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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
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Nr. 46.
„ Unterhaltungs-Ceil. 1
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Zuruf. Wisse, wenn du sargumschlossen Ruhest in der finstern Erde: Was du einst an Glück genossen, Was du trugst auch an Beschwerde— Aufgelöst wie Rauch im Winde Ist dein Glück, dein Ceid und Kampf, Aufgesaugt... wie von der Sonne Nebelqualm und Blütendampf!
Cerne diesen Ernst ertragen, Da du nicht im Lichte wandelst, Denk in froh' und trüben Tagen, Was du dir im Tod erhandelst. Wie dir zugemessen werde Auch der Lust und Sorge Soll: Immer bleibe deine Seele Jede Stunde ruhevoll. Franz Orthner.
Aus der Art geschlagen. Humoreske von Max Wundtke.
In Ottomar Botho von Freilichhausen war die Energie von achtundvierzig Ahnen aufge⸗ speichert. Vor einigen Jahrhunderten wäre er ganz gewiß der Schrecken aller Bürger und Kaufleute geworden; da er aber das Unglück hatte, in einer recht nüchternen Zeit zu leben, hatte er es nur bis zum Polizeiinspektor der guten Stadt Schlauwitz gebracht. Das war ja immerhin etwas und als Polizeigewaltiger darf man schon seinen Kopf für sich haben. Aber wenn Schlauwitz vom gestrengen Herrn Polizeiinspektor regiert wurde, so stand der Poltzeigewaltige wieder unter strenger Bot⸗ mäßigkeit der Frau Polizeiinspektor.
Das mochte noch hingehen; aber daß sein eigenes Eheweib absolut keinen Respekt vor den achtundvierzig Ahnen hatte, die er gern und bei jeder Gelegenheit zu seiner Unterstützung ins Feld führte, war oft Gegenstand bittern Kummers für ihn. War es da zu verwundern, daß sein einziges Töchterchen so ganz aus der Art schlug? Damals, gleich nach der Geburt, hatte es schon angefangen. Das Mädel, dem nun, dank seiner Bemühungen, bereits neunund⸗ vierzig Ahnen zur Verfügung stehen würden, hieß nämlich gar nicht Adelgunde oder Hermione oder so ähnlich, obwohl er sein eigen Fleisch und Blut gern auf diese Weise benannt hätte; denn er wußte, was er seinen Vorfahren schuldig war. Aber seine Frau hatte mit einer unnah⸗ baren Würde, die noch weniger Widerspruch ertrug als die des Schlauwitzer Polizeipräfekten, dekretirt:„Deine Namen sind ja alle Quatsch, Otto.“— Sie verstand sich so wenig auf den Adel, daß sie den schönen Namen Ottomar Botho konsequent auf das bürgerliche Otto reduzirte.—„Das Mädel heißt Lischen und damit basta.“
Nun haben ja die Frauen im Allgemeinen immer recht, im Besondern aber die Frau Polizei⸗ inspektor. Man sagt, das selbst die Götter ver⸗ geblich gegen eine gewisse Tugend der Menschen kämpfen, von der man nie genug besitzen kann, wenn man die Absicht hat, sein Glück zu machen; aber mindestens ebenso vergeblich ist der Kampf selbst eines adeligen Polizeiinspektors gegen die Meinung einer Frau, besonders wenn diese Frau seine Frau ist. So lief denn die kleine Geborene von Freilichhausen mit dem skandalös bürger⸗ lichen Namen Lischen herum, was sie selbst aber nicht im Geringsten anzufechten schien, denn sie war bis in ihr zwanzigstes Jahr so fidel, als trüge sie den feudalsten Namen der Welt.
Um diese Zeit war's, da Schön⸗Lischen anfing, ihre bisherige Lustigkeit abzustreifen und eine sanfte Melancholie an deren Stelle zu setzen.
„Daß etwas Mäunliches dahinter steckte, ist nicht übermäßig schwer einzusehen. Dieses Männliche hieß Fritz und war ein echt Schlau⸗
witzer Kind, gleich Lischen. Ihre Kinder⸗ und Schuljahre hatten sie zusammen vertollt. Dann waren sie getrennt worden. Der Kindertraum war aber damit nicht aus; er spann sich fort und die Trennung öffnete ihnen erst recht die Augen über das Ziel ihres Hoffens und Wünschens.
