türlich begleitet von großer Festivität.
Seite 6.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
wurde. Das in der Nähe der Abtei Marien⸗
statt befindliche Denkmal wurde schon im Jahre
1856 gesetzt und zwar auf Veranlassung eines gewissen Herrn Hering, der die österreichische Regierung auf die Zweckmäßigkeit eines Denk⸗ mals aufmerksam machte und dafür belohnt wurde. Inzwischen war aber das aus einem einfachen Kreuz bestehende Denkmal vom Zahn der Zeit arg benagt worden; sollte es nicht ganz verfallen, mußte etwas gethan werden. Da kamen einige Herren auf den Gedanken, dem Beispiel des oben erwähnten Mannes zu folgen und die österreichische Regierung um Bewilligung der Renovationskosten anzugehen. Nachdem auf Verlangen ein Kosten⸗Ueberschlag von dem Kriegerverein Hachenburg eingereicht worden war, erfolgte die Zusendung des Geldes und nun wurde das Kreuz etwas erhöht, mit einem Gitter umgeben, die Schrift vergoldet ꝛc. Hinter den Kulissen arbeiteten mittlerweile Landrat Buchting und der Vorsitzende des Kriegervereins Hachenburg; es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, österreichische Offi⸗ tere, womöglich eine Abordnung des Alpen⸗ Gäger⸗Regiments zur Einweihung hier her zu bekommen(Leute dieses Regimentes haben nämlich zur Zeit hier gekämpft). Dieses und was sonst noch versucht wurde, scheiterte, nur der österreichische Militärattaché war erschienen, er konnte dem Drängen keinen Widerstand entgegensetzen. Die Jagd nach Orden wurde im großen Stil betrieben. Um der Sache die Krone aufzusetzen, wurde auch des in der Nähe von Höchstenbach(1 Stunde von hier) be⸗ findlichen Marceau-Denkmals gedacht. An dieser Stelle wurde nämlich der General Marceau“) 1796 von einem Förster tötlich verwundet, nachdem er dessen Tochter verführt und diese sich in den Dreifelder Weiher gestürzt hatte. Deshalb war der frz. de de Chapelles zur Festlichkeit eingeladen, auch erschienen und legte am Grabe seines Landsmannes Kränze nieder. Alles das na⸗ Paraden der Kriegervereine, Festzug, Reden, lange Fest⸗ artikel in den Zeitungen, nachher endlose Fest⸗ berichte. Man fragt sich, warum solcher Auf⸗ wand? Etwa aus Sympathie für die große Revolution und ihre tapferen Soldaten? Gewiß nicht. Hatte Marceau irgend welche Kulturthat vollbracht, auch nur ein der Menschheit nützliches Werkzeug erfunden, wodurch er solche Ehrung verdient hätte? Auch das nicht. Man feierte wie so oft ein Fest, das nur bezweckt, gewisse Leute an bestimmten Stellen in empfehlende Erinnerung zu bringen. Für den genauer Zusehenden wirkt es deshalb komisch, wenn Blätter, wie der Frkftr. General⸗Anz., dem sonst das Wort„Internationalität“ ein Greuel ist, von dem„Verbrüderungsfest“ reden. Zwistig⸗ keitsfest wäre richtiger gewesen, denn schon lange vor dem Feste herrschte unter den Veranstaltern Streit darüber, wem ein Orden ob dieser großen Thaten gebühre. Auch brachte das Fest selbst für manchen Ordensjäger bittere Enttäuschung, indem ihm von den hohen Herschaften nicht die erhoffte Aufmerksamkeit gezollt wurde. Selbst der berühmte Freisinnsheld und Volksbeglücker Mergler erlitt eine schwere Niederlage, indem ihn sein Busenfreund und Kreistagsgenosse nicht zum Wort kommen ließ, trotzdem er zweimal dazu ansetzte. Es war dies eigentlich schade und wird allgemein bedauert, daß unserem Westerwälder Volke auf diese Art eine sicher tief durchdachte Rede vorenthalten blieb, durch welche der Westerwald gewiß sehr gehoben worden wäre. Aber derartige Behandlung geniert das Strebertum nicht, es duckt sich und muckt sich nicht. Nachdem der Festestaumel verrauscht, muß man sich wirklich freuen, noch Männer zu finden, die sich sagen, was haben wir denn nun eigentlich bezweckt? Nichts anderes als den Fremden die Taschen geleert.
) Spr. Marßoh, frz. General, geb. 1769, kämpfte unter Moreau 1796 bei der Rheinarmee. Die Richtig⸗ keit der hier gegebenen Darstellung seines Todes muß bezweifelt werden. Nach Geschichtswerken wurde M. in der Schlacht bei Altenkirchen verwundet. j
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„ An altungs-Cril.
