Ausgabe 
17.3.1901
 
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Seite 6.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

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Unterhaltungs-CTeil.

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90 90 MNarzklange. Das braust und klingt wie Frühlingswehen! Es ist der laute Gruß des März! Könnt Ihr die Klänge noch verstehen Klopft Euch nicht stürmisch noch das Herz? Es tönt in diesen Klängen wieder Die Seit voll Leben, Sturm und Drang, Die alten kühnen Freiheitslieder, Die einst das Volk im Märze sang. Das war ein kampfesfrohes Singen Bei Trommelschlag und Fahnenwehn! Das war ein Hoffen, Werben, Bingen, Das war ein Frühling reich und schön! Ein Ringen nach den höchsten Sielen, Dem er die Schwerterweihe gab, Bis seine weißen Blüten fielen Auf der gefallenen Kämpfer Grab. Und sind schon längst verweht die Klänge, Der junge März erneut sie doch; Und hört sie nicht das Ohr der Menge, Der Freund der Freiheit hört sie noch. Wohl ist es nur ein leises Mahnen Und nicht ein heller Weckruf mehr, Wohl zieht auf dieses Frühlings Bahnen Die junge Freiheit nicht daher. Doch wenn der Klang Dein Ohr getroffen, Des Märzes siegesfroher Klang. Erwacht mit frischer Glut Dein Hoffen: Einst tönt der neuen Freiheit Sang.

1848. Märztage in Wien.

(Aus demWahren Jacob.)

Die Leibeigenschaft war gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Oesterreich abgestreift worden; noch gegen die Mitte des 19. drückten die Splitter des Joches garstig, doch als muster haft erzogenes Lasttier trug sie der Bauer mit Geduld. Daß es einen Staat gab, merkte er daraus, daß seine blanken Gulden in die Steuer⸗ kasse, seme Söhne in die Kaserne abgeliefert werden mußten. Und wollte ihm beim Anblick sauler Pfaffen und schlemmender Edelleute der rote Zorn ins Gesicht steigen, so bändigte ihn auch gleich die Ehrfurcht vor demKoasa. Abgesperrt nach außen durch Zöllnerschwärme genoß die Monarchie im Junern schwarzgelbe Ruhe. Gendarmen und Schreiber erhielten sie aufrecht und wachten, daß fortgewurstelt wurde. Hans Kublich, der vielgenannte Acht⸗ undvierziger, war 1841 Student und wünschte in den Ferien zu Fuß von Wien nach seiner Provinz zu pilgern. Ob er nicht ein wenig von der im Passe festgesetzten Route abweichen dürfe, fragte er.Was fallt Ihnen ein? ward er angeschnauzt,glaubens denn, das Kaiserreich ist so ein Taubenhaus, wo a Jeder herumlaufen kann, wie er mag? Da Kublich die kleine Aenderung sich gleichwohl gestattete und dabei ertappt ward, fehlte nur wenig und man hätte ihn auf dem Schub zurück nach Wien transportiert. Wie diese Grundsätze der Ordnung dem Verkehr zu statten kamen, ist leicht zu ermessen. Versuche, politisch zu denken, führten in den Kerker; der Geist der Oeffent lichkeit war verboten. Tanzen und mustzieren mochten die Uuterthanen, fleißig zu Posse und Rührstück und Oper rennen, sich ob dem Thea⸗ ter erhitzen das lenkte ab vom Raisonnieren. Auch erwas Liederlichkeit ward gerne gesehen. Schöngeister, läppischer Schwatz fuͤllte die Blät⸗ ter. Kein unerschrockenes Wort die Zensur⸗ scheere zwickte es weg. War eier,dem's am Herzen fraß, so mußte er über die Grenze mit seinen Beschwerden, im Ausland einen Drucker dafür suchen und sehr, sehr vorsichtig sein, um nicht in die Krallen der Polizei zu geraten. Poeten, sofern sie nicht harmlos pfei⸗ fende Stubenvögel waren, erfuhren Mißliches;

