Ausgabe 
11.8.1901
 
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Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 32. betrug. Hiernach wird der Preis der Eier[an deren Schicksalen nehmen. Doch hat man seiner Festtagsuniform den Eindruck eines nun einmal die Masse mit allen Mitteln der] wandelnden Mercerie⸗Ladens. Daß dadurch

durch deu Zoll um 4,6 Proz. erhöht werden. **

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Aus Rußland kommt die Nachricht, daß die russische Regierung als Erwiderung auf deutsche Agrarzölle die Grenze für Preußen⸗ gänger sperren wird. Wenn sich diese Nachricht bestätigt, so wird ger ade die Land⸗ wirtschaft Ostelbiens von einem großen Ausfall von Arb eitskräften betroffen werden. Es ist bekannt, daß die aufblühende russische Industrie nichts sehnlicher wünscht, als einen Damm gegen das Abziehen der russichen Arbeiter nach den besseren Arbeitsgelegenheiten Deutschlands. Vermutlich ist sie es auch gewesen, die durch ihren Einfluß auf den Finanzminister Witte und höchste Petersburger Kreise Erhebungen über die Lage derPreußengänger veranstaltet hat, mit der ziemlich durchsichtigen Absicht, das natürlich recht schwarz gemalte Ergebnis dieser Erhebungen dem Zaren zu unterbreiten, um von ihm im Interesse der durchgewissen⸗ lose Agenten nach Deutschland gelockten und dort ausgebeuteten armen russischen Landeskinder ein väterliches Verbot zu erwirken.

Ebenso hat der deutsche Zolltarif in den Produzenten⸗ und Industriellenkreisen Italiens eine große Erbitterung hervorgerufen. Von allen Orten gehen dem römischen Ministerium Zu⸗ schriften, Vorstellungen, Warnungen, Hilferufeund Denkschriften zu. Viele Handelskammern haben fachgemäße Erhebungen über die ihren Sprengeln drohenden Schädigungen angeordnet. Italien schätzt die wirtschaftliche Belastung seiner nach Deutschland gehenden Bodenprodukte allein nach den Ergebnissen der vorjährigen Statistik auf mehr als 18 Millionen Lire. Aus allen In⸗ dustriezentren wird von dem Ministerium die anna Anordnung scharfer Abwehrmaßregeln verlangt.

Politische Rundschau.

Gießen, den 8. August.

Kaiserin Friedrich

ist am Montag Abend auf ihrem Schlosse in Cronberg i. T. an einer schweren inneren Krankheit(Krebsleiden) gestorben. Sie war die Tochter der in diesem Jahre ebenfalls ver⸗ storbenen Königin Viktoria von England und 1840 geboren. Schon mit siebzehn Jahren verheiratete sie sich mit dem nachmaligen Kaiser Friedrich. Auf diesen soll die als klug und unterrichtet gerühmte Frau großen Einfluß ausgeübt haben. Dem Berliner Hofe blieb sie stets fern, nur in den ersten Jahren nach dem 1888 erfolgten Tode ihres Gemahls war ste einige Mal in Berlin. Von Bismarck und der Junkersippe wurde sie ingrimmig gehaßt, weil sie der bismärckischen gewaltthätigen Unter- bdrückungspolitik verschiedentlich Widerstand ent⸗ Pon alia und, wie man sagt, auch manche

ru alität Bismarcks verhinderte. Wenn das richtig ist, verdient sie dafür alle Anerkennung.

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Etwas merkwürdig mutet der Bericht an, der wach dem Berl. Lokal⸗Anz. über Vorgänge egeben wird, die sich kurz nach dem Tode der aiserin abgespielt haben. Es heißt da:So⸗ pald die Standarte der Kaiserin auf Halbmast ging, sprengten Gendarmen und Husaren heran und besetzten das Schloß auf allen Seiten. Die Infanterieposten wurden verstärkt und empfingen scharfe Patronen. Die Ordre lautete, daß auf jedermann, der widerrechtlich in den Park eindringen würde, scharf geschossen werden solle. Ordonanzen Zu Rad und Pferd jagten vom Schloß an die Stadt. Im Augenblick waren Trauerfahnen gehißt. Die Bevölkerung nahm die Trauer⸗ nachricht mit inniger Teilnahme auf. Dazu bemerkt unser Leipziger Parteiorgan: Auch wir empfinden es sicherlich als eine höchst unangenehme Erscheinung, daß Leute, die mit

