Ausgabe 
17.11.1901
 
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Nr. 46.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

gade⸗ und der Divisionskommandeur hatten von der Entscheidung Kenntnis erhalten.

Am Abend vor dem Duell soll in der herbei⸗

geeilten Familie des Blaskowitz eine erschütternde Abschiedsszene erfolgt sein. Der Vater des Gefallenen versuchte noch am Sonntag Abend vergeblich durch persönliche Rücksprache eine andere Entscheidung herbeizuführen.

Nun kam das Duell. Wie es heißt, wäre nur ein einmaliger Kugelwechsel vorgesehen gewesen. Blaskowitz erhielt einen Schuß in den Unterleib. Die Verletzung war tötlich, wenige Stunden später war der eben noch glückliche Bräutigam eine Leiche. Der Standesehre war Genüge geleistet.

Was hier unter dem Banne der Wahnidee eines Standes geschah, wird kein vernünftiger Mensch anders, als ganz gewöhnlichen Mord bezeichnen können. Was immer gegen die aus mittelalterlicher Barbarei stammende, greuliche Unsitte des Zweikampfes geschrieben und ge⸗ predigt worden ist, es hat keine Wirkung gehabt. Es wird lustig weiter geknallt, fromme Christen halten es zur Reparatur ihrer Ehre für uner⸗ läßlich, wegen einer lächerlichen Bagatelle zur Pistole zu greifen. Uns könnte es ja einiger⸗ maßen gleichgültig sein, wenn sich die Ange⸗ hörigen derbesseren Stände gegenseitig vom Leben zum Tode befördern; aber wir müssen uns dagegen wenden, daß hier Verbrechen, für die das Strafgesetz die schwersten Strafen androht, kalt berechnet, vorbereitet und mit dem Schein desRechtes ausgeführt werden und schließlich fast straflos bleiben. Will man die Seuche nachdrücklich bekämpfen, so müssen die Duellmörder wie alle andern mit Zuchthaus bestraft werden.

Unzüchtige Ordnungspresse!

Zu dengeistigen Waffen, mit welchen die kapitalistische und Ordnungspresse die Sozial⸗ demokratie bekämpft, gehört neben vielen andern auch der Vorwurf, daß wir die Ehe aufheben, freie Liebe einführen wollten ꝛc. Stets wird auf die Sittenlosigkeit der Arbeiter geschimpft, daß es nur so eine Art hat. Dabet ist aber anerkanntermaßen die sozialdemokratische Presse viel sittlicher, als die fürSitte, Religion und Ordnung schwärmenden bürgerlichen Zeit⸗ ungen; beispielsweise weisen die sozialdemokra⸗ tischen Blätter Heirats⸗ und ähnliche Inserate zurück, was jene nicht thun. Im Gegenteil, sehr zweideutige, sogar direkt unsittliche Inserate werden um den Profit zu erhöhen, anstandslos aufgenommen. Daß aber ein Amts⸗ und Ordnungsblatt als eine unzüchtige Schrift gerichtlich verurteilt wird, dürfte selten da- gewesen sein. Solches passierte aber kürzlich dem Amtsblatt in Großschönau in Sachsen, derOberlausitzer Presse. Diese hatte ge⸗ legentlich eines dortigen Bundesgesangsfestes in einer einzigen Nummer nicht weniger als neun Inserate zweideutigen Inhalts gebracht, in denen der Besuch von Gasthäusern mit fescher,schneidigster oderhochfeiner Damen⸗ bedienung,schueidigster Bedienung aus dem Zirkus Busch oder mitseparaten Weinzim⸗ mern empfohlen waren. Die unter Aus⸗ schluß der Oeffentlichkeit geführte Ver⸗ handlung endete mit der Verurteilung des angeklagten Redakteurs zu 50 Mk. Geldstrafe.

Ei herrjeses! Der Mann hätte etwas mehr Sitte heucheln sollen!

Ueber Diäten für Reichstagsabgeordnete

heißt es, daß die Frage im Bundesrat als eine offene gelte,ob sie im Laufe der Tagung ihrer Lösung entgegengeführt werden dürfte, steht dahin und hängt möglicherweise von der Art der Entwicklung der Dinge ab. Das heißt also mit anderen Worten, so meint dazu dieFreisinnige Zeitung, man will erst zur Gewährung von Diäten schreiten, wenn die Zolltarifvorlage sich infolge chronischer Beschluß⸗ unfähigkeit im Plenum festgefahren hat.

