Ausgabe 
18.8.1901
 
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Nr. 33.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

so großer Teil der Leute so schwer bestraft worden? Das sollte doch auch nicht verschwiegen bleiben! Jedenfalls kann man daraus nicht auf ein solches Maß von Wohlverhalten schließen, wie es die Khakipresse den Kreuzzüglern in allen Tonarten nachrühmt.

Von der Hunnenbrieffabrik in Luzern, die Herr Schweinburg entdeckt haben wollte (s. Nr. 30 der Mitteld. Sonnt.⸗Ztg.), ist's auf einmal ganz still geworden. Der Absender jener gefälschten Hunnenbriefe, der geheimnisvolle Handlungsgehilfe, konnte bis jetzt noch nicht gefunden werden; wohl aber befindet sich der berüchtigte Spitzel Normann⸗Schumann in Luzern, der bekanntlich in dem Tausch⸗ Prozesse eine Rolle spielte und in ihm vermutet man wohl nicht mit Unrecht den Besitzer der Hunnenbrieffabrik. Der offiziöse Schwindel ist wieder gründlich vorbeigelungen.

Triumphzug des Ex⸗Weltmarschalls.

Graf Waldersee hat, seit er sich wieder in Deutschland befindet, eine ganz respektable Rundreise gemacht. Unaufhörlich geht es von Stadt zu Stadt; aber die feierlichen Empfänge tragen doch etwas Gekünsteltes an sich, es will keine rechte Begeisterung aufkommen, trotz der vielen Reden, die der abgebrannte Graf hält. Der Spektakel hat nun hoffentlich bald ein Ende, sonst macht uns der Walderseerummel vor dem Auslande noch lächerlicher, als uns der ganze Chinazug schon blamiert hat.

Dem Weltmarschall wurde auch eine mili⸗ tärische Ehrungfür ewige Zeiten ver⸗ liehen. Eine kaiserliche Ordre bestimmt,daß ein schleswigsches Regiment für ewige Zeiten den Namen Waldersees führe. Hoffentlich kommt sehr bald die Zeit, die den heutigen Militarismus, das stehende Heer mit seinen Regimentern nicht mehr kennt, mögen diese Regimenter getauft sein, wie immer!

Die Kosten der Spritztour Waldersees nach China sind nicht gering. Sein persönliches Jahreseinkommen betrug dort nicht weniger als 174000 Mk. Dabei sind aber natürlich die Kosten des Asbesthauses und sonstiger kost⸗ spieliger Ausrüstungsgegenstände nicht inbe⸗ griffen. Außerdem begleiteten ihn bekanntlich 2 kaiserliche Leibgendarmen und ein Leibkoch, dessen Jahresgehalt 10000 Mk. betrug.

Verurteilter Antisemitenhäuptling.

Von der Strafkammer in Halle wurde der Geschäftsführer des Bundes der Landwirte, Bruno Kreutz wegen Unterschlagungen, die sich etwa auf 12000 Mark belaufen, zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. Kreutz war früher Redakteur der antisemitischenSachsen⸗ schauB in Magdeburg. Das Geld hatte er infolge eines Verhältnisses mit einer Schau⸗ spielerin verpulvert.

Der Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie

wird am 29. September in Wien abgehalten werden. Auf der Tagesordnung steht außer den geschäftlichen Angelegenheiten: Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Organisation der Gesamtpartei. Revision des Parteipro⸗ gramms. Handelsverträge und die Interessen der Arbeiter in Oesterreich. Alters- und In⸗ validitäts⸗Versicherung für Wittwen⸗ u. Waisen⸗ versorgung.

Franzesko Crispi,

der frühere italienische Ministerpräsident ist am Sonntag in Neapel gestorben. Er ist 82 Jahre alt geworden, sein Leben war ein äußerst bewegtes. Revolutionär und Freiheits⸗ kämpfer in den vierziger Jahren verfolgte er als Minister eine rückständige und gewaltthätige Politik; als die schmählich ausgebeuteten und hungernden Schwefelarbeiter in Sizilien revol⸗ tierten, glaubte er in reaktionärer Borniertheit das Elend der Armen dadurch aus der Welt schaffen zu können, indem er die dem Elende Preisgegebenen brutal niederknallen ließ. Auch in Bankschwindeleien war er verwickelt, er verstand es, sich Reichtümer zusammenzu⸗

gaunern, mit Mühe entging er damals der öffentlichen Anklage. Somit können wir dem Verstorbenen nichts Gutes nachsagen, höchstens, daß er mit Energie den volksverderblichen Ein⸗ fluß des Pfaffentums zu bekämpfen suchte.

Tortur in Spanien.

