Ausgabe 
20.1.1901
 
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Seite 6.

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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

f Nr. 3

Unterhaltungs-Cheil.

Winter.

In Schnee gebettet will die Flur Ihren Winterschlaf jetzt machen. Wir aber wollen schlafen nicht, Wir wollen rüstig wachen.

Wir wollen wachen, erwecken auch,

Die noch im Schlummer versunken, Aufrütteln, die schleppen ihr Sklavenjoch, Gedankenlos, schlafestrunken.

Und ob von allen Seiten rings Die Nacht und die Nebel dunkeln. In unseren Köpfen sollen hell Die Lichter der Wahrheit funkeln.

Mit den Lichtern der Wahrheit wollen wir Die finsteren Köpfe erhellen,

Und jämmtlichen Dunkelmännern zum Trotz Erleuchten die düsteren Zellen.

Und ob der Bäche, der Flüsse Lauf Gehemmt wird vom tückischem Eise; Wir kennen Stillstand nimmermehr, Stets vorwärts! die Loosung heiße.

Und wenn in den Lüften grimmig und rauh Die Winterfröste weben:

Wir sind von Jugendfeuer durchglüht, Durchpulst von warmem Leben.

Und ob im Felde Rabengekrächz Erschallt in häßlichen Chören: Den Lerchensang der neuen Welt Im Geiste wir wonnig hören.

Mag noch so wild des Winters Grimm Wüthen und toben auf Erden: Im Menschenreiche knospet's und blüht's, Da will es Frühling werden.

Ein Tropf. Ein Zeitbild von Karl Ewald.

(Fortsetzung.)

Laß ihn hereinkommen, Frida! Heute bei dem Hundewetter soll man keinen Bittenden von seiner Thür weisen. Wenigstens ich überlasse das den Scheinheiligen, welche ihr hartes Herz hinter dem gleißnerischen Schilde Mitglied, des Vereins gegen Verarmung und Bettelei ver⸗ bergen.

Frida eilte wieder hinaus und kam gleich darauf mit einem hübschen, schwarzäugigen, jungen Manne herein, aus dessen Zügen deut⸗ lich Intelligenz und Unternehmungslust sprachen.

Verzeihen Sie, wenn ich so früh störe, aber das Wetter und der leere Geldbeutel trieben mich, weil ich trotz aller Mühe keine Arbeit bekommen, schon zeitig aus den Federn. Heute muß ich von früh an schon sorgen, wenn ich nicht in die bitterste Verlegenheit geraten soll.

Das scharfe Auge des Meisters ruhte einen Au enblick prüfend auf dem jungen Menschen. Er mußte mit seiner Beobachtung zufrieden sein. Kenne das, habe auch gewalzt, auch oft fechten müssen, ich kenne das. Sind Sie organisirt?

Natürlich, entgegnete der Gefragte rasch, indem er in die linke innere Brusttasche seines sturmerprobten Ueberziehers griff,hier ist mein Verbandsbuch. Leider hat mir dasselbe in dieser Gegend bisher wenig genützt. Hoffentlich ist es hier anders, daß ich bald Arbeit bekomme.

Der alte Meister betrachtete mit Genugthuung das ihm bekannte Buch.

Frida, rasch Kaffee und einige Butter⸗ semmeln! rief er statt aller Antwort.Sie werden's vertragen können. Nehmen Sie Platz. Wir wollen sehen, was sich machen läßt. Ihre Papiere sind gut.

Das Mädchen eilte hinaus, des Vaters Befehl zu erfüllen; auch sie hatte offenbar Wohlgefallen an dem jungen Manne gefunden.

Dieser thaute in der behaglichen Stube bald auf und ließ sich das vorgesetzte Frühstück vor⸗ züglich munden.

Vater Grad pflegte ein Werk nie halb zu thun. Nachdem er seinem Gaste noch ordentlich auf den Zahn gefühlt, sagte er kurz entschlossen:

Sie können vorläufig hier bei uns blaben. Ein kleines Stübchen steht für Sie berel und für Arbeit will ich sorgen. Sie haben sch als Mechaniker versucht. Solche Leute steh, die Firma Stolz& Komp. mit Vorliebe aud in schlechter Zeit ein. Eins jedoch müssen die

mir versprechen: Sollten es die Verhältnisf.

fügen, daß es hier zu Lohnkämpfen käme, dann

dürfen Sie nicht gegen die Interessen Ihrer Mitarbeiter handeln. Geben Sie mir Ihre Hand darauf!

