Ausgabe 
17.11.1901
 
Einzelbild herunterladen

Seite 4.

U

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

standen erklärte. Nur meinte er, wenn das alte Schloß für Museumszwecke des Hess. Ge⸗ schichtsvereins verwendet werde, könne man wohl die Kosten der Wiederherstellung bewilligen. Dann bemerkte er noch, Segitz habe im bay⸗ rischen Landtage erklärt, aus Rücksicht auf die Bäcker und Metzger nicht für die Aufhebung des Oktrois in Fürth eintreten zu können, er freue sich, daß die hiesigen sozialdemokratischen Kandidaten rückhaltslos für die Beseitigung desselben sind. Genosse Krumm antwortete dem nationalsozialen Redner, der sich befriedigt erklärte und für unsere Liste einzutreten ver⸗ sprach. 1.

Die Bürgerlichen führten den Kampf fast nur durch Zeitungsinserate und mau muß sagen, sie haben es sich etwas kosten lassen. Fast jeden Tag erschienen imAnzeiger neue Riesenannoncen mit anderen Wahlvorschlägen, wobei immer nur einzelne Leute als Macher auftraten. Keiner der bürgerlichen Stadtväter hat daran gedacht, in öffentlicher Versammlung Bericht über seine Thätigkeit zu erstatten, das halten die Herren nicht für notwendig. Man fand sich nur in kleinen Konventikeln zusammen, um Kandidaten aufzustellen. Da war die Wahl allerdings schwer; sehr viele geizten nach der Stadtratswürde.

Das Wahlresultat. Während des Tages zeigte es sich schon, daß die Wahlbeteiligung eine ziemlich starke war. Trotzdem die Frei⸗ sinnigen und Nationalliberalen eine gemeinsame Liste aufstellteu, waren doch drei bürgerliche Listen, die sich allerdings nur durch wenige Namen von einander unterschieden, vorhanden. Daher gab es denn auch lebhaften Kampf. Im Jahre 1898 wurden etwa 450 reine sozial⸗ demokratische Zettel abgegeben. Krumm erhielt damals 807, die niedrigste auf unsere Kandi⸗ daten abgegebene Stimmenzahl betrug 430. Diesmal stiegen unsere Stimmen auf ca. 500. Ein für uns befriedigendes Ergebnis, wenn man bedenkt, daß gerade die Bedingung der vier⸗ jährigen Ortsansässigkeit unsere Wählerschaft herabmindert. Gewählt sind für 9 Jahre: Prof. Dr. Gaffky, Stadtv. mit 1793 St., Carl Jann, Realgymnastall. 1616 Louis Flett, Stadtverordneter 1532 Carl Orbig, 1 132 Emil Schmall 15 1436 Carl Brück, 5 1347 Ludwig Huhn 11299

8. Friedrich Helfrich 1263 9. Louis Emmelius 1082 10. Ludwig Pirr, Metzgermeister 905 auf 6 Jahre:

11. Heinrich Schaffstaedt, Fabrikant 818

Unsere weiteren Kandidaten erhielten Stimmen: Heinrich Fourier 516, Michael Keßler 506, Georg Beckmann 496, Chr. Petersen 487, Baum 484, Adam Volz 476. Ferner erhielten noch Stimmen: H. Elle 500, Justizrat Metz 472, Helm 439, Müller 314, Balser 304, Dörr 289, Steinberger 230 Stimmen. Wir kommen in nächster Nummer auf das Wahlergebnis zurück.

Fest der Holzarbeiter. Im Leib⸗ schen Saale feiert diesen Samstag die hiesige Zahlstelle des Holzarbeiter⸗Verbandes ihr Stif⸗ tungsfest zur Feier ihres 10 jährigen Bestehens. Das Komitee hat sich redliche Mühe gegeben, um den Besuchern einen recht genußreichen Abend zu bieten und es ist ein zahlreicher Besuch auch um deßwillen zu erwarten, da die Holz arbeiter seit langer Zeit kein Fest abgehalten haben.

Ueber:Der Kampf ums Da sein während der Krise spricht nächsten Montag Abend Frau Louise Zietz⸗ Hamburg in einer im Lokale Orbig stattfindenden Volks ver⸗ sammlung. Frau Zietz ist eine sehr gewandte und eindrucksvolle Rednerin; wir empfehlen den Besuch der Versammlung namentlich auch den Frauen.

