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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 3
Kapkolonie eindringen, um durch ihr Erscheinen schon ihre Blutsverwandten, die in der Kolonie wohnenden Holländer, zur Erhebung gegen die englische Herrschaft aufzureizen.— Pretoria ist thatsächlich von Burenkorps eingekreist; so daß die ganze englische Armee in größter Gefahr, schwebt, abgeschnitten zu werden. Ob es dazu kommt, hängt von der Umsicht der Burenführer und der Zubverlässigkeit ihrer Truppen ab.
Dem Kommando Botha's gelang es am Samstag früh, die Eisenbahn wenige Meilen südlich Pretoria sammt der Station Coalfontein zu zerstören. Von englischer Seite wird über den Kampf gemeldet: 800 Buren unter dem Kommando Beyers griffen Morgens, nachdem sie den Tele⸗ graphendraht abgeschnitten hatten, Coalfontein, den dritten Bahnhof im Süden Pre⸗ torias an. Die Besatzung bestand aus 120 Mann unter dem Kommando eines Leutnants. Die Buren umzingelten und beschossen die Station und unterhielten ein fortwährendes Gewehrfeuer. Schließlich erhielten die Eng⸗ länder Verstärkung und so konnten sie die Buren wieder zurückdrängen.
Krieg mit China.
Die„Einigkeit“ der Mächte ist nicht mehr zu überbieten. Die Vereinigten Staaten wollen ihren Gesandten zurückrufen, weil er die von Deutschland verlangte„unwiderrufliche“ Entscheidung unterschrieben hat. Die Amerika⸗ ner wollen mit Recht von einer Unwiderkuflich⸗ keit nichts wissen. Der russische Gesandte hält es für das gute Recht seines Landes, mit China Sonderabkommen zu schließen. Er„glaubt nicht“, daß Rußland die Mandschurei behalten werde, und vertheidigt in brüskem Ton die Erwerbung einer russischen Niederlassung bei Tientsin. Darob großes Erstaunen bei den übrigen Gesandten. Und weiter geht der Noten⸗ und Depeschen⸗ wechsel, weiter werden Konferenzen abgehalten, „Vereinbarungen“ getroffen— zu Ende kommt man nicht. Das ist Diplomatenkunst.
Neueren Nachrichten zufolge soll Li⸗Hung⸗ Tschang jetzt endlich die Friedensbedingungen der Mächte unterzeichnet haben. Trotzdem dauert der Kriegszustand fort; weshalb man unter diesen Umständen so sehr auf die Unter⸗ zeichnung der Note gedrängt hat, isr eigentlich nicht verständlich.
on Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten.
de Gewerkschaftskartell wurde beschlossen, im März ein allgemeines Gewerk— schaftsfest abzuhalten und die Vorbereitungen dazu baldwöglichst in Angriff zu nehmen.— Ferner findet am 7. Februar in Lony's Bier⸗ keller eine Rezitation des Dramas„Vor Sonnenaufgang“ von Gerhard Hauptmann durch Herrn Schauspieler Emil Walkotte statt. Eintrittskarten hierzu kosten 20 Pf. und gelangen durch das Gewerkschaftskartell und die Vorstände der Gewerkschaften demnächst zur Ausgabe.
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Der sozialdemokratische Wahl- verein hält diesen Samstag seine regelmäßige Versammlung ab. Vielleicht infolge der Feier⸗ tage waren die beiden letzten Versammlungen so schwach besucht, dal nicht einmal die noth⸗ wendigen Geschäfte erlebigt werden konnten. Soll unsere Organisasion ihren Zweck erfüllen, so müssen alle Genossen die Versammlung besuchen. Für diesen Abend liegt in geschäftlicher Beziehung reichhaltiges Material vor; es wer— den die Berichte des Vorstaubs erstattet, außer⸗ dem mussen die Anträge zur Kreiskonferenz er— örtert, und die Wahl der Delegirten vorgenom- men werden. Also vollzählich erscheinen!
. Die hiesige Filiale des Tapezirer⸗ Verbandes hielt am Sonntag einen Familien⸗ Abend ab. Derselbe war von Seiten der Ge⸗ werkschaften und einiger befreundeten Vereine so zahlreich besucht, daß leider der Platz nicht ausreichte und viele Gäste umkehren mußten. Das aufgeführte Theaterstück faud allgemeinen Beisal. Die Rollen waren vortrefflich besetzt,
das Zusammenspiel vorzüglich. Zur Verloosung kamen noch recht schöne Sachen, besonders ge⸗ fielen einige gestiftete Erzeugnisse aus dem Polsterer Berufe namentlich ein Chaiselongue, Ruhebett in kleiner Ausführung. Von Seiten des Gesangshumoristen Schäfer Gießen wurden die Pausen durch vortreffliche Vorträge ausge⸗ füllt. Ueberhaupt verlief das Vergnügen ohne jede Störung.
