Ausgabe 
10.2.1901
 
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Seite 6.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 6.

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Unterhaltungs-Ceil.

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.

Frauen liebe.

Die Mutter hat gescholten Tag für Tag; Wenn sie ihn nähme, hätt' sie Müh' und Plag', Ich will dir einen besseren Freier zeigen!

Sie schüttelte den Kopf und lachte eigen.

Nun war sie seine Frau schon Jahr und Tag; Ein bischen Glück, dann recht viel Müh' und plag' Die arme Frau, und ob ihn alle hassen,

Sie, senkt den Kopf und will nicht von ihm lassen.

Einst blieb er aus die ganze lange Nacht; Sott weiß, wo er die Stunden zugebracht! 5 Die Menschen reden schlecht. Sie kann's nicht fassen, Und weint und weint und will nicht von ihm lassen.

Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Erzählung von Robert Schweichel. 2)(Fortsetzung)

Guste Thiemann dachte daran und folgte

ihren Exinnerungen, indem sie in das flackernde

Feuer schaute, und das Licht in ihren Augen wurde trüber und trüber. Die Blicke des alten Mannes an ihrer Seite hafteten wie die ihrigen an dem Spiel der Flammen um den Kessel, während der Regen fort und fort auf die Dach⸗ schindeln niederrauschte, und seine Gestalt krümmte sich mehr und mehr zusammen.

Na ja, unterbrach er endlich das Schweigen, wir plagen und schinden uns und haben kaum das liebe Leben, und ihnen bringt auch der Regen, der Alles verdirbt, Geld und Glück ins Haus. Das Heu ist halb ersoffen, der Roggen ausgekeimt, die Kartoffeln fangen an zu faulen im vorigen Jahr war es nicht halb so schlimm aber die Herren leben wie die Maden im Speck. Wie wir von wegen dem schlechten Wetter unser Korn immer nicht haben einfahren können, da hat unser Baron einmal gesagt, zum Inspektor ist's gewesen, und ein Kuecht hat's gehört das thut nichts, hat er gesagt,gute Ernten helfen den Landwirten nicht, eine schlechte ist mir lieber. Deun warum? Fremdes Getreide läßt der hohe Zoll keins ins Land und können sie für das ihrige o viel nehmen, als sie wollen. Wenn wir darüber verhungern, daß kümmert sie nicht. Und mit dem Schnaps ist's eben so Ist das eine Welt! N

Er war immer aufgeregter geworden. In dem krankhaft blassen Gesichte des Mädchens prägte sich eine unsägliche Verzagtheit aus. Was liegt auch daran? wenn wir alle zu Grund gehen? rief sie.

Jg, was liegt daran? wiederholte Balk und seuszte schwer. Was hatte er in seinem sechzigjährigen Leben vor sich gebracht, was noch zu hoffen, daß ihm au dem Dasein etwas liegen sollte? Die freie Wohnung in dem Insthaus, ein kleiner Gemüsegarten, ein Stückchen Kar⸗ toffelland und ein Tagelohn von einer halben Mark, das war Alles. Seine Frau, die vor ihrer Verheiratung 15 Jahre im Hause des Barons von Rönberg auf Friedenau gedient hatte, war tot, er selbst zermürbt von der schweren Landarbeit, von Rheumatismus ge⸗ peinigt und auf dem einen Auge erblindet! Die Kinder bis auf einen Sohn, den Wilm hin⸗ weggestorben! Dieser hatte vor 5 Jahren den Solbatenrock anziehen müssen und trug ihn noch. Nicht aus freier Wahl. Er war wegen grober Jusubordination zu zwei Jahren Festung ver⸗ urtheilt worden und diente jetzt in der zweiten Klasse die Zeit nach, welche die Strafe unter⸗ brochen hatte.

Er war durchaus kein Hitzkopf, der Wilm; aber das Schimpfen, Knuffen und Puffen der Exerziermeister und Unteroffiziere, trotzdem er gewissenhaft seine Pflichten zu erfüllen bemüht war, hätten auch eine größere Geduld als die