Der Brief des Metzger burschen. Vorige Woche druckte derGieß. Anz., um seinen Lesern einen Spaß zu machen, den Brief eines in Friedberg beschäftigten Metzgerjungen an seinen Vater ab, der folgendermaßen lautete:

Mein liber Fater, Ich benuze mit vielem eifer die Gelegenheid der Post; um euch zu melden, daß ich jetzt

1

AO S

in einem anderen Stande bin. Vor 8 Tagen hat mich mein Meister zum Schlächterjungen erhoben, was mich sehr lieb ist. Er ist vollkommen mit mir zufrieden und ich begreife das Handwerg sehr gut. Er hat mich schon dreymal todtstechen lasseu und wenn ich ferner das Alles so gut bekreife wird er mich auch nächstens schlachten lassen. Eingesperrt sind jetzt bey uns 3 Ochsen, wovon einer eine Ku ist und ich bin euer getreuer Sohn.

Nicht wahr, wie hübsch ihr guten Leute! Wie amüsant! Zum Totlachen! Ist es aber nicht ein tieftrauriges Zeichen für unsere Volks⸗ schulverhältnisse? Wir sind doch eineKultur⸗ nation! Muß sich eine solche nicht schämen, wenn ein junger Mensch nach achtjähriger Schulzeit noch nicht im Stande ist, seinen Ge⸗ danken in verständlicher Form Ausdruck zu geben?

Aus dem Rreise gießen.

n. In Heuchelheim fand am Sonntag Abend eine sehr gut besuchte Parteiver⸗ sammlung statt, in der Genosse Beck⸗ mann über die Verhandlungen des Partei⸗ tages in Lübeck Bericht erstattete. Eingehend schilderte er den Verlauf der sozialdemokratischen Woche und erläuterte die einzelnen Beschlüsse des Arbeiterparlamentes. Seine Ausführungen wurden von der Versammlung aufmerksam ver⸗ folgt und beifällig aufgenommen. In der Diskussion ergriff Genosse Nibch das Wort, um die Genossen zu lebhafter Parteithätigkeit und festem Zusammenhalt aufzufordern. Mit den Beschlüssen des Parteitages erklärte man sich einverstanden.

Die Bürger meisterwahl in Watzen⸗ born-⸗Steinberg, hat mit dem Siege des B. Hirz 6. von Watzenborn geendet. Bei der am Samstag vorgenommenen Stichwahl erhielt

der Genannte 191 Stimmen, während es sein

Gegenkandidat, J. Hirz 9 von Steinberg nur auf 160 Stimmen brachte.

aus dem Areise Friedherg-Püdingen.

Büdingen. Aus dem Fenster gestürzt ist am Sonntag Nacht der Ober⸗ primaner Hermann Mudra aus Wächtersbach. Er lehnte sich unvorsichtigerweise zu weit aus am Fenster seines im dritten Stockwerk gelegenen Zimmers und stürzte in den Garten herab. Schwer verletzt wurde er in die Gießener Klinik verbracht.

ARreis Alsfeld⸗Cauterbach.

r. Kreiskonferenz. Auf der Pfeffer⸗ höhe in Alsfeld tagte am Sonntag die trotz des schlechten Wetters recht gut besuchte Kreis⸗ konferenz für unsern Wahlkreis. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Genossen Schönlank, zu dessen Ehren sich die Versammelten von ihrem Sitze erhoben. Aus dem darauf erstatteten Bericht über die Thätigkeit des Kreiswahlvereins im verflossenen Jahre ist hervorzuheben, daß in Bezug auf Agitation gethan wurde, was mög⸗ lich war. Zwei größere Versammlungen fanden statt; 6000 Kalender wurden verteilt. Der Kassterer legte über eine Einnahme von Mk. 169.50 und eine Ausgabe von Mk. 107.79 Rechnung ab, was also einen Kassenbestand von Mk. 61.79 ergiebt. Der Kassierer wurde entlastet. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen, der aus dem Ge⸗ nossen Reining als Vorsitzender, Wahl als Kassierer, Linn als Schriftführer sämtlich aus Lauterbach besteht. Nachdem der Kreis⸗ vertrauensmann, Genosse Dechert einen Be⸗ richt gegeben hatte, wurde auch er einstimmig wiedergewählt. Beschlossen wurde noch, die Agitation in nächster Zeit energischer als seit⸗ her zu betreiben und die Genossen aufgefordert hierbei tüchtig mitzuhelfen.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h.Das Darwin'sche Entwickelungs⸗ gesetz im sozialen und Geistesleben lautete das Thema, über welches am Montag Abend Schriftsteller Zilowsky aus Frankfurt im Schützengarten vor einem zahlreichen Publi⸗ kum, worunter sich eine Anzahl Frauen befand,

*

sprach. Uns fehlt der Raum, den Inhalt des interessanten Vortrags auch nur a bentungs⸗

weise wiederzugeben, weshalb wir us mit der Feststellung begnügen müssen, daß die schienenen dem Vortrage sehr aufmerksam folgte und am

Schlusse mit lebhaftem Beifalle belohnten.

h. Arbeitslosigkeit! Das Gespenst der Arbeits⸗ und Verdienstlosigkeit kehrt bei immer zahlreicheren Familien ein. Nach der Woll⸗ spinnerei, die wir in der vorigen Nummer er⸗ wähnten, hat nun auch das Walzwerk eine bedeutende Lohnkürzung angekündigt. Ferner hat die Marmorschleifer ei einigen Arbeitern gekündigt; in Villmar, wo das Werk ebenfalls eine Niederlassung hat, wurden 16 Mann ent⸗ lassen. Mit Bangen sehen viele Arbeiter- Familien der Zukunft, dem Winter entgegen.

