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Nr. 11.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
Aus dem Kreise Friedberg.
J. Handel in der Kaserne. Einige gerückt sind, stellen sich in der Regel Händler in der Kaserne ein, um für teures Geld vatrio⸗ lische Bilder, Bücher und ähnliche schöne Sachen zu verkaufen. Vielfach assistieren dabei die
Unteroffiziere, wodurch die Soldaten eher zum Kauf verenlaßt werden. Wer kein Geld hat, den überredet mau, ratenweise abzuzahlen und sich die Beträge am Löhnungstage abziehen zu laͤssen. Mitunter geschieht das wenig freiwillig. So klagt ein Soldat seinen hiesigen Angehörigen:
„.. Ich habe gleich nach dem Einrücken in der Dummheit ein Armee-Album bestellt, das ist jetzt angekommen und ich habe kein
Geld es zu bezahlen. Seid so gut und schickt
mir 5 Mk., sonst wird es mir an der Löh—
nung abgezogen und die paar Pfennige, die
man bekommt, braucht man so notwendig.. Die Militärverwaltung sollte dafür sorgen, daß den Rekruten nicht derartige Dinge, die sie nicht brauchen und bezahlen können, aufgenötigt werden.
l. Gegen den Alkohol. Veranstaltet vom deutschen Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke fand am Sonntag im Friedberger Saalbau eine Versammlung statt, in der Herr Dr. Collatz aus Darmstadt über deu über⸗ mäßigen Alkoholgenuß und seine Folgen einen interessanten Vortrag hielt. In der Diskussion sprach dann Herr Pfarrer König über den Alkoholgenuß auf dem Lande und im weiteren fand Herr Dr. med. Weckerling treffliche Worte über die soziale Not und das Elend, wodurch viele Männer dem Alkoholismus in die Arme getrieben würden. Im weiteren be— dauerte er, daß die Sozialdemokratie, die doch in der Regel das Richtige getroffen habe, in Mainz diese Frage als etwas unwichtiges be— hanbelt habe. Hierauf ergriff unsererseits Gen. Busold das Wort, die Stellungnahme der So— zialdemokratie verteidigend. Die Sozialdemo⸗— kratie wisse sehr wohl, welche Gefahr in dem übermäßigen Alkoholgenuß unserem Volke drohe. Ja wir könnten behaupten, daß der Alkohol als einer unserer größten Feinde von uns mit am Entschiedensten bekämpft werde, wenngleich der Schnapsteufel in den von der Sozialdemo⸗ kratie stärker durchsetzten Gegenden weniger Verheerungen anrichtet. Will mau aber einem Uebel mit Erfolg begegnen, muß man seine Ursache beseitigen. Und die Ursachen, die namentlich den minderbemittelten Teil der Be⸗ völkerung zum Schnapsgenuß treibt, suche unsere Partei zu beseitigen. Dabei sollten uns die Alkoholgegner unterstützen! Redner schilderte dann das Wohnungselend in der Stadt und
auf dem Lande, die Ställen vergleichbaren, sogenannten Wohnungen in den Ziegeleien, die lange Arbeitszeit und Ueberarbeit, die teuren Eisenbahnfahrpreise, die viele in der Stadt beschästigten, aber auf dem Lande wohnenden Arbeiter zwingen, ihrer Familie wochenlang fern zu bleiben. Redner kam noch auf das mangelhafte Koalitionsrecht, besonders der länd— lichen Arbeiter zu sprechen, ferner auf die Un⸗ zulänglichkeit des Lohnes, der jetzt noch durch höhere Brotpreise infolge der Getreidezölle ver— kürzt werden sollte.„Die Getreidezölle, wenn sie in Kraft treten, werden mehr Trinker schaffen als Sie mit ihren Bestrebungen dem Alkohol abwendig machen, helfen sie mit und erhebeu sie mit uns Protest
egen diese volksverderbende Politik.“ Reicher Beifall folgte diesen Worten von Seiten der ganzen Versammlung. In der weiteren
Diskussion wurde den Ausführungen des Ge— nossen Busold allseitig zugesrimmt. Nur Herr Pfarrer Dr. Weiffenbach konnte es sich nicht
bversagen, Busold entgegenzutreten und meinte,
die Getreidezölle seien eine politische Frage und gehörten nicht hierher, gleichzeitig wetterte er gegen die vielen Wirtschaften, gegen die vielen Vereine und deren Lustbarkeiten, wohl nicht bedenkend, daß gerade der hiesige evangelische
Arheiterverein, unter Aufsicht der Pfarrer,
