Ausgabe 
17.11.1901
 
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Nr. 46.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

u auf das Verhalten der Anhänger des Hunnen⸗ uz pastors, als auf das unsere, die wir nicht nur ut 0 jede Gewaltthat, von wem sie immer ausgehen ne mag, verurteilen, sondern auch den Mord in ena jeder 1 0 besonders den Masseumord des Jene Krieges. agent N 15 Ueber unsere Flugblattverteiler 10 inn hat sich neulich dieOberh. Zeitung, ein konser⸗ der Ai batives Ordnungsblatt, wie es sein muß, riesig Anme g geärgert. Es schimpfte über unsere Genossen werk a wie ein Rohrspatz. Von dem Flugblatt selbst . den, sagte das ehrenwerte Organ für Ordnung und ue Sitte, daß es(das Flugblalt, in lächerlicher 5 chen Weise das Volk über die Besteuerung des Mann eh Hungers belehren wolle, ungeheuerliche Ueber⸗ Abit. treibungen, unglaublich phantastischen Unsinn b entge enthalte.Die Sozialdemokratie muß die Land⸗ Zeit bah leute für sehr dumm halten, wenn sie es wage, imad ihnen derartige Erzeugnisse zu bieten. Von eus den Verteilern sagt das Reptil, zweiIndi⸗ don i, bpiduen hätten ganze Stöße Flugblätter in dann gg. die Häusergeworfen. Nein, liebes Reptil, loberlaß, die Flugblätter sind recht anständig und ge⸗ u mite, wissenhaft in genau 720 Häuser Derkeikt, iternicht geworfen worden und die Bauern wissen oh un recht gut, daß alles, was darin steht, auf it eit Wahrheit beruht. Rüdiges Geschimpfe ist scheint kein Gegenbeweis. Damit macht man auch n zu wol heutzutage nur noch in ganz rückständigen Haiger, Bevölkerungskreisen Eindruck, aus denen sich in allerdings die Anhängerschaft der Konservativen Cs sch rekrutiert. Wie froh wären diese, hätten sie diesen A. solche überzeugungstreueIndividuen in ihrer egt ua, Partei, welche sich für ihre Sache so hergeben ht gusthn wie wir für die unsere! en nich St. Parteiversammlung. Die am nen Bl vergangenen Samstag abend im Lokale von an bond, D. Jesberg hier stattgefundene Versammlung eispiele! war leider sehr schwach besucht, trotzdem auf sich die der Tagesordnung des Referat des Gen. Beck⸗ erminden mann⸗Gießen über den Parteitag in Lübeck stand. Der Referent gab in ungefähr einstün⸗ ich hal diger Rede ein recht anschauliches Bild von den f Verhandlungen und Beschlüssen des Parteitages Talsozhh und erntete am Schlusse seiner Ausführungen ng in uf reichen Beifall. Die Abrechnung desVertrauens⸗ der Mah mannes ergab bei einer Einnahme von 111. 15 Mk. Zuge und einer Ausgabe von 96. 94 Mk., einen Be⸗ kedakteu stand(am 1. Nov.) von 14.81 Mk., die Kol⸗ Wen, portagekommission hatte am 1. Okt. d. Js. Friegerbel einen Kassenbestand von 258.79 Mk.Die biegt drei Revisoren haben beide Kassen und Bücher einen fich geprüft und alles in Ordnung befunden. Bei gesetz der nunmehr vorgenommenen Neuwahl des Chantal Vertrauensmannes wurden Gen. Härtling führung und bei der Neuwahl des hiesigen Preßkommissions⸗ ssser dl mitgliedes Gen. Stumpf wiedergewählt. Der welt Vertrauensmann teilte mit, daß er den Glas⸗ wir schl arbeitern in Nienburg 30 Mk. aus Parteimitteln gdogt. übersandt habe, welches gutgeheißen wurde; 1 außerdem wurde beschlossen den Tabakarbeitern 0 bechl in Nordhausen sofort 20 Mk. Unterstützung zu hal senden. Nach Erledigung einiger Interna 1 e erfolgte dann Schluß der Versammlung. 1 Rezitation Walkotte. Trotz des it Ui. ungünstigen Tages hatte sich der von der hiesigen er dl Gewerkschaftskommission am Freitag v. Woche 10 gal veranstaltete Rezitationsabend im Casé Quentin 10 daa eines äußerst starken Besuches zu erfreuen. Es G0 war aber auch wirklich ein Genuß, der Dar⸗ . 0 stellungen des beliebten Rezitators zu folgen. 4 0b Derselbe führte uns in Ludwig Fulda's Schau⸗ 15 100 spielDas verlorene Paradies in trefflicher gh Weise ein Lebensbild der Arbeiterschaft aus dem n modernen Wirtschaftsleben vor und wollte denn , auch am Schlusse der nahezu dreistündigen b Rezitation der Beifall kein Eude nehmen. Möchte

es unsrer Gewerkschaftskommission gelingen, Herrn Walkotte bald wieder für einen Abend zu gewinnen und verfehlen wir auch nicht, allen auswärtigen Parteigenossen denselben bestens zu empfehlen. 8