Fritz befand sich jetzt in einem zwei Meilen entfernten Landstädtchen, wo er seinem alten Vater fleißig zur Hand ging. Der hatte ein Gewürz⸗ und Kramgeschäft, verkaufte Heringe, Briefpapier, Bänder, Geschirr, Honig, Seife, Kleiderstoffe, Messer, Hühner, Obst, Bücher, be⸗ saß nebenbei eine Leihbibliothek, eine Aus⸗ spannung, war Hotelbesitzer, Gastwirt und Advokat des Nestes in einer Person.
Für diese vielseitige Thätigkeit war Fritz wie geschaffen, und er fühlte sich recht wohl in seinem Königreich, wenn er nur auch sein Lischen hätte haben dürfen! Aber da war er schön angekommen. Ein Dorfkrüger, Ellenreiter, Heringsbändiger und Pfeffermüller wagte es, seine Blicke zu erheben zu ihm, dessen wohl⸗ gezählte achtundvierzig Ahnen— es können auf dem langen Wege auch noch ein paar verloren gegangen sein, es war ja Alles da!— bis auf die Hunnenschlacht zurückwiesen, zu ihm, dem Herrn Ottomar Botho von Freilichhausen! Kurz und gut, Lischens Papa sprach ein Machtwort fehr das Unerwartete geschah... Lischen fügte sich!
Aber wer kapituliert, kann seine Beding⸗ ungen stellen, und das that Schön⸗Lischen denn auch. Persönlich wollte sie ihrem Fritz sagen, daß aus ihnen niemals ein Paar werden dürfe, daß sich der eiserne Wille Derer von Freilichhausen zwischen sie stelle, daß acht⸗ undvierzig Generationen auf sie hernieder⸗ blickten und außer Rand und Band geraten würden, wenn das reine Schild des Freilich⸗ hausischen Geschlechts durch Schmalzflecke und Heringsgeruch entweiht werden sollte.
Der Herr Polizeiinspektor war damit ein⸗ verstanden, nachdem Lischen hoch und heilig versprochen hatte, ihrem Fritz absolut reinen Wein über die Sachlage einzuschenken und Abschied für immer von ihm zu nehmen.
Sie ließ sich auch durchaus nichts zu Schulden kommen; sie erfüllte ihr Wort auf wahrhaft edelfräuliche Weise.
Fritz erhielt einen Brief, der ihm jegliche Hoffnung raubte und der ihm zu einer letzten Zusammenkunft draußen in den Anlagen am Flusse bat, damit sie einander das letzte Lebe⸗ wohl sagen könnten. Zu gleicher Zeit flogen aber Briefe hin und her zwischen ihr und einem Herrn Willy Schönchen, der, ein ehemaliger Intimus Fritzens und beider Jugendgenosse, seit seinem vierzehnten Jahre nicht mehr in Schlauwitz gewesen war.———
Der Tag des Abschiedsnehmens kam. Ein Sonntag Nachmittag war's mit wunderschönem Wetter. Im Grün der Anlagen versteckt, auf der verabredeten Bank saß Lischen und erwartete ihren Fritz. Vor sich hatte sie den freien Augenblick auf den breiten Strom, der gerade jetzt ein ungemein anziehendes Bild bot; denn die sportfreudige Männerwelt von Schlauwitz und Umgebung feierte heute ein Fest und hatte bei dieser Gelegenheit eine Ruderregatta ver⸗ anstaltet. Hier fand die rührende„Abschieds⸗ szene für immer“ statt. Aber was es mit dieser von ihm allerhöchst bewilligten Abschiedsszene auf sich hatte, sollte er bald zum Leidwesen seines hochadeligen Geblüts und Gemüts er⸗ fahren.———
Es ist einige Monate später. Der Herr Polizeiisspektor saß in seinem Büreau und * an einer heute erst empfangenen Ein⸗ gabe.
Ein Herr Willy Schönchen, Maler und Photograph seines Zeichens, bat um die polizei⸗ liche Erlaubnis, dem hohen Adel und der kunst⸗ sinnigen Bürgerschaft von Schlauwitz seine selbst hergestellte Serie von lebenden Photographien, Mutoskope genannt, vorzuführen.
Eine Stunde darauf stand Herr Willy Schöͤnchen mit obligatem Schlapphut, braunem Sammtjaket und blauer, wehender Kragenschleife, wie sich's für einen Künstler schickt, persönlich vor dem Gewaltigen.
