Ausgabe 
17.3.1901
 
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bal 0 und liegen und betrachtete seinen Sohn.

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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Vater! rief Jean.

Der Alte drehte sich um, ließ Alles stehen Du 75

verbrannten Wangen.Du hast die Medaille! wiederholte er. Seine zitternden Hände schüt⸗ telten die seines Sohnes und das ganze Herz des Vaters lag in diesem Händedruck.

Ja, Vater, und außerdem ein Loch in der Haut. Heute habe ich meinen Abschied und kehre zu unsern Feldern zurück.

Du wirst nicht zuviel sein; so kräftig ich auch bin, so genüge ich doch für unser Gut nicht mehr; diese gefräßige Erde verschlingt uns, bevor sie uns ernährt. Zwei Arme, wie die Deinigen, mein Sohn, werden besser auf den Pflug drücken.

Nun gut, laß sehen, ob ich mich noch dar auf verstehe, versetzte der junge Mann fröhlich, entledigte sich seiner Tunika und ging auf das Gespann zu. Er schnalzte mit der Zunge und die Ochsen setzten sich in Bewegung. Die Erde siel in schweren Klumpen um sie herum; die Furche grub sich in langer, tiefer Linie, wäh⸗ rend die Ochsen kräftig und geduldig zogen. Ein tüchtiges Gespann, Vater; als ich das 1 5 Mal auf Urlaub kam, hattest Du es noch nicht.

Ich habe es dem Nachbar Brichet abge⸗ kauft, er hat es mir billig gelassen, als er die Gegend verließ.

Die Brichets sind nicht mehr in Sangris?

Es ist ihnen ein Unglück zugestoßen, ihre Katherine hat sich verführen lassen. Da wollten die Eltern nicht länger in einer Gegend bleiben, wo man mit Fingern auf sie deutete, und sind fortgezogen.

Die Katherine?

Nun ja... und das Schlimmste ist, sie hat nicht sagen wollen, wer der Vater ihres Kleinen ist. Sicherlich ein Taugenichts, denn sonst hätte er wohl Alles durch die Hochzeit wieder gut gemacht. Wenn auch nicht reich, so hat doch der Vater Brichet Vermögen und könnte seiner Tochter einen Sack Thaler in die Schürze schütten, die sie für alle jungen Leute in der Gegend zu einer passenden Partie machen würde.

Jean war blaß geworden, er hörte bestürzt zu und fuhr endlich mühsam fort:Wann ist denn das Kind zur Welt gekommen?

Warte einmal... kurz nach der Ernte,

11 55 vor zwei Jahren... ind bral

Vater, murmelte der Soldat, den Kopf senkend,vor drei Jahren war ich am Sankt Martinstage hier.

Just betrachtete seinen Sohn, und es herrschte ein tiefes Schweigen. Endlich erhob sich die ernste Stimme des Vaters:Du trägst das Zeichen der Ehre auf der Brust, thue, was

die Ehre Dir befiehlt.

Es schlug Mittag, die Dorfglocke stimmte das Angelus an.

Die Drevons kehrten nach dem Pachthof zurück, schirrten die Ochsen ab, und gaben ihnen Futter; dann setzten sie sich zu Tische, ohne ein Wort zu wechseln.

Die Mutter Drevon beobachtete sie, während sie ihnen das Essen auftrug. Der Vater war starr und kalt, der Sohn machte ein sorgen⸗ schweres Gesicht. Die Rückkehr des Kindes, die ste erst so fröhlich gestimmt, bedrückte ihr jetzt das Herz mit unklarer Angst. Was war z wischen den beiden Männern nur vorgegangen?

Frau, sagte Just, sich erhebend,lege die Sachen für den Jungen zurecht, er zieht morgen

früh fort. 8 er ist doch erst

Was, er zieht fort angekomuen... Was hat er Dir denn gethan,

Drevon?

Er wird wiederkommen, die Pflicht ruft ihn. Sie wollte ihn fragen, doch er befahl, auf

die Dienstleute deutend:Ruhe, schweig'! 11 III.

Er wird also Brichet's Katherine heiraten?

0 seufzte die Mutter Drevon, als ihr ihr Mann

em Abend Alles mitgeteilt hatte.

