Ausgabe 
17.2.1901
 
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

N. 7 4 Nr. 7. 2. Wieder ein Durchbrenner. Eine 1 0 in in Bürgerkreisen sehr bekannte Persönlichkeit, nugehen. der Dreher Meißner, schüttelte den Staub sen am Gießens von seinen Füßen, ohne daran zu ganzen denken, vorher seine nicht unbedeutenden Ver⸗ bindlichkeiten zu ordnen. Daß er sich vorher bei seinen zahlreichen Gläubigern nicht verab⸗ Zeiungz⸗ schiedet hat, betrübt diese recht sehr. M. war bmg. bei Turn⸗ und Kriegervereinsfesten immer die nt Hauptperson. m W Daubringen. W ck. Nach der Kreiskonferenz am Sonntag Juben fand hier im gleichen Lokale eine Volksver⸗ en Tm: sammlung statt, die ziemlich gut besucht war. . lh Genosse Vetters sprach über die Ungerechtigkeit des indirekten Steuersystems, wodurch die Tinte ber, Armen und Minderbemittelten am schwersten adrüclt belastet würden. Die drohende Erhöhung der sis Geh. Getreidezölle lege den Arbeitern und den soge⸗ orden if, nannten Mittelstande noch größere Opfer auf, Aber daß drücke die Lebenshaltung der großen Masse noch ae bitte weiter herab. Wir müssen deshalb mit aller 0 Energie gegen den Brotwucher protestieren. 1 den Diese Ausführungen wurden mit lebhaften 5 1 Beifall aufgenommen: Weitere Redner äußer⸗ 1 N ten sich in gleichem Sinne erzeugung Aus dem Kreise Friedberg. micht B. Endlich gewonnen! So kann der zu Mar⸗ Arbeiter L. Schwärzel aus Friedberg rufen. habe, die Schwärzel fiel im Juli 1898 beim Trauben⸗ schneiden von der Leiter und wurde dadurch H. ebenso halb erwerbsunfähig. Aber merkwürdigerweise e ich Sie, lehnte die land⸗ und forstwirtschaftliche Berufs- u. Dort genossenschaft die Unterstützung mit der Be⸗ der ließ gründung ab: Die Trauben am Haus seien 9 uch, Ziersträucher und fielen nicht unter den utt u Begriff Landwirtschaft. Als ob die Trauben N von einem Weißbinder oder Maurer geschnitten 1 5 werden müßten. Auch das Schiedsgericht in zahrhelt Gießen schloß sich auf eingelegte Revision diesem lich kes Entscheide an. Nun endlich nach Jahren scharf zu und nach erneuter Beweisaufnahme und zwei⸗ . maliger Verhandlung hat das Landesversiche Sie mit rungsamt die Berufsgenossenschaft zur Zahlung 0 wieder⸗ der Rente verurteilt. Die Vertretung des armen r der N. Mannes am Landesversicherungsamt hatte Ar⸗ dem, was beitersekretär Genosse Müller aus Frankfurt den habe. übernommen. 1 7 Patriotische Feste. H. dei die Manchmal gehts bei der Kaisergeburts⸗ 3 fenen tagsfeier recht gemütlich zu. Besonders in it ge⸗ diesem Jahre hört man nachträglich, daß an 5 vielen Orten bei dieser Gelegenheit die Stin⸗ igeno en mung eine zugehobene war und die be geisterten, königstreuen Patrioten ihre über⸗ mann. schüssige Kraft an einander zu erproben suchten. samn⸗ Woher mag das kommen? Vor vielen Jahren Garten sagte der alte Molkte einmal im Reichstage, Jieber⸗ in der Kaserne werde dem Volke erst die Referel⸗ richtige Bildung gegeben. Sollte er doch nicht 1d zuge⸗ ganz recht haben? Oder stehen wir auch in verlangt. Deutschland im Zeichen des Hunnentums? ien Aus⸗ In Mörchingen schießt ein Offizier den andern gen in kaltblütig über den Haufen. Auch mit ald ein Kampf, der allerdings weniger blutig verlief, st, wird endete die Kaiserfeier in Lollar. Dort hatten lddetge dieSpitzen der Gesellschaft ebenfalls eine i selten, Feier veranstaltet, die in der Bahahofsrestau⸗ Henossen ration stattfand. Unter dem Einfluß des Weines 1 keine erhitzten sich die Geister, man geriet über die dhe die Bürgermeisterwahl in Wortwechsel, disputierte, ng ttritt und schließlich platzten nicht nur die Gei⸗ eis- ster, sondern auch die Körper aufeinander. Es ö gab eine solenne Prügelei. Einer der Kämpfer, at ein Beamter des Lollarer Eiseuwerks, ließ einen Sättel Teil seines wohlgepflegten Bartes auf dem borilek Platze zurück. Sonst aber wurde glücklicher⸗ vor weise größerer Schaden nicht angerichtet.Ehren⸗ * at händel sind auch nicht daraus entstanden. Ler⸗ a., nen wir aus der Geschichte, daß es besser is, fc sich bei solchenFesten immer in respektvoller eg Entfernung zu halten und wünschen wir den n in 15 Teilnehmern im Uebrigen viel Vertznügen. cel, Wie man die Arbeiter behandelt. gui n In voriger Nummer berichteten wir, daß det, del auf dem Eisenwerk in Lollar der Ar⸗ 1 Finger beiter Velden tödtlich verunglückte. Das ist 9er seit Jahren schon der dritte, durch Unfall

