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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
christlicher Bergleute, der sich für die Erhöhung der Getreidezölle aussprach, sowie der Zentrums⸗ abgeordnete Stötzel eingeladen waren. Beide erschienen nicht. Der frühere Pastor Kötschke referierte, eine Resolution gegen die Erhöhung der Brotsteuer fand gegen eine einzige Stimme Annahme. Dabei bestand die Versammlung zum großen Teil aus Mitgliedern des Brustschen Bergarbeiterverbandes und war ein Mitglied desselben in das Bureau gewählt. Besser wie hier kann nicht konstattert werden, daß die Gewerkvereinsmitglieder von der Brotwucherpolitik ihres Vorsitzenden nichts wissen wollen. Das ist allgemein die Stim⸗ mung der katholischen Arbeiter, und weil die Zentrumsagrarier das wissen, hütet man sich ängstlich, zu der Getreide⸗ zollfrage öffentlich Stellung zu neh⸗ men. Man will die Stimme der Arbeiter nicht hören, ste soll totgeschwiegen werden. Eine andere von 400—500 Personen besuchte Versammlung in Gelsenkirchen nahm einen ähnlichen Verlauf. Dort versuchte ein Amts⸗ richter für die Brotverteuerung eine Lanze zu brechen, er erutete jedoch mit seiner Behauptung, daß durch die Getreidezollerhöhung den kleinen Bauern geholfen werde, nur die Heiterkeit der Versammlung.— Hochinteressant war auch eine een in Stolberg im Wahlkreise Aachen, den Kaplan Dasbach im Reichstage vertritt. Vor dem Besuch dieser Versammlung hatten die Führer der Pfaffen⸗ partei gewarnt, das hatte aber den Erfolg, daß fie massenhaft besucht war. Die Aus⸗ führungen des Referenten, Genossen Dr. Erd⸗ mann aus Köln, fanden begeisterte Aufnahme, die von ihm vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen.— Wie man steht, stößt das Zentrum mit seiner agrarischen Politik bei seinen eigenen Anhängern auf den entschie⸗ densten Widerstand. Die Behauptung der brot⸗ wucherischen Organe und ihrer antisemitischen Nachbeter, daß die katholischen Arbeiter für die Zollerhöhung zu haben seien, ist gründlich widerlegt.
Konservative auf dem Rückzuge.
Am 19. Juli hat in dem Reichstagswahl⸗ kreise Memel⸗Heydekrug, dem nördlichsten Deutschlands, eine Nachwahl an Stelle des verstorbenen Litthauers Smalaky stattzufinden. Dort haben die Konservativen, denen ihre neuliche Niederlage in Greifswald⸗Grimmen gehörig in die Knochen gefahren ist, auf Auf⸗ stellung eines Kandidaten verzichtet, trotzdem dort stets eine hohe Stimmenzahl für die Kon⸗ servativen abgegeben wurde. Sie haben be⸗ schlossen, für den Litthauer Matschull zu stimmen, der natürlich ein Agrarier und Mit⸗ glied des Bundes der Landwirte ist. Die „deutschen“ Konservativen denken auf diese Art die zahlreichen litthauischen Wähler vor ihren agrarischen Karren zu spannen. Der Wahltag wird zeigen, ob die Rechnung stimmt.
Mehr Soldaten?
Verschiedene Anzeichen deuten auf eine von der Militärverwaltung geplanten Erhöhung der Friedenspräsenzstärke hin, obwohl dieselbe bis zum 31. März 1904 gesetzlich festgelegt ist. Kürzlich machte auch der nationalliberale Abg. Bassermann in einer Rede in Koburg Be⸗ merkungen in der Richtung hin, daß die Re⸗ gierung beabsichtige, Präsenzerhöhungen nach Maßgabe der Zunahme der Bevölkerung vorzu⸗ nehmen.— Das würde gerade noch fehlen. Wir meinen, die Vermehrung der Panzerkähne, der Chinakrenzzug und andere unnütze Dinge kosten dem Volke soviel, daß ihm nicht noch die Kosten einer Heeresvermehrung aufgehalst zu werden brauchten. Die gegenwärtige wirt⸗ schaftliche Lage müßte schon davor warnen.
Zum Fall Krosigk.
