Ausgabe 
10.2.1901
 
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Nr. 6.

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1 Nr. 6.

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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Zur Geschichte des preußischen Königtums.

5(Fortsetzung.) 5 Die philosophische Königin.

Die einzige leidliche Figur an diesem Hofe war die Königin Sophie Charlotte. Von Ge⸗ burt eine hannöverische Prinzeß, hatte sie längere Zeit in Frankreich gelebt, im Verkehre mit zwei bpriginellen und vorurteilslosen Damen ihrer mütterlichen Verwandtschaft: der durch ihre ehrlich⸗cynischen Briefe bekannten Herzogin Lise⸗ Lotte von Orleans und der Aebtissin Louise Hollandine von Maubuisson, die trotz ihrer geistlichen Würde am liebsten auf ihren Leib zu schwören pflegte, der vierzehn natürliche Kinder getragen habe, und die bis in ihr be⸗ schaulich⸗verguügtes Alter von sechsundachtzig Jahren ihr Kloster wohl regierte. Jedoch die Hoffnungen Sophie Charlottens auf die Hand eines französischen Prinzen zerschlugen sich; sie mußte sich mit ihrem preußischenAesop be⸗ gnügen, wie sie ihren buckligen Eheherrn zu nennen pflegte. Ste trug ihr trauriges Los mit philosophischer Heiterkeit und Würde; nur wenn dieschrecklichen Kissen kamen, das heißt wenn der neue Salomo das eheliche Lager in den Gemächern der Königin rüsten ließ, brach dasOpfer in lautes Wehklagen aus.

Sophie Charlotte war nicht frei von manchen Fehlern, eine echte Welfin im Guten und im Schlimmen, aber sie stand intellektuell und mpralisch hoch über der Umgebung, in der zu leben sie verdammt war. Die preußische Königs⸗ krone war ihr in der That nicht mehr wert als die Prise Schnupftabak, die sie bei der Krönung nahm. An ben unsinnigen Verschwen⸗ dungen des Hofs hatte sie keinen Anteil; sie

berkehrte gern mit den armen Leuten und half ihnen, wo sie konnte, so daß sie im Volke sehr beliebt war. Am liebsten zog sie sich ganz vom Hofe zurück, in ein Landhaus, das sie sich in

Lietzenburg, dem heutigen nach ihr benannten Charlottenburg hatte bauen lassen, wo sie mit Leibniz und andern geistig hochstehenden Männern verkehrte. Wie die erste, so ist sie die einzige preußische Königin, die auf geistlichen Trost und Zuspruch verzichtete. Sie ließ gern gescheitelte und geschorene Pfaffen in ihrer Gegenwart disputiereun, doch nur wie jene von Heine be⸗ sungene Donna Blanka den Rabbi und den Mönch.

Die Königin starb bereits 1705, erst 36 Jahre alt, und ganz plötzlich; innerhalb dreier Tage war sie gesund und tot. Aber der Tod über⸗ raschte die Philosophin nicht; als ein Geistlicher an ihr Sterbebeite treten wollte, lehnte ste dankend seinen Beistand ab:Ich habe über die Religson zwanzig Jahre lang ernstlich nach⸗ ted acht und die Büsser, die sich darauf beziehen, aufmerksam gelesen. Es bleibt mir deshalb licht der geringste Zweifel übrig, und Sie können mir also nichts sagen, was mir nicht schon bekannt ist. Ich versichere Ihnen heilig, daß ich ruhig sterbe. Und zu einer ihrer Hof⸗ damen gewandt, fügte sie hinzu:Beklagen Sie mich nicht, denn ich werde jetzt meiner Neugier genug thun über den Grund der Dinge, den mir Leibniz nie erklären konnte, und ich ver schaffe dem Könige den Aublick eines Leichen⸗

begängnisses, das ihm Gelegenheit geben wird,

alle Pracht zu entfalten. Sie kannte ihren

traurigenAesop, und die tote Königin fügte dem armen Volk das Leid zu, daß die lebende ihm gern erspart hatte: ihr Leichenbegängnis lostete Unsummen.

Die Mätresse als Schmuck der Krone.

Zu dem Glanze der neuen Krone gehörte bach der Meinung des neuen Salomo in erster Reihe eine Mätresse. Der kleine schwächliche König war kein Sünder auf geschlechtlichem Gebiet, und als heiliger König aus dem Mor⸗ . bezähmte er gewiß auch sein etwaiges ischen Sinneslust. Aber da Ludwig XIV. feine Mätresse hatte, so mußte auch der König don Preußen eine haben. Er wählte sich dazu ein ganz schreckliches Weibsbild, eines Wein⸗ chenken Tochter und eines Kammerdieners Frau, ie dann der Oberkammerherr Graf Wartenberg

heiratete, als Schanddeckel für die Staatsmätresse Obgleich der König nach der glaubwürdigen Versicherung der preußischen Historiker mit der Gräfin Wartenberg nur platonische Beziehungen gehabt hat, so beherrschte sie ihn dennoch voll⸗ ständig. Sie hatte bei Hofe den Rang vor allen unverheirateten oder nicht an regierende Fürsten verheirateten Prinzessinnen. Wo ihr der Vortritt bestritten wurde, erzwang sie ihn sich durch Faustkämpfe, wie sie deren einen mit der Frau des bolländischen Gesandten ausfocht. Die Königin Sophie Charlotte bändigte die rabiate Person in ihrer heiter-philosophischen Weise, indem sie nur französisch mit ihr sprach, was die Gräfin Wartenberg nicht verstand.

Für die Entsagung, die ihr der König auf⸗ erlegte, entschädigte sich die Mätresse durch un⸗ zählige Buhlschaften mit den Hofleuten. Ihr Hauptgalan war der englische Gesandte, Lord Raby. Neben deu Millionen, die ihr Zuhälter von Ehemann unter ihrer Beihülfe erräuberte, trug sie für ihren Anteil einen Juwelenschatz im Werte von einer halben Million Thaler da⸗ von. Hiermit und mit den von ihrem soge⸗ nannten Gatten ererbten Millionen lebte sie später als Allexrweltsdirne in Paris. Von ihrem Lasterleben finden sich in den Bolefen der Herzogin Lise⸗Lotte von Orleans die erhebendsten Einzel⸗ heiten. So pflegte die Gräfin Wartenberg den⸗ jenigen ihrer Liebhaber, die sich in ihren Armen böse Krankheiten zugezogen hatten, bis 50000 Frank Schmerzensgeld zu zahlen. Diese groß⸗ mütige und mildthätige Verwendung ihrer der preußischen Bevölkerung abgezwackten Schätze sichert der Gräfin Wartenberg einen hervor ragenden Ehrenplatz in der Geschichte der fürst⸗ lichen Kebse.

Die drei Wehen.

Da die Seele des preußischen Königtums zur Zeit Friedrichs I. der Hof war, so war der Oberkammerherr, Graf Kolb v. Wartenberg, zugleich allgewaltiger Premier minister. Zu seinen Gehilfen wählte er den Grafen Wittgenstein

.

als Leiter des Finanz⸗ und den Grafen War⸗

tensleben als Leiter des Kriegswesens. Das Volt naunte diese drei Grafen wegen ihrer maß⸗ und schamlosen Erpressungen die drei Wehen des Landes. Graf Wartenberg hatte sich von dem König das schriftliche Versprechen geben lassen, das ex niemals für öffentliche Unterschleife und Veruntreuungen, die unter seiner Verwal⸗ tung vorkämen, zur Rechenschaft gezogen werden dürfte. Dies Versprechen hielt der König, der es sonst mit seiner fürstlichen Parole durchaus nicht genau nahm, auch wirklich, als Graf Wartenberg nach dreizehnjähriger Raubwirtschaft in der ausgepowerten Bevölkerung nichts mehr zu plündern fand und sein Bankerott nicht mehr zu verhindern war. Der König entließ ihn vielmehr mit einer Jahrespension von 24000 Thalern, die nach dem Tode des Grafen auf die Gräfin Wartenberg übergehen sollten.

Kunst und Wissenschaft.

Es ist eine hinfällige Behauptung byzanti⸗ nischer Historiker, daß unter den sinnlosen Ver⸗ schwendungen Friedrichs I. wenigstens Kunst und Wissenschaft geblüht haben sollen. Aller⸗ dings befand sich unter den Hofkünstlern, die sür die Verherrlichung der Hoffeste zu sorgen hatten, ein genialer Baumeister und Bildhauer, Andreas Schlüter, aber er wurde sehr bald ein Opfer des höfischen Neids und mußte in dem barbarischen Rußland seine Zuflucht suchen. Wie mit der Kunst, so mit der Wissenschaft. Die Berliner Akademie war ein lächerliches Zerrbild der Pariser Akademie, und die Uni⸗ versität Halle entstand aus dynastischen Eifer⸗ süchteleien mit dem sächsischen Königshause; ihr Stiftungsfonds belief sich auf die enorme Summe von 7000 Thalern. Der bekannte Gelehrte Pufendorf sollte zwar für ein, im dynastischen Interesse geschriebenes Geschichtswerk 10000 Thl. Honorar erhalten; schade nur, daß er sie nie gesehen het. Seine Wittwe verhungerte, wäh rend der Hof seine prassenden Feste hielt. Daß außer der angeblichen Förderung von Kunst und

Interessen der Bevölkerung geschehen sei, für Schule, Ackerbau, Handel, Industrie, Verkehr und so weiter, wagen selbst die byzantinischen Historiker nicht zu behaupten.

(Fortsetzung folgt.)

Der König von Preußen

als Generallieutenant Gottes. Der alte Fritz der für sich selber ein großer Atheist und Frei⸗ geist war, hielt die Religion als Zuchtmittel gegen das Volk sehr hoch. An einen Freigeist der auch Atheist war, schrieb er einmal:Er ist ein Narr oder Anarchist, und wenn er der⸗ gleichen Sachen unter das gemeine Volk ver⸗ breitet, so lasse ich ihn einsperren; der Teufel würde in die Leute fahren, wenn sie nicht mehr in die Kirche gingen. Wenn sie an einen Ober⸗ kaiser über Himmel und Erde nicht mehr glauben, ihm den Gehorsam aufkünden, vor der schwarzen Livree seiner Leibdiener, der Pfaffen, keinen Respekt mehr haben, werden sie mich dann aber für seinen Generallieutenant und Oberkomman⸗ danten, den er über Preußen gesetzt, ansehen, für mich schwitzen und sich totschießen lassen?

Lesefrüchte.

Ohne Freiheit geht das Leben bergab rück⸗ wärts, Freiheit ist das Element des Menschen wie das Wasser das des Fisches, und ein Mensch, der sich der Freiheit begiebt, vergiftet die edel⸗ sten Geister seines Blutes, erstickt seine süßesten Freuden des Lebens in der Blüte und ermordet sich selbst. 1 J. M. R. Lenz.

1 i Mit der Hälfte dessen, was heute in Europa die Kriegskosten betragen, ließe sich das Elend aufheben. Emile de Girardin. ** *

Der Arbeiter, welcher als junger Mensch, statt sich politische Bildung anzueignen, nur dem alltäglichen Vergnügen in seiner Muße nacheilt, hat nicht das Recht, zu klagen, wenn er später als Familienvater und älterer Mann ein an Not und Entbehrung reiches Dasein zu ertragen bekommt.

Humoristisches.

Der unwissende Ministerpräsident. In ihrem Bericht über die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses vom Montag, wo die Kanalvorlage erörtert wurde, läßt die FrankfurterKleine Presse den Minister Thielen sagen: 5

Der Ministerpräsident habe bereits im allgemeinen Un wissen die Grundlagen, auf denen der vorliegende Kanalplan aufgebaut sei, in so beredten Worten dar⸗ geles e Das kann Herrn Thielen seine Stellung kosten. Am Ende redet er sich aber mit der Entschuldigung heraus, daß er vonallgemeinen Umrissen gesprochen habe!

Auch ein Verhältnis. Leutnant(beim Schluß der Instruktionsstunde):Also der Soldat ist gleichzeitig Beschützer der Krone und... Huber, passen Sie auf! In welchem Verhältnis stehen Sie zur Krone?

Huber(der nicht aufgemerkt hat): Ich poussiere dort die Kellnerin, Herr Leutnaut!

Litterarisches.

Das eben erschienene Heft der sozialistischen Revue Neue Zeit(Stuttgart) enthält: Eine zwölftägige Debatte. Die sozialistische Krise in Frankreich: Die Taktik Jaurès und der Radikalismus. Von Rosa Luxem⸗

burg. Die gegenwärtige Finanzlage Rußlands. Von Parvus. Die Elektrizität in der Landwirtschaft. Von

K. Kautsky. Feuilleton: Dem neuen Jahrtausend entgegen. Eine naturwissenschaftliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer. Preis pr. Heft 25 Pfg.

Das Februarheft derSozialistischen Monats⸗ hefte ist soeben erschienen. Es enthält unter vielen anderen sozialpolitischen Artikeln: Carl Legtlen: Die Initiativanträge der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Hngo Poetsch: Obligatorische Schiedsgerichte und Strikezwang. Eduard Bernstein: Der südafrikanische Krieg und die Sozialdemokratie. Paul Kampffmeyer: Von der Sippe zum Staate. Zur Geschichte der Uin⸗

wälzungen im Wesen des Staates. Dr. Ludwig

Wissenschaft unter der Regierung Friedrich I. Woltmann: Die wirtschaftlichen und politischen Grund⸗

je das Geringste für die geistigen oder materiellen

lagen des Klassenkampfes ꝛc.