Kunst zu dieser Art der darf sich nicht 8 bürgerliche Kreise von ihr ergriffen zeigten. Daß man aber die blauen Bohnen bewirten und Zeichen der Anteilnahme mit scharfen Schüssen quit⸗ tieren sollte das verstehe, wer will! fentlich erfolgt Aufklärung darüber, wer die durchaus gesetzwidrige und gefährliche Anord⸗ uung gegeben und fremde Menschenleben so

ist das Ergebniß des Rechnungsjahres kein

Loyalität erzogen und wundern, wenn sich wenigstens

zudringlichen Gäste m it

Hof⸗

gering geachtet hat. Im Reichs baushalt

erfreuliches. Es hat sich ein Fehlbetrag von 19325567 Mk. ergeben. Der wirtschaftliche Niedergang spiegelt sich in dem Rückgang der Einnahmen aus den Zöllen! Wir stehen erst am Anfang der mageren Jahre und schon haben wir ein Defizit! Das wird sich zukünftig noch steigern, und dem sucht nun unsere weise Regierungspolitik durch Erhöhung der Brot⸗

und Fleischzölle zu begegnen! Der Weltmarschall Waldersee

ist dieser Tage aus China zurückgekehrt und in Hamburg eingetroffen. Er hat glücklicherweise außer dem Verlust seines Asbesthauses weiteren Schaden nicht erlitten. Seine Expedition kostet aber dem deutschen Volke ein schönes Stück Geld, ohne daß sie irgend etwas zur Besserung der Verhältnisse in China beigetragen hätte. Große Empfangsfeierlichkeiten sind wegen des Ablebens der Kaiserin Friedrich unterblieben; der Graf muß sich also mit den bei der Abreise empfangenenVorschußlorbeeren begnügen. Unseres Erachtens genügen die auch.

Die Schaffung einer Kolonialarmee

soll nach Zeitungsberichten abgemachte Sache sein. Schon im Frühjahr habe die Regierung beschlossen, eine ostasiatische Bes atzungsbri⸗ gade, wie sie jetzt in China zurückgelassen ist, als Stammtruppe für eine deutsche Kolo⸗ nialarmee dauernd zu behalten. So sei es auch erklärlich, warum die von Deutschland in China zurückgelassene Truppe in einer außer⸗ dem geradezu unerklärlich großen Stärke be⸗ lassen worden ist. Daß die Schaffung einer besonderen Kolonialtruppe das praktische Er⸗ gebnis der Hunnenfahrt sein würde, haben die sozialdemokratischen Blätter und Vertreter schon vor Monaten vorausgesagt. Neu wäre an diesen Mitteilungen also nur, daßinnerhalb der Regierung schon im Frühjahr ein ent⸗ sprechender Beschluß gefaßt worden ist. Die Regierung weiß, was sie dem deutschen Reichstag bieten kann.

Militärische Abzeichen.

Das Uniform⸗Zubehör des deutschen Heeres hat in den letzten Jahren eine stetige Bereiche⸗ rung erfahren. Der Soldat muß schon mit einer außergewöhnlichen Gedächtniskraft begabt sein, wenn er sich alle die Orden, Uniformen, Medaillen und Abzeichen, die es in der Armee giebt, merken will, für geistig schwächer Veran⸗ lagte ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Ueber eine neue Schießauszeichnung berichten jetzt die Blätter: Die Auszeichnung besteht für die Offiziere

aus einer goldenen Schützen schnur, für die Mannschaften aus einer gelben Schnur. An derselben hängt an einer kürzeren Schnur die Kaiserkrone mit Szepter und Schwert. Von jedem Regiment hat die am besten schießende Kompagnie ein Gefechtsschießen abzuhalten, zu dem der Kaiser die Aufgabe stellt. Die beste Kompagnie erhält das Ab⸗ zeichen. Der Kompagniechef trägt es dauernd,

bei der Entlassung mit ꝛe.

entbehrlichen Zierstücke vorhanden

die Mannschaften bekommen die Auszeichnung

Wenn es noch eine Zeit lang so fort geht, wird auf der Vorderseite unserer Vaierlands⸗ verteidiger bald kein Platz mehr für solche un⸗ beh. sein und es muß schließlich noch die Reversseite damit be⸗

die Kriegstüchtigkeit und Schlagfertigkeit der Armee irgendwie erhöht wird, glaubt wohl kein Mensch.