Ein Hunne. Vor einiger Zeit begin ein Handelsmann namens A. Seligmann 99 dem Weilmünsterer Markt eine grobe Ausschrei⸗ tung. Er hatte ein Stück Vieh von einen Bauer gekauft, kümmerte sich aber dann nicht mehr darum, bis der Verkäufer sein Geld verlangte Darauf stieß dieser Mensch den Bauern mit einem Stock dermaßen vor die Brust, daß Letzterer nach einigen Minuten starb. Seligmann floh, wurde aber bald darauf verhaftet. Kurzem aus China zurückgekehrt, scheint alse

hier die hunnischen Praktiken fortsetzen zu wollen.

Ein Messerheld aus Haiger⸗Seel⸗

bach erhielt von der Strafkammer am Mittwoch 1 Jahr Gefängnis zudiktiert. Es schadet

unseres Erachtens gar nicht, wenn diesen Duel; lanten empfindliche Strafen auferlegt werden. Die Messerstecherei wird aber nicht aufhören,

wenn mit den schweren Bestrafungen nicht zu⸗

gleich eine Vertiefung der allgemeinen Bildung, Hand in Hand geht. So lange man von obe herab die Mordkultur feiert, Beispiele à. Insterburg gegeben werden, der traurigen Messerhelden nicht vermindern.

Aus dem Nreifse Marburg⸗Rirchhain. * Der entrüstete Nationalsozlale.

Wir haben uns mit einer Bemerkung in unseren

letzten Nr. den ganz besondern Zorn der national⸗

sozialen MarburgerHess. Landesztg. zugezogen. der soweit geht, daß uns der Redakteur des Pastor Wenck, ein Pfui zuruft. Warum das? Kriegervereine und Studenten, natürlich sind auch dieNational⸗ sozialen dabei haben bekanntlich einen Protest⸗ und Entrüstungsrummel in Scene gesetzt, gegenß die Aeußerung des engl. Ministers Chamberlain.

Kriegführung dern nicht besser als die Engländer in Südafrika gewesen sel. Unsere Meinung darüber haben wir schon au anderer Stelle(Pol. Rundschau) gesagt. Auch

genannten Blattes, der

die dahin ging, daß die 59 in Frankreich er

in Marburg entrüsteten sich die Kriegervereine

in einer Protestversammlung und beschlossen eine Resolution, welche die Greuelthaten dee Dem Berichte darüber fügten wir die Frage hinzu: Unx die Hunnen in China? Damit war ge?

Engländer in Afrika verurteilt.

meint, was sicher für jeden unserer Leser so⸗ fort klar war, man

von den europäischen Truppen, die deutschel

eingeschlossen, in China verübten N l

thaten protestieren. Die

Landesztg. unterschiebt uns aber, Wu Chamberlains Beschuldigungel hätten die Kreuz, zügler kein Wässerchen getrübt, redet außerdem von der ZüricherHunnenbrieffabrik die, wen! von einem preußischen Polizeispitzel eröffnet wurde Vielleicht bezeichnen demnächst die National,

hätten damit

wiederholt. Sie thut, als

sie jemals existierte, jedenfalls

sozialen die Wegnahme des astronomischen Ju. strumente in Peking als christlichen Tausch und die Kolonialbestialttäten der Peters, Leit ꝛc. als Kulturthaten ersten Ranges. finden es pharisäisch, erbärmlich,

7 1

rüstet für Thaten verurteilen wolsch welche die notwendigen Folgen dieser Po 10 sind und die sie, wenn sie von deutscher 1 begangen werden, nur recht milde oder 100 nicht tadeln. DasPfui paßt weit eh

1 Nr 46. a

Er ist erst vor

dürfte sich die Zahl.

solle nur auch gegen die

wenn

die Nationalsozialen als eifrige Befürworng 1 der Eroberungspolitik andere Nationen en

1 1 1

sese. ue Aabunge achat. alte füt hun de ell Velt siduen. . Hal e Flug aha licht ge feht l Jahrh An Ge Hatzuta Hebblke flerdin eatiel

dice ü

altei, Die wil

porta linen drei

eprü del.

Vettt Andb mitgl Vet abe Aber, laufe i. N feld ecfol

Ang Geh erg dine al fel Der pie