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Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
Nr. 20.
oft Anfeindungen von Seiten ihrer Mitglieder zugezogen haben, wird auch von den Gewerbe⸗ inspektoren anerkannt.— Umso niedriger ist obige schofle, im Unternehmerinteresse geschriebene Hetznotiz; die nicht besser ausfallen konnte, wenn der„unparteiische“ Redakteur für seine Verdächtigungen der Arbeiterbewegung und der
Sozialdemokratie vom Unternehmertum bezahlt würde, wie der berühmte Viktor Schweinburg, den er sich wie es scheint
zum Vorbild genommen hat. Wir würden diese Gemeinheiten einfach zu den Uebrigen legen, was unserer Partei von reaktionärer Seite schon alles nachgesagt worden ist, hätte dieser Mensch nicht noch die Unverfrorenheit, sich als„arbeiterfreundlich“ aufzuspielen. Wirk⸗ lich eine feine Sorte Arbeiterfrenndlichkeit! Damit kann er doch nur ganz und gar rück⸗ ständige Arbeiter täuschen; schließlich findet doch jeder halbwegs 1 heraus, daß das Blatt nur kapitalistische und arbetter⸗ feindliche Tendenzen vertritt. Heute weiß auch jeder einigermaßen verständige Arbeiter, daß seine Interessen auf politischem Gebiete einzig und allein von der So zialdemo⸗ kratie ehrlich vertreten werden; an dieser Thatsache werden alle„unparteiischen“ Ver⸗ dächtigungsversuche sche tern. Diese Sorte
Presse wird also mit ihrem Bestreben, jedes
unbedeutende Vorkommnis innerhalb unserer Partei in einseitiger und gehässigster Weise aufzubauschen und zu entstellen, nur vorüber⸗ gehende Erfolge erzielen. Wir müssen aber die unehrliche und niederträchtige Kam⸗ pfesweise kennzeichnen, die von derartigen Blättern geübt wird. Anständigen Gegnern zollen wir stets Achtung; die unter falscher Flagge segeluden„Unparteiischen“ vom Schlage der G. N. N. vermögen wir dazu nicht zu rechnen.
— Aufseher⸗Rücksichtslosigkeit. Vor einiger Zeit wollten einige Arbeiter in dem Gail'schen Thonwerke der Beerdigung eines ihrer Bekannten in einem nahen Orte beiwohnen. Auf ihr Ansuchen verweigerte jedoch der ihnen überstellte Aufseher den dazu nötigen Urlaub, den drei Mann erst auf wiederholtes Grsuchen erhielten, während drei andere der Beerdigung ferubleiben mußten. Dem betreffenden Auf⸗ seher wäre doch zu 8 etwas mehr Menschlichkeit walten zu lassen.
— Die nächste Schwurgerichtsperiode beginnt Anfang Juni. Unter anderem kommt auch der Kloppenheimer Raubmord zur Verhandlung, die mehrere Tage dauern dürfte. Angeklagt ist der 22 jährige Schlosser Emser von Schirmitz in Bayern.
— 1 15 die Wiederherstellung der alten Burg am Brandplatz bewilligten die Stadtverordneten 80000 Mk. Vom Staat werden außerdem 10000 Mk. zur Verfügung gestellt. Das Gebände soll später für Museums⸗ zwecke und zur Wohnung des Großherzogs verwendet werden. Nach unserer unmaßge⸗ blichen Meinung wäre es besser gewesen, diesen alten baufälligen Kasten ganz niederzureißen, anstatt so große Summen e
— Feuer entstand am Mittwoch früh im Schuhladen von Debus in der Wallthorstraße, doch wurde der Brand bald bewältigt. Eut⸗ stehungsursache solle eine vorhergegangene Ex⸗ plosion sein. Der Ladeninhaber wurde verhaftet.
Aus Alsfeld.
-t. Vergangenen Sonntag hielten die Als⸗ felder Genossen auf der„Pfefferhöhe“ noch nachträglich ihre Maifeter die sich natür⸗ lich angesichts der hiesigen Verhältnisse nur in bescheidenen Formen bewegen konnte. Vor zahl⸗ reich besuchter Versammlung setzte Gen. Vetters⸗ Gießen die Bedeutung, der Maifeier, die Not⸗ wendigkeit des Achtstundentages, sowie die übrigen Hanptforderungen der internationalen Arbeiter⸗ bewegung auseinander, dabei die südafrikanische und chinesische Massenmörderet verurteilend und für den Weltfrieden eintretend.— Auch aus auterbach waren Genossen zuzder Versamm⸗ Ilg erschtenen.— Einem Werkführer der bbelfabrik schien die Veranstaltung dieser sammlung zu ärgern; er fragte am Samstag
einen Arbeiter,„ob er auch in die Versammlung inge, sich den Kopf verdrehen zu lassen.“ Der
ann hätte klüger gethan, sich um etwas An⸗ deres zu bekümmern, als um das, was der Arbeiter am Sonntage thut, denn das geht ihm nichts an. Viel besser für ihn und andere wäre es, wenn er die jämmerlichen Arbeits⸗ verhältnisse in dieser Fabrik zu verbessern suchte. Darauf werden allerdings die Arbeiter lange warten können; deshalb müssen ste ihre Lage selbst besser gestalten, für Aufklärung ihrer Mitarbeiter und für ihre Organisation sorgen. — Am Ende könnte auch besagten Werlführer einige Aufklärung nichts schaden.
