Ausgabe 
10.3.1901
 
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Nr. 10.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

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den angenommen. Genosse Wurm erzählte ein nettes Boykottierungsstückchen aus dem Musterstaat Sachsen. In Plauen im Vogtlande erhielten nämlich mehrere Lokale das Militärverbot, weil der dort bestehende

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gehalten hatte. Beschwerde bei dem Kriegsminister war unbeantwortet geblieben. Der Konservative Jacobs⸗ kötter, ein gewiß unverdächtiger Zeuge, berichtete über militärische Lohndrückereien. Innungen, deren Mitglieder für die Armee Arbeit bekommen sollten, mutete man zu, sich mit den für Zuchthaus⸗ und Gefängnisarbeit gezahlten Preisen zu begnügen. Auch am Freitag hatte das Haus noch mit dem Militäretat zu thun. An diesem Tage kam es zu einer Erörterung über die Lage der Arbeiter in den Artilleriewerk⸗ stätten. Der wildliberale Sozialreformer Rösicke⸗Dessau erkundigte sich nach der Statistik über die Lage der Arbeiter in den genannten Werkstätten, die versprochen ist, aber bis⸗ her noch nicht das Licht des Tages erblickt hat. Der Kriegsminister wusch seine Hände in Unschuld und schob die Verantwortung für die Zögerung dem Statistischen Amte zu. Hierauf entwarf sogar der konservative Ab⸗ geordnete für Spandau, Pauli, ein sehr trauriges Bild über die Arbeitsverhältnisse und die Lage der Spandauer Militärwerkstattarbeiter. Ein reichlich langes Sündenregister der Verwaltung jener Werkstätten, die alles andere eher, denn soziale Musterbetriebe sind, entrollte ferner Genosse Zubeil, dem der General⸗ major v. Einem höflicher antwortete, als es am Tage vorher der Kriegsminister dem Konservativen Jacobs⸗ kötter gegenüber gethan hatte.

Montag wurde der Rest des Militäretats, sowie der Etat des Reich smilitärgerichts erledigt. Es folgt dann die zweite Beratung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern. Bei der Zuckersteuer wies Genosse Wurm auf das

standalöse Vorgehen des Zuckerkartells

hin. An der Spitze dieses Zuckerkartells steht Herr Bueck und eine Reihe bekannter konservativer Parlamen⸗ tarier und auch der Zentrumsabgeordnete Pingen. Wir sind soweit gekommen, sagte Wurm, daß der deut⸗ sche Zucker für den Konsumenten um 130 Prozent verteuert wird. Unsere Steuergesetzgebung hat ja geradezu provoziert, daß sich Kartelle und Ringe gebildet haben, die ja auch auf dem ganzen Gebiet der Agrar⸗ produktion eine unheimliche Rolle spielen. In einer Broschüre, die der Geschäftssührer des Kartells ausgegeben hat, hat er die Dreistigkeit, zu betonen, daß das Kartell sich zur Aufgabe gemacht habe, den deutschen Zuckerkonsum jährlich um 45 Millionen zu ver⸗ teuern. Das Kartell arbeitet mit dem rücksichtslosesten Terrorismus, gegen den noch niemals ein Staatssetretär auch nur den Versuch gemacht hat, ein Zuchthausgesetz zu entwerfen. Die Folgen dieses Terrorismus sind, daß dem deutschen Volke der Zucker um über 211 Mill. Mark verteuert wird, d. h. 3.80 Mark auf den Kopf der Bevölkerung oder um 18 Pfennige das Pfund Zucker. Mit Wucher ist eine solche Preissteigerung noch viel zu glimpflich bezeichnet. Ich bin stets dafür ein⸗ gelreten, daß der Zuckerkonsum gehoben werden möge, denn der Zucker hat als Volksnahrungsmittel wegen seiner verhaltnismäßigen Billigkeit große Bedeutung. Durch die Zollgesetzgebung ist es weiter dahin gekommen, daß eine große Industrie, die ihren nationalen Boden in Deutschland haben könnte, in das Ausland ver⸗ legt worden ist, nämlich die Konservenindustrie für Zuckerfrüchte. Die Konsumziffer für Zucker ist im Deut⸗ schen Reiche, dem größten Zuckerproduzenten, außeror⸗ dentlich gering. Wenn diese Art der Besteuerung auf⸗ recht erhalten wird, so überliefern Sie große Massen des Volkes einer kleinen Anzahl Ausbeuter. Derheilige Paasche und der Bündlerhauptling v. Wangenheim waren nicht im Stande die Ausführungen Wurms, denen Eugen Richter vollkommen beistimmte, zu entkräften.

