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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 11.
Bei dem Kapitel„Gewerbeaufsicht“ wünscht Abg. Reinhardt langsames Vorgehen bezüglich der Fabrikaufsicht. Hiufiger Wechsel der Personen müsse vermieden werden. Er stehe allen über die Vorschläge der Regierung hingusgehenden Anträgen vorläufig ablehnend gegenüber. In der Auswahl der Assisten⸗ tinnen solle man Damen gereifteren Alters, am Liebsten verheirsteten, den Vorzug geben. Es empfehle sich vielleit, den Stand der In⸗ dustrielehrerinnen dabei zu berücksichtigen. Ge⸗ nosse Cramer weiß es der Regierung Dank, daß sie bei der Berufung von Vertrauensper⸗ sonen in der Ministerial⸗Abteilung für Laud⸗ wirtschaft, Handel und Gewerbe, die gewerk, schaftliche Organisation berücksichtige. Er wünscht eine ähuli he Berücksichtigung für die Fabrik⸗ aufsicht. Das Ideal seiner Partei, an dessen Verwirklichung sie allerdings zunächst selbst noch nicht denken könne, sei die Wahl der Fabrik⸗ inspektoren durch die Arbeiter. Die Etatsposi⸗ tion wird genehmigt. Der Zegtrumsautrag auf Schaffung einer Zenktralinstanz wird mit geringer Mehrheit abgelehnt, der auf andere Einteilung der»heinhessischen Juspektionsbezirke angenommen.
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Krieg in Südafrika.
Schon seit längerer Zeit wird von englischer Seite über Verhandlungen berichtet, die zwischen Lord Kitchener und dem Burengeneral Louis Botha zwecks Uebergabe des Letzteren statt⸗ gefunden hätten. Mit der Unterredung scheints seine Richtigkeit zu haben; von einer Ueber⸗ gabe Bothas ist jedoch noch nichts bekannt geworden. Er habe einen Waffenstillstand ver⸗ langt, um mit Dewet in Verbindung zu treten. Man glaubt, Botha werde sich ergeben, wenn Dewet es nicht thue.— Die Eisenbahn zwischen Lorenco Marques und Pretoria ist frei von Buren. Da sie keine Munition für ihre Ar⸗ tillerie haben, vergraben sie nicht nur ihre schweren Geschütze, sondern auch die Pompom- und Maximgeschütze.— Die Pest greift in Kapstadt immer mehr um sich.
von Mah und gern.
Mittetlungen aus unserem Seserkreise sind uns jederzett will⸗
kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengfte
Sewissenhaftigkett bei Ueber mittelung von Nachrichten.— Air
bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschretben.
Gießener Angelegenheiten.
ck. Ueber die Genossenschaftsbe⸗ wegung wird am Samstag Abend im Orbig'schen Lokale Gen. Kaufmann, der Leiter der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft, einen Vortrag halten.(S. Inserat) Bei dem lebhaften Interesse, das diesen Fragen gegen⸗ wärtig in Arbeiterkreisen entgegengebracht wird, darf ein zahlreicher Besu) erwartet werden. Die Mitglieder⸗Versammlung des Wahlvereins beginnt nach dem Vortrage.
— Märzfeier. Zur Erinnerung an den Freiheitskampf im Jahre 1848 und zum Ge⸗ dächtnis der gefallenen Kämpfer veranstalten auch in diesem Jahre die Gießener Parteige⸗ nossen eine kleine Feier. Dieselbe findet am Sonntag, 17. März, abends 8 Uhr im Lokale des Genossen Orbig statt und besteht in Ge— sang, Festrede und Deklamationen. Die Ge— nossen sind gebeten, sich recht zahlreich zu be— tetligen.