Das spanische Blatt Diluvio in Barcelona enthüllt einen neuen Skandal im dortigen Gefängnis. Der Beamte Tefjada soll ver⸗ schiedene Gefangene furchtbar gefoltert haben. Ein infolge der Mißhandlungen krank gewordener Gefangener versuchte, eine Klage an den Präsidenten des Landgerichts gelangen zu lassen, wurde aber durch Drohungen des Gefängnisdirektors davon abgehalten. Der Diluvio verlangt eine exemplarische Strafe Tejadas. In dem Pfaffenlande existieren Zustände, die den russischen nichts nachgeben.

Krieg in Südafrika.

Lord Kitchener hat eine Proklama⸗ tion erlassen, in der allen Kommandanten, Feldkornets und sonstigen Anführern der Buren angedroht wird, daß sie, wenn sie sich nicht bis zum 15. September 1 für immer aus Südafrika verbannt wer⸗ den. Die Kosten der Unterhaltung der Familien der Bürger im Felde, die sich am 15. September nicht ergeben haben, fallen den betreffenden Bürgern zur Last, und sowohl das bewegliche wie das unbewegliche Eigentum dieser Bürger in beiden Kolonien soll dafür haften.

Das ist der schmählichste Völkerrechtsbruch, der fich denken läßt. Diese neue Schandthat der britischen Regierung macht nun auch glaub⸗ lich, was vor Kurzem von französischen Blättern berichtet wurde, England habe sich bemüht, die Mächte zu bestimmen, sie sollten den Buren die Rechte einer kriegführenden Macht absprechen. Die Mächte haben einhellig das ihnen gestellte Ansinnen abgelehnt. Nun begeht England die Gemeinheit auf eigene Faust.

Die Proklamation wird selbst von einigen englischen Blättern als eine von Chamberlein verübte gemeine Barbarei bezeichnet, sie sei der Schrei einer geleerten Börse.

Hinrichtungen gefangenerRebel⸗ len durch die Engländer kommen öfter vor. Vier solcher Fälle werden allein von der letzten Woche berichtet. In Dordrecht, Cradock, Middleburg und in Graaf Reinet mußten die holländischen Einwohner zur festgesetzten Stunde zusehen, wie 1 201 ihrer Landsleute, die für die Burensache zur Waffe gegriffen hatten, wie ganz gemeine Räuber und Mörder am Galgen aufgeknüpft wurden! Zum Ueberfluß wird sogar aus Kapstadt berichtet, daß die Standgerichte, die solcheTodesurteile fällen und zur Ausführung gelangen lassen, sich stets mit den geringsten Beweisstücken begnügen und wie auf Bestellung ihr Urteil abgeben, das verschiedenen Mitmenschen auf die entehrendste und grausamste Weise das Leben kosten soll. Das ist dieselbe Praxis, die England im ame⸗ rikanischen Unabhängigkeitskriege angewandt hat und die für die Engländer die schlimmsten 5 7 hatte. Es ist sehr leicht möglich und denkbar, daß historisch bewanderte Buren sich daran ein Beispiel nehmen. So wird der Krieg immer mehr zu einem wilden, gegenseitigen Zerfleischen. f

Kitchener meldet Siege. Seinen Streckenbericht vom 18 August bezeichnet er als die größte Liste, die er bis jetzt in einer Woche gehabt habe. Seit dem 5. August hätten die Truppen gemeldet, daß 39 Buren gefallen, 20 Verwundet und 685 gefangen genommen worden seinen, während 85 sich ergeben hätten. Ferner seien 244000 Patronen, 754 Wagen, 5580 Pferde, 33 000 Stück Rindvieh und eine große Anzahl andere Tiere erbeutet worden. Der größere Teil dieser Beute entfalle auf den Oranje⸗Freistaat. Bei genauerem Zusehen dürfte sich wohl die Sache nicht gar so schlimm für die Buren heraus stellen.

3000 Burenflüchtlinge, die im Norden des Oranjestaates streifende britische Kolonnen zusammengebracht hatten, sind in Brandfort

angekommen. Ihr Gesundheitszustand ist ein jammervoller. Fälle von Diphtherie und anderen bösartigen Krankheiten treten so zahlreich auf, daß um schleunige Zusendung von Aerzten und Medizin ersucht werden mußte.(Frtftr. Ztg.)

Van Rhyn, Mitglied der Kapregierung, ist vor einigen Tagen von den Buren gefangen genommen worden.

Kreiskonferenz des Wahlkreises Gie ßen⸗Grünberg⸗Nidda.