Wetzlar.
-th. Der. der sich voriges Jahr auf der auborner Straße abspielte und die nervöse Erkrankung des Herrn Fabrikanten Ohlen burger zur Folge hatte, beschäftigte neulich wieder das Gericht. Die Strafkammer verwarf die eingelegte Berufung des Herrn Michel, der Ohlenburger wegen Beleidigung verklagt hatte. Herr M. muß nun die Kosten bezahlen und in dem Hundeprozeß bleiben also Herr Ohlenburger und seine Nervosität so⸗ wie— die beiderseitigen Anwälte die Sieger. Ueber das Bürgerrechtsgeld ver⸗ handelte die Stadtverordnetenversammlung am Montag. Dieser Gegenstand beschäftigte die Stadtväter schon mehrfach. Früher mußte jeder, der„Bürger“ werden, also an den Stadtverordneten Wahlen sich beteiligen und 1 8 öffentliche Rechte ausüben wollte, 15 Mk. ürgerrechtsgeld entrichten. Wlederholt gestellte Anträge auf Beseitigung dieses Tributs, wo⸗ durch dem Armen, selbst wenn er ein geborener Wetzlarer ist, jeder Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten genommen und die ganze Ge⸗ meindevertretung den Besitzenden ausgeliefert wird, erfuhren Ablehnung. Schließlich erklärte der Regierungspräsident, daß eigentlich die Er⸗ hebung des Bürgerrechtsgeld ungesetzlich sei. Daraufhin wurde die Sache weitert erörtert und die dafür eingesetzte Kommission schlug die Herabsetzung des Bürgerrechtsgeldes auf 3 Mk. vor. Dem stimmte die Ver sammlung zu, nur sechs Stadtverordnete erklärten sich für gänzliche Aufhebung, aus welchen Gründen man diese rückständige und ganz unberechtigte Ein⸗ richtung nicht beseitigte, ist nicht recht ersichtlich. Wir sind der Meinung, daß bei Stadtverord⸗ netenwahlen auch Leute, die das Geld nicht bezahlten, zugelassen werden müssen. Die Wetzlarer Arbeiter thun jedenfalls gut, sich hierüber Klarheit zu verschaffen, damit sie ihre guten Rechte wahrnehmen können.
Der Elberfelder Nilitärbefreiungsprozeß
ist nach wochenlangen Verhandlungen vorige Woche zu Ende gegangen. Das Urteil lautete egen den Hauptangeklagten Baumann auf steben Jahre Gefaͤngntis, fünf Jahre Ehrverlust; Witwe Dieckhoff erhielt 2 Jahre Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust; Bender sen. und jun. und Stadthagen sen. und jun. je 3 Monate Ge⸗ fängnis; Schmidt 5 Monate 7 0 1 55 Zim⸗ mermann 5 Monate Gefängnis, Ehlers sen. und jun. je 5 Monate Gefängnis; Stern sen. und jun. je 4 Monate Gefängnis; Hufschmidt sen. und jun. je 3 Monate ee Die übrigen wurden freigesprochen.— Gegen den Oberstabsarzt Dr. Schimmel war die Anklage wegen Bestechung 12 68 worden, doch nahm das Gericht eine Bestechung von Militärärzten und Unterbeamten nicht als erwiesen an. — Baumann und Witwe Dickhoff legten Re⸗ viston gegen das Urteil ein.— Mit Beendigung dieses 1 1 ist der Vorhang über eine Er⸗ scheinung unseres öffentlichen Lebens gefallen, an der man die moralische und stttliche Brüchig⸗ keit unserer Bourgeosie zu erkennen vermag. Ob dies der letzte Prozeß dieser Art ist, dürfte mehr als fraglich sein, solange die Segnungen usseres Militarismus vorhanden sind, werden wohl auch die Freimacher ihre Rechnung finden.
Schlußakt zum Meincidsprozeß Levy.