Arbeitslosigkeit. Nicht allein in fast allen andern Gewerben, sondern auch im Buchdruckergewerbe herrscht große Arbeits⸗ losigkeit; dies beweist auch die Vierteljahres⸗ Abrechnung pro 3. Quartal 1901 des hiesigen Bezirksvereins des Buchdrucker verbandes. Es wurden in dieser Zeit an Arbeitslose(und Kranke) am Orte 345.80 Mk. Unterstützung

gezahlt. Die hiesige Zahlstelle der Reisekasse weist für denselben Zeitraum eine Frequenz 264 bezugsberechtigten Mitgliedern auf, welche 1725.50 Mk. Reiseunterstützung erhielten. Außerdem wurden noch an 10 ansgesteuerte oder nichtbezugsberechtigte Mitglieder 11.25 Mk. aus der Bezirkskasse gezahlt. Das sind zu⸗ sammen 274 Arbeitslose auf der Reise, die nichtorganisterten Durchreisenden nicht mit⸗ gerechnet, in einem Quartal, die höchste Ziffer, welche je hier erreicht worden ist. Gewiß ein erschreckendes Zeichen der Zeit.

Amtliche Wahlbeeinflussungen.

Die Gemeinderatswahl in Urberach ist auf den Protest unserer Genossen hin vom Dieburger Kreisausschusse für ungültig er⸗ klärt worden. Wie aus dem Urteil hervor⸗ geht, wurde durch die Aussage des Polizei⸗ dieners Sulzmann und des Bürgermeisters Lotz erwiesen, daß den beiden Forstwarten geschriebene, auf die Zentrumspartei lautende Stimmzettel im Auftrage des Bürgermeisters zuge⸗ stellt wurden. Acht Stimmzettel waren derart mit Kennzeichen versehen, daß sich acht ver⸗ schiedene Personen unter Kontrolle bezüglich ihrer Abstimmung gestellt sahen. Bürger⸗ meister Lotz habe das Wahlresultat in unzu⸗ lässiger Weise beeinflußt. Zu Gunsten des Zentrums natürlich. Hoffentlich wird diese christliche Mogelei bei der Neuwahl zu dem Siege unserer Genossen mit beitragen helfen.

Ein schreckliches Grubenunglück.

ereignete sich am Dienstag auf dem Salzberg⸗ werkLudwig II bei Staßfurt. Es stürzten zwei Abbausohlen zwei Etagen im Berg⸗ werksbau auf eine Länge von etwa 200 Metern zusammen, 80 Bergleute, die im Begriff waren, den Schacht zu verlassen, wurden verschüttet. Durch sofort angestellte Rettungsarbeiten gelang es, etwa 60˙ Personen lebend zu Tage zu bringen, wenn auch eine große Zahl von ihnen teils schwer, teils leicht verletzt war. Bisher sind 3 Tote geborgen worden, während die übrigen Bergleute noch vermißt werden. In Staßfurt herrscht außerordentlich große Aufregung und Trauer. Die Zahl der Toten beträgt 16.

Kleine Mitteilungen.

* Die Stadtverordnetenwahlen in Darmstadt finden am 23. November, die jenigen in Mainz den 9. Dezember statt. In letzterer Stadt treten die nationalliberale, frei⸗ sinnige, demokratische und sozialdemokratische Partei gemeinschaftlich in den Wahlkampf.

* Böse Geschichten. Große Aufregung herrschte vorige Woche in Kiel über das Ver⸗ brechen eines Fähnrichs zur See, Namens Osterburg, eines Schülers der Marineschule. Derselbe beging ein grobes Sittlichkeitsverbrechen an einem J jährigen Mädchen. Der Verbrecher wurde verhaftet. An demselben Tage feierte die Marineschule das Fest ihres 50 jährigen Bestehens. Auf diesem Feste wurde auch ein Telegramm des Kaisers verlesen, in dem dieser besonders den ritterlichen Geist lobte, der von der Marineschule ausgeht. Um so peinlicher berührt allgemein die noch an demselben Tage verübte verbrecherische That des Marineschülers. Uebrigens sollen am Jubiläumslage noch andere Fähnriche Aulaß zu Bestrafungen gegeben haben.

