Ausgabe 
11.8.1901
 
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Seine 6.

Nr.

Die Hauptforderungen sind: Kost und Logis außer dem Hause, Minimallohn 20 Mk. per Woche. In der Versammlung welche den Streik beschloß, traten mehrere Gehilfen auf, die ekelerregende Mißst ände in dortigen Bäckereien unter Namensnennung der Meister aufdeckten. Einige der Gehilfen, die schon in vielen anderen Großstädten gearbeitet, erklärten, die Mannheimer Bäckereien ständen in Bezug auf Reinlichkeit an letzter Stelle. Eine schärfere und amtliche Kontrole sei dringend notwendig.

Sozialdemokraten Hessens!

Die diesjährige

Laondeskonferenz

findet auf Beschluß des Landeskomitees am

Sonntag, den 1. September 1901, Vorm. 10 Uhr in Offenbach

in den Räumen des Saalbaues(Austr. 26) statt. Die vorläufige Tagesordnung lautet:

1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Referent: Genosse Ulrich⸗Offenbach. 2. Rechnungs⸗Ablage. Referent: Genosse Orb- Offenbach. 3. Der bevorstehende Parteitag in Lübeck. Referent: Genosse Rau⸗ Mühlheim. 4. Die bevorstehenden Landtagswahlen und der Wahl⸗ gesetz⸗Entwurf. Referent: Genosse Cramer⸗Darmstadt. 5. Die Landesorganisation, bezw. der Entwurf für die⸗ selbe. Referent: Genosse Dr. David⸗Mombach. 6. Das Gemeinde⸗Programm. Referent: Genosse Berthold-Darmstadt. 7. Einlaufende Anträge. 8. Wahl des Landes⸗Komitees.

Parteigenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konfe⸗ renz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Dele⸗ gierte gewählt werden. Diskutiert die Tages⸗ ordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können. Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee und werden vom Genossen Ulrich bezogen.

Offenbach, 13. Juli 1901.

Das Landes⸗ Komitee: C. Ulrich, Gr. Marktstr. 25. J. Orb, Geleitsstr. 14.

. Quittungen.

Fy.⸗Gbtch. 240 Mk. Zm.⸗Ndh. 5. Mk. Jz. Och. 5.55 Mk. Sgfr.⸗Abck. 8. Mk. Bsr.⸗Rdgn. 3. Mk. Schwd.⸗Ggn. 5. Mk. Stck.⸗G. 3.40 Mk. Wklr.⸗Rdhm. 14.40 Mk. Kft.⸗Wsmr. 7.20 Mk. Kl. Rdgn. 8.80 Mk. Sg. ⸗Hst. 5.60 Mk. Wtr.⸗Ww.⸗Lbch. 2. Mk. Mth.⸗Gbch. 10.10 Mk. Schfr.⸗Gbch. 4.20 Mk. Pths.⸗Lllr. 4.80 Mk. Kch.⸗Kfdf. 7. Mk. Dthfr. Ogst. 3.60 Mk. Rinn⸗Hchhm. 26.40 Mk. Gge.⸗Hdbgn. 7.40 Mk. Hddch.⸗Kzbch. 4.60 Mk. Kbch.⸗Wek. 32.80 Mk. Bbr.⸗Rogn. 1.20 Mk. Fth.⸗Wtzlr. 29. Mk. Bgr. Dlbg. 3.60 Mk. Hchstdt.⸗Ka. 9.60 Mk. Ggr.⸗Mbg. 28.80 Mk. Schb.⸗Hsn. 8.40 Mk. Lth.⸗The. 2.20 Mk. Rtr.⸗G. 2.40 Mk. Schdt.⸗Stbg. 15. Mk. Ccht.⸗Gbg. 5.80 Mk. Mhl.⸗G. 25.25 Mk. Rg.⸗Ltbch. 24. Mk. Hp.⸗Bdhm. 4.80 Mk. Fy ⸗Gbtch. 2.60 Mk. Vlpl.⸗Lllr. 24.80 Mk. Wbr.⸗G. 1.40 Mk. Zm.⸗Ndh. 4. Mk. Sgfr.⸗Abck. 7.80 Mk. Bsr.⸗Roͤgn. 2. Mk. Pf.⸗Odh. 2. Ml. Wtzl.⸗Wtzh. 4.20 Mk. Wtr.⸗Lbch. 6.40 Mk. Wtr.⸗Wwe.⸗Lbch. 2. Mk. Mhl.⸗B. 3. Mk, Kch. Kfd. 35. Mk. Dthfr.⸗Igst. 3.60 Mk. Schwd.⸗Ggn. 4.70 Mk. Gge.⸗Hoͤbgn. 7.40 Mk.