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Robert Sehweiechel.
Am 12. Juli vollendete in völliger körperlicher und geistiger Frische Robert Schweichel, der unsern Lesern sehr vorteilhaft bekannte greise Dichter und Romanschriftsteller sein acht zigstes Lebensjahr. Achtzig Jahre! Wer dieses hohe Alter erreicht, in Gesundheit und Frische erreicht, kann wohl von Glück sagen. Voch mehr aber derjenige, der wie unser Dichter auf ein so reiches Leben zurückblicken, befriedigt die Fülle seiner wert— vollen Werke überschauen kann, die ihn über— dauern und seinen Namen späteren Geschlechtern verkünden werden.
Robert Schweichel wurde am 12. Juli 1821 in Königsberg i. Pr. geboren. Als Sohn eines Kaufmanns war er ebenfalls für diesen Beruf bestimmt, er neigte jedoch den Wissenschaften zu und bezog die Universität seiner Vaterstadt, um Rechtswissenschaft zu studieren. Die Bewegung des Jahres 1848 zog ihn in den Strudel, er stellte seinen Mann im Kampfe für die Sache des Volkes. Er teilte das Los vieler Freiheitskämpfer, mußte in's Exil wandern und lebte in Lausanne in der Schweiz. Von dort kam er im Jahre 1861 nach Berlin, wo er in die Redaktion der„Vorddeut— schen Allgemeinen Seitung“ auf Einladung des politischen Flüchtlings Braß eingetreten war. Hier lernte er Liebknecht kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tode eine innige Freundschaft ver— band. Beide glaubten damals, die„Norddeutsche“ habe die Aufgabe, die Sache der Demokratie zu vertreten, um erst später zu bemerken, daß Braß mit der Regierung in Verbindung stand. Vatür⸗ lich traten Beide sofort aus der Bedaktion aus. Nachdem Schweichel sich einige Jahre in Leipzig aufgehalten, übernahm er 1868 die Redaktion der „Deutschen Romanzeitung“, die er J Jahre lang führte. 0
Das Volk, die kämpfende Arbeiterklasse ver— dankt ihm eine große Anzahl prächtiger Romane und Erzählungen, in denen das Leben des Volkes mit Kennerblick geschildert wird, die tief durchdacht und von freiheitlichem Geiste durchweht sind. Sahlreiche von ihnen sind unsern Lesern durch unser Blatt bekannt geworden.
Mit dem Danke, den das aufstrebende Prole— tariat gerne seinem Erzieher und Bildungsbringer für seine Ringabe zollt, verbindet es zugleich den innigen Wunsch, daß sich der Führer im Geistes⸗ kampfe noch recht lange nebst seiner gleichge— sinnten Gemahlin bei ungeschwächter Gesundheit ungetrübten Glückes zu erfreuen haben möge.
Aus Robert Schweichel's Werken
bringt die letzte Nummer des„Südd. Postillon“ einen Blütenstrauß von Zitaten, die von dem hohen, freiheitlichen Geist Zeugnis ablegen, von dem Schweichels Werke erfüllt sind. So aus dem Roman„Um die Freiheit“ folgende:
Rebell wird der arme Mann gescholten, wenn er in seiner Verzweiflung zur Wehr greift, weil sein Geschrei nach Gerechtigkeit überall und allerwärts taube Ohren findet.
* 5*
Es giebt keinen heiligeren Krieg als diesen, den der Unterdrückte, weil er auf Erden nirgends Recht finden kann, gegen seine Tyrannen erhebt.
**
Aber die Feder verbreitet die Wahrheit, und an der
Wahrheit blutet die Lüge sich zu Tode. **
*
Eine Kirche hat Jesus von Nazareth nicht gekannt. Die Kirche hat wieder zerstört, was er auferbaut hat. Der Sohn Gottes hatte nichts, wohin er sein Haupt legen konnte; aber die Kirche hat sich der Güter dieser Erde bemächtigt und dem Volke nichts gelassen als den Himmel droben.
5* 1
Allwärts sitzen Unrecht und Gewalt am Regiment und treten das arme hart schaffende Volk mitleidlos unter die Füße.
** *
Nur das gemeinsame Interesse zwingt zu gemein⸗ samem Handeln. Nur das einmütige Zusammenstehen des arbeitenden Volkes auf dem Lande und in den Städten, nur das Zusammenfassen der geeinten Kraft vermag den Despoten Kapital zu stürzen, der uns
Nr. 28. mit goldenem Huf schonungslos zertritt. Darum gilts heute noch wie vor dreihundert Jahren:
„Der arme Konrad heiß ich, bin ich, bleib ich, Wer nicht will geben den bösen Pfennig, Der trete mit mir in diesen Ring!“
(Aus dem Vorwort„Der arme Konrad“ 1876.)