herbeigeführte Todesfall; durch zwei andere Unfälle, die in derselben Zeit vorkammen, sind die davon Betroffenen zeitlebens zu Krüppeln geworden. Unter der Arbeiterschaft herrscht die Meinung, daß nicht genügend Verkehrungen zur Unfallverhütung getroffen werden, trotzdem eine Menge Vorgesetzte, Workführer Platzmeister ꝛc. herumlaufen. Mit Lohnreduktionen ist das Werk sehr schnell bei der Hand. Von den kärglichen Löhnen(die große Mehrzahl der Ar⸗ beiter bekommt 2 Mk. bis 2.50 pro Tag) sind vor kurzem angeblich wegen Geschäftsstockung 10 Prozent abgezogen worden. Daß auch den Beamten Abzüge gemacht worden wären hat man nicht gehört, diese bekommen ihre Gehälter ruhig weiter, dazu noch allerhand Gratifikationen. An den Arbeiter allein bleiben immer die Folgen der Geschäftsflaue hängen. Teuere Lebensmittelpreise, Erhöhung der Getreide zölle, Herabsetzung der Löhne, das sind wirklich nette Aussichten für die Arbeiter. Mögen sie endlich zur Erkenntnis kommen.

Aus dem Kreise Wetzlar.

ff. Aus Salzböden wird uns mit⸗ geteilt, daß dort kürzlich bei einer im Schul⸗ hause stattgefundenen Kindtaufe ein Pathe von dem Pastor Lindenborn zurückgewiesen wurde, weil er nicht oft genug die Kirche besucht hatte. Als der Betroffene später den Pastor hierüber zur Rede stellte und erklärte, daß er trotz der Zurückweisung nach seinen Kräften für das Kind mit sorgen werde, damit es zu einem braven, vernünftigen Menschen erzogen würde, erwiderte der Pastor: hier sind wir keine Menschen, sondern nur Christen. Nebenbei hält es der Herr Pastor für angemessen, des Sonntags von der kkanzel herab gegen die verderbte Sozialdemokratie loszuziehen. So⸗ weit unser Korrespondent. Bezüglich der Taufe hat nach unserer Ansicht der Pastor von seinem Standpunkt aus recht. Von dem Pathen, der für christliche Erziehung des Kindes mit sorgen soll, kann er wahl die Beobachtung der reli⸗ giösen Vorschriften verlangen. Eine andere Frage ist, ob die Zurückweisung besonders taktvoll war. Wir haben Aehnliches noch nie gehört. Mit der Bekämpfung der Sozial⸗ demokratie machen es sich die Herren allerdings sehr bequem. Sievernichten dieselbe in der Kirche, wo sie vor Widerspruch sicher sind, hüten sich aber in der Regel, dem Gegner in Versammlungen gegenüber zu treten.

e. Eine Konferenz sozialdemokra⸗ tischer Gemeinderäte des Kreises Offen⸗ bach⸗Dieburg tagte am Sonntag in Offen⸗ bach. Aus 24 Orten waren 45 Gemeinderäte und 20 Vertrauensleute anwesend. Genosse

lrich behandelte in einem stündigen Vor⸗ trage die verschiedensten Gegenstände des kom⸗ munalen Lebens und wandte sich vor Allem gegen den Verkauf von Gemeindeländereien zur Ausbeutung der Privatspekulation; event. möge man nur Verpachtungen eingehen, damit der Grund und Boden immer im Bestitz der Ge meinde bleibe. Betreffs des Fischereiwesens solle man versuchen, alte Gerechtsamen von Fischerei⸗Innungen abzulösen, damit die Ge⸗ meinde dann die Verfügung über die Fischerei bekäme und sie verpachten könnte. Ein Haupt⸗ erfordernis sei es aber, alle etwa noch zu schaffen⸗ den Verkehrsmittel in den Besitz der Ge meinde zu bringen, sobald der Staat es ab⸗ lehne, Bahnen ꝛc. selbst zu bauen. Vor allem müßten aber die sozialistischen Gemeindevertreter in steter Fühlung mit den Genossen am Ort bleiben und in Uebereinstimmung mit ihnen hau⸗ deln. Bei der Aufstellung von Gemeinderats kandidaten sei daher die größte Vorsicht betr. der Personen geboten. In der sich an dieses Referat anschließende Diskussion wurden die mannigfachsten Erfahrungen besonders betreffs des Verkaufs von Ge neindeländereien zum Besten gegeben. Besonders wurde auch gefor dert, daß die Gemeinden der Wohnungs⸗ frage ein spezielles Augenmerk widmen sollten Zwei Anträge betr. jeder Ablehnung von Auf⸗ wendungen für kirchliche Zwecke und des Ver⸗ bots rein geschäftlicher Nebeabeschäftigung für Lehrer wurden der nächsten Lan eskonferenz über wiesen.