Marktberichte.

Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 8. August: Butter per Pfd. Mk. 1.10 1.25, Hühnereier 1 St. 6 7 Pfg., Enteneier 1 St. 7 8 Pfg. Gänseeier per St. 11 12 Pfg., Käse 1 St. 5 8 Pfg., Käsematte 2 St. 58 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.00 9.00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.00 8.50. Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.75 bis 0.90, Hühner per St. Mk. 1.00 1.50 Hahnen per Stück Mk. 0.80 1.40, Enten per St. Mk. 2.00 bis 2.20. Gänse per Pfd. Mk. 00.0 0.00.

Fleis ch p reise. Ochsenfleisch per Pfd. 66 76 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 6064 Pfg., Schweinefleisch 64 dis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 60 66 Pfg., Hammelfleisch 50 70 Pfg.

»Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

b Anterhaltungs-Ceil.

2 Ceieht Gepäck.

Ich bin ein freier Mann und singe Mich wohl in keine Fürstengruft, Und Alles, was ich mir erringe,

Ist frische freie Nimmelsluft.

Ich Habe keine stolze Veste,

Von der man Länder übersieht,

Ich wohn' ein Vogel nur im Veste, Mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Ich dürfte nur wie And're wollen, Und wär nicht leer davon geeilt, Wenn jährlich man im Staat die Rollen Den treuen Knechten ausgeteilt. Doch ich, ich hab' nie zugegriffen, So oft man mich herbei beschied; Ich habe fort und fort gepfiffen, Mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Der Lord zapft Gold aus seiner Tonne, Ich aus der meinen höchstens Wein, Mein einzig Gold die Morgensonne, Mein Silber all der Mondenschein!

Färbt sich mein Leben herbstlich gelber, Kein Erbe, der zum Tod mir riet, Denn meine Münze prägt' ich selber, Mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Herwegh.

Im RNausch.

Aus dem Französischen.

Lange hatte Frau Hubard in ihren Sohn hineingeredet, er möge doch den Vater aus dem Wirtshause holen; jedenfalls habe er sich wieder festgesessen und bringe einen Rausch heim. Endlich gab André nach.

Es war eine unfreundliche Nacht und empfindlich kalt. André zog die Mütze tief über Stirn und Ohren und klappte den Kragen seines Mantels ganz hoch, während er die Enden des Halstuches vor den Mund hielt. Als er durch eine kleine Seitengasse ging, um den Weg abzukürzen, hörte er an der Ecke der Haupt⸗ straße lautes Lärmen und Streiten, das aus einer Kneipe drang. Plötzlich wurde die Thür der Kneipe aufgerissen und in dem hellen Licht⸗ schein, der auf die Straße fiel, erkannte André seinen Vater. Er schlug sich mit anderen Betrunkenen herum und wurde endlich hinaus⸗ geworfen.

André lief dem Vater nach, der hastig 11 ging.Halt' doch Bleib stehen! rief er.

Hubard, in seinem Rausch, glaubte sich von einer seiner Kneipgenossen verfolgt.

Was? Du willst mir zu Leibe, rief er mit heiserer Stimme.

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Weiter kam André in seinem Zuruf nicht, denn der Vater hatte sich jählings umgewendet und, ohne seinen Gegner im Dunkel zu erkennen, mit voller Wucht einen Stockschlag auf den Kopf des vermeintlichen Verfolgers geführt. Der stürzte denn auch wie eine schwere Masse auf das Trottoir und Hubard, plötzlich ernüchtert, machte sich rasch davon.

Einen Augenblick lief er aufs Geratewohl vorwärts; als er außer Atem war, hielt er an und suchte sich zu orientieren. Er mußte durch verschiedene kleine Querstraßen gelaufen sein, denn er befand sich in der Ceresstraße, einer der Hauptstraßen. Sein Renkontre hatte ihn etwas ernüchtert; er war mit sich unzufrieden und sprach laut für sich:

Ich habe vielleicht ein bischen rasch zuge⸗ schlagen, aber warum wollte er mich festhalten? .. Ich mußte mich doch wehren Schad't nichts, ich habe doch zu stark geschlagen Ach was! Der Kopf wird ihm ein bischen brummen, weiter nichts.