nachweislich die meisten Vergnügen abhält. Auch in dem zu frühen Heiraten der unteren
Stände fand er ein Haar. Wie stark er sich
über die Ausführungen des Genossen Busold aufgeregt hatte, gigg aus der nochmaligen Aeußerung hervor:„Wir sind hier in keiner sozialen Versammlung.“ Hier konnte er jeden⸗ falls sozial und sozialdemokratisch nicht von einanderhalten. Unserseits ergriff noch Genosse Repp das Wort, um dem gelehrten Herrn Professor auseinander zu setzen, was politische, wirtschaftliche und soziale Fragen sind. Das Christentum habe sich fast immer unfähig gezeigt, soziale Schäden zu heilen; mit dem Christentum führe der christliche Staat den Fusel in die afrikanischen Kolonien ein. Schließlich forderte auch dieser Redner unter Beifall zum nachdrück— lichen Protest gegen die Getreidezölle auf. Nachdem noch ein Seminarlehrer über den Alkoholgenuß unter den Studenten und Schü⸗ lern und ein Taubstummenlehrer einen unver⸗ ständlichen, fast humoristischen Vortrag über Menschenfresserei oder so etwas ähnliches ge— halten hatte, wurde die Versammlung, indem man vom Vorstandstische aus den Ausfüh⸗ rungen unserer Genossen zustimmte, geschlossen. Der Herr Pfarrer hatte sich vorher zurückge⸗ zogen. Fürwahr eine eigenartige Protestver⸗ sammlung gegen die Getreidezölle!
Bad Nauheim.
u. Wo ist die Baupolizei? So kann man rufen, wenn man sich den Neubau Villa „Rheingold“ einmal betrachtet. Ueberall zeigt er bedenkliche Risse. Viele Sandsteine und Fensterbänke sind schon gebrochen und es ist geradezu ein Wunder zu nennen, daß er bis jetzt noch steht. Und dennoch wird ruhig weiter daran gearbeitet, bis— vielleicht so und soviel Mann unter den Trümmern liegen. Jedenfalls könnte die Baupolizei sich einmal für dieses Rheingold interessieren.
Aus Wetzlar.
Achtung Geuossen! Zur Verteilung von Fluablättern gegen den Brotwucher wollen sich die Genossen bei mir melden. A. Fauth, Sophienstraße 26.
—t. Kapitalistenprofit und Arbeits⸗ löhne. Der Aufsichtsrat der Buderus'schen Eisenwerke beschloß kürzlich, der Generalver- sammlung eine Dividende von neun Prozent vorzuschlagen. Und dies trotz ganz enormer Abschreibungen. Der Reingewinn beträgt 645891 Mk. Man sieht, das Geschäft war außerordentlich günstig— für die Aktionäre. Leider haben die Arbeiter nichts davon. Wie wir schon neulich berichteten, fanden im Gegen- teil Lohnreduktionen statt. Auch sonst sucht man überall die Löhne zu schmälern. So wurden bisher den Arbeitern, die Sonntags Doppelschicht hatten, eine Prämie in der Höhe eines Schichtloznes ausbezahlt. Diese Prämie entzog man den Arbeitern ohne Weiteres; es hat bereits eine Schicht und zwar die unter der Führung eines muckerischen Meisters befindliche, zu den verschlechterten Bedingungen gearbeitet. jedoch die zweite Schicht erklärte am Sonntag, sie würde keine Doppelschicht machen, wenn sie nicht dieselben Lohne wie früher erhalte. Sie blieben auch trotz der Drohungen des erst kürz⸗ lich aus Schlesien hierher gekommenen Verwal- ters Debus dabei und legten am Sonntag Abend 6 Uhr die Arbeit nieder. Erst dem Di⸗ rektor Jantzen gelang es durch das Versprechen, daß die Prämie vom 1. April wieder auf 6 Monate ausgezahlt werden solle, die Leute zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Wür⸗ den sich die Arbeiter zusammenschließen, könnten sie natürlich dieser kapitalistischen Willkür viel wirksamer entgegentreteu.
Der Mörder des RNittmeisters Krosiak ist noch nicht entdeckt. Allerdings waren schon eine ganze Anzahl Unteroffiziere als des Mordes verdächtig festgenommen, mußten aber zumeist wieder entlassen werden. Einer der zuletzt Verhafteten, der Unteroffizier Merten, ent⸗ floh am Dienstag aus dem Untersuchungs⸗ gefängnis. Er rief unter einem Vorwand zwei Aufseher in seine Zelle, eilte hinaus und schlug die Thür zu. Sofort ausgesaudte Patrouillen fanden keine Spur von dem Flüchtigen, erst am Donnerstag wurde er wieder ergriffen.