Rasch schlug der junge Mann ein.Ich bin schon mehrfach selbst Leiter einer Lohnbe⸗ wegung gewesen und darf sagen, daß ich meine Pflicht stets gethan habe, erwiderte er.

Na, oft ist es ungleich schwerer, als ein⸗ faches Gewerkschaftsmitglied fest im Kampfe zu stehen, meinte Vater Grad trocken, indem eine Wolke des Unmuths für einen Augenblick seine Stirn beschattete.

So wurde der junge Arbeiter Wilhelm Rührig ein Mitglied des Grad'schen Haushaltes und Arbeiter in dem großen Etablissement der Firma Stolz& Komp.

Vater Grad hatte seinen Entschluß nicht zu beklagen. Der junge Mann zeigte sich anstellig in der Fabrik, kollegial zu den Kameraden, zu⸗ vorkommend gegen Alle, besonders aber gegen die blondlockige Tochter seines Wohlthäters.

Was nicht ausbleiben konnte, geschah. Wil⸗ helm Rührig verliebte sich schnell in die junge Hausgenossin, und der Alte mußte wohl oder übel seinen Segen zu dem Liebesbund geben. Behaglich war ihm dabei nicht zu Mute.

Noch habe ich keinen Scheffel Salz mit ihm gegessen, dachte er bei sichund schon muß ich ihn als Schwiegersohn in spe will⸗ kommen heißen.

Daß Rührig lebhaften Anteil an der hohe Wogen schlagenden Gewerkschaftsbewegung in Wemberg nahm, konnte dem alten Meister schon recht sein, daß Wilhelm dabei aber unverkenn⸗ bar ehrgeizig nach einer hervorragenden Stelle in derselben strebte, das erfüllte ihn mit Miß⸗ trauen. Dasselbe wuchs, als der Fabrikdirektor sich lebhaft für den aufgeweckten neuen Arbeiter zu interessieren begann.

Das Ding bekommt einen Haken, argu⸗ mentirte Grad.Da gilt es aufzupassen.

Wilhelm blieb indessen scheinbar derselbe. Der alte Praktikus sand keine Veranlassung, seinen Bedenken Ausdruck zu geben.

Der Sommer kam mit der Zeit heran. Im Herbste sollte die Hochzeit des jungen Paares sein; aber das Geschick hatte es anders bestimmt.

Die Firma Stolz u. Komp. plante eine bedeutende Lohnreduktion. Arbeitslose waren genug vorhanden und das Vorhaben erschien durchaus Erfolg verheißend.

Eines Tages wurde der alte Meister in das Privatkontor der Csefs beschieden.Meister Grad, wurde ihm hier kurz und bündig be⸗ deutet,wir haben unter Berücksichtigung der allgemeinen Gesckäftsflaue beschlossen, den Wochen⸗ und Akkordlohn unserer Leute um fünfzehn Prozent zu ermäßigen. An Ihnen ist es nun, die Leute darauf vorzubereiten. Wer zu dem neuen Lohnsatz nicht weiter arbeiten will, der kann sofort aufhören. Nun, was sagen Sie dazu? Sie scheinen Bedenken zu hegen.

Meine Bedenken kommen hier wenig in Frage, meine Herren, erwiderte Grad bedächtig, aber Ihre Arbeiter werden sich sagen, daß man es ihnen schlecht lohne, wie sie damals in der guten Zeit trotz besserer Anerbietungen ven anderer Seite bei Ihnen blieben. Sie versprachen damals, in etwa kommender schlechterer Zeit keine Abzüge am Lohne vorzunehmen.

Die Verhältnisse sind mächtiger als wir Menschen, warf der Fabrikdirektor zynisch ein, und Alle sind wir ja ein Produkt dieser Ver⸗ hältnisse, wie die Herren Sozialdemokraten das immer mit Vorliebe so laut verkünden. Ist's nicht so, Meister Grad? fügte er lauernd hinzu.