.... Rasch nach Haus, Mutter wird schon böse sein.

Er kehrte heim und stellte seinen Stock in

eine Ecke.

Frau Hubard la ihm bittere Vorwürfe. 2

Wo kannst Du Dich nur um solche 806 0

noch herumtreiben, sagte sie.

schon zu Bett und macht

Wenn Du darnach gefragt wirst, so sag 5

nur, Du weißt es nicht, antwortete der

Tischler.

Immer muß man dich erst holen. WW ist denn André? Ich habe ihn nach dem Café

Austerlitz geschickt.

Wie oft habe ich Dir schon gesagt, daß 90

ich nicht geholt sein will!. das noch mal thust, bleibe ich einfach weg.

Der Tischler fing an, sich auszuziehen, behielt

Wenn De

jedoch die Beinkleider noch an; allmählich wurde Del 0

er nüchtern.

Wo nur André weilt? sagte die Mutter,

wenn ihm was passirt wäre? Was soll ihm denn passiren? antwortete

der Tischler und zuckte die Achseln.Ihr

Frauen habt immer Angst!

** *

Hubard hatte sich eine Pfeife angezündet, um den Sohn zu erwarten. Die Uhr schlug Zwei. Nun wurde er unruhig. Plötzlich klopfte es an der Ladenthüre.

Hubard lief rasch hin, weil er glaubte Andre

sei es.

Wer ist da? fragte er.

7 der Polizei⸗Wachtmeister, machen Sie au 17

an sein Abenteuer. Der dumme Schlag! Wahr⸗ scheinlich wollte man ihn verhören, vielleicht gar festnehmen. Für einen ehrsamen Hand⸗ werker und Familienvater wahrhaftig nicht sehr ehrenvoll, sich mit Strolchen auf der Sraße zu

prügeln... So sah er denn ziemlich betreten

aus, als er dem Beamten die Thür, die auf den Gang führte, öffnete. i

Herr Hubard, sagte der Wachtmeister, der den Tischler kannte, mit gedämpfter Stimme, ich möchte Sie gern allein sprechen. Kann Ihre Frau uns von hier aus hören?

Nein, sie liegt im Bett.ich weiß schon.. Sie kommen wegen..

Hubard, meinte der Beamte und griff nach

des Mannes Hand,seien Sie mal recht mutig, ich bringe Ihnen eine böse Nachricht.

Der Tischler wurde vor Schreck blaß.

Ich bin absichtlich als erster gekommen, um Sie vorzubereiten, fing der Beamte wieder an; e ist Ihrem Sohn ist was zuge⸗ stoßen.

Meinem Sohn! Herr Gott...

Frau Hubard hatte den Ruf gehört, not⸗ dürftig bekleidet, kam sie herbeigestürzt. l

1 Andrée.. ist ein Unglück passirt? jammerte sie.

Er ist überfallen worden.

Der Tischler streifte zornbebend, wie zum Kampf, die Hemdärmel in die Höhe.

Stern und Hagel! rief er und schlug mit der Faust auf eine Holzbank.Ueberfallen den schwächlichen Jungen! Das muß ja ein Tier, aber kein Mensch sein. Wie kann man so ein Kind angreifen! f a

Ruhig, Hubard sie 1 ihn schon.

Herr Wachtmeister, sagen s 5 heit, jammerte die Mutter,ist es sehr schlimm?

Der Mann zog Hubard bei Seite. g

Hubard, Sie sind doch ein Manu! Beweisen Sie es jetzt; es ist sehr, sehr schlimm, aber ich

verspreche Ihnen, daß wir den Thäter schon

finden werden. Ja wohl, Herr Wachtmeister.

Weit soll der feige Mörder nicht kommen!

Mörder? schrie der Tischler,man hat

Der Polizei⸗Wachtmeister? Hubard dachte

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mein Kind ermordet!? Heiliger Gott!!

Er rang nach Luft, während seine Frau

in die Knie gesunken war und das Gesict

schluchzend in den Händen barg.

Freund, Freund, geben Sie sich nicht so

der Verzweiflung hin, suchte der Beamte zu trösten.Es ist ein fürchterliches Unglück.. Er hat allem Anscheine nach einen Stockschlag bekommen

Bei den Worten wurde der Tischler leichen, blaß. Ein entsetzlicher Gedanke tauchte in ihm

auf. Angstvoll stotterte er:Sie glan

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