—„Unparteiisches“. Jetzt läßt in den „Gießener Neuesten Nachrichten“ der vor drei Wochen mit möglichster Reklame an⸗ gekündigte neue Redakteur sein Licht leuchten. Und wir müssen konstatiren, daß wir uns in unsern Vermuthungen nicht getäuscht haben. Getäuscht hat sich höchstens der Heraus⸗ geber dieses„unparteiischen“ Blattes, der sich entrüstete und uns Unwohrheit ꝛc. vorwarf, als wir die zukünftige Tendenz seines Blattes als nationalliberal bezeichneten. Er müßte, wenn er ehrlich sein will und etwas von Politik versteht, uns jetzt de⸗ und wehmüthig um Verzeihung bitten. Denn die Beschimpfungen, die sich sein neuer,„in allen Sätteln gerechter“ Redakteur inédem Leitartikel der Nr. 13 seines Blattes gegen die Arbeiterpartei leistet, würde jedes halbwegs anständige nationalliberale Blatt sich schümen aufzunehmen. Die dort verzapfte politische Weisheit steht noch einiges unter der nationalliberalen Schaukel⸗ und Dreh⸗ scheibenpolitik. Die G. N. N. zitiren da einen Artikel der„Täglichen Rundschau“— eines reaktionären Blattes— in welchem der Sozialdemokratie der Text gelesen wird, weil sie nicht inbrünstig zu der„Gesellschaft für soziale Reform“ betet, die Pfaffen Stöcker und Weber, die für den Brotwucher a g i⸗ tiren, sowie den Hunnenpastor Naumann nebst seinen flottentollen Freunden nicht für patentirte Arbeiterfreunde erklärt.— Ueber die Gesellschaft für soziale Reform und ihre Bestrebungen dis⸗ kutiren wir hier nicht, dazu wird sich noch oft genug Gelegenheit bieten. Wenn aber Herr H. von den G. N. N. darüber jammert, daß jeder, der ehrlich bestrebt sei, außerhalb der Sozial⸗ demokratie für die Forderungen der Arbeiter einzutreten, von dieser aus politischem Konkur⸗ renzneide heruntergerissen werde und dabei durchblicken läßt, daß er ähnliche Erfahrungen gemacht habe, so muß er zunächst wenigstens erst eiumal Beweise hierfür erbringen, dann muß aber auch festgestellt werden, daß nur wenige Sozialdemokraten eine Ahnung von der Existenz des Herrn H. haben, von seiner Sozialpolitik weiß kein einziger etwas. Er ist kein verkannter Arbeiterfreund, nicht einmal ein gekannter!— Uebrigens dürfte es unserer Partei, welche die Politik nicht als Geschäft treibt, wie die„unparteiischen“ Blätter, kaum schaden, wenn ihr die G. N. N. „politisches Anreißerthum“ nachsagen. Unver⸗ schämtheiten und Beschimpfungen dieser Art ist die Sozialdemokratie von ihren Gegnern gewohnt und legt sie lächelnd zu dem Uebrigen.
— Gedenket der hungrigen Vögel! mahnt der Gießener Anzeiger seine Leser. Das ist ja ganz hübsch, wir schließen uns dem auch an; doch es könnte nichts schaden, wenn die Mahnung erginge, auch der hungernden und frierenden Menschen zu gedenken.
Wieseck.
ck. Einen recht erfreulichen Besuch hatte die am vergangenen Sonntage stattgefundene Versammlung des Arbeiterbildungs⸗ vereins aufzuweisen. Das war auch uöthig angesichts der wichtigen Tagesordnung, deren erster Punkt„Kreiskonferenz“ eine eingehende Erörterung fand. Alle Verathungsgegenstände, die für die Konferenz angesetzt sind, wurden durchberathen und drei Delegirte gewählt.— Bezüglich der Gründung eines Arbeitergesang— vereins einigte sich die Versammlung dahin, eine Gesangsabtheilung innerhalb des Arbeiter⸗ bildungsvereins zu gründen. Es soll am Sonn⸗
tag den 20. Jan. eine Liste zirkuliren, in der sich einzutragen alle sangeskundigen Mitglieder gebeten werden. Am darauffolgenden Sonntage soll dann eine weitere Versammlung stattfinden, in der auch die Vorstandswahl vorgenommen
Wir weisen die Mitglieder hier nochmals auf diese Versammlung hin, die hoffentlich noch stärker besucht wird.
werden soll.