** Landtagsabgeordneter Sänger, Vertreter Frankfurts im preußischen Land⸗ tage und Stadtverordneter in Frankfurt, ist am Mittwoch infolge eines Gehirnschlages plötzlich verstorben. Der Verstorbene war ein ehrlicher, überzeugungstreuer Demokrat, der stets für den soztalen Fortschritt eintrat. Bei der letzten Landtagswahl stimmten alle damals in ziem⸗ licher Anzahl gewählten sozialdemokratischen Wahlmänner für ihn, wodurch auch seine Wahl ermöglicht wurde. Als einziger Demokrat im preuß. Landtage hat er tapfer seinen Mann gestellt.

* Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kassel unterlag die sozialdemokratische Liste der bürgerlichen.

* Betrügerischer Polizeisekretär. Das Koblenzer Schwurgericht verurteilte am Montag den früheren Polizeisekretär Hofmann zu Jahren Gefängniß.

* Mattias Kneißl, der neuebay⸗ rische Hiesel zu dessen Gefangennahme im Frühjahr eine ganze Kompagnie Gens darmen aufgeboten wurde, hat sich eben vor dem Schwurgericht in Augsburg für seine Thaten zu verantworten. Nicht weniger als 120 Zeugen sind zu vernehmen. Die Verhandlung wird mehrere Tage dauern.

** Dreschgraf Pückler wurde in Berlin zu 200 Mk. Geldstrafe wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten, die er in einer seiner berühmten Reden begangen hat, verurteilt. Man billigte ihm mildernde Umstände zu, weil ihm ehrliche Ueberzeugung geleitet habe. Merkwürdig; wenn je ein Sozialdemokrat vor Gericht stand, hat man niemals dessen ehrliche Ueberzeugung als Milderungsgrund angesehen.

Arbeiterbewegung.

15 Arbeitslosen-Unterstützung im Bäcker verband. Wegen Einführung der Arbeitslosen⸗Unterstützung fand im Bäckerverband eine Urabstimmung statt. Diese ergab 1623 Stimmen für, 801 gegen Einführung der⸗ selben. Neben der Arbeitslosen-Unterstützung wird noch Kranken- und Sterbegeld ausgezahlt.

7 Glasarbeiter sind noch immer eine Anzahl ausgesperrt. Unterstützung ist notwendig, da der Verband nicht in der Lage ist, die Opfer des Kampfes so, wie es notwendig wäre, zu unterstützen. Die Rache der Glasbarone trifft besonders diejenigen Flaschenmacher, welche die Sache ihrer Kollegen im Lohnkampfe führten. Bis zum 1. Januar wollen die im Ring befind⸗ lichen Flaschenfabrikanten die Aussperrung auf⸗ recht erhalten. Die organisterte Arbeiterschaft wird die Gemaßregelten nicht sinken lassen.

Versammlungskalender.

Montag, den 18. November. Gießen. Schneiderverband. Abends ¼9 Uhr Versammlung bei Orbig. Marburg. Versammlung der Schneider Abends 9 Uhr bei C. Müller, Hirschberg 12. Samstag, den 23. November. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Mitgliedersammlung im Lokale Orbig. T.⸗O.!: Die letzten Stadtverordnetenwahlen.

Briefkasten.

V.⸗Büdingen. Der Besuch der Fortbildungs⸗ schule ist von Staatswegen vorgeschrieben und das ist recht gur. Daß Sie durch den Schulbesuch Ihres Bruders Schaden erleiden, ist allerdings bedauerlich; aber Sie werden seine Befreiung von dem Schulbesuch nicht erwirken können. Das werden Sie auch nicht wollen, sondern wünschen, daß der junge Mensch etwas lernt. Der Arbeitgeber soll Ihnen doch während der vom Lehrling versäumten Zeit eine Hilfskraft stellen!

Auf Genossen zwerbt Abonnenten für die Mitteldeutsehe Sonntagszeitung

Marktberichte.

Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 12. November: Butter per Pfd. Mk. 1,10 1,30, Hühnereier 1 St. 78 Pfg., Enteneter 1 St. O0 Pfg., Gänseeier per St. 00 00 Pfg., Käse 1 St. 58 Pfg., Käsematte 2 St. 00 Pfg., Erbsen per Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 3,003,30 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,50 5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,7 0 bis 1,20, Hühner per St. Mk. 1,00 1,20, Hahn en per St. Mk. 0,70 1,20, Enten per St. Mk. 1,2 0 bis 2,50, Gänse per Pfd. 5462 Pfg.

Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 6064 Pfg., Schweinefleisch 64 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 60 66 Pfg., Hammelfleisch 5070 Pfg.

Auf dem Fruchtmarkt in Limburg kostete durch⸗ schnittlich pr. Malter: Roter Weizen 13.80 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00- 00.00 Mk., Korn 10.19 Mk., Gerste 9.01 Mk., Hafer 8.15 Mk.