Ausgabe 
16.6.1901
 
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Nr. 24. Eiessen, Sonntag, den 16. Juni 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Redaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr 5

Mitteldeutsche 59 1

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Bei mindestens

An die Parteigenossen

Hessen.

Auf Beschluß der letzten Landes ⸗Konferenz berufen wir hiermit eine

Konferenz der Gemeinderäte

des ganzen Landes ein. Dieselbe findet

Sonntag, 7. Juli d. J., Vorm. 10 Jahr 5Saalbau(Austraße 26) zu Offenbach att.

Tages⸗Ordnung: Programm und Org anisation der sozial⸗ demokratischen Gemeinderäte in Hessen.

Referent Genosse Ulrich. Zu recht zahlreichem Besuch der Konferenz laden wir hiermit besonders ein und fordern die Kretsvertrauensmänner bezw. Kreisvorstände hiermit auf, uns unverzüglich eine Liste ihrer Kreise zuzusenden, und dafür zu sorgen, daß Vertreter derselben an der Kon⸗ ferenz teilnehmen. Das Laudes⸗Komitee: C. Ulrich..

Arbeiter, feinen Sommerschlaf!

Im Sinne obiger Worte brachte derVor⸗ wärts vor einiger Zeit einen beherzigenswerten Aufsatz, der das arbeitende Volk zu aufmerk⸗ samer Sommerarbeit auffordert.

Der prenßische Landtag ist gewaltsam zur Ruhe geschickt worden. Der Reichstag hat sich längst zu einem mehr als halbjährigen Sommer⸗ schlaf zurückgezogen. Die verantwortlichen und Unverantwortlichen Verweser der herrschenden Politik haben somit wieder freie Bahn. Sie brauchen niemand mehr Rede zu stehen, sie gahen nicht nötig, im Parlament sozialdemo⸗ kratischen Anklagen Stand zu halten, sie können nach eigenem Ermessen, aber auf Rechnung und Gefahr des Volkes Politik treiben.

Vor einem Jahr stürzten sie sich Hals über fropf in das China⸗Abenteuer, das heute tuch der eifrigste Khakipatriot katzenjämmerlich bedauert. Das Verantwortungsgefühl der degierenden Männer mag ja, wie das in Greußen⸗Deutschland traditionell üblich ist, cußerordentlich fein sein, leider aber ist es un⸗ ruchtbar und nur für die anderen, nicht für Jie Verantwortlichen selbst gefährlich, weil der tteichstag in seiner jetzigen Zusammensetzung kets bereit ist, seiner liebevollen Regierung für illes und jedes bereitwillig Indemnität zu er⸗

eilen. sich heute der Einstcht ver⸗

Niemand wird schließen, daß der bürgerliche Parlamentarismus licht die Hoffnungen erfüllt, die man einst auf ihn setzte. Die heutige Gruppierung der Par⸗ gien, die durch das ungefügige Bleigewicht des zentrums entscheidend bestimmt ist, läßt kein seisches Fortschreiten zu. Politische Stagnation lerrscht überall, wenn auch bisweilen irgend enweltpolitischeroder soust rom anttscher

Wahnsturm den Sumpf aufpeitscht. So vermag zwar der Reichstag im Janern bei einzelnen Fragen noch die schlimmsten Rück⸗ schritte zu hemmen, wenn er auch keineswegs fähig und geneigt ist, der unermüdet drängenden und auregenden einzigen Partei der kulturellen Fortentwickelung, der Sozialdemokratie zu folgen. Aber in den großen Fragen bes Militarismus, der Internationalität, der Neubildung der Ge⸗ sellschaft gleitet das bürgerliche Parlament stetig und in immer rascherem Tempo zum Abgrund: hier ist alle Widerstandsfähiskeit er⸗ loschen und kein Zeichen deutet auf eine Wand⸗ lung zum Besseren.

Dennoch, so gering man von der parla⸗ mentarischen Thätigkeit denken mag, dieser fortgesetzten beschämenden Beschlußunfähigkeit, dieser ewig gleichen Beschäftigung mit den niedrigsten materiellen Interessen der besitzenden Klassen, dieser müden Flickarbeit ohne Schwung und Aufschwung, zu der die Bourgeoste immer noch die Kräfte findet, diesen niemals ganz aussetzenden Zumutungen und Anschlaͤgen blödester Reaktion gegenüber bleibt der Reichs⸗ tag immer noch die wichtigste Instanz der herrschenden Gesellschaft, in der auch das Pro⸗ letariat exsprießlich mitarbeiten kann. Gegen⸗ über den schrankenlosen Forderungen des Ab⸗ solutismus, den schwankenden Launen in den Tag hineinlebender, vergänglicher Regierungen, der allgemeinen Unterdrückung der freien Meinungsäußerung und dem wüsten Getriebe der Organisationen der Agrar⸗ und Industrie⸗ kapitalisten ist das Parlament des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts immer Noch ein Hort der Hoffnung, Freiheit und verständigen Arbeit. Und wenn ber Reichstag jetzt ermüdet seine Thätigkeit bis zum späten Herbst eingestellt hat, so soll diese Pause für das Volk nur die Mußezeit geben für reiche Wirksamkeit.