Aus dem Wahlkreis Marburg Kirchhain.

St. Marburg, 13. Februar 1901.

Eine öffentliche Volksversamm⸗ lung, die sich mit dem Streik der Verbands⸗ buchdrucker in derLeipz. Volkszeitung beschäf⸗ tigen soll, wird demnächst stattfinden.(Welchen Zweck die Versammlunghaben soll, vermögen wir nicht recht einzusehen. Eine Beeinflussung der Angelegenheit nach dieser oder jener Seite hin ist wohl nicht möglich; denn weder die Leipziger Parteileitung, noch der Buchdruckerverband wird sich an die Beschlüsse der Marburger Volks⸗ versammlung kehren. Soll aber nur eine Dar⸗ stellung des Sachverhalts gegeben werden, so hat auch das seine Schwierigkeiten für jeden, der objektiv berichten will und die einschlägigen Verhältnisse nicht ganz genau kennt. Wir würden in diesem Falle unsern Marburger Freunden raten, den Bericht des Parteivor⸗ standes, der als Beilage zur Mittwochsnummer des Vorwärts erschien, ihrer Erörterung zu Grunde zu legen. Die Redaktion.)

Der Hausbesitzer⸗Verein hielt am Dienstag Abend im Restaurant Freidhof dahier seine erste Generalversammlung ab. Der Vor⸗ sitzende teilte mit, daß er einen, den hiesigen Verhältnissen entsprechenden Normal⸗Mietver⸗ trag entworfen habe. Um etwaige Streitfälle gütlich zu schlichten, sei ein Bureau bei Kauf⸗ mann Runkel am Rudolfsplatz errichtet wor⸗ den; auch können von da Mietverträge bezogen und etwaige Aenderungen nach Gutbefinden da⸗ ran vorgenommen werden. Ein derartiger Ver⸗ trag sei dann giltig. Daß der Verein ein Be⸗ dürfnis sei, beweise wohl der Umstand, daß er schon 270 Mitglieder zähle. Nachdem die ent⸗ worfenen Statuten verlesen waren, gelangte die Schornsteinfegerfrage zur Erörterung. Es wurde eine Eingabe an die städtischen Behörden verlesen, in welcher eine Abänderung des vor 20 Jahren in Kraft getretenen Schornsteinfeger⸗ statuts verlangt wird, da dieses den heutigen Verhältnissen nicht mehr entspreche. Sodann wurde der Mietvertrag verlesen und erklärt. Im neuen Bürgecl. Gesetzbuch heiße es zwar: Kauf bricht nicht Miete, das sei aber nur in soweit der Fall, als nicht ein besonderer Ver⸗ trag dieses bestimmt. Es wäre endlich an der Zeit, daß auch die Mieter sich hier zu einem Verein zusammenschlössen, um ihre Interessen zu wahren.

Kirchhain. Seit Sonntag Abend ist Tochter eines hiesigen Einwohners verschwun⸗ den. Man vermutet, daß ein junger Mann, welcher mit dem Mädchen eine Bekanntschaft angeknüpft hatte und sich für einen Schriftsetzer G. B. aus Marburg ausgab, das Mädchen zu diesem Schritte bewogen hat. Der Bursche soll außerdem noch andere Schwindeleien hier verübt haben.

Kleine Mitteilungen.

* Ein Bruder Dewets, des vielge⸗ nannten Burengenerals liegt jetzt in einer Frankfurter Klinik schwer erkrankt darnieder. Er mußte sich einer Operation unterziehen, die wegen Blinddarmentzündung notwendig ge worden war. Vorher sprach er in Versamm⸗ lungen verschiedener Städte, zuletzt in Frank⸗ furt über den Burenkrieg. f

* Eisenbahner Tod. Am Dienstag

stürzte auf der Strecke Elm⸗Flieden der-

Lokomotivführer Gauth aus Fulda von Soer Maschine des von ihm geführten G zuges und wurde überfahren. Der Tod ckat sofort ein. Gauth war 42 Jahre alt. berheiratet

Versammlungsz lender. 5 8 5 Sa wozialdem Februar.

Wahlverein. 2 Gießen Versammlu ng bei Orbig. 1 8 9 Ulig des Vortrags über Heinrich Heine. 2. Be⸗

liebe von der Konferenz richelheim Arbeiterbildun i 0 2A 5 gsverein. Abends Hen Uhr Mitglieder-Versammlung bei J. Mia 5 1 den 18. Februar n. Schneiderverband Aben GiVersammlung bei Orbig. W