Einengroßen Lag gab es am Dienstag. Zur Verhandlung stand der Etat des auswärtigen Amtes. Man erwartete allgemein eine

Erklärung des Reichskanzlers über unsere Beziehungen mit Rußland. Zuerst sprach der Zentrumsmann Dr. Schädler, der die Verleihung eines Ordens an Lord Roberts sanft, das Verhalten der agrarischen Presse schärfer tadelte. Der Kern seiner Rede war eine an den bekannten offiziösen Petecsburger Artikel antnüpfende Frage an den Reichskanzler, wie es mit den deulsch⸗russischen Beziehungen stehe. Diese Au⸗ frage gab nun dem Reichskanzler Gelegenheit, eine Rede vom Stapel zu lassen. Sie fiel kürzer aus, als man erwartet halte, aber keineswegs besser. Alles ist eitel Sonnenschein. Mit Rußland wie mit England leben wir lrotz einigerReibungsflächen mit dem letzt⸗ genannten Staate im hol den Frieden und in süßer Ein⸗ tracht. Lord Roberts ist keine politische Personlichkeit und wie lange der Kaiser in England weilt, geht nie⸗ mand etwas an. Gegen offiziöse nussische Unliebens⸗ würdigkeiten ist Graf Bülow abgebrüht und die Freund⸗

schaft mit Rußland darf nicht so weit zehen, daß fie

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die deutsche Zolltaxrispolitik beeinflußt. Das alles in dem flotten Tone und der lebemännischen Liebenswürdig⸗ keit vorgetragen, die denverantwortlichen Leiter der Reichspolitik als seine hervorragendsten Cigenschasten auszeichnen. Alsdann ergriff Geuosse Ledebo ur das Wort. Mit kräftigen Worten geißelte er das ebenso humanitäts⸗ wie völkerrechtswidrige Vorgehen der Eng länder in Südafrika und bedauerte, daß das deutsche Reich keinen Anlaß genommen, wegen der konventfons widrigen Verwendung von Lyddit und Dum-Dum⸗Ge⸗ schossen zu intervenieren, sowie, daß es verabsäumt wor den sei, den Frauen und Kindern der Buren eine Heim stätte in Deutsch⸗Südwestafrika zu gewähren, wie die Schweizer eine solche 1870 den Straßburger Frauen geboten haben. Eine kurze, aber bedeutungsvolle Rede hielt Abg. Eugen Richter, der die Frage der geplanten Brotverteuerung in den Vordergrund rückte und im übrigen mit einer Handbewegung das Gerede abthat, daß Lord Roberts keine politische Person sei. Nach längerer, aber unwesentlicher Debalte wird das Gehalt des Staatssekretärs bewilligt.

Aus dem hessischen Laudtag.