An den Massen ist es jetzt, die politischen Aufgaben zu übernehmen, Aufklärung zu ver⸗ breiten und so selbst zu einem millionenköpfigen, eruster und zielklarer Arbeit sich hingebenden Parlament zu werden. Die Volksvertreter geben gleichsam das Mandat an ihre Wähler zurück und diese selbst haben nun die Pflicht, die gewaltigen Aufgaben der Zeit zu fördern, wie es die weltgeschichtliche Mission der Sozial⸗ demokratie gebietet. Kein Sommerschlaf sondern Sommerarbeit, rastlose emsige Arbeit! Die Parlamente sind tot, es lebe die Politik des Volkes!

Wir dürfen keinen Tag und keine Stunde ungenützt lassen, um für die Forderungen, Grundsätze und Ideale des Sozialismus zu wirken. Das Wahlrecht hat bisher bei weitem noch nicht die ganze Macht entfaltet, die ihm inne wohnt. Wir müssen das gesamte Prole⸗ tariat gewinnen und erst, wenn uns dieses Werk gelungen, werden wir auch einen Reichs⸗ tag haben, bei dem man sich weder über Beschluß⸗ unfähigkeit, noch über Unfruchtbarkeit, Schwäche und Kleinlichkeit zu beklagen haben wird.

Aber auch besondere aktuelle Aufgaben von großer, folgenschwerer Bedeutung erfordern unsere eifrigste Sommerarbeit. Gegen die Brodwuchermehrheitdes Reichstags müssen die Massen des Proletariats marschieren, die die Opfer der agrarischen Beutepolitik sind. Daneben erfordert vor allem die Finanzlage

des Reiches große Aufmerksamkeit und eine energische und agitatorische Aufklärungs⸗ arbeit. Die wirtschaftliche Lage ist äußerst kritisch geworden. Die ungemessenen Ansprüche des Militarismus und Marinismus, die Aus⸗ schreitungen der kriegprovozierenden Weltpolitik haben trotz des industriellen Aufschwungs, trotz der skrupellosen Ausbeutung des Konsums der Massen das Reich an den Rand des finanziellen Zusammenbruchs geführt. Die Schulden nähern sich in unheimlicher Schnelligkeit der dritten Milliarde. Es fehlen die Mittel für die dringlichsten kulturellen Aufgaben, auch ür die Erfordernisse der herrschenden Politik versagt die Deckung. Bereits sieht man sich nach neuen indirekten Steuern um, das Bier und der Tabak sollen zunächst belastet werden. Immer sind es die notwendigsten Lebens⸗ und Genußmittel der Besitz⸗ lo sen, die die Mittel für Bedürfnisse der Be⸗ sitzenden aufzubringen haben. Gerade jetzt ist es Sache der Arbeiterschaft, mit aller Macht sich wie gegen die Getreidezölle, so auch gegen die indirekten Steuern aufzulehnen. Wir müssen endlich dieser tollen Wirtschaft der Finanzierung des Militarismus und Mar luis aus durch Besteuerung des Magens des Proletariats Einhalt gebieten. Die Gefahr einer weiteren Berschlechterung der Lebenslage der Arbeiter durch Zölle und indirekte Steuern droht un⸗ mittelbar. Darum müssen wir in dieser parla⸗ mentslosen Zeit den parlamentarischen Kampf vorbereiten gegen Zölle und Verbrauchs⸗ steuern, für die endgiltige Einführn progresstven direkten Steuern auf Einkommen, Vermögen und Erbe der Besitzenden. Die Herrschenden sollen ihre Politik selber bezahlen!

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Gießen, den 13. Juni. Ueber die Berliner Ministerkouferenz, die sich in voriger Woche mit der Zollfrage beschäftigte, verlautet nichts Bestimmtes. Nach Mitteilungen Berliner Blätter wäre sie durch⸗ aus erfolglos verlaufen. Abstimmungen hätten nicht stattgefunden; man hätte sich auf unver⸗ bindliche Besprechungen beschräukt. Die Teil⸗ nehmer hätten unter dem Eindruck gestanden, daß sie lediglich von den Absichten der preußischen Regierung unterrichtet werden sollten. Es wurde dabei betont, daß hiermit den Vertretern der anderen Bundes⸗ staaten aber durchaus nicht eine Marschroute vorgezeichnet sein soll. Na, man wird ja sehen. Einstweilen thut das minderbemittelte Volk gut daran, die Protestbewegung gegen den Brotwucher kräftigst zu unterstützen.

Gegen den Brotwucher.

Mehrere bemerkenswerte Protest versamm⸗ lungen gegen die junkerliche Brotwucher⸗ politik haben letzten Sonntag im katholischen Rheinland, in den Bezirken, die sichere Burgen des für die Getreidezölle eintretenden Zentrums darstellen, stattgefunden. So tagte eine solche, 600 Köpfe stark, in Altenessen, zu welcher Bergmann Vrust, jener Führer des Lerbendes