seinige zu Rande gebracht. Worin versah er es nur? Andere, die viel schlechtere Soldaten waren als er, schlüpften fast immer durch. Sie verstanden freilich die von seiner Ehrliebe ver⸗ schmähte Kunst sich lieb Kind zu machen, und wenn sie von Hause etwas geschickt bekamen, traktierten sie die Herren Tressenträger. Der alte Balk konnte seinem Sohne nichts schicken, und obgleich Wilm ausschließlich auf seinen Sold angewiesen war, trug er den Kopf hoch. Es prägte sich in seinem Wesen ein ruhiges Vertrauen auf sich, ein gewisses Selbstgefühl aus, welches gedemütigt werden mußte. Als Wilm einmal von seinem Rechte Gebrauch machte und über den Unteroffizier seiner Kor⸗ poralschaft sich beschwerte, erhielt dieser zwar einen Verweis, aber Wilm hatte es damit vol⸗ lends bei ihm und allen Vorgesetzten verschüttet. Ein Soldat, der sich über seinen Vorgesetzten beschwere, hätte keine Ehre im Leibe, sei ein Lump, hieß es offen und laut; ein solcher Kerl sei eine Schande für die ganze Kompagnie. Er konnte kaum noch Dienst thun, ohne zum Nach⸗ exerzieren, zur Strafwache oder zum Arrest ver⸗ donnert zu werden. Seine Stubenkameraden in der Kaserne mieden ihn, aus Furcht, sich mißliebig zu machen, und verspotteten und ver⸗ höhnten ihn, wenn der Stubenunteroffizier das Beispiel dazu gab. Eines Abends, als die Leute schon in ihren Betten lagen, kam sein Quälgeist betrunken nach Hause.Was? schrie er Wilm an,der Kerl untersteht sich zu schlafen und hat den Parademarsch wie ein Schwein gemacht! Heraus aus dem Bett! Ich werd' ihn marschieren lernen! Und als Wilm sich nicht rührte, zog er seinen Säbel und stach nach ihm. Glücklicherweise war die wollene Decke für die stumpfe Klinge zu dick, um sie zu durchdringen, und Wilm hielt es für das Vernünstigere, dem Berauschten zu willfahren. Er mußte das Lederzeug auf dem bloßen Hemde anlegen, die Pickelhaube aufsetzen und das Ge⸗ wehr nehmen. Der Unteroffizier warf sich auf einen Schemel und lachte, daß ihm die Thränen aus den Augen liefen, und die Soldaten lachten in ihren Betten aus Liebedienerei mit. Die Augen Wilm's schossen Flammen. Mit ange⸗ zogenem Gewehr und barsüßig mußte er den Parademarsch machen. Die Soldaten wieherten. Der Unteroffizier aber schrie:Was, mit krum⸗ men Knieen? Ist der Kerl ein Schneider? Will er wohl die Knie durchdrücken! Er sprang wütend auf und stieß Wilm mit seinem derben Stiefel so hestig gegen die nackten Schienbeine, daß der Gepeinigte laut aufschrie.Grunzt das Schwein? hört die Musik! Und er hob abermals den Fuß. In demselben Augenblicke bekam er jedoch von Wilm, der das Gewehr weggeworfen hatte, einen Faustschlag in das Gesicht, daß er zurücktaumelte. Ein zweiter Schlag streckte ihn zu Boden, Wilm warf sich auf ihn und hätte ihn erwürgt, wenn die Sol⸗ daten nicht aus den Betten gesprungen wären und den Wütenden von seinem Opfer weg⸗ gerissen hätten.

An dem Vater, der selbst Soldat gewesen, nagte es fort und fort, daß sein Sohn in die zweite Klasse versetzt worden. Wie stolz trugen die jungen Leute, wann sie nach der dreijährigen Dienstzeit zur Landarbeit zurückkehrten, ihre Soldatenmütze! Wie stolz hatte er selbst sie einst getragen! Wilm würde sich nicht in ihr zeigen, den es fehlte an ihr die Nationalkokarde, die ihm aberkannt war. Jetzt war seine Dienst⸗ zeit abgelaufen und er konnte jeden Tag zu Hause eintreffen, wenn er sich nicht eines neuen Vergehens schuldig gemacht hatte. Die Sol⸗ daten zweiter Klasse hatten es so schlecht! Er⸗ wartung und Angst hatten Guste in den letzten

Tagen mit wachsender Unruhe erfüllt, so daß

sie dieselbe nicht mehr zu bemeistern vermochten. Mit Hoffen und Zagen war sie nach Friedenau geeilt. Wilm war nicht gekommen, hatte nichts von sich hören lassen.

Ich muß heim, entriß sich Guste dem trüben Sinnen, in welchem sie und der Alte vor dem Feuer saßen. Sie erhob sich. Es regnete noch immer.Was war das? fragte sie.