Herr Direktor, weil Sie den alten Grad um seine Meinung fragen, sollen Sie auch eine Antwort haben, die weder Hörner noch Zähne hat. Als Angestellter und Meister der Firma Stolz u. Komp. werde ich Ihren Arbeitern

von der Lohnreduktion eine sachgemäße Mit⸗ theilung machen. Befürworten kann und darf ich dieselbe nicht, weil ich sie vor meinen Ka⸗ meraden nicht vertheidigen kann. Fünfzehn Jahre habe ich treu und redlich meine Pflicht gethan, ohne mit meinen Arkeitskollegen in Konflikt zu gerathen, und als ehrlicher Mann will ich meine grauen Haare nicht durch einen Verrath an meinen Mitarbeitern entweihen. Ist das Ihr letztes Wort? fragte der Ateste der Chefs nachdrücklich.Ich hoffe, Siewerden sich noch besinnen. Bedenken Sie, daß ie nicht unersetzlich sind!

Llleichtkenne ich meinen Ersatzmann schon, sagte Eid bitter.Jüngere Kräfte eignen sich am Endebesser für Sie als ich alter Mann. Bei dem, wöͤ ich gesprochen, bleibe ich.

Besinnen die sich! ermahnte der jüngere Fabrikbesitzer deillten noch einmal. Er mochte den Meister persönch gut leiden. f

Meister Grad hik. Wort, aber auch die Arbeitgeber wichen un keines Haares Breite von ihrem Entschlusse. 4s er die einstimmig ablehnende Antwort der beiter überbrachte, erhielt er mit allen Andern kübliche vierzehn⸗ tägige Kündigung, und nag vierzehn Tagen sah die große Industriestadt Vemberg zum ersten Male seit drei Jahren wier einen jener unerbittlichen sozialen Kämpfe, wehe von bei⸗ den Seiten mit äußerster Aus dier geführt wurden. 1

Eine Weile standen die Sache. für die Feiernden günstig. Mit der Zeit ab fanden sich fremde Arbeiter ein, welche die Slen der Ausständigen einnahmen. Trotz aller hatte die Firma noch lange nicht gesiegt, lil die neuen Leute alle ungeübt waren, undes vor Allem an einer tüchtigen leitenden Kre, Wie die Grad's war, immer noch fehlte.

Wilhelm Rührig schien ganz in seind Ele⸗ mente zu sein. Ueberall wußte er seinen der That großen Erfahrungen glücklich für e ge⸗ meinsame Sache zu verwerthen. Offenbapoffte er, die Leitung der ganzen Ausstandsbetgung in seine Hände zu bekommen.

Je ernster Grad wurde, desto eifrig ge⸗ bärdete sich sein zukünftiger Schwiegeohn. In der zweiten großen allgemeinen Versum⸗ lung, welche über die weitere Gestaltun des Verhaltens der Arbeiter entscheiden sollteent⸗ hüllte er, seinem lebhaften Naturell die ägel schießen lassend, seine ehrgeizigen Pläne. lach seiner Meinung sollte ein Generalstreik al in derselben Branche Arbeitenden angeregt ween⸗

Grad war dem Plane entgegen. Er ußte wohl, daß die Zeit für das Gelingen des er⸗ suches durchaus nicht geeignet war, vielehr nur das lokale Elend verallgemeinern koite⸗ Ruhig und entschieden trat er wider denzu⸗ künftigen Schwlegersohn auf.

Nun wurde Wilhelm Feuer und Flame.

Kameraden, entweder folgt Ihr meem Vorschlage oder Ihr seid Feiglinge! Weunf halbem Wege stehen bleibt, kann niemals sien, eiferte er.

Seine Mühe war vergebens. Die göte Mehrzahl der Ausständigen trat auf die eite Grad's. l

Tief in seinem Ehrgeize verletzt, entfate sich Wilhelm.Ihr sollt Alle noch von air hören. Wenn ich Euer Narr sein soll, den will ich doch lieber alleine sehen, wo ich bleibe rief er beim Weggange.

Tagelang sprach er kein Wort mit Grad; auch zu Frida war er kälter als gewöhnlich.

Endlich am sechsten Tage nach dem Vorfalle trat er zu Grad in das Zimmer.

Vater Grad, sagte er,ich muß dem Dinge ein Ende machen, seitdem ich gesehen habe, daß wir mit all unserer Mühe doch nichts erreichen werden. Kurzum, ich habe das Anerbieten angenommen, welches mir die Firma Stolz u. Komp. unter der Hand machte. Am nächsten Montage soll ich die Meisterstelle in der neuen

wieder eingestellt werden, sobald Sie darum angehen. Das habe ich als meine erste und einzige Bedingung für Sie erwirkt. Unter uns gesagt, angesichts der scharfen Maßregeln

gegen jede Streikbewegung ist es doch besser,

Abtheilung der Fabrik antreten; auch Sie sollen

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