Ausgabe 
17.11.1901
 
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Nr. 60

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Nr. 46.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Besuch dort. Kopf Herz voll neuer Ideen, die Rocktaschen voll sozialistischer Zeitschriften. Damit, dachte ich, werde ich mir in meinem Dörfchen viel Ehre einlegen. Zu Hause, bei den Eltern machte ich den Anfang. Ich zog einen Freigeist aus der Tasche und las daraus vor. Noch nicht zwanzig Zeilen hatte ich gelesen, da sah mich meine Mutter ganz entsetzt an und sagte:Jesus Maria, Junge, wo haste denn das Blaatl her. Ich wollte erklären, aber da wurde der Vater bös und meinte, er habe es sich gleich gedacht, daß ich in der Welt ver⸗ derben werde.. Das war nun ein sehr schlimmer Anfang. Aber ich ließ mich nicht abschrecken und ging in die Schenke. Dort saßen einige Bauern beisammen. Sie waren recht freundlich zu mir, gaben mir die Hand und frugen, wie es mir gehe in der Welt. Ich packte das Wort Welt sozusagen bei den Hörnern und fing an zu erzählen, was vorgehe da draußen und sie bewege, diese weite, große und schöne Welt. Ich hatte noch nicht fünf Minuten gesprochen, war die Freundschaft zu

Ende. Die einen sahen mich drohend an, die anderen mit unsagbarer Verachtung. Zwei Alte nahmen ihre Mützen und liefen fort. Nun

kam der Wirt zu mir und sagte, das könne er nicht dulden, daß ich solästerliche Reden führe. Die Anwesenden stimmten ihm bei. Meine Eltern, meinten sie, seien so ordentliche Leute, auch meinen Geschwistern ließe sich nichts nachsagen, nur ich sei so verdorben. Eine Schande fürs ganze Dorf. Das brachte mich auch auf.Sie Kammel, fuhr ich den an, der das böse Wort gesprochen,daß Sie aus Geiz Ihren alten Vater haben fast ver⸗ hungern lassen, das ist auch keine Ehre. Und Sie, Lahmer, Sie säßen im Kriminal, wenn sich jemand Ihres schwachsinnigen Bruders annehmen wollte, den Sie um sein Erbteil betrogen haben. Und Sie, Flögel, Sie haben ihr Weib so arg mißhandelt, daß es sich aufgehenkt hat. Und Sie, Herbe, Sie haben monatelang in Untersuchung gesessen wegen Brandstiftung. Man hat Ihnen nichts beweisen können, aber... Ja, ja, ich kann es nicht verhehlen, in meinem kleinen Dörfchen sind schon recht schlimme Sachen vor⸗ gekommen. Die Männer, denen ich diese Sünden vorhielt, schimpften natürlich. Es könne ihnen nichts bewiesen werden, sagten sie. Und überhanpt... all das zusammen sei noch lange nicht so schlecht als dieRebellerei und dieGotteslästerei; einen Menschen, der sich in so etwas einlasse, den solle man auf der Stelle totschlagen, damit er nicht Unheil anstiften könne. Aufs Totgeschlagenwerden wollte ich nicht warten. Ich zog mich davon, ich, die Dorfschande. In dieses Dorf, dachte ich, halb zornig, halb wehmütig, wird nie ein Lichtstrahl dringen. Nie!... Und nun, zehn Jahre später, wird gerade in meinem Dörfchen sozial⸗ demokratisch gewählt! Ich hielt es nicht aus, ich mußte es wieder einmal aufsuchen. Daß sich meine Eltern mit der Rebellerei längst schon etwas vertraut gemacht haben, das war mir bekannt. Aber die anderen? Ich konnte den Abend kaum erwarten, mich zog's in die Schenke... Dort saßen sie nun wieder bei⸗ sammen, die Alten und auch einige Jüngere. Der Kammel war nicht dort, auch Flögel, Lahmer und Herbe nicht. Ich wurde noch herzlicher begrüßt als vor zehn Jahren. Und wieder fragten sie mich, wie es mir gehe in der Welt. Diese Frage zu beantworten, darauf ging ich nicht ein.Wie geht's im Dorfe? fragte ich dagegen.Schlecht wie immer und schlecht wie allen armen Leuten, war die Antwort.Und jetzt wird's wohl noch schlechter werden, da ihr den Sozialdemokraten gewählt habt, sagte ich lauernd.Das wird man Euch schon gedenken. Wie ist es denn eigentlich gekommen? Die Männer sahen einander an, und der Buschbauer sagte:J Jesses, das wissen m'r selber nicht. Da is vielerlei zusammengekommen. M'r haben Zeitungen gelesen, Redner gehört, unsere jungen Leute waren beim Militär, dort sind ihnen die Augen auch aufgegangen, und alles in allem .. liegt halt so was Neues in der Luft . so was ganz Neues. Es liegt etwas

Neues in der Luft! Das ist das Richtige. Der Sozialismus hat einige seiner leuchtenden Strahlen auch in dieses einsame Nestchen gesendet, und da sind auch ihnen die Augen aufgegangen, den Leuten in meinem kleinen Dörfchen!