* Ueber die Zustände in der Gie⸗ ßener Aktienbrauerei wird von den Ar⸗ beitern lebhaft Klage geführt, vor allem über die Behandlung, die den Leuten von Seiten einiger Vorgesetzten oder solcher, die es sein wollen, zuteil wird. Davon laufen nämlich dort eine ganze Menge herum, man sagt sogar, es seien mehr Befehlende als Untergebene vor— handen. Wo aber dies der Fall ist, wo ein Arbeiter den ar deren kommandirreu, womöglich chikanieren wia, werden immer Zustände ein⸗ reißen, die nicht nur den Kebeitern, sondern schließlich auch dem Betriebe zuu Schaden ge⸗ reichen. Manche bieser„Vorgesetzten“ gelang⸗ ten auch keineswezs durch ihre Fähigkeiten,
sondern aus anderen Gründen zu ihrem Posten und grade solche treten oft nach unten hin brutal auf, um nach oben ihre Tüchtigkeit zu beweisen. So soll der„Obermälzer“ Schmidt die ihm unterstellten Leute empörend behandeln. Fast Jeder geräth mit ihm in Differenzen. Erst vorige Woche wieder gab er zur plötzlichen Eutlassung eines Mauncs, der stets seine Ob⸗ liegenheiten pünktlich erfüllte, Veranlassung. Einen anderen, etwas beschränkten, jetzt ver⸗ storbenen Brauer, der ebenfalls stets ordentlich seine Arbeit verrichtete, schlug der Genannte bei einer Gelegenheit ins Gesicht, während er ihn ein andermal in der Malzdarxre, wo eine Temperatur von 60 Grad K. herrscht, es ein Mensch also nur ganz kurze Zeit aushalten kann, Fenster putzen ließ. Auf zahlreiche ähn⸗ liche Fälle wollen wir vorläufig nicht eingehen. Verwunderlich bleibt, daß Herrn Direktor Lemmé, der als gerechtigkeitsliebender Mann geschätzt wird, die geschilderten Zustände nicht bekannt geworden sind, denn sonst würde er zweifellos Ord aun; geschaffea haben.
— Die Protestversammlung gegen den Brotwucher, die Dienstag Abend im Leib'⸗ schen Saale stattsand, erfreute sich eines sehr zahlreichen Beiuches. Der geräumige Saal war vollbesetzt, unsexre Parteigenossen waxren stark vertreten. Pünktlich eröffnete Herr Justizrat Metz die Versammlung und erteilte Herrn Dr. Jung das Wort, der in äußerst sachlicher und wirksamer Rede alle gegen die Erhöhung der Getreidezölle sprechenden Gründe vortrug. Er wies hin auf die Periode wirtschaftlichen Aufschwunges, die mit dem Abschluß der Handelsverträge eingesetzt habe. Letztere und zwar nicht die alleinige Ursache des Auf⸗ schwungs, aber doch die Basts der besseren wirt— schaftlichen Entwickelung. Dies zeigte der Red⸗ ner an unwiderleglichen Zahlen. Treffende Worte fand Herr Dr. Jung zur Charakterisier⸗ ung der agrarischen Agitation und der Agrarier selbst, die auch heute noch gleich ihren Vor⸗ fahren dem Grundsatze huldigen: Und der König absolut, wenn er unsern Willeu thut! Seine klaren Ausführungen, die wir leider wegen Raummangels nicht ausführlicher wieder— geben können, schloß Redner mit der Aufforde⸗ rung, gegen die gemeingefährlichen, reaktionären Brolverteurer energisch Front zu machen.— Der zwelte Redner, Dr. Bürner, erläuterte die Ziele des Handelsvertragsvereins und em— pfahl Anschluß an denselben. Hierauf erhielt unser Genosse Krumm das Wort. Er wandte sich zunächst gegen den anwesenden Oekouomierat Schlenke, der in einem Eingesandt des„Gieß. Anz.“ behauptet hatte, daß viele kleinere Grund⸗ besitzer nicht als Landwirte anzusehen seien. Krumm sagte ihm, damit werde die Position der Agrarter keineswegs verbessert. Seit 20 Jahren bringen wir Opfer für bie„Landwirt⸗ schaft“(d. h. für die Junker); wenn die vielen Millionen ihr bisher nichts nützten, so wird ihr auch durch einen 10 Mark-Zoll nicht zu helfen sein. An der Hand statistischer Zahlen weist er nach, daß nur ganz wenige Grundbe⸗ sitzer einen Vorteil von den Zöllen haben, würde auch den kleinsten Landwirten geholfen, so ließe sich noch darüber reden. Es sollen aber die Aermsten und Armen geplündert werden, um die Taschen der Junkersippe zu füllen! Dagegen wenden wir uns mit Entschiedenheit! Ginge das Junkertum bankrott, so könne sich das deutsche Volk getrost drei Feiertage leisten! Lebhafter Beifall und Heiterkeit folgten diesen Worten. Der Nationalsoziale Erdmanns⸗ dörffer⸗Marburg, dessen Ausführungen mit ironischen Bravos und Zwischenrufen begleitet werden, stimmt den Ausführungen der Vor⸗ redner zu. Juteressant war die Mitteilung, daß es seiner Partei schwer gefallen sei, in dieser Frage auf die Seite der Liaken zu treten. Schließlich glaubte Herr E. Erfolg mit der witzig sein sollenden Bemerkung zu erzielen, Krumms ruhiger Ton sei jetzt nicht zu verwun⸗ dern, da in Hessen die Sozialdemokratie hof⸗ fähig geworden sei. Der erwartete Beifall blieb aber vellständig ans. Eromannsdörffer
schnitt überhaupt schlech! ab, wir hörten allgemein auch von Nichtparte igenossen das Auftreten C's.