Herr von Köller,

der bisherige Oberpräsident in Schleswig, ist zum Staatssekretär in Elsaß⸗Lothringen ernannt worden. Seine Ernennung erfolgte, trotzdem einflußreiche elsässische Kreise mitsamt der ganzen Bevölkerung dagegen opponierten und sogar Bülow widersprochen haben soll. Köller, der Vater der Umsturzvorlage, Gewalt⸗ politiker und Reaktionär hat sich im Elsaß schon früher als Unterstaatssekretär bei den Elsässern äußerst unbeliebt gemacht.

Die Stichwahl in Duisburg.

Bei der am vorigen Freitag stattgefundenen Stichwahl in Duisburg siegte der, nationalliberale Fabrikant Beumer mit 33534 Stimmen über den Zentrumsmann Rintelen, der 27728 erhielt. Auf beiden Seiten zeigt sich eine bedeutende Stimmenzunahme, so daß es auf den er sten Blick aussieht, als hätten unsere Genossen der für Wahlenthaltung ausgegebenen Parole nicht Folge geleistet. Sicher hat aber das Fabrikan⸗ tentum für den Scharfmacher, ebenso wie das Pfaffentum für den Zentrumsmann den letzten Wähler vermittels ungeheuerlichen Druckes an die Wahlurne geschleppt. Vielleicht waren auch viele Arbeiter infolge ihrer Abhängigkeit ge⸗ zwungen, diesem Drucke nachzugeben und zur Stichwahl zu gehen, damit sie sich nicht als Sozial⸗ demokraten erkennen ließen. Daß der Beein⸗ flussungsapparat lebhaft thätig war, beweist auch die Abgabe von beinahe zweitausend ungültigen Stimmzetteln. Noch bei keiner Wahl sind eine so große Zahl ungültiger Zettel abgegeben. worden.

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Der Ausfall der Duisburger Wahl giebt der nationalsozialenHess. Landesztg. wieder einmal Veranlassung, don Fehlern und Diszi⸗ plinlosigkeit unserer Genossen zu reden. Diese hätten nach ihrer Meinung für densozialre⸗ formerischen Zentrumsmann stimmen sollen, statt Stimmenenthaltung zu proklamieren; außerdem wird ohne Weiteres behauptet, daß unsere Stimmen den Scharfmacher Beumer zugefallen wären.

Das zeigt einmal einen starken Mangel an Disziplin und dann eine hervorragende politische Unklarheit, die man der Sozial⸗ demokratie, wenn sie sich wieder zur Richterin über andere Partei⸗Entscheidungen bei Stich⸗ wahlen aufhält, gehörig vorhalten wird. Da wird schon die Sozialdemokratie dem Freunde des Hunnenpastors zu antworten wissen. Zu⸗ nächst dürfte die Frage, welcher von den beiden Kandidaten der schwärzeste Reaktionär ist, kaum zu beantworten sein, dann ist es doch auch mindestens fraglich, ob überhaupt eine Wahl⸗ beteiligung unserer Genossen stattgefunden hat. Die Herren Nationalsozialen brauchen also mit ihren Kritiken nicht so voreilig zu sein, sollen sich lieber mehr darum bekümmern, daß sie nicht mehr, wie schon öfter, den Reaktionären zum Siege verhelfen.

Muster⸗Zwangsinnung.

Bei der Neuwahl der Verwaltung der Schreinerzwangsinnung in Nürnberg wurden nur Gegner der Innung gewählt und es setzt sich somit die ganze Verwaltung aus solchen zusammen. Auch dieser haltlosen Zuständen der ganze Innungsrummel führen muß. Die Schreinermeister müssen einer Organisation angehören, die sie nicht für wirken halten und der sie nicht angehören wollen!

Schutz für Steinarbeiter.

Eine Konferenz im Reichsamt des Innern beschäftigte sich kürzlich mit dem Schutze der Steinarbeiter. An ihr beteiligten den Regierungsvertretern 5 Gewerbeinspektoren, 13 Arbeitgeber und 13 Arbeiter.

fürstlichen Personen gesellschaftlich nicht ver⸗

kehren, ein übermäßiges vordringliches Interesse

hangen werden.

Der Soldat macht dann in

Fall zeigt, zu welchen

sich außer

Die für die 10 Steinarbeiter geplanten Schutzbestimmungen, zu