Weiblicher Rechtsanwalt.

Es ist noch nicht lange her, da wurde der Gedanke, daß Frauen den Advokaten- und Aerzte⸗Beruf ausüben könnten, als lächerlich und unsinnig von den Philistern verspottet, wie überhaupt auch heute noch der Emanzipation der Frauen gegenüber die rückständigsten An⸗ sichten hervortreten. Da ist folgender Bericht nicht uninteressant, den ein amerikanisches Blatt bringt:

Zum erstenmal in der Kriminaljustiz unseres Staates, und vielleicht des ganzen Landes, verteidigt eine Dame einen Mörder. Es ist Fräulein Mary Colemann, und ihr Klient der hünenhafte Neger John Davis. Der Angeklagte ist beschuldigt, während der Rassen-Riots, welche sich am 25. August v. J. auf der Westseite abspielten, den achtzehnjährigen Telegraphen⸗ boten John Brennan erschossen zu haben.

Einen merkwürdigeren Kontrast, als derjenige zwischen der reizenden Verteidigerin und dem Menschen, um dessen Leben sie kämpft, kann man sich schwer denken. Die zierliche, blond⸗ gelockte, blauäugige junge Dame nimmt sich neben dem riesigen, abstoßend häßlichen Schwarzen aus, wie eine Elfe neben einem Ungeheuer.

Daß die graziöse Anwältin mehrSchneid hat, als mancher ihrer männlichen Kollegen, haben die Polizisten Deering und Trainor und Antonio Denger auf dem Zeugenstande zu ihrem Leidwesen erfahren. Sie trieb alle drei im Kreuzverhöre bös in die Enge, am ärgsten aber Deering. Derselbe behauptete anfangs, der Neger habe sich gegen seine Verhaftung wütend gesträubt, mußte jedoch, ehe Frl. Coleman mit ihm fertig war, zugeben, daß der Mörder sich nur in dem Luftschacht eines Hauses versteckte, weil er gelyncht zu werden befürchtete und die vor dem Gebäude stehenden Blauröcke ihm keinen Schutz zusichern wollten.

Die Dame ist seit mehreren Jahren als Kriminalanwältin thätig und hat sich bei ver schiedenen Gelegenheiten einen Namen gemacht. Sie fungierte als Vertreter ihres Vaters in diesem Prozesse.

Lesefrüchte.

Die Kunst reich zu werden, ist im Grunde nicht eigentlich die, viel Geld für sich aufzu⸗ häufen, sondern zugleich diejenige, es zu Wege zu bringen, daß unsere Nachbarn weniger haben als wir. Es ist die Kunst, die größtmögliche Ungleichheit zu unseren Gunsten herzustellen.

Ruskin. * 5*

Der ist der beste Prediger, der seine eigenen Ermahnungen befolgt.

Shakespeare.

Humoristisches.

Das Jubiläum. Festredner: Wir feiern eigentlich ein doppeltes Jubiläum, verehrte Sangesbrüder. Zehn Jahre gehört unser Freund dem Verein an und gerade fünf Jahre ist er heute seine Beiträge schuldig..

Rache des Setzers. In einem sächsischen Amts⸗ blatte waren unter der beliebten RubrikLokales und Sächsisches folgende interessanten Mitteilungen zu lesen:

Unser Herr Bürgermeister begeht morgen ein schönes Fest, sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Die aufhetzerische Art, in welcher er seit Jahren in unserer Stadt thätig war, Haß und Unfrieden unter der Be⸗ völkerung zu verbreiten sich bemühte, ist leider viel zu spät bekannt geworden. Es ist notwendig, solche Ele⸗ mente aus der Mitte unserer wackern Stadtbewohnerschaft zu entfernen, sobald man sich über ihren wahren Charakter klar geworden ist. Andere lassen sich das dann zur Warnung dienen.

Aus unserer Druckerei entfernt wurde ein im Verdacht umstürzlerischer Gefinnung stehender Setzer. Seine langjährige treue Pflichterfüllung, seine Gewissen⸗

l haftigreit, seine gewinnende Liebenswürdigkeit im persön⸗

lichen Verkehr haben ihn der Bürgerschaft unseres Städtchens in jeder Beziehung sympathisch gemacht. Von dem Vertrauen Aller getragen, wird er seine Laufbahn segensreich zurücklegen. Dies ist unser aufrichtiger Wunsch.