Bebel in Wien. Zum österreichischen Parteitage war bekannt⸗

lich Bebel von der deutschen Partei als Ver⸗ treter entsendet. Er sprach dort auch in einer Volksversammlung unter riesigem Jubel der Wiener Arbeiterschaft. Das Lokal war über⸗ füllt; Hunderte mußten umkehren. Unser Wiener Parteiorgan schildert Bebel als Redner in folgenden Worten:Es ist etwas Urkräftiges in der Beredsamkeit Bebels, die nicht nur das treffende Wort, sondern auch das zwingende Argument in jedem Augenblick so sicher zur Verfügung hat, daß jeder Satz sich tief in das Bewußtsein des proletarischen Zuhörers einprägt. Was Bebel spricht, ist Sozialismus und nichts als Sozialismus. Er preist die praktische Arbeit, den Kampf und die Erfolge der Gegen wart, aber in keinem Augenblick seiner Rede läßt er den Zuhörer vergessen, daß über all dem das erhabene Endziel steht und daß Alles nur geschieht, um des großen sozialistischen Gedankens willen, der die Arbeiterklasse beseelt und ihrem weltgeschichtlichen Ringen jenen großen heroischen Zug giebt. Und die Wiener Arbeiter verstanden, was Bebel ihnen zu sagen hatte, und jauchzten ihm Beifall. Als er ge⸗ endet hatte, schien es, als ob sie die unermeßliche Liebe zur sozialistischen Sache, die in ihren Herzen wohnt, auf die Person ihres Verkünders übertragen wollten. Ob er wollte oder nicht, mußte Bebel eine Ausnahme machen und sich ein bischen Personenkultus gefallen lassen. Besonders die Frauen hatten es auf ihn abge⸗ sehen. Eine Genossin überreichte einen prächtigen, mit roter Schleife und Goldinschrift geschmückten Blumenstrauß. Die Versammlung war schon lange geschlossen, aber Bebel konnte nicht weg⸗ gehen. Nur langsam leerte sich der Saal, es war den Wiener Arbeitern sichtlich schwer, von Bebel Abschied zu nehmen.Auf Wiedersehen! tönte es ihm aus Hunderten von Kehlen ent⸗ gegen, als er sich endlich entschloß, aufzubrechen, und mitten durch das Gedränge hindurch den Saal verließ.

Frankreich und die Türkei

sind wieder einig. Der Sultan hat sämtliche Forderungen Frankreichs anerkannt. Letzteres erklärte sich befriedigt, berief das Geschwader von Mytilene zurück und stellte die diploma⸗ tischen Beziehungen mit der Türkei wieder her. Viele französische Blätter erklären die große Aktion der Republik wegen der Schuldforderung eines Spekulanten als lächerlich und Frankreichs 1 So ganz unrecht haben sie damit nicht.

Sozialistische Wahlstege in Spanien.

Am letzten Sonntag fanden im Pfaffenlande Spanien die Gemeindewahlen statt, nicht ohne daß es dabei in einer Reihe von Orten zu blutigen Krawallen gekommen wäre, wie man es dort bei fast allen Wahlen gewohnt ist. Nach den bisher bekannten Resultaten wurde in Madrid zum ersten Male ein Sozialist in den Munizipalrat gewählt. Fast überall unterlagen die Regierungskandidaten und siegten Republikaner, Sozialisten und Nationalisten.

Krieg in Südafrika.

Kriegführung der Buren. DerBerl. Volksztg. wurde geschrieben: Seit den letzten Monaten verfolgen die Buren den Zweck, die einfachen Söldner und kolonialen Soldaten zu schonen, dagegen die Offiziere und Unter⸗ offiziere wegzuschießen und gefangen zu nehmen. Das geschah z. B. bei Bethel so gründlich, daß den Engländern von drei Regi⸗ mentern auch nicht ein einziger Chargierter übrig blieb. Präfident Paul Krüger bildete bisher mit seinem Stabe von Getreuen und Ratgebern das Hindernis, daß dem Generalis⸗ simus Louis Botha trotz der entsetzlichen Gräuel auf englischer Seite humane und noble Krieg⸗ führung anbefahl. Botha hat am 2. November sich von diesen Ratschlägen befreit. Er hat seinen von allen Unterbefehlshabern einstimmig gebilligten Entschluß, alle in Gefangenschaft befindlichen englischen Offiziere erschießen zu

lassen, den in Holland weilenden Präsidenten Krüger und Steijn mitgeteilt. So oft ein Bur erschossen wird, fällt ein englischer Offizier.

pon Uah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen aftigkett bet Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessisches.