Der Wind!

Aber es war nicht der Wind; die Hausthür hatte gekgarrt und jetzt trat eine dunkle Gestalt in die Stube.

Wilm! schrie Guste auf und lag in seinen

Armen. f nicht daran und sie fühlte es nicht.

Er triefte von Nässe, aber er dachte

Der alte war trotz seiner rheumatischen 0

Schmerzen jäh in die Höhe gefahren und hielt

sich zitternd an der Lehne seines Stuhles. 5

Jetzt reichte der Sohn ihm die Hand mit einem: Grüß Gott, Vater! aus tiefster Brust. Er stand in dem Lichtkreise des Herdfeuers und Guste, deren Blässe die Freude rosig anhauchte, weidete sich au seinem Anblick. Er war noch

kräftiger als früher geworden, breiter in der

Brust und mäunlicher, und ein Bart zierte seine Lippen; sein rundes Gesicht glühte, seine schwarzen Augen leuchteten froh. Der Vater bewegte lautlos die Lippen.Es ist Dir in die Glieder gefahren, daß ich so plötzlich da bin, lachte Wilm und drückte den Alten in seinen Stuhl zurück.Trink einen Schluck, das wird Dich wieder zusammenbringen! Er entledigte sich seines Zwerchsackes, den er über die Schul⸗ ter trug, und zog aus der Brust eine Schnaps⸗ flasche hervor. Der Vater aber schüttelte zu seiner Verwunderung ablehnend den Kopf. So that er selbst einen tüchtigen Zug, reichte die Flasche dem Mädchen und rief:Jetzt sollst Du es gut haben, Vater, die Schinderei hat ein End'!

Ach ja, Du bist wieder da, Wilm; aber Du hast die Nationalkokarde verloren, ächzte der Vater.

Das Gesicht seines Sohnes wurde dunkel⸗ rot, seine Augen nahmen einen unheimlich drohenden Ausdruck an, vor dem Guste erbebte, und er grollte:Aber jetzt nichts davon, und ich will auch keinem Anderen raten, daß er's thut. Nur eins will ich sagen: Ich wär' kein Mensch nicht, wenn ich mir das ruhig hätte ge⸗ fallen lassen.

Einen Augenblick röteten sich auch die Wangen des Vaters.Ja, es war unmenschlich, Wilm. Aber die Anderen hier werden's sagen oder denken und Du wirst's zu leiben haben. Ste werden Dir Steine auf den Acker werfen. Was kann man dagegen machen? Was willst Du anfangen?

Du siehst, daß sie mich beim Militär nicht klein gekriegt haben, sagte er, indem er sich in die Brust warf, die Fänste ballte und die kraftigen Arme streckte. Guste blickte mit un⸗ verhohlenem Stolze auf ihn und rief:Arbeiten werd' ich. Und jetzt wollen wir essen. Bind' mal den Sack auf, Gustel es ist Speck und Brot d' rin!

Wilm begleitete Gufte nach Hause. Es hatte aufgehört zu regnen und der Mond stand zwischen den Wolken. Guste hatle sich eng an den jungen Mann geschmiegt und Beide genossen fast stumm nach der langen schmerzlichen Treu⸗ nung das Glück des Wiedersehens. Einmal blieb er stehen, drückte den Arm des Mädcheus fest an sich und rief:Herr Gott, Gufte, wenn ich nicht an Dich zu denken gehabt härte, ich weiß nicht, wie ich die schreckliche Zeit über⸗ standen habe würde.

Du Armer, sagte sie mitleidig.Aber jetzt ist's überstanden und ich hab Dich wieder und will Dich alles vergessen machen, was Du hast aushalten müssen. Du trittst doch wieder hier in Friedenau in Arbeit?

Nein, rief er hart,daraus wird nichts. Der Leutenant von Rönberg hat es nicht ver⸗ gessen, wie ich ihn einmal Deinetwegen zurecht⸗ gesetzt hab', und wie sie Standrecht über mich hielten, da hat er ausgesagt, daß ich immer ein störrischer, aufsassiger und gewalthätiger Kerl gewesen bin. Na ja, ich hab mir eben von Keinem was gefallen lassen und jetzt erst recht nicht. Ich weiß nicht, was geschieht, wenn ich mit dem wieder zusammentreffe.

Um Gottes willen, Du wirst doch nicht,

rief Guste erschrocken.Du warst ja sonst ein

so guter Mensch. i (Fortsetzung folgt.)

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