Aus dem Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 14. März 1901.
Zum Krüppel geworden. Wie s. 3. auch in diesem Blatte mitgeteilt wurde, stärzte im vergangenen Herbste ein hiesiger Einwohner mit seinem Söhnchen im Walde oberhalb der Militärschießstände in einen alten, nicht mehr benutzten Steinbruch. Der Mann hatte sich in der Dunkelheit verirrt und war einem Fuß⸗ pfade nachgegangen, welcher nach jenem Stein⸗ bruch führte und, da am Rande des Abgrundes keinerlei Schutzvorrichtung angebracht war, in diesen hinabgestürzt, wo beide schwerverletzt bis gegen Mitternacht liegen. Unter vielen Mühen und Schmerzen gelang es ihnen endlich, sich bis nach der chirurgischen Klinik zu schleppen, wo ihnen die erste Hilfe zuteil wurde. Vor einigen Tagen wurde nun der Mann— als Krüppel— wieder entlassen, denn der rechte Arm ist ihm vollständig gelähmt. Er hat na⸗ türlich gegen den Fiskus eine Schadenersatzklage angestrengt und wünschen wir ihm, daß dieselbe erfolgreich sein möge.— Bemerkenswert ist noch, daß nach dem Unglücksfall eine Schutz⸗ vorrichtung an jener gefährlichen Stelle ange⸗ bracht worden ist.
— Ein netter Herbergswirt scheint der Gastwirt Georg Hermann VI. in Nie⸗ der weid bach zu sein. Zu demselben war am 15. Dezember v. J. ein reisender Hand⸗ werksbursche gekommen, um zu übernachten. Der Wirt wies ihn aber hinaus. Der Hand⸗ werksbursche, müde und hungrig wie er war, setzte sich nun auf die Haustreppe, von wo ihn aber der Wirt ebenfalls vertrieb und ihm außer⸗ dem drohte, ihn mit einem Knüttel totzuschlagen. Der Handwerksbursche ging nun zum Bürger⸗ meister und erstattete Anzeige. Dieser stellte fest, daß der Reisende noch 45 Pfg. bei sich hatte, wofür ihn dann der andere Wirt des Dorfes aufnahm. Hermann wurde auf Grund eines alten Polizeistraf⸗Gesetzes zu 6 Mk. Strafe verurteilt, wogegen er gerichtliche Entscheidun beantragte. Das Schöffengericht zu Gladenba bestätigte indessen die Strafe. Am vergangenen Dienstag wurde nun die Sache, nachdem H. Berufung eingelegt, vor hiesiger Strafkammer berhandelt. Der Wirt machte geltend, der Reisende sei sehr abgerissen gewesen und hätte er befürchtet, derselbe würde ihm Ungeziefer ins Haus bringen. Er habe zwar nicht fest⸗ gestellt, daß jener 45 Pfg. bei sich gehabt habe, er hätte ihn aber auch nicht hierfür behalten können, denn sein geringster Satz sei 50 Pfg. Außerdem logierten bei ihm bessere Gäste, z. B. Jagdpächter aus Gießen ꝛe. Durch das Zeug⸗ nis des Bürgermeisters Schmidt werden diese Einwendungen entkräftet. Dem Angeklagten sei bekannt gewesen, daß die Gemeinde, falls das Geld der reisenden Handwerker nicht reiche, für das Manko aufkomme, nur damit die Rei⸗ senden nicht fortgewiesen zu werden brauchten. Er(Bürgerm.) habe aber mit dem Angeklagten wegen des Fortschickens von Reisenden schon immer Scherereien gehabt. Auch das Zeugnis der Dienstmagd des Angeklagten, nach welchem der Handwerksbursche zerrissene Stiefelsohlen gehabt habe, nützte ihm nichts, es blieb bei der Volizeistrafe. In den Gründen wurde betont, daß in der Konzessionserteilung zugleich die Erwartung ausgedrückt sei, daß nun auch die Gastwirte der damit verbundenen Herbergs— verpflichtung nachkämen.
Versammlungs⸗ Kalender. Samstag, den 16. März. Marburg. Parteiversammlung Abends 8 ½ Uhr
bei D. Jesberg Gießen. Sozialdem Wahlverein. Ver samm⸗ lung bei Orbig nach dem öffeutl. Vortrage. Sonntag, den 17. März. Gießen. Märzfeier im Lokale Orbig, Abends 8 Uhr. Montag, den 18. März. Gieszen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Tapezierer. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Briefkasten.
G. S. Leihgestern. Nächste Nummer. Besten Dank.