Am folgenden Tage hatte der Amtsblattverleger mit dem Bürgermeister eine Besprechung. Ueber deren Inhalt konnte man nichts erfahren, Herr Helferich aber soll sich geschworen haben, nie wieder einen sozialdemo⸗ kratischen Setzer zu maßregeln.

Böse Beispiele verderben gute Sitten. Konservativer: Aber Sie werden doch nicht im Ernste Diäten für die Reichstagsabgeordneten ver⸗ langen? Dadurch wird ja die Würde des Parlaments und der Abgeordneten untergraben, wenn diese gegen Bezahlung arbeiten! Sozialist: Sie das lassen Sie mal unsere Fürsten nicht hören! Die regieren ja auch nur gegen Bezahlung.

(Südd. Postill.)

Litterarisches.

Von Dr. Arnold Dodel in Zürich ist be J. H. W. Dietz Nachfg. in Stuttgart eine neu Schrift erschienen. Sie betitelt sich̃Entweder Oder? Eine Abrechnung in der Frage Moses oder Darwin? Preis Mk. 1.50. Der Verfasser von Moses oder Darwin erfüllt jetzt sein seit Jahren ge⸗ gebenes Versprechen, eine Abrechnung zu halten mit jenen finstern Geistern, die heute noch die Schule mit ehernen Banden umklammert halten, ja am liebsten die Fenster der Schulhäuser mit Brettern vernageln möchten, damit ja kein Sonnenstrahl wirklicher Aufklärung in die dumpfen Schulstuben fällt, der die Köpfe der Lehrer und Kinder erleuchten könnte.

Allen Freunden der Volksschule, Eltern, Lehrern, Geistlichen wird die neueste Schrift des tapferen Vor⸗ kämpfers der vorgeschrittensten naturwissenschaftlichen Lehren die dem Volke nicht vorenthalten werden sollen aufs Höchste willkommen sein. Die Schrift Entweder Oder? muß im Interesse der Wahrheit die weiteste Verbreitung finden.

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Aus dem Gießener Standesamtsregister.

Aufgebote. 11. November: Johann Trageser, Kaufmann dahier mit Frida Tute in Moringen. Lud⸗ wig Schneider, Kaufmann mit Katharine Döpfer dahier. 12. Julius Sack, Schreiner mit Karoline Nord dahier. Johann Adami, Kaufmann mit Johannette Schmall dahier. Siegmund Herzberger, Kaufmann in Krefeld mit Toni Meyerhoff dahier.

Eheschließ ungen. 9. November: Wilhelm Becker, Schreiner mit Elisabethe Müller dahier. Dr. Georg Schwarz, Chemiker in Berlin mit Louise Schwarz da⸗ hier. Christian Arnold, Tapezier mit Lina Schmitt dahter. Salomon Eichenwald, Kaufmann in Koesfeld mit Sara Grünebaum dahier. 11. David Löwenstein Kaufmann in Fritzlar mit Pauline Reis dahier.

Geborene. 3. November: Dem Kürschner August Kretzschmar e. T. Dem Former Adam Weber e. S. 5. Dem Buchhändler Georg Martini e. T. Dem Bahn⸗ wärter Heinrich Heß e. T. 6. Dem Tapezier Daniel Linker e. T. Dem Straßenkehrer Karl Albert e. S. Dem Metzgermeister Heinrich Henkel e. T. 7. Dem Geschäftsreisenden August Bender e. T. 8. Dem Sattler Franz Seidel e. T. Dem Hülfsbremser Georg Vesper e. S. 11. Dem Taglöhner Heinrich Braun e. T.

Gestorbene. 10. November: Marie Wagner, geb. Bauernfeind, 75 Jahre alt, Witwe. 11. Lina Steih, 3 Jahre alt. Friedrich Weeg, 52 Jahre alt, Kreisamtsgehülfe. 12. Karl Loos, 24 Jahre alt, Kauf⸗ mann.

An unsere Leser!

ö Die Kolporteure sind gehalten, bis zum 15.

jeden Monats abzurechnen; wir bitten die Abon⸗ nenten, dies zu beachten.

Die Expedition.

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5 Beschwerden über den Inhalt derMitteldentschen Sonntagszeitung ersuchen wir unsere Ge⸗ S nossen direkt an die Redaktion, Kirchen⸗ platz 11 zu richten; wegen mangelhafter Zustellung wende man sich an die Expedition, Sonnenstraße 25.

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