höchst abfällig beurteilen.— Nun erhielt Herr Oekonomierat Schlenke, ein Agrarier, das Wort, um natürlich für den Brotwucher einzu⸗ treten. Er klagte über Steigerung der Arbeits⸗ löhne, der Preise der Bedarfsartikel und Ar⸗ beitermangel. Bezeichnend war die Bemerkung, daß die Arbeiter sich viel Geld sparen könnten, wenn sie nur nicht so viel Bier trinken möch⸗ ten. Dr. Kehm und Genosse Krumm wider⸗ legten treffend die agrarischen Behauptungen. Uaser Genosse bemerkte noch, man solle die Gelder, die für überseeische Erpeditionen ver⸗ pulvert werden, im Juteresse der Landeskultur verwenden. Glänzend und unter stürmischem Beifall führte er Herrn Erdmannusdörffer mit seiner Bemerkung über die hoffähige Sozialde⸗ mokratie ab. Er versprach ihm, wenn er einmal hessischer Landtagsabgeordneter werden und auf ein Hoffest kommen sollte, wolle er Herrn E. einige Süßigkeiten mitbringen! Nach weiteren Bemerkungen Schlenkes und einem kräftigen Schlußwort Dr. Jungs gelangte die vorge⸗ schlagene Resolution gegen vereinzelte Stimmen zur Annahme.
— Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich der Pferdehändler David Leopold am 9. März vor der Gießener Strafkammer zu verantworten. Landwirt Lahm aus Bin⸗ genheim hatte ihn aus Rache darüber denunztert, weil er über Lahm's Vermögen den Konkurs beantragt hatte. Nach dem Zeugnis des De⸗ nunzianten solle die Beleidigung gegen den Kaliser am Himmelfahrtstage vorigen Jahres Vormittags zwischen 9 und 10 Uhr in seiner Wohnung in Bingenheim gefallen sein. Dem Angeklagten war es möglich, nachzuweisen, daß er zwar an dem Tage in Bingenheim bei Lahm war, daß er aber dort zwischen 7 und 8 Uhr geweilt habe und um 8 Uhr 18 Minuten schon wieder im Zuge gesessen habe, der von Gettenau nach Nidda fuhr. Der Staatsanwalt beantragte selbst die Freisprechung, da man auf die Aussage des einen Zeugen allein, der unter Eid es mit der Wahrheit betreffs der Zeit nicht genau genommen habe, eine Verurteilung nicht gründen könne.— Dem rachsüchtigen Denunzianten hätte noch eine exemplarische Strafe wegen falscher Anschuldigung gehört.
Wieseck.
* Herr Pfarrer Hellwig scheint den Stock für das geeignetste Mittel zu halten, der Jugend die nötige christlich⸗religiöse Gesinnung beizubringen. Einen seiner Schüler prügelte er nämlich am vorigen Freitag während der Religiousstunde dermaßen durch, daß an dem Körper des 14 jährigen Jungen die Spuren dieser„Behandlung“ tagelang sichtbar waren, quer über den Kopf zog eine bein ahe finger⸗ dicke, blutunterlaufene Schwiele. Nach uns gewordenen Mitteilungen soll noch nicht ein mal hinreichender Grund für diese Züchtigung vor⸗ handen gewesen sein. Sicher läßt das Betragen der 14 jährigen Bueschen viel zu wünschen übrig; niemals darf aber eine Züchtigung zu Miß⸗ handlung ausarten. Deun die Eltern, die mit Mühe und Not ihr Kind soweit brachten, haben doch den größten Schaden davon, wenn ihm durch die Prügel auf den Kopf vielleicht zeit⸗ lebens körperliche Mängel anhaften. Drum sollte der Herr Pastor etwas vorsichtiger mit dem Stocke hantieren, wenn er iha in seinem Amte nun absolut nicht entbehren zu können glaubt.
In Trohe
sprach am Sonntag Genosse Vetters in einer öffentlichen Versammlung über die Belastung des Volkes und zwar gerade des ärmsten durch die indirekten Steuern und den von den Jun⸗ kern in Gestalt der Erhöhung der Getreidezölle geplanten neuen Raubzug. Die Ausführungen unseres Genossen, der auch die Verderblichkeit der Kolonial⸗ und Chinapolitik für das Volk darlegte, fanden allseitige und lebhafte Zustim⸗ mung. Der Besuch der Ve sammlung hätte etwas besser sein können; der Kampf gegen den Brotwucher muß auf bas energesch te geführt
werden!
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