Lenau klagte bitter über dielegalisierten Be⸗ stien, welche durch brutale Auslegung brutale Gesetze verschärfen. Jüngere Autoren schweiften in die Fremde; Leipzig beherbergte ihrer eine ganze Kolonie und von deralten Seestadt aus wurden Broschüren und Bücher die Menge in die Heimat eingeschwärzt. Die breiten un⸗ teren Schichten hatten nichts davon, die Litte⸗ ratur ging über ihre Köpfe hinweg; die intelli⸗ genteren Kreise aber verschlangen gierig die verpönten Schriften, und passionierte heimliche Leser gab es selbst unter dem Beamtenstand viele. Fort war der Glaube an die alte Staatsweisheit sie grinste zu verlogen und verwahrlost. Die morschen Pfeiler mußten bei dem erster Anstoß bersten, es fühltens alle Klugen; aber wer rannte an? Man ist doch nicht umsonst klug. Und obendrein war man zu schlaff und träg, zu sehr auch unbeholfenes Kind.

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Einen Einsturz brachte der Lenz den Wie⸗ nern, den Zusammenbruch eines entkräf⸗ teten Regiments, und blitzschnell sprang die Revolution herzu, an welche niemand ge⸗ dacht. Freilich, als die ersten Donner in der Ferne grollten, da hatte Siegfried Kapper feurige Strophen geschrieben von der roten Rose, die er auf den Hut sich stecke, jetzt, da verheißende Zeichen leuchten:

Die zeigten's uns, wie man's beginne,

Die auf Palermos blutger Zinne

Der Lust der Freiheit waren inne;

Die in Milano machten's nach.

Die in Paris, die alten Meister,

Die wachten auf, die Juli⸗Geister,

Ein Trugwerk ging aus Leim und Kleister,

Bald folgten auch die andern nach. Wohin mein Auge sich auch wendet,

Von Morgenschimmer wird's geblendet;

Wer glaubt jetzt nicht, daß bald geendet

Die alte Pestuacht fern und nah?

Die ersten Lerchen hör ich schlagen,

Die ersten Lichter seh ich tagen,

Bald werdens auch die andern wagen,

Dann in excelsis gloria?

Nur blieb die Dichtung, weil zu meuterifch klingend, vorerst im Pult, und die amtliche Wiener Zeitung bellte, auf die Pariser Kata⸗ strophe weisend, den heiseren Satz, das Heil der Regierten beruhe einzig auf dem festen Anschluß an die Regie ungen. Nur schade, daß just oben die Festigkeit in diesem Momente zweifelhaft ward, die ehr würdigsten Nägel urplötzlich locker saßen.

Auf dem Throue saß der wunderliche Fer dinand; er war der Kaiser, und Meister war der Haus-, Hof- und Staatskanzler Metternich, der unsaubere Hort der europäischeu Reaktion. Noch immer am Unsegen der Völker arbeitend, stand er mit seinem falschen Lächeln am Ruder, doch fehlte die frühere Zuversicht. Die volle Gewalt war nicht mehr sein, er hatte sie zu teilen. In den allerhöchsten Gemächern ward gegen ihn gewühlt, und vornehmlich war es die Erzherzogin Sophie, nach deren Ansicht seine Kunst und seine Kraft verbraucht war. Die Dame sägte längst an den Beinen des Kanzlerfauteuils; man sollte die Peitsche schnei diger führen, meinte sie. Metternich setzte da mals dem Grafen Hübner auseinander, er wisse wohl, daßetwas geschehen sollte; aber es halte schwer, bei einem alten Bau die Mauern zu durchbrechen, neue Fenster und Thüren zu öffnen, Veränderungen im Innern vorzunehmen. Einfältige begriffen nicht, daß alles neu zu machen sei. Wären seine Vorschläge einstmals gewürdigt worden, es ließen vielleicht die Gefahren sich bewältigen:Jetzt ein Re⸗ formwerk beginnen, ist unmöglich. Wir können nur die Segel reffen, um je nach Umständen zu steuern. Aber, dies merken Sie sich, mein Rücktritt ist gleichbedeutend mit Revolution. Der ahnungsvolle Haus-, Hof- und Staats⸗ Engel hatte Nase, nur nicht genug, er witterte just das Rechte nicht. Die Katastrophe kam, weil er nicht weichen mochte, mit seinem Ab⸗ gang säumte; sie schaute nicht auf seine Kanzlei⸗ Uhr.(Schluß folgt.)

Bauernehre. Von Georges de Lys.

Autorisierte Uebersetzeng von Wilhelm Thal.