Zu der im Lokale Orbig am Sonntag stattge⸗ fundenen Kreiskonferenz waren 21 Delegierte er⸗ schienen, die 10 Orte vertraten. Nach der Bureauwahl gelangte der Kassenbericht des Kreiswahlvereins zur Verlesung. Die Einnahmen betrugen im letzten Halbjahr Mk. 238.05; die Ausgaben Mk. 190.70; es verbleibt somit ein Kassenbestand von Mk. 47.35. Von den Revisoren wird die Richtigkeit der Abrechnung bestätigt und ihrem Antrage gemäß der Kassierer von der Kon⸗ ferenz entlastet. Die darauf folgende Neuwahl des Vorstandes des Kreiswahlvereins ergiebt die Wieder⸗ wahl der bisherigen Vorstandsmitglieder mit Ausnahme eines einzigen, das verzichtete. Hierauf wird zum zweiten Punkt der Tagesordnung:Stellungnahme zur Landeskonferenz übergegangen und zunächst das vom Landeskomitee entworfene Or ganisations⸗ statut durchberaten. Einwendungen werden nur gegen den§ 5 desselben erhoben, welcher bestimmt, daß jedes Mitglied der Organisation monatlich 20 Pfg. Beitrag zu entrichten habe. Gegen diese Beitragsfestsetzung wen⸗ den sich die Delegierten Muhl⸗Altenbuseck, Schmidt⸗ Wieseck und andere. Man befürchtet von einer Beitrags⸗ erhöhung bedeutende Verluste an Mitgliedern. Nament⸗ lich würde den Genossen, die noch anderen Vereinen angehörten, die Beitragslast zu hoch. Die Delegierten von Daubringen und Gießen erklären, daß in ihrer Organisation schon jetzt 20 Pfg. monatlich erhoben würden; von ihnen, wie noch von anderen Rednern wird betont, daß, wer diesen Beitrag nicht bezahlen wolle, kaum den richtigen Begriff von seiner parteigenössischen Pflicht habe. Man könne auf solche Leute verzichten. Die heutigen Verhältnisse erforderten vielmehr, daß jeder, der gegen die heutige Unterdrückung auf allen Gebieten ankämpfen will, auch Opfer bringen muß. Wir in Hessen müßten auch dafür sorgen, daß von hier der Parteikasse mehr zugeführt werde, bisher hätten nur Berlin und Hamburg den weitaus größten Teil der Parteiausgaben bestritten, während von Süden nur wenig geleistet würde. Nach längerer Debatte gelaugt eine Resolution mit 12 gegen 5 Stimmen zur Annahme, durch welche der Beitragserhöhung zugestimmt wird. Weiter wird beschlossen, zu dem Organisationsstatut zu beantragen, daß von je 10 Pfg. der Beiträge vier statt wie vorgesehen nur drei Pfennige der Lokalkasse verbleiben und drei Pfg. an die Kreisorganisation ab⸗ geführt werden sollen.

Weiter wird der Kommunalprogramm⸗Entwurf durch⸗ beraten. Gegen einzelne Forderungen desselben werden besonders von dem Genossen Krumm Einwendungen erhoben. So z. B. sei es nicht ohne weiteres möglich, die Gehälter der obersten Beamten einer Kommune zu beschneiden., wie das im Programm gefordert werde, weil eben diese vertragsweise angestellt seien. Auch gegen die Forderung der Errichtung von Krematorien in größeren Städten ließe sich einwenden, daß, solange die Leichenverbrennung nicht obligatorisch eingeführt sei, die Gemeinden sich dadurch stark belasten würden. Be⸗ seitigung der submissionsweisen Vergebung der Lieferungen für die Gemeinde und der Gemeinde⸗ Arbeiten müsse vorläufig auch noch ein frommer Wunsch bleiben. Bei deren turnusmäßiger Vergebung, wie sie das Programm fordere, könne das Gemeinwesen fehr leicht von einer Clique Unternehmer oder Lieferanten übervorteilt werden. Es sei ferner auch nicht recht einzusehen, warum sich unsere Partei nicht an den Bürgermeisterwahlen beteiligen solle, wo sie das mit Aussicht auf Erfolg thun könne. Es würde sich ja zeigen, ob die Regierung einen als Bürgermeister gewählten Genossen die Bestätigung versagen werde. Nichtbeteiligung bei diesen Wahlen führe unter Umständen zur Zersplitterung unter unseren Genossen und fördere die in manchen Gemeinden zu Tage tretende Vettern⸗ wirtschaft. Besondere Anträge zu dem Kommunal- programm werden nicht gestellt.

Zum dritten PunktParteitag in Lübeck be⸗ spricht Genosse Vetters kurz die dort voraussichtlich zur Verhandlung gelangenden Gegenstände, die Thätigkeit der Fraktion, den Schiedsspruch in Sachen der Ham⸗ burger Maurer. Im Weiteren bezeichnet er die von den Gegnern an das Auftreten Bernsteins geknüpften Redereien über dieMauserung der Sozialdemokratie als lächerlich und weist darauf hin, daß bis jetzt noch von keiner Seite ein Antrag auf Aenderung des Pro⸗ gramms eingelaufen sei. Die so sehr herbeigesehnte Spaltung der Sozialdemokratie wird nicht eintreten,