S 5
Der Schuhmacher von Ottersweiler.
Erzählung von Elise Langer.
2(Fortsetzung)
Den Vater betrauerte Jost von Herzen, doch was scheerte alles Uebrige den jungen Träumer, der er geblieben war, trotz aller Püffe, die ihm das wirkliche Leben versetzt hatte. Konnte er doch jetzt seinen Herzenswunsch erfüllen und sich mit Derjenigen fürs Leben verbinden, an die zu denken er keinen Augenblick aufgehört hatte. Fast hätte er sie aber nicht wiedererkannt. Aus
dem vernachlässigten Kinde war eine saubere,
schlank gewachsene Dirne geworden. Das schwarze Haar hing ihr nicht mehr in Zotteln um das Gesicht, sondern war zierlich aufgesteckt, die lieb⸗ liche Rundung von Wange und Nacken sehen lassend. Und die Augen schauten wie zwei schwarze Diamanten groß und klar in die Welt hinein.
Nach ihrer Einsegnung war sie in Dienst gegangen, und Jost fand sie als Kellnerin in der Post, mit der ein Gasthaus verbunden war. Das Kommen und Gehen, die täglich neuen Gesichter, das Schäkern und Plaudern mit den Fremden, alles das war so recht nach Babet⸗ tens Sinn. Jost gefiel dies aber gar zu wenig, und er bestürmte die Jugendfreundin, jetzt ihr Wort wahr zu machen und die Seine zu werden. Er wollte ihr die Hände unter die Füße legen, für sie arbeiten von früh bis spät, er versprach ihr das Blaue vom Himmel. Babett, die nie ein Heim gehabt, die von den Dörflern immer noch als ein Eindringling angesehen wurde, schien es verlockend, sich ins warme Nest zu setzen. Sie willigte ein; war sie doch Jost auch von Herzen zugethan.
Josts Mutter erschrack, als der Sohn ihr
seinen Verspruch mit Babett verkündigte. Auch sie betrachtete das Mädchen als eine Fremde, Hergelaufene, von deren Sippschaft man nichts wüßte. Aber Frau Bachler war vor Allem eine liebende Mutter, und als sie sah, wie sehr Josts Herz an dem Besitz des Mädchens hing, ergab sie sich in das Unabänderliche. Jost hatte ja auch ein schweres Leben vor sich, die Schulden des Vaters zu tilgen, das Geschäft nach den veränderten ökonomischen Verhältnissen einzurichten und wieder in Gang zu bringen. Sollte er dafür nicht wenigstens in seinem Hause glücklich sein dürfen? So ward denn noch vor Ablauf des Jahres Hochzeit gemacht.
Anfänglich ging alles ganz gut. Josts Mutter that nach wie vor alle Arbeit in Haus und Feld und behielt auch sonst die Zügel in der Hand. Babett konnte mit ihrer Zeit thun, was ihr beliebte: an ihren Kleidern nähen, ihrem Manne bei der Arbeit zuschauen und ihre Freundinnen, deren sie jetzt viele hatte, be⸗ suchen. Sie ließ sich das sehr wohl gefallen. So gut hatte ste's ihr Lebtag noch nicht ge⸗ habt, und dann kam pünktlich nach neun Mo⸗ naten das Bübchen, das sie vollauf beschäftigte. Hatte sie im Hause nichts zu sagen, so wollte sie doch über das Kind völlig freie Hand haben; aber auch hier mischte sich die Großmutter, der Unerfahrenheit der jungen Frau mißtrauend, beständig ein. Nun begann ein stiller Kampf zwischen den beiden Frauen, von dem Jost nicht das Mindeste merkte und in dem Babett doch schließlich unterlag. Das Kind selbst entschied sich für die Großmutter, an der es mehr als an der Mutter hing, so daß Babett allmählich erkaltete es der Alten ganz überließ. Dazu kam, daß die äußerste Sparsamkeit im Hause herrschte; jeder Groschen wurde bei Seite gelegt, um dem Lederhändler, der auf Bezahlung drang, wenigstens eine Abschlagsumme hinlegen zu
könnnen. Fleisch war ein seltener Leckerbissen.
Das Schweinchen, das man für sich gemästet, wurde an den Schlächter verkauft. Jost nahm jede, auch die geringste Flickarbeit an; der
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