurde. Da nahm er seine Hacke und schlich nach Hause.

Gemeindewahlen in Hessen.

Am 10. Oktober wurden in Finthen bei Nainz der Nationalliberale Veit, der Demokrat 9. Reichert und der Zentrumsmann Hoch⸗ haus in den Gemeinderat gewählt. Unser benosse P. Reichert unterlag, er war aber hät 182 Stimmen nur um 3 Stimmen hinter dm Letztgenannten zurück. Diesmal zählte man 11 reine sozialdemokratische Zettel gegen 131 bi der letzten Gemeinderatswahl, es ist also en recht erfreuliches Wachstum unserer Stim⸗ tenzahl zu verzeichnen. Auch in Bretzen⸗ heim bei Mainz wurde bei der am 9. Oktober luttgefundenen Wahl der von unsern Genossen afgestellte Steindrucker Meyer mit 199 Stim⸗ nen gewählt. Drei andere Gewählte entfielen af die bürgerliche Liste.

In Sachen des Konitzer Mordes let die Danziger Obermedizinalbehör de en Gutachten veröffentlicht, in dem festgestellt Mrd, daß erstens der ermordete Gymnastast Pinter nicht an Verblutung, sondern an (erstickung gestorben ist. Zweitens sei der

Halsschnitt kein Schächtschnitt, sondern nach dem Tode beigebracht, wie die übrigen Schnitte, um den Körper zu zerstückeln und leichter zu beseitigen. Drittens hat das Medi⸗ zinalkollegium festgestellt, daß Winter sich bei der Ermordung in Ausübung des Geschlechts⸗ aktes befunden hat, was durch das Gutachten des Berliner Gerichtschemikers Dr. Bischoff ebenfalls ausgesprochen wird; und endlich wären die Blutflecke in Rock und Weste des Ermordeten erst nach dessen Tode durch geronnenes Blut verursacht worden. Eine demnächst er⸗ scheinende Broschüre soll diese Feststellungen eingehend begründen. Ob man nun den wirklichen Thäter ermitteln wird, bleibt ja noch immer zweifelhaft, aber es ist wenigstens Hoff⸗ nung vorhanden, daß die Affaire aufgeklärt wird. Möglicherweise wurde der ertappte Winter durch einen Eifersüchtigen getötet, ohne daß ein Mord beabsichtigt war. Durch die antisemitische Ritualmord-Hetze sind aber zahlreiche Personen in schwere Strafe gekommen!

Kleine Mitteilungen.

** Von der elektrischen Bahn über⸗ fahren wurde in Frankfurt am Sonntag Vormittag der Schlosser Franz Schmidt. Er wollte auf der Bergerstraße auf einen Wagen der Straßenbahn springen, glitt aber aus und kam unter die Räder des Anhängewagens, wo⸗ bei ihm der Kopf abgefahren wurde. Natürlich war er sofort eine Leiche.

** Durch einen großen Einbruchs⸗ diebstahl sind in einem Hamburger Uhren- geschäft nicht weniger als 500 Uhren im Werte von etwa 30000 Mk. geraubt worden. Die Diebe haben sogar eine Mauer durchbrochen, um in den Uhrenladen zu gelangen.

* Lebendig begraben! Am Samstag wurde der Brunnenmacher Thiele in Grimma (Sachsen) als er mit der Ausmauerung eines 20 m. tiefen Brunnens beschäftigt war, verschüttet. Glücklicherweise war er unverletzt; es war durch die Leiter ein wenn auch enger hohler Raum im Schachte geblieben, durch den die Verständig⸗ ung mit dem Verunglückten möglich war. An seiner Rettung wurde mit aller Anstreng⸗ ung gearbeitet, Pioniere wurden telegraphisch von Dresden herbeigerufen, aber erst am Donnerstag gelang die Rettung. Fünf Tage mußte der Bedauernswerte in der verzweifelten Situation aushalten, in Gefahr, von den Erdmassen erdrückt zu werden.

Arbeiterbewegung.

Der Kampf der Tabakarbeiter in Nordhausen dauert fort. Gesperrt bleiben nach wie vor die folgenden acht Firmen, die den Schiedsspruch noch nicht anerkannt haben: C. A. Kneif, G. A. Hanewacker, Berlin und Bona, F. C. Lerche, H. R. Wittig, Rothard und Co., G. Reddersen, Salfeld und Stein. (Gail⸗Gießer) Arbeiter Deutschlands! Unter⸗ stützt den Kampf der Tabakarbeiter nach Kräften durch Zusendung direkter Mittel und durch den Bezug von Kautabak nur von den folgenden Firmen: Grimm und Triepel, Hendeß und Schumann, Walther und Sevin, Atenstädt und Bachrodt, Steinert und Hellmund, Nordhäuser Kautabak⸗ arbeiter⸗Genossenschaft Nordhausen Kasseler Straße. Paul Kuntze, Nottrodt und Co., Klein⸗Werter bei Nordhausen.

Ein deutscher Kürschnerverband wurde kürzlich in Leipzig gegründet. Sitz der Organisation ist Hamburg.

T Das Organ des Zentralvereins der FormerGlückauf stellte mit der Nr. 39 sein Erscheinen ein, weil der Former⸗ verband in den Metallarbeiterverband überge treten ist und den Mitgliedern somit die Metallarb.⸗Ztg. geliefert wird.Glückauf hat während der elf Jahre seines Bestehens die gewerkschaftlichen Interessen der Former nach besten Kräften vertreten.