Das Reichsgericht verwarf die Reviston des Fleischergesellen Moritz Levy aus Konitz,
der am 16. Februar 1901 vom Konitzer Schwur⸗ gericht wegen Meineids in drei Fällen zu 4 Jahren Zuchthaus, 4 Jahren Ehrverlust und dauernder Eidesunfähigkeit verurteilt wurde.
Kleine Mitteilungen.
* Verschwundener Beamter. Seit einigen Tagen wird der Stadtrentmeister in Schlüchtern vermißt. 40.000 Mk. sollen in der von ihm verwalteten Kasse fehlen.
* Einbruchdiebstahl. Vorige Woche wurde in die Geschäftsräume unseres Mann⸗ heimer Partetorgans, der„Volksstimme“, eingebrochen. Sämtliche Kassen waren er⸗ brochen und bis auf den letzten Pfennig ihres Inhalts beraubt. Die gestohlene Summe be⸗ läuft, sich auf ungefähr 200 Mk. Einige Spuren an dem eisernen Geldschrank zeigen, daß dort ebenfalls, doch vergeblich, versucht worden, auf⸗ 1 Vom Thäter hat man bis jetzt keine
ur.
* Schwerer Bauunfall. In Münchener Vorstadt Neuhausen stürzte in einem Neubau die schwere Betondecke nach Ab⸗ nahme der Verschalung herab und durchschlug die ganze Bautreppe. Ein Maurer wurde ge⸗ tötet; drei Tagelöhnerinnen()) zog man zwar lebend, aber schwer verletzt aus den Trümmern.
* Doppel⸗ Hinrichtung. Am 8. Mai wurden in Nürnberg der Schreiner Höfling und der Taglöhner Schaller, Beide aus Fürth, die Höflings Schwiegermutter, die Witwe Schelter, um deren Sterbekassengeld zu erlangen, gemeinschaftlich ermordeten, durch den Scharfrichter Reichhart mit dem Fallbeil hingerichtet.— Derselbe Scharfrichter ent⸗ hauptete wenige Tage später den Vatermörder Bauer in Augsburg. Also drei Hin⸗ richtungen in einer Woche in ein und dem⸗ selben Lande, das auch noch für besonders fromm gilt! Das ist etwas viel und hoffent⸗ lich kann sich jetzt der Henker recht lange von seiner Blutarbeit ausruhen.
— In Mannheim feuerte am Sonntag der 22 jährige Tapezierer Weber drei Schüsse auf seine Geliebte, der Kellnerin Wölln ann ab, worauf er sich selbst in den Kopf schoß. Weber starb ba. darauf, das Mädchen liegt lebens⸗ e verletzt darnieder.— Wegen Tot⸗ chlags der Prostituierten Nerger wurde der Arbeiter Müller vom Berliner Schwur⸗ Fare zu 12 Jahren Zuchthaus und 10 jährigem
hrverluste verurteilt.— Vor dem Hauptbahn⸗ hofe in Frankfurt sprang ein Auslaufer von einem 5 5 der elektrischen Bahn ab, kam unter die Räder des Anhängewagens und wurde arb so schwer verletzt, daß er bald darauf arb.
Ans dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 9. Mai 1901.
„ Buchdrucker⸗Versammlung. Be⸗ günstigt vom herrlichsten Frühjahrswetter unter⸗ nahmen am Sonntag die hiefigen Jünger der schwarzen Kunst einen Ausflug durch die prächtigen Wälder des sogenannten Hinterlandes nach demischön gelegenen Bergstädtchen Bie den⸗ kopf. Dortselbst fand im Nörperschen Saale von 4 Uhr nachmittags ab die zweite diesjährige Bezirksversammlung unter zahlreicher Betei⸗ ligung, auch der Biedenköpfer Buchdrucker, statt. Die Versammlung nahm einen sehr guten Ver⸗ lauf und hatte den Erfolg, daß sich zwei Biedenköpfer Kollegen zur Aufnahme in den Verband meldeten, sodaß also sämtliche dortigen Buchdrucker der Verbands⸗Organisation ange⸗ hören. Nach Schluß der Versam mila fand im Garten eine photographische Aufnahme sämtlicher Teilnehmer, auch der Damen, statt. Hierauf wurde das alte Schloß besucht, das eine herrliche Aussicht bietet. Schade nur, daß dasselbe, obwohl gut im Stande erhalten, leer steht, es würde für viele Familien gesunde Wohnungen abgeben! Nachdem auch noch ver⸗ schiedenen Wirtshäusern Besuche abgestattet
waren, u. a. auch dem Herbergsvater Branden⸗ stein, trat man mit dem letzten Abendzuge die Rückfahrt in die Heimat an.
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