Die Ermordung des Rittmeisters in Gum⸗ binnen und der Prozeß gegen die angeblichen „örder beschäftigt anhaltend die gesamte Presse. Dezu liegt auch wirklich aller Anlaß vor. Dicher Fall, besonders aber die Art, wie der
Erschossene seine Untergebene behandelte, ist
allerdings geeignet, in weitesten Volkskreisen tiefgehende Aufregung hervorgerufen. Zunächst sei mitgeteilt, daß der Generalleutnant v. Alten gegen das die angeklagten Unteroffiziere frei⸗ sprechende Urteil des Krie sgericht Berufung eingelegt hat.— Der freigesprochene Unter⸗ offizier Hickel wird eutgegen den Bestimmungen der Militärstrafgerichtsordnung von der Militär⸗ behörde in Haft behalten. Als der Ver⸗ teidiger des Hickel den General auf die Be⸗ stimmungen des§ 179 der Militärstrafgerichts⸗ ordnung hinwies, der mit zweifelloser Klarheit ausspreche, daß Hickel, nachdem er freigesprochen worden, freigelassen werden müsse, erwiderte der General: Die Militärstrafgerichts⸗ ordnungseiein neues undverbesserungs⸗ bedürftiges Gesetz, wie sich eben im vor⸗ liegenden Falle zeige. 8 179 sei in ganz un⸗ überlegter Weise aus der bürgerlichen Strafprozeßordnung übernommen. Dem wieder⸗ holten Einwand, das Gesetz schreibe aber doch nun einmal unbedingt vor, daß der Frei⸗ gesprochene aus der Untersuchungshaft zu ent⸗ lassen sei, begegnete v. Alten mit der Be⸗ merkung, Hickel befinde sich eigentlich nicht in Untersuchungshaft, er habe ihn auf Grund seiner Disziplinar⸗Befugnisse vorläufig fest⸗ nehmen lassen! So setzen sich diese Herren über gesetzliche Vorschriften hinweg. Sie pfeifen auf 5 wenn es ihnen nicht in den Kram paßt. **
Nach dem, was jetzt über den Rittmeister Krosigk bekannt wirb, war dieser Mensch ein Soldatenschinder ersten Ranges, wie ihn schon in der Reichstagssitzung vom 27. Fe⸗ bruar Genosse Kunert bezeichnete. Mit wahrer Wollust quälte er seine Untergebenen. Anfang 1897 erhielt er wegen Soldaten mißhand⸗ lung eine viermonatliche Festungshaft, die er in Magdeburg verbüßte. Daraus geht schon hervor, daß die Mißhandlung sehr schwere gewesen sein müssen, denn wegen Kleinig⸗ keiten bekommt kein Offizier 4 Monate.— Im Jahre 1898 wurde ihm das Strafbuch entzogen.— Bezeichnend für seinen gewalt⸗ thätigen Uebermut ist folgender Vorfall. In einer früher von ihm befehligten Schwadron diente ein alter Wachtmeister, der den Feldzug
egen Frankreich mitgemacht hatte und dessen rust das eiserne Kreuz schmückte. Eines Tages hatte der Wachtmeister Herrn v. Krosigk in dessen Wohnung eine Meldung zu machen. Bei dieser Gelegenheit entfiel Herrn v. Krosigk ein Bleistift. Der Wachtmeister bückte sich, um ihn aufzuheben. Diese Bewegung erschien dem Offtzier weder schnell noch energisch genug; Herr v. Krosigk nahm den Bleistift, warf ihn weg und befal dem Wachtmeister, ihn aufzu⸗ heben. Dies wiederholte er im Ganzen dreißig Mal!— Ein andermal hatte K. seine eigene Frau, wahrscheinlich, weil sie für den Reitsport nicht eingenommen war, eines Tages auf einem Pferde festgebunden und ließ dieses in der Reitbahn herumlaufen. Krosigk wurde daun dienstlich aus der Reitbahn abge⸗ rufen. Den Bitten der Frau folgend, befreite sie der Unteroffizier Marten aus der unbequemen Lage, und was geschah? Marten mußte dafür, daß er der Bitte der Frau nachkam, 14 Tage Arrest verbüßen, die ihm v. Krosigk zudiktiert haben soll!
Und einen solchen offenbar geistig nicht normalen Menschen läßt man auf seinem Posten!
Die Hunnenmedaille.