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Mit sonnverbrannter Stirn, das Käppi schräg auf dem kurzgeschnittenen Haare, stand der Soldat Jean Drevon auf dem Perron der Station und betrachtete mit dem gutmütigen Lächeln der Dankbarkeit die Gegend.

Hinter ihm setzte sich der Zug in Beweg⸗ ung; auf das heisere, mühselige und langsame Keuchen folgte ein betäubendes Rollen, das über die Schienen rasselte und sich in einem undeutlichen Lärme, flüchtig wie das Echo einer Erinnerung, verlor.

Drevon gab sein Billet dem Beamten, ging durch die Glasthür uad betrat den Kreuzweg unter dem Hochwalde von Renardiere. Die Vergangenheit lebte wieder bei der Eigentüm⸗ lichkeit des Weges, auf den sein Blick traf, auf, und von neuem erwachte seine Erinnerung. Hier hatte er auf seinen ersten Hasen geschossen und ihn welch ein Triumph! auch glück⸗ lich erlegt.

Er warf einen wohlgefälligen Blick auf das gelbe, grün eingefaßte Band, an dessen Ende

sich glitzernd die Militärmedaille schaukelte.

Mit aufgeknöpftem Mantel sog er tief die

heimatliche Luft ein, während ein frischer Wind durch die Stämme heulte. Neben ihm floß ein kleines Bächlein dahin, und dieses Rauschen führte seine Gedanken auf den Zeitpunkt zurück, als er seinen Hauptmann vor sechs Monaten vor dem Ertrinken gerettet o, er hatte sich seine Medaille wohl verdient.

Jean Drevon sah bald den väterlichen Pacht⸗ hof am Ende einer Wiese sich abzeichnen; noch ein paar Schritte, und der Anblick eines Daches zieht eine Falte in seine Stirn, während über seine Lippen ein Lächeln huscht. N 5

Mit kräftiger Hand hat er die Thür geöffnet, die die Hecke vom Eingang trennt. Er tritt in den Hof mit deu grob gepflasterten Steinen.

Die Magd, die den Schweinen das Futter bringt, bemerkt ihn, dreht sich halb um und ruft:Ein Soldat, Bäuerin!

Die Mutter Drevon erscheint auf der Thür⸗ schwelle und trocknet an ihren Schürze die von Kleie und Kartoffeln schmutzigen Häude ab; sie zittert, ihre Mutteraugen täuschten ste nicht; er ist's, ja er ist's!Mein Janet, mein Junge 5

Nach langer Umarmung trit sie zurück, be⸗ trachtet ihn mit langem Blicke und sagt be⸗ wundernd:Wie schön, wie stark und braun Du aussiehst!

Ach ja, versetzte der Soldat,die Sonne ist dort unten heiß. Als Junge bin ich folt⸗ gezogen, doch als Mann komme ich wieder.

Inzwischen hat sie ihn in die Stube geführk,

den Tisch abgewischt und eine Flasche Wein, ein Glas, eine Schnitte Schinken und das große Schwarzbrot darauf gestellt, aus dem man so schöne große Stücke schueiden kann; und während Jean mit kräftigem Appetit, den die Reise und die heimatliche Luft noch ver⸗ mehrt, speist, fragt ihn die Mutter, ohne ihm Zeit zur Antwort zu lassen, erzählt ihm von der Familie und der Ernte und spricht, spricht immer weiter, während sie ihm dabei sein Glas üllt. fUnd der Vater? fragt der Soldat, wäh⸗ rend er sich mit einer Bewegung der Befriedi⸗ gung mit dem Handrücken den Schnurrbart abtrocknet.

Er arbeitet in Catelière, geh' zu ihm, mein Junge, er wird sich freuen, Dich zu sehen.

Jean erhob sich und verließ das Zimmer, während der glückliche Blick der Mutter ihm folgte.

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Just Drevon, der Vater, war ein großer, alter Mann, knochig und trocken, den nur die Feldarbeit ein wenig gebeugt hatte. Ein grauer Bart rahmte den untern Teil des Gesichts ein und verband sich mit den fast weißen Haaren. Schon aus der Ferne bemerkte er den Soldaten, doch er achtete nicht auf ihn, sondern war nur damit beschäftigt, seine Ochsen anzutreiben, Bun er selbst mit aller Kraft auf den Pflug

rückte.

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