Aus Wetzlar.
— Lohnreduktionen. Kaum hat die gute Geschäftskonjunktur etwas nachgelassen, so wird auch schon von vielen Seiten von Lohn⸗ herabsetzungen berichtet. Natürlich haben die Arbeiter, deren Löhne in den besseren Jahren kaum zur Bestreitung einer menschenwürdigen Lebenshaltung hinreichten, wieder in erster Linte unter dem schlechteren Geschäftsgang zu leiden, während das Unternehmerthum riesige Profite einheimste und sich diese auch jetzt keineswegs schmälern läßt. Hätten sich die Arbeiter bei guter Zeit in den Organisationen zusammen⸗ geschlossen, so könnten die Abzüge nicht in dem Maßstabe vorgenommen werden. Verschiedent⸗ lich erlauben sich die Betriebsleitungen, einfach durch Anschlag bekannt zu geben, daß von einem gewissen Zeitpunkte an, eine Verringerung der Löhne von so und soviel Prozent eintrete. So wurde in Lollar verfahren und auch aus dem Wetzlarer Kreise wird uns ähnliches berichtet. Die zahlreichen industriellen Arbeiter Wetzlars sollten diese Lehren beherzigen und sich der modernen Arbeiterbewegung anschließen.
— ,Wohlthätigkeit“. Aus O den⸗ hausen schreibt man uns, daß ein Millionär aus dem Rheinland, der in dortiger Gemarkung die Jagd gepachtet hat, zu Weihnachten sein edles Herz entdeckte und in Odenhausen Kleider⸗ stoffe an Bedürftige durch die Ortsbehörde ver⸗ theilen ließ. Nun, der Krösus wird sich da⸗ durch nicht allzusehr angestrengt haben; befindet er sich doch in der glücklichen Lage, reichliche Jag dbeute zu machen, ohne daß er Ersatz für den Hasenschaden zu leisten braucht. Davor schützt das Gesetz bekanntlich die reichen Jagd⸗ pächter. Mit der Wohlthätigkeit ist'? immer so eine eigene Sache. Man giebt löffelweise, nachdem man scheffelweise genommen.— Hoffentlich kamen die Wohlthaten wenigstens an wirklich Bedürftige, wenn auch aus der behördlichen Bekanntmachung nicht recht ersicht⸗ lich war, wer zum Empfang derselben berechtigt sein sollte.— Auch etliche Enwohner in Salz⸗ böden sollen von demselben Jatzdpächter mit solchen Geschenken beglückt worden sein.
th.— Illuminirt! So erging anläßlich der Preußenfeier die Aufforderung an die braven Bürger. Die Veranlassung dazu werden zwar viele nicht ohne weiteres einsehen können, sinte⸗ malen ein ziemlicher Theil in seinem innersten Herzen von der absoluten Nothwendigkeit der Monarchie durchaus nicht überzeugt ist, noch weniger von den Tugenden die den„Herrschern“ der Vergangenheit angedichtet werden. Allerlei Rücksichten gebieten aber dem biederen Bürger, sich vorschriftsmäßig zu begeistern. Hätte man
für die Kosten der Illumination Heizmatertal
für frierende Menschen angeschafft, wäre weit patriotischer gewesen..
— Warnung vor Ar zueischwindel. Vor einiger Zeit warnte das Kreisamt Gießen amtlich vor dem„Blutreinigungsthee“ eines Franz Wilhelm in Neunkirchen. der in Zeitungen angepriesen wird und bezeichnete den⸗ selben als werthloses Gemisch. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, da dieses Arzneimittel trotzdem im Juseratentheile des amtlichen„Wetzlarer Anzeiger“ empfohlen wird. Allerdings kaun eine Zeitungsexpedition die Reellität der in den Inseraten angepriesenen Waaren nicht immer nachprüfen.
Schlechter Familienvater.
Ueber das Bran dunglück in Köln, das mehrere Menschenleben vernichtete, erstattete der Oberbürgermeister in der Kölner Stadtverord⸗ neten⸗Versammlung Bericht. Er bersicherte, daß vor Eintreffen der Feuerwehr der Laden⸗ inhaber Ries sich bereits in Sicherheit ge⸗ bracht habe, unbekümmert um das Schick⸗ sal seiner gesammten Familie, die er in den brennenden Räumen des Erdgeschosses zurückließ. Es sei unbegreiflich, daß der Besitzer nicht auch seine Kinder gerettet habe, die er vom Dache des Abortes aus bequem erfassen
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