Zur Etatsberatung, die diese Woche begonnen hat, liegt auch ein Antrag des Abg. Köhler von Langsdorf vor, der eine Antwort auf die ewige Verweigerung der Diäten an Reichstags⸗ abgeordnete sein soll. Nach längerer Begründ ung, die ganz im Stile der bekannten Köhler⸗ schen Ueberschwänglichkeiten gehalten ist und in der mit Rechte die Diätenverweigerung im Reichstage kräftig kritisiert wird, wird der An⸗ trag gestellt, im Hauptvoranschlag für 190102 beim Kapitel 14Auswärtige und Bundesverhalt⸗ nisse den dort eingesetzten Posten mit 36000 Mk. zu streichen und dafür einzusetzen a) Pension des hessischen Gesandten in Berlin 10000 k., b) für Kosten der Konsulate, der Regulirung der Hoheitsgrenze, Umzugs- und Stellvertretungs kosten 5000 Mk. Der Antrag soll einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit insofern dauystellen, als dadurch den Herrn Bundesratsmitgliedern, die doch für die Reichstagsmitglieder nichts übrig haben, auch der Brotkorb höher gehängt würde. Die besonderen Unkosten, die durch die hessischen Bundes ratsbevollmächtigten verursacht werden, berechnet der Antrag mit über 30000 Mk., während die Diäten für 9 hessische Reichstags⸗ abgeordnete sich nur auf 18000 Mk. belaufen dürften.

Nach dem Gesetzentwurf über die Gemeinde umlagen, worüber am Mittwoch und Donners tag verhandelt wurde, debattierte man über eine Anfrage des Abg. Köhler(Langsdorf) betr. die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Von der Regierung wird geantwortet, daß die Schwierigkeiten zunächst in der Unmöglichkeit, für Quarantäne Ställe den erforderlichen Raum zu beschaffen, liegen, daun aber auch in der Uebernahme der Kosten durch die Gemeinden. Bei dieser Gelegenheit fragt Genosse Ulrich die Regierung, was mit dem sozialdemokratischen Autrage betr. die Errichtung einer obligatorischen Vieh⸗ versicherung geschehen ist. Alle Klagen in Bezug auf die Maul- und Klauenseuche würden verstummen, wenn von Staatswegen dafür gesosgt wäre, daß die Viehbesitzer, ohne über's Ohr gehauen zu werden, ihr Vieh versichern könnten. Was man mit den Privatversiche ruugen für Erfahrungen gemacht habe, gehe auf keine Kuhhaut. Ministerialrat Braun antwortet, jener Antrag liege jetzt schon ein Jahr beim zweiten Ausschusse Sobald er da herauskomme, erscheine eine diesbezügliche Vor lage. Ueber den

Quellenankauf Frankfurts im Vogelsberge entspinnt sich eine erregte De batte. Auf eine Anfrage erklärte die Regierung, daß von den Gemeinden noch kein Wasser ab gegeben wurde. Sie werde scharf im Auge behalten, daß im Inleresse der Stadt Frankfurt nichts unternommen wird, was etwa geeiguet sei, die sanitären Interessen der oberhesstschen Gemeinden, der Triebwerksbesitzer und der Land- und Forstwirtschaft zu schädigen. Abgg. Erk und Schmal bach protestieren gegen diese Wasserabgabe. Köhler⸗Langsdorf warnt die Gemeinden, an die Städte Wasser abzugeben. Abg. Weidner(christl.⸗soz.) sieht keinen Grund ein, sich darüber aufzuregen. Der Oberwald