Er wurde gnädig empfangen, und Herr don Freilichhausen erklärte, nachdem er vernommen, daß Schönchen Schlauwitzer Kind sei, seine Bereitwilligkeit, die heimische Kunst zu unter⸗
stützen. Allerdings habe die Behörde darüber,
zu wachen, daß nichts Ungebührliches den Frieden der guten Schlauwitzer störe; so eine Art Zensur, eine behördliche Kontrolle sei geboten.
Gut, darauf war Herr Schönchen vorbereitet. Auf dem großen Lichtflur des Rathauses hatte
er seine Mutoskope aufgestellt. Der Herr Polizei⸗ inspektor brauche nur die Güte zu haben, die
Objekte zu besichtigen. Das geschah auch. Die Bilder erregten in
höchstem Grade das Interesse und den Beifall
des Gestrengen. 5
„Ueberall, wohin ich kam,“ erklärte der Künstler,„war man entzückt von diesen lebenden Bildern. Aber hier hab' ich noch eine Serie, die ganz neu ist. Sie wird den hohen Adel“ — Herr Ottomar Botho von Freilichhausen machte eine ganz leichte gnädige Verbeugung— „und die Bürgerschaft von Schlauwitz ganz besonders interessieren. Es sind Momentauf⸗ nahmen von der letzten hiesigen Ruderregatta.“
„Ah, das ist hübsch, das ist interessant! Lassen Sie sehen.“
Und die Obrigkeit sah, und je länger sie sah, desto länger wurde ihr Gesicht, bis es so lang war wie der Tag vor Johanni und gelb und grün obendrein. Dann sah sie den Künstler mit durchdringenden Polizeiaugen an und sagte mit schrecklicher Stimme:„Diese Serie werden Sie nicht ausstellen. Ich verbiete das.“
„Aber, Herr Polizeiinspektor...“
„Nichts da! Ich verbiete das! Punktum.“
„Es ist mein Geschäft, Herr Polizeinspektor, und gerade von diesem Bilde habe ich regen Zuspruch erwartet.“
„Das ist mir gleich. Sie bekommen die Erlaubnis nicht.“ Und die Augen des Gewaltigen schleuderten Blitze des Zornes.
(Schluß folgt.)
Ein kleines Dörschen.
Aus dem Riesengebirge, wo füngst gewählt wurde, schreibt der Wiener Arbeiter⸗
meinem kleinen Dörfchen gedacht! Eher hätt' ich mir den Tod eingebildet, als daß so etwas einmal sein könnte. In meinem Dörfchen hausen seit jeher fünfzehn„Große“. Die haben dank ihrer ausgebreiteten Felder und ihres bedeutenden Viehstandes— bitte zu beachten: Viehstandes, nicht Ver standes— das schöne Recht, bei den Landtagswahlen„mitthun“ zu dürfen. Und sie haben von diesem Rechte stets Gebrauch gemacht. Nie sind sie an solchen Tagen zu Hause geblieben. Die Wahltage waren ihnen hohe Feiertage, an welchen sie zeigen konnten, daß sie etwas sind, daß sie etwas gelten im Staate. Wenn sie, angethan mit den langen, blauen Flügelröcken und dem Quastenhute auf auf dem Kopf, dem Wahllokal— der Wohnung des Vorstehers— zuschritten, da blickten die Kleinhäusler mit unsäglicher Hochachtung zu ihren„Großen“ auf und ein geheimnisvolles Flüstern ging durch's Dorf:„Se gehn zur Wohl!“ So oft ich das Wort„Wohl“(Wahl) hörte, rieselte mir ein ehrfurchtsvoller Schauer den Rücken hinunter. Damals kannte ich nut den einen Wunsch: Ein Bauer zu sein, Flügel⸗ rock und Quastenhut zu besitzen, womöglich jeden Tag zur Wahl gehen zu durfen. Später, als ich dahinter kam, was das ist, eine„Wohl“, nahm meine Bewunderung etwas ab, ja, es kam sogar einmal eine Zeit, in der mir die fünfzehn würdevollen Gestalten lächerlich vor⸗ kamen. Dann verließ ich mein Dörfchen und dachte nicht mehr an seine Großen, bis ich 10 9 Woche an sie erinnert wurde. Da las ich in der Zeitung, daß in L. von fünfzehn abgegebenen Stimmen zwölf auf densozialdemokratischen Kandidaten entfallen sind. Zwölf sozialistische Stimmen! Das ist es, was ich nie und nimmer für möglich gehalten hätte. Man muß nur wissen, was das heißen will: In meinem Dörfchen ist sozialdemokratisch gewählt worden!
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