Einen Generalstreik beabsichtigen die französischen Bergarbeiter zu proklamieren, wenn nicht bis zum 1. November ihre Forde⸗ rungen auf gesetzliche Einführung der Alters

pensionen, Achtstundentag und Minimallohn gewährt werden. Ueber diese Frage wurde eine Urabstimmung vorgenommen, welche 40000 Stimmen für und 10000 gegen den General⸗ ausstand ergab. Die Mehrheit der 127000 Stimmberechtigten enthielt sich der Abstimmung.

Partei- Nachrichten.

Parteigenossen! Die noch im Umlauf befind⸗ lichen Petitionslisten gegen den Brotwucher müssen jetzt möglichst bald eingesammelt werden, damit ihre Absendung nach Berlin erfolgen kann. Es wird deshalb gebeten, die Listen, auch wenn sie noch nicht voll beschrieben sind, an folgende Adressen abzuliefern: Für Gießen: A. Bock, Dammstraße 22; Wirtschaft C. Orbig; Redaktion oder Expedition der Mitteld. Sonntags⸗Ztg. Für Marburg: G. Härtling, Hofstatt 24 III.

Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen.

Zur Beachtung! Am 3. November, Nachmittags 2 Uhr, findet in Rodheim vor der Höhe bei Gastwirt Winn eine Kreiskonferenz statt, in der über die Auf⸗ stellung eines Kandidaten zum Reichstag verhandelt werden soll, Die zum Wahlkreis Friedberg Büdingen gehörigen Orte wollen für die Entsendung mindestens eines Delegierten Sorge tragen. Wo die Wahl eines Delegierten nicht möglich ist, hat unbedingt der Ver⸗ trauensmann zu erscheinen.

Busold, Kreisvertrauensmann.

Unsere Totenliste. Vorigen Mittwoch starb in Nürnberg Genosse August Kynast, Verbands⸗ sekretär des Vereins deutscher Schuhmacher im Alter von erst 34 Jahren. Seine Gewerkschafl so⸗ wohl, wie auch die sozialdemokratische Partei verlieren in ihm einen überzeugungstreuen und hochbegabten An⸗ hänger. Ferner starb am Sonntag in Hamburg der langjährige Prokurist und Kassierer der Buchdruckerei⸗ Auer und Ko., früher Kassierer der Zentralkranken⸗ kasse der Tischler, Genosse Wilhelm Gramm. Er war 1837 in Cleve a. Rh. geboren und erlernte das Schreinerhandwerk. Zunächst schloß er sich der Hirsch⸗Dunkerschen Gewerkschaft an, später kam er zur Sozialdemokratie. In den siebziger Jahren, als er in Hannover als Geschäftsführer einer Tischlerei und Ja⸗ lousiefabrik thätig war, erlitt er einen schweren Unfall, wobei er sich den einen Fuß so erheblich verbrühte, daß derselbe nicht mehr gebrauchsfähig und Gramm ein Opfer mangelhafter Schutzvorrichtungen zum Krüppel wurde. Im Jahre 1879 wurde Gramm zum Haupt⸗ kassierer der Zentralkrankenkasse der Tischler ꝛc. gewählt und wirkte in dieser Eigenschaft in Hamburg verschiedene Jahre; auch Mitbegründer und Herausgeber derTischler⸗ zeitung war er. Während des Ausnahmegesetzes ge⸗ hörte Gramm zu jenem kleinen Personenkreis, dem die Kontrolle des Geschäftsbetriebs der Hamburger Parteidrucke⸗ rei oblag. Als nach dem Fall des Sozialistengesetzes das Parteigeschäft einen großen Aufschwung nahm, trat am 1. Oktober 1890 Gramm als zweiter Prokurist und Kassierer in die Buchdruckerei ein und hat diesen Posten bis zu seiner tötlichen Erkrankung gewissenhaft ausgefüllt.

Versammlungskalender. Samstag, den 19. Oktober.

Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Mitgliederversammlung bei Orbig: T.⸗O.: 1. Be⸗ richterstattung über den Parteitag. 2. Die Stadt⸗ verordnetenwahlen. Die Genossen werden um zahlreiches Erscheinen gebeten.

Lauterbach. Abends /½9 Uhr Oeffentliche Volks⸗ versammlung bei Gastwirt Kaut. T.⸗H!: Wem nützen die Zölle? Ref.: Vetters.

Sonntag, den 20. Oktober. Angersbach. Nachmittags 3 Uhr Volksversammlung. T.⸗O.: Wem nützen die Zölle? Ref.: Vetters. Schlitz. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Mit⸗ gliederversammlung bei Gastwirt Schmidt.

Montag, den 21. Oktober.

Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr

Versammlung bei Orbig.

Sonntag, den 27. Oktober. Friedberg. Nachmittags 3 Ühe: Oeffentliche Ver⸗ sammlung der Nichtgewerblichen Arbeiter. T. O.:Gelernte und ungelernte Arbeiter. Ref.: Gen. Letsch⸗Vilbel.

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Aus dem Gießener Standesamtsxregister.

Aufgebotene. 11. Oktober: Philiop Götz, Bergmann in Philippstein mit Ottilie Warnke dahier. 15. Georg Bantelme, Fußgendarm dahier mit Katharine Wagold in Elpenrod. 16. Karl Wilke, Schutz mann in Worms mit Christine Guldan dahier. Heigrich Simmer, Friseur dahier mit Anna Katharine Mühlensiepen,

Frankfurt a. M.