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lAber das it doch kein Mädchen für ihn, man sagt, sie seien ruiniert.

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Es muß sein, versetzte der Alte,er ist der Vater des Kindes.

Er will sich verheiraten, und Du erlaubst das, Drevon? So haben wir ihn für eine andere erzogen, die uns keinen Pfennig zu⸗ 5 und er hat uns doch soviel Geld ge⸗ kostet.

Schweig', Frau... Allerdings rechnete ich auf die Rückkehr des Jungen, um das Gut zu verbessern, aber soll ein Drevon etwa nicht seine Schulden bezahlen?... Das Wort sagt alles... siehst Du, ich werde ihm unser Gnt verpachten; er ist jung, kräftig und wird es schon hoch bringen... Sangris ist zu ver pachten; o, ich werde alt, das genügt für meine Kraft.

So willst Du also für das große Gut das kleine eintauschen, und alles für die Katherine. Schämst Du Dich nicht, Drevon? Ich soll meinen Platz diesem Mädchen abtreten?

Dieses Mädchen ist unsere Schwiegertochter,

da der Junge sie heiratet. Sein Sohn ist unser Enkel, also schweig', ich habe es so be schlossen. Die Alte brummte noch ein bischen, doch Just, den der gefaßte Entschluß beruhigt, schlief bald stark und friedlich ein. Die Mutter Drevon, die stets gezwungen war, sich dem Willen ihres Mannes zu unterwerfen, dessen Charakter sie übrigens achtete, wurde schließlich gerührt bei dem Gedanken an ihren Jungen, den Janet, dem ihr geiziger Sinn immer noch ein bischen grollte.(Schluß folgt.)

Rechtssprechung.

Der AusdruckPfaff eine Beleidi⸗ gung. Aus Traunstein wird gemeldet: Der Gastwirt Joseph Feichtner in Kirchensuhr hatte mit Bezug auf einen Hundeprozeß, der damit endete, daß der Expositus Vikar Johann Baptist Reisberger in Kirchensuhr vergleichs weise eine Entschädigung bezahlte, geäußert: Jetzt hat der Pfaff doch 30 Mark zahlen müssen! Im Prozesse selbst nanute er ihn einen Lügner und äußerte in zwei weiteren Fällen zu Dritten mit Bezug auf Reisberger: Ich gehe später, bis dahin ist der Pfaff auch fort; ferner bei einer anderen Gelegen⸗ heit:Das ist die Frau Lehrer und das ist dem Pfaffen seine Köchin. Das Schöffen gericht beim Amtsgerichte Wasserburg hatte den Angeklagten kostenlos freigesprochen mit der Begründung, der AusdruckPfaff enthalte keine Beleidigung ꝛc., sei vielmehr gang und gäbe. Die Strafkammer hob das Urteil auf und verurteilte Feichtner wegen übler Nachrede und Beleidigung zu im Ganzen 30 Mark Geld⸗ strafe eventuell sechs Tage Gefängnis, die Kosten beider Instanzen und sprach dem Be⸗ leidigten die Publikationsbefugnis zu. Der Vorsitzende führt aus, daß die Bezeichnung Pfaff zwar im Mittelalter durchaus keine Beleidigung enthalten habe, daß aber mit diesem Ausdruckheut zutage eine Miß⸗ achtung kundgegeben werde.

Von Nah und Fern. Ein Pfarrer als Brandstifter.

Vor dem Schwurgericht in Straßburg hatte sich vorige Woche der katholische Pfarrer Buhr aus Ottersthal wegen Brand⸗ stiftung zu verantworten. Buhr hatte mit einer gewissen Elise Horter in unerlaubten Beziehungen gestanden, sich jedoch mit ihr entzweit, weil sie im Dorfe von ihrem geschlecht⸗ lichen Verkehr mit dem Pfarrer erzählt hatte. Um sich zu rächen, zündete Buhr mit Pelroleum, das er in der Nacht vom 18. August 1900 an den Ort der That brachte, einen in unmittel⸗ barer Nähe des Pfarrhauses gelegenen, den Eheleuten Eugen Horter gehörigen Schuppen an in der Absicht, den Verdacht der Brandstiftung auf die Elise Horter zu lenken. Der teuflische Plan mißlang. Der Brand wurde rasch gelöscht, ohne daß dadurch erheblicher Schaden entstand. Die Elise Horter

