Ausgabe 
17.2.1901
 
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Seite 4.

Mitteldeulsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 7

ungen auszuführen. Sieben englische Kolonnen sind bestrebt, Dewet auf die am Oranjefluß konzentrierte britische Streitmacht zu werfen und eine vierte Bewegung unter Brabant be⸗ zweckt, die Kapkolonie von den Buren zu säubern. Der Erfolg dieser Operationen muß natürlich abgewartet werden; man giebt sich trotzdem in England großen Hoffnungen hin.

Nach einer Mitteilung beabsichtige General Kitchener, den General Dewet zu fangen, und ihn auf Grund der ihm zur Last gelegten Vergehen(Erschießen zweier Friedensvermittler) gegen engliche Unterthanen stand rechtlich erschießen zu lassen. Dazu wird er ihn erst haben müssen!

Von Kapstadt wird der Ausbruch der Pest gemeldet. Die Seuche macht weitere Jortschritte; es sind bisher schon mehr als 20 Pestfälle festgestellt worden. Die Regierung beschloß, den auswärtigen Mächten amtlich an⸗ zuzeigen, daß Kapstadt von der Pest verseucht ist.

Pon Nah und Lern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste

Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Kreiskonferenz

des Wahlkreises Gießen⸗Grünherg⸗ Nidda.

Sonntag Vormittag ½11 Uhr eröffnete Genosse Orbig-Gießen die Konferenz in Dau bringen. Der Besuch war befriedigend. Von 9 Orten waren 23 Delegierte und 5 Vertreter des Vorstandes des Kreiswahlvereins und der Preßkommission anwesend. Genosse Orbig, der die Verhandlungen leitete, begrüßte die Erschienenen, betonte dabei besonders, daß an⸗ gesichts der jetzigen polstischen und wirtschaft⸗ lichen Lage ein festerer Zusammenschluß der Parteigenossen und aller Minderbemittelten und Besitzlosen unerläßlich sei. Hierauf erstattete Genosse Bock den Geschäfts bericht. Seit der letzten Konferenz fanden fünf öffentliche, vom Kreiswahlverein veranstaltete Versamm⸗ lungen statt, die sich zumeist mit der Weltmachts⸗ politik beschäftigten. Vor Weihnachten verteilten wir die Kalender; das verursachte viel Arbeit. aber diese Agitation ist sehr wirksam. Für die nächsten Wochen uud Monate muß etwas leb⸗ hafter gearbeitet werden, als dies bisher mög⸗ lich war. Der Kassenbericht zeigt für das letzte Halbjahr folgendes Bild: die Einnahmen be⸗ trugen Mk. 328.10, die Ausgaben Mk. 309.55, sodaß ein Kassenbestand von Mk. 18.55 verbleibt⸗ Unter den Ausgaben befinden sich natürlich die an das Laudeskomitee abzuführenden Beträge, die in diesem Halbjahr Mk. 60. betrugen. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeit der Abrechnung, worauf der Kassierer entlastet wird. Als Vertrauensmann wird Genosse Bock ein⸗ stimmig wiedergewählt. Recht schnell war die Frage der Stellungnahme zur nächsten Reichstagswahl beziehungsweise Aufstellung eines Kandidaten erledigt. Vom Vorstand des Kreiswahlvereins wurde berichtet, daß es bis jetzt noch nicht gelungen sei, einen geeigneten Kandidaten zu finden und beantragt, da die Sache durchaus nicht eile, sie bis zur nächsten Konferenz zu vertagen. Nibch-Heuchelheim meint, man dürfe nicht so schnell darüber hin⸗ weg gehen, sondern sich bei Zeiten nach einem Kandidaten umsehen. Vetters giebt zu, daß wir uns nicht zu übereilen brauchen, die Legis⸗ laturperiode dauere noch über zwei Jahre; eine Auflösung des Reichstags sei nicht in Sicht. Trotzdem kann die Konferenz darüber Beratung pflegen. Wenn wir auch im Allgemeinen auf eine Steigerung unserer Wahlstimmen das Hauptgewicht legen, so wissen wir doch, daß unser politischer Einfluß mit der Zahl der Mandate wächst. Liegt die Möglichkeit der Eroberung eines solchen vor, so müssen wir diese Möglichkeit durch Aufstellung eines ge eigneten, im Kreise bekannten, womöglich an⸗ sässigen Kandidaten, noch zu erhöhen suchen. Leider hibe Genosse Krumm abgelehnt. Seine Kandidatur würde wohl von allen Genossen

im Kreise mit Freuden aufgenommen werden. Im gleichen Sinne spricht sich Nibsch⸗Heuchel⸗ heim aus. Krumm legt dar, welche Gründe ihn zur Ablehnung zwingen. Sollte sich in⸗ dessen kein geeigneter Kandidat finden, so würde er, wenn es ihm irgend möglich wäre, die Kandidatur übernehmen. Die Erklärung fand sehr beifällige Aufnahme. Die endgültige Be⸗ schlußfassung darüber überließ man einer späteren Konferenz.