habe eine Menge von versumpften Wiesen, die uichts als Moos und Schilf erzeugen, weil ihnen kein Wasser entzogen worden ist. Die Stadt Frankfurt muß dieses Wasser unter allen Umständen haben, wenn sie nicht eines Tages vor dem Austrocknen stehen wolle. Jeder Privatmann kann nach dem Gesetz mit seinem Privatwasser thun, was er will, und er kann deshalb der Stadt für gutes Geld geben, was sie bedarf. Aehnlich spricht sich Abg. Gul⸗ fleisch(freis.) aus. Abg. Ulrich ist angesichts der Antwort der Regierung erstaunt über die Erregtheit der Oberwälder Abgeordneten. Diese Gemeinden hängen mit ihrem ganzen Ab⸗ satz von Franksurt ab.(Widerspruch des Abg. Bär.) An dieser Thatsache ändert dieser Wider spruch nichts. Die Herren, die in so engherziger Weise es den großen Städten versagen wollten, Wasserquellen aufzusuchen, gehörten mit ihren veralteten Anschauungen nicht mehr in unsere Zeit, sie wurden am besten im römisch⸗germa⸗ nischen Zentral⸗Museum in Mainz untergebracht. (Heiterkeit.) Redner könne in dieser Angelegen⸗ heit den Wünschen der Herren Erk, Schmalbach und Köhler nicht beipflichten, obschon er sonst gerne bereit sei, den Bewohner des Vogelsberges zu helfen.(Zuruf: Getreidezölle) Der Ge⸗ treidezoll ist nicht von Vorteil für den Vogels⸗ berg und bleibt es bedauerlich, daß einige dickköpfige Bauern dieses nicht verstehen wollen. Abg. Köhler⸗Langsdorf giebt folgende tiefgründige Weisheit zum Besten: Die Frank⸗ furter nehmen keine Rücksicht mehr auf das Land und da brauchen wir auch keine so großen Rücksichten auf Frankfurt zu nehmen. Redner meint dann mit Bezug auf Frankfurter Zollgegner: die wollen überhaupt keinen Vogels⸗ berger Weizen, sondern amerikanischen. Und denen möchte er sagen, wo sie den Weizen her⸗ nehmen, da mögen sie auch ihr Wasser her⸗ holen.(Stürmische Heiterkeit.) Im Verlaufe der weiteren, hefligen Debatte ziehen sich Köhler und Ulrich Ordnungsrufe zu.

Krieg in Südafrika.

Nach den wenigen vom Kriegsschauplatz vorliegenden Meldungen scheint soviel gewiß, daß De Wet in Sicherheit ist. Die Exvedition der neun gegen ihn entsandten Kolonnen er⸗ scheint als gescheitert. Er hat neueren Berichten zufolge im Verein mit dem Präsidenten Steijn mit 1500 Mann bei Lilienfontein den Oranjefluß in der Nähe der zerstörten Brücke von Colesberg unter dem Feuer der Kolonialschützen überschritten. Die englischen Schützen standen in guter Deckung und töteten 1 1 50 Buren. Das Feuer wurde nicht er⸗ widert.

Nun ist die Pest von Südafrika nach Australien verschleppt worden. In Sydney ist ein Krankheitsfall mit tötlichem Ausgang, welcher an Bord eines von Südafrika zur Einschiffung neuer australischer Truppen dort eingetroffenen Dampfers vorkam, als Pestfall fetgestellt worden. Auch von anderen australischen Orten werden Pestfälle gemeldet.

Krieg mit China.

Der Weltgeneral. Ueber die Oberbe⸗ fehlshaberschaft des Grafen Waldersee schreibt unser Münchener Paxteiorgan: Die Russen machen soeben voll Schadenfreude bekannt, daß Graf Waldersee seinen gewaltigen Alexander zug nach Samarkand oder Gott weiß wohin kläglich aufgegeben hat, weil die Russen die Ausführung untersagt haben. Es ist wirklich grimmig humoristisch, wie man dem Generalissimus mitspielt. Man folgt ihm nicht in Petschilt und wenn er darüber hinaus marschieren will, dann erklärt man ihm, daß er nur für PetschiliOberbefehlshaber sei und nicht darüber hinaus dürfe, ohne zu fragen. Das ist kennzeichnend für die Lage, in welche die deutsche Theaterpolitik gekommen ist. Wir sind mit dem Weltmarschallstabe das Fegeopfer der ganzen Welt geworden, die uns in Pet⸗ schilt und überall zum Narren hält. Europfa hallt wider von dem Gelächter über die Berliner Theatralik.