aber blieb von dem Verdachte, den Brand an

gelegt zu haben, bewahrt, da sie sich in der

kritischen Nacht gar nicht in Ottersthal, sondern in der Nervenklinik in Straßburg befand. Der Verdacht, den Brand verursacht zu haben, lenkte sich vielmehr bald auf Pfarrer Buhr, nachdem man in dem Schuppen eine dem Buhr gehörige Petroleumflasche gefunden hatte. Buhr leugnete Anfangs, gestand jedoch bald darauf seine That ein. Das Geständnis war durch ein dem Untersuchungsrichter in die Hände ge⸗ fallenes Schreiben des Bistums Straßburg veranlaßt worden, das dem Buhr mitteilte, nach allem, was man von seinem Betragen in Bezug auf Sittlichkeit gehört und was er selbst eingestanden habe, könne er nicht mehr länger in der Seelsorge bleiben. Falls er in ein Kloster gehe, werde er nicht vor das geistliche Diözesan⸗Gericht gestellt werden. Als der Untersuchungsrichter Buhr das Schreiben vor hielt, brach der Pfarrer zusammen und bekannte sich zu der That. Später nahm er dies Ge⸗ ständnis teilweise zurück und er wollte einen Unbekannten zu der That angestiftet haben. Heute verlegte er sich wieder aufs Leugnen und versicherte, er sei zur Zeit des Geständnisses nicht recht bei Sinnen gewesen. Das Geständ⸗ nis habe er nur abgelegt, um von dem Unter⸗ suchungsrichter nicht wieder belästigt zu werden. Ein psychiatrischer Sachverständiger der Kaiser⸗ Wilhelm⸗Universität konstatierte, daß der An⸗ geklagte, obwohl dessen Mutter wahnsinnig ge⸗ wesen sei, zurechnungsfähig sei und die angeb⸗ liche vorübergehende Geistesstörung nur simuliere. Die Geschworenen sprachen Buhr von dem Ver⸗ suche der Brandstiftung frei und erklärten ihn nur für schuldig, eine Sachbeschädigung verübt zu haben. Er habe nicht die Absicht gehabt, den Schuppen niederzubrennen, da er, sobald er gesehen habe, daß es brannte, seinen Onkel und seine Tante gerufen habe, um die Löschung des Feuers in die Wege zu leiten. Das Ur⸗ teil lautet auf ein Jahr Gefängnis.

Lesefrüchte.

Alle Gegner einer geistreichen Sache schlagen nur in die Kohlen; diese springen umher und zünden da, wo sie sonst nicht gewirkt hätten.

Goethe.

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Das, weiß ich, ist Pflicht: wenn man die Wahrheit lehren will, muß man sie ganz lehren, sie klar und rund, ohne Rätsel, ohne Zurück⸗ haltung, ohne Mißtrauen in ihre Kraft und Nützlichkeit lehren.

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Lessing. E

Einen Zustand, den du selbst nicht erleiden willst, rufe auch nicht bei einem andern hervor! Du willst nicht Sklave sein, dulde also auch keine Sklaven um dich her! Wie sich der Ge⸗ sunde nicht von Kranken bedienen lassen mag, also erträgt es der Freie nicht, von Sklaven bedient zu werden oder mit Skaven umzugehen.

. Philosoph, geh. 50 n. Chr.

DenHund übertreffen in Hundenatur, Fürwahs, das kann der Mensch doch nur.

Humoristisches.

Beständigkeit. Erster Ehemann: Es heißt immer, die Frauen seien unbeständig; das könnte ich von der meinigen nicht sagen.

Zweiter Ehemann: Wodurch zeigt sie ihre Be⸗ ständigkeit?

Erst er Ehemann: Sie besteht ganz fest dar⸗ auf, daß ich ihr ein neues Frühjahrskostüm kaufe.

Nur keine Politik.

Märzensonne und Frühlingshauch Ei, das gefällt dem Philister auch, Hält nur die Polizei davon

Fern die politische Demonstration.

Alles neu.

Im Märze sich der Frühling naht,

Es schmilzt das Eis, es keimt die Saat; Es will die Natur sich erneuern

Der Miquel erfindet Steuern.