Allen Kreuzfahrern soll eine Erinnerungs“ Medaille in Bronze oder Stahl verliehen werden, die Medaille soll nicht nur an die direkt Betei⸗ ligten zur Ausgabe gelangen, sondern auch an alle diejenigen Militärs, Beamten und sonstigen Persönlichkeiten, die an den Vorarbeiten zur Expedition und den sonstigen Arbeiten für dieselbe thätig gewesen sind. In erster Linie kommen Offtziere und Beamte des Kriegsministeriums und des Reichsmarineamts in Betracht. Der Entwurf der Medaille rührt vom Kaiser selbst her. Die Münze zeigt auf der Vorderseite einen Adler, der einen Drachen unter
seinen Fängen hält, auf der Rückseite den kaiser⸗
und bei bronzenen Medaille die Inschrift:„Den siegreichen Streitern 1900 Chin a 19017, bei der stählernen:„Verdienst um die Expedition nach nach China“. Die Denkmünze wird auf der linken Brust an einem orangefarbenen, weißge⸗ geänderten, mit roten und schwarzen Streifen durchzogenen Bande getragen.„Siegreich“ trifft auf den Chinazug durchaus nicht zu; der war höchst blamabel, für die Dentschen sowohl, wie die anderen„Kulturmächte“.
Nützliche Thätigkeit der„gewerbs⸗ mäßigen Agitatoren.“
f Schon in unserer letzten Nummer haben wir auf die Anerkennung hingewiesen, die von den hessischen Fabrikinspektoren den Arbeiter⸗ organisationen und deren Vertrauensleuten ge⸗ zollt wurde. Ebenso lobend sprechen sich die badischen Gewerbeaufsichtsbeamten über die organisierten Arbeiter aus.
Das Unternehmertum weiß genau, daß es mit dem einzelnen Arbeiter schalten kann wie es will; seine Abneigung gegen die Organi⸗ sation, in welcher für die Arbeiter nur allein etwas zu erreichen ist, ist menschlich begreiflich.
inspektion:
„Unter den zahlreichen an uns gelangende. Eingaben sind auch viele von nicht organi⸗ sierten Arbeitern. Der Verkehr mit Arbeitervertretungen ist aber im all⸗ gemeinen vorzuziehen, weil die Eingaben sachlicher und mehr gesichtet sind.“
Also„sachlicher“ sind die„Hetzer“ und
„Aufwiegler.“ Weiter schreibt der Beamte:
„Um die Weckung und Pflege des Bildungstriebs“,„haben sich die Ar⸗ beiterpresse und die Arbeiterorgani⸗ sation unstreitig große Verdienste er⸗ worben. Die erstere sucht diese Bedürfnisse durch mannigfache Belehrung, durch gemein⸗ verständliche Darstellung der sozialen Gesetz⸗
gebung zu befriedigen. Ebenso haben die Gewerkschaften in Bruchsal 1d Pforzheim, letztere durch den Arbeitersel ret in die
Jahre Cyklen von Vorträgen über die sozlal Gesetzgebung veranstaltet.— Die Organi⸗
Kritik in Arbeiterkreisen zum Teil herrschen⸗ den Unsitten, z. B. des Blaumachens, des
Anerkennung. Sie bleiben damit freilich nicht wie manche oberflächliche Be obachter bei dem Räsonnieren über diese bedauerlichen Ersckeinungen sondern suchen nach Möglichkeit die Qu ellen dieser Mißstände zu verstopfen. Wesent⸗ lich damit im Zusammenhang steht ihre Be⸗ kämpfung der unnötigen Ueberzeit Arbeit; denn es ist eine Thatsache, da das Blaumachen dort am weisten bet breitet ist, wo lan ge Arbe kurzen unregelmäßig wechseln.“ Das Urteil dieser Männer ist doch weit wertvoller als die Schimpferei der durch die Subventionsbrille blickenden Schmock der Scharfmacher.
seinen Einfluß auf die Lage der Arbeiter. Es heißt da:
„Die überaus günstige Geschäftslage hat den meisten Unternehmungen ansehnliche Ge⸗ winne abgeworfen. Auch die Arbeiter haben an dieser Verbesserung teilgenommen. so weit es wenigstens gelernte Kräfte sind und sie sich gut organisiert haben. Im Verhältnis zu den großen Ge
empfangene Teil doch nicht.“
werden, die organisierten Arbeiter und allen die Führer der Gew erkschaften m
eben zu ihrem Handwerk. Uns aber so
Verleumden von dieser Seite ein weiterer An
Umgekehrt aber schreibt die Badische Fabrik⸗
sationen verdienen auch um ihre freimütige
übermäßigen Geldverbrauchs für Alkohol usw,
stehen,
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Ebenso zutreffend urteilt der badische Be⸗ richt über den Aufschwung der Industrie und
winnen der Industrie steht aber der von den Arbeitern als Lohnaufbesserung
lichen Namenszug, darüber kdie Kaiserkrone,
Wir sind fest überzeugt, daß die Soldschreibe 0
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