Die Sitzungen der zweiten Kammer beginnen mit nächsten Dienstag den 19. Nov. wieder. Eine reichhaltige Tagesordnung, die nicht weniger als 23 Punkte umfaßt, ist vor⸗ gesehen. Darunter befinden sich ein von den Abg. Leun und Wolf gestellter Antrag betr. Portofreiheit der Militärpakete; ferner ein solcher der Abg. Ulrich und Genossen, die Milderung der Arbeitslosigkeit be⸗ treffend. Weitere Verhandlungsgegenstände sind noch: ein Antrag des Abg. Köhler(Langsdorf), welcher die Schächtfrage, ferner ein solcher der die Umgestaltung der ländlichen Fortbildungs- schulen betrifft. Weiter steht ein Antrag des Abg. Ulrich, der die Herausgabe einer Samm⸗ lung aller in Hessen geltenden Ver⸗ fassungs⸗ und Verwaltungsgesetze zum Zwecke hat, sowie die Rückäußerungen der ersten Kammer bezüglich des Antrags Ulrich, die Ent⸗ schädigung unschuldig Verhafteter betreffend, mit auf der Liste der zu verhandelnden Gegenstände.

Familienzwist bei Großherzogs. Nach verschiedenen übereinstimmenden Zeitungs⸗ nachrichten bestehen zwischen dem Großherzog von Hessen und seiner Gemahlin ernste Differenzen, die voraussichtlich zur Trennung der Ehe führen. Als Gründe werden angegeben: Unüberwind⸗ liche Abneigung, indem die Interessen der beiden Ehegatten gänzlich auseinandergehen sollen, sowie der Mangel männlicher Nachkommenschaft.

Gießener Angelegenheiten.

Stadtverordnetenwahl. In den letzten Tagen vor der Wahl der Stadtvertretung hatte sich eine lebhafte Agitation entwickelt. Von unserer Seite waren eine Reihe von Be⸗ zirksversammlungen einberufen worden, die alle ganz gut besucht waren und recht anregend verliefen. Samstag fand für den Bezirk rechts der Lahn eine Versammlung bei Dörff⸗ lein in der Rodheimerstraße statt, die sogar sehr stark besucht war. Die Ausführungen Krumms, der dort referierte, wurden sehr beifällig aufgenommen. Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich, wobei sich alle Redner im Sinne des Referenten aussprachen. Weiter tagte Dienstag Abend eine Bezirksversammlung in derStadt Marburg. Dort war der Besuch naturgemäß nicht so stark, aber auch da fand eine anregende Diskussion statt. Die Ver⸗ sammlung inLonys Bierkeller war ebenfalls gut besucht. Orbig sprach zunächst. Er wies es zurück, wenn von der bürgerlichen Seite davon geredet werde, daß Parteipolitik im Gemeindeparlament nicht getrieben werden dürfe. Dabei stellten die nationalliberale und freisinnige Partei ihre Kandidaten auf! Bei jeder Frage kommePatriotismus,Monarchische Gesin⸗ nung ꝛc. aufs Tapet; sei das keine Partei⸗ politik? Notwendig und nützlich für die Ge⸗ samtheit sei es, wenn man wisse, welcher An⸗ schauung die zu Wählenden seien, nach welchem Programm sie zu arbeiten gedenken. Die Bürgerlichen haben kein Programm; es fällt ihnen nicht ein, in der Oeffentlichkeit Bericht zu erstatten oder ihr Programm zu entwickeln. Das zu fordern haben die Wähler ein Recht! Schließlich fordert Orbig auf, für die Liste unserer Partei einzutreten. Seinen Worten folgts lebhafter Beifall. Krumm ging darauf auf die einzelnen, von uns schon wiederholt angeführten Kritiken ein, zu welchen verschiedene Beschlüsse der Stadtverordneten⸗Versammlung Beranlassung gaben. Seine Ausführungen be⸗ gleiteten vielfach die Beifallsäußerungen der Ver⸗ sammlung. Darauf ergriff ein Nationalsozialer das Wort, der sich im Allgemeinen mit den Ausführungen Orbigs und Krumms einver⸗