Zum 4. Punkt:Ausbau der Organisation sagt Vorsitzender Orbig einleitend, daß wir bei dem Bestreben, uns eine feste, wirksame Organisation zu schaffen, auf Schwierigkeiten mancherlei Art stoßen. Oft genug sieht man schnell aufgeblühte Mitgliedschaften aus irgend welchen äußerlichen Gründen wieder zerfallen. Man muß da Mittel suchen, das zu verhindern, unsere Mitglieder an die Organisation zu fesseln. Natürlich kann es sich dabei nur um durchaus einwandfreie, vom sozialdemokratischen Stand- punkt unanfechtbare Mittel handeln. Erörte⸗ rungen, die darüber im Schoße des Vorstands

und der Gießener Mitgliedschaft stattfanden,

führten zu dem Antrage, für unsere Mitglieder eine Unterstützung in Sterbe⸗ und Not⸗ fällen einzuführen. Zweckmäßigkeit, Mensch⸗ lichkeit, sogar Parteiinteresse, spricht dafür. Man müsse diesen Vorschlag, der von dem Vorstand eingehend erwogen worden sei, dis⸗ kutieren und verwirklichen. Ueber diese Frage entspann sich eine sehr lebhafte Debatte. Daran beteiligten sich die Genossen Bock⸗Gießen, Rohrbach-Wieseck, Keßler und Kru mm⸗ Gießen, und Andere in durchaus zustimmenden Sinne. Man verspricht sich von der Einfüh⸗ rung solcher Unterstützungen nicht nur Erhöhung der Mitgliederzahl, sondern auch festeren Zu⸗ sammenschluß der Genossen überhaupt. Diese Wirkungen bezweifeln andere Delegierte. Deu⸗ sing und Rudolph⸗Daubringen, sowie Lin⸗ denstruth⸗Wieseck bemerken, fast jeder Arbeiter sei in einer Krankenkasse; seine Hinterbliebenen erhielten also bei seinem Tode eine Unterstützung.

Die Beitragserhöhung würden viele Mitglieder diesen ollen Kamellen belästigen muß.

recht unangenehm empfinden. Vetters fürchtet wegen einer so geringfügigen Beitragserhöhung keine Mitgliederverluste. Zweifellos habe es etwas für sich, wenn wir die Mitglieder in Notfällen unterstützen können. Aber so große Hoffnungen, wie manche Genossen, vermöge er nicht an diese Einrichtung zu knüpfen. Durch energische Agitation, Aufklärung der Massen, erreichen wir weit mehr. Petersen⸗Gießeun beantragt hierauf, im April eine weitere Kon⸗ ferenz einzuberufen, die sich mit dieser Frage eingehend befassen soll. Unterdessen können die einzelnen Mitgliedschaften darüber beraten. Der Antrag des Gen. Petersen wird angenommen. UeberUnsere Presse sprach Gen. Krumm. Seine Ausführungen, deren Einzelheiten wir raummangels halber nicht ausführlich wieder⸗ geben können, gipfelten in der Aufforderung an die Genossen, mehr als bisher für die Weiterverbreitung derMitteldeutschen Sonn⸗ tagszeitungthätig zu sein. Unsere Genossen wären überaus geduldig. Sie abonnierten Blätter, die ihre Partei mit Schmutz bewerfen. Manche dieser Preßkosacken hingen dabei noch eine arbei⸗ terfreundliche Maske vor, wo es ihnen doch blos darauf ankomme, Geschäfte zu machen. Solche Bauernfängerei müsse jeder Ge⸗ nosse durchschauen. Weiter müßten sich die Genossen am Orte die pünktliche Bestellung und regelmäßige Abführung der Abonnementsbeträge angelegen sein lassen, damit wir endlich in der Lage sind, öfter zu erscheinen. Nachdem Vetters noch auf einzelne Beschwerden eingegangen war und verschiedene Mitteilungen gemacht hatte, gelangte eine Resolution zur Annahme, in welcher der Vorstand des Kreiswahlvereins ersucht wird, demnächst speziell für die Zeitung eine umfassende Agitation in die Wege zu leiten. Ein weiterer Beschluß setzt fest, daß die Konferenzen zukünftig in Gießen stattfinden sollen, um allen Orten die Beteiligung zu er möglichen. Ein Hoch auf die Sozialdemokratie beschloß die Konferenz.

Wahrheit geht mir doch darüber.

Sießener Angelegenheiten. i

Genosse Scheidemann ersucht uns in der M.⸗S.⸗Z. eine Erklärung für ihn abzugeben. Wir glauben den Wunsch unseres Genossen am besten zu erfüllen, wenn wir seinen ganzen Brief abdrucken:

a Lieber Genosse!

Ich habe herzlich aufgelacht, als ich die Zeitungs⸗ berichte über den Ausgang des Prozesses Erdmanns⸗ dörffer⸗Hirschel las. Genau so hatte ich's erwartet! Hirschel nimmt Alles zurück, bittet E. um Verzeihung und sagt: ich will's gewiß nicht wieder thun. Erd⸗ mannsdörffer, großmütig veranlagt von Haus aus lesen Ste seine unvergleichliche Broschüre: Die Jud en und die Cholera! spricht in väterlichem Tone: es sei Dir verziehen! H. zahlt die Kosten und E. lacht sich in's Fäustchen.

Warum ich der beiden Herren wegen Tinte ver⸗

schwende? Weil ich mich verpflichtet halte, ausdrücklich

zu betonen, daß durch den Ausgang des Prozesses E.⸗H. auch nicht ein Wort von dem erschüttert worden ist, was ich vor Jahren in der M.⸗S.⸗Z. über das Verhalten C's. geschrieben habe. Das teilen Sie bitte in beliebiger Form Ihren Lesern mit.

Wie ich aus der mir erst heute, Sonntag, den 10. Febr., auf Bestellung von Marburg zugegangenen H. L.⸗Z. vom 3. Febr. ersehe, hat Herr Erdmannsdörfer

vor Gericht seinem Prozeßgegner Hirschel u. a. ich greife nur einen Punkt heraus folgende Ueberzeugung

diktiert:

Es ist, wie ich mich jetzt überzeugt habe, unrichtig, daß Erdmannsdörffer in einer Versammlung zu Mar⸗ burg einen Sozialdemokraten aufgefordert habe, die Antisemiten gehörig vorzunehmen.

Mir sind die Ueberzeugungen des Herrn H. ebenso wertvoll, wie die des Herrn E. Indessen bitte ich Sie, die M. S.⸗Z. vom 27. Aug. 1899 nachzulesen. Dort habe ich festgestellt, daß E., den ich nicht locker ließ, nach Ablauf von zehn Wochenk endlich zugab, mich in jener Marburger Versammlung aufgesucht zu haben, um mir einen Höflichkeits besuch zu machen!!

Die Höflichkeit des Herrn E. in Ehren, aber die Und Wahrheit ist und bleibt, daß mich Herr E. gelegentlich jenes

Höflichkeitsbesuchs gegen die Antisemiten scharf zu

machen suchte.

Es thut mir leid, lieber Genosse, daß ich Sie mit Aber ich wleder⸗ hole meine Bitte: unterrichten Sie Ihre Leser der M. S.⸗Z., daß ich nichts zurücknehme von dem, was ich über die erwähnte Tragikömödie geschrieben habe. Es wäre mir ein unerträgliches Gefühl, annehmen zu müssen, daß auch nur einer uuserer Genossen glauben könnte, durch den Ausgang des Prozesses E.⸗H. sei die von mir festgestellte Thatsache, E. habe s. Z jenen Scharfmachversuch gegen die Antisemiten bei mir ge⸗ macht, irgendwie erschüttert worden.

Mit besten Grüßen für 1 die Parteigeno ssen

1 Ph. Scheidemann.

Eine antisemitische Versamm⸗ lung findet am Sonntag in Steins Garten statt. Die Abgeordneten Köhler und Lieber⸗ mann von Sonnenberg sind als Referen⸗ ten angekündigt. Freie Aussprache wird zuge⸗ sichert und 20 Pfg. Eutree werden verlangt. Erfahrungsgemäß sieht es mit derfreien Aus⸗ sprache in antisemitischen Versammlungen in der Regel höchst windig aus. Sobald ein gegnerischer Redner das Wort ergreift, wird er lärmend unterbrochen, womöglich niederge⸗ schrien. Eine sachliche Diskussion ist nur selten, höchstens dann möglich, wenn unsere Genossen in der Mehrheit sind. Wir haben aber keine Veranlassung, durch unsere Beiträge die Kriegskasse der Brotwucherer zu füllen. Mag deshalb Herr Liebermann seine Konitzer Weis⸗ heit nur an seine Getreuen verzapfen.

In denGießener Neuesten Nach⸗ richten unterschiebt uns derin allen Sätteln gerechte Redakteur, wir hätten das in voriger Nummer veröffentlichteEingesandt des Ge⸗ nossen Holtberg selbst fabriziert und folgert daraus, wir befänden uns auf dem Rückzuge. Der Meusch bildet sich wirklich viel ein, wenn er das glaubt. Solche Manöver mögen in den G. N. N. üblich sein, bei uns nicht. Mit Leuten, die im Schwindel ihr Heil suchen, getrauen wir uns noch ohne das fertig zu werden. Wer unsere Partei verleumdet, dem klopfen wir direkt auf die schmutzigen Finger wenn wir es überhaupt für angebracht

halten, uns mit ihm zu beschäftigen.

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