Ausgabe 
10.2.1901
 
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Seite 4.

Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung.

Nr. 6.

so groß wie jetzt. Der Typhus, dem man den Namen Dormkatarrh giebt, rafft jede Woche 600800 Opfer hinweg. Die Zahl der in Krankenhäusern oder sonst in Behandlung stehenden Soldaten beträgt mehr als 20,000. Diese Nachrichten werden beglaubigt durch Stimmungsbilder aus Kapstadt, wonach in dem benachbarten Simonsstadt vor Anfang des Jahres eine gefährliche Meuterei unter der eng⸗ lichen Artillerie ausgebrochen ist.

Einen bedeutenden Erfolg für die Buren stellt die Eroberung des Postens von Modder fontein dar. Darüber wurde gemeldet:

Tausend Buren griffen überraschend Mod derfontein am Gatsrand, südwestlich von Krügersdorp an, schlugen eine von dort aus⸗ gerückte Ersatzkolonne, der sie schwere Verluste zufügten, zurück und erzwangen dielleber⸗ gabe der ganzen Garnison. 7 Offi⸗ ziere, 220 Mann wurden gefangen, ein Geschütz genommen.

Die neueren Nachrichten vom Kriegsschau platze lassen erkennen, daß die Aussichten der Buren jetzt günstiger als je stehen.

Non Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Lesertreise sind uns jederzeit will⸗

kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste

Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten. ir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gießener Angelegenheiten.

Sozialdemokratischer Wahlver ein. Die ziemlich gut besuchte Generalver⸗ sammlung, die am Samatag stattfand, nahm zunächst den Kassenbericht für das zweite Halb⸗ jahr 1900 entgegen. Einnahmen sind Mk. 130.; Ausgaben Mk. 96. zu verzeichnen, es verbleibt somit ein Kassenbestand von Mk. 34.. Von den Revisoren wird die Richtigkeit der Abrechnung bestätigt. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wird der bisherige Vorstand einstimmig wieder⸗ gewählt. In der Diskussion über die Ver⸗ handlungspunkte der Kreiskonferenz traten alle Redner für Einrichtung einer Unterstützungskasse ein; fast einstimmig wird beschlossen, der Kon⸗ ferenz eine Erhöhung des Monatsbeitrages um 10 Pfg. vorzuschlagen. Weiter wird gewünscht, die Konferenz möge nicht mehr in Orte ohne Bahnverbindung gelegt werden, weil dadurch die Beteiligung entlegenerer Orte fast unmöglich gemacht wird; die Delegierten sollen dafür ein⸗ treten, daß möglichst im Zentrum des Wahl⸗ kreises gelegene Orte für die Konferenz gewählt werden. Als Delegierte werden die Genossen Dörr, Keßler und Petersen gewählt. ImVerschiedenen gelangte die Lokalfrage noch zur Erörterung. Man sprach sich allge mein dahin aus, daß bei Abhaltung von Fest⸗ ichkeiten möglichst nur Säle berücksichtigt wer⸗ den sollen, die uns auch zu Versammlungen zur Verfügung stehen. Ferner wurde die Abhaltung sozialwissenschaftlicher Vorträge in Aussicht ge⸗ nommen.

Das Gewerkschaftskartell beschäf⸗ tigte sich in seiner letzten Sitzung in der Haupt⸗ sache mit Vorbereitungen zum Gewerkschaftsfest, das am zweiten Osterfeiertag stattfinden soll. Für die ausgesperrten Tüllweber in Calais (Frankreich) wurde ein kleiner Betrag bewilligt.

Rezitation.Vor Sonnenaufgang, das Erstlingsbdrama Gerhardt Hauptmanns, brachte Herr Schauspicler Walkotte aus Berlin, vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft, die mit gespannter Aufmerksamkeit den Vortragenden folgte, am Donnerstag Abend inLony's Bier⸗ keller, wir können fast sagen, zur Auf⸗ führung. Herr Walkotie versteht es meisterhaft, die einzelnen handelnden Personen lebenswahr vorzuführen. Man glaubte sich manchmal vor der Theaterbühne zu befinden, auf der mehrere Personen in Aktion sind. Das Drama spielt in Schlesien, in einer Gegend, wo die Bauern durch die Entdeckung von Kohlenlagern in ihrem Grund und Boden zu großem Reichtum gelangten und schildert die Korruption, Vertiertheit, Ver⸗ soffenheit und sittliche Entartung, in welche die Kohlenbauern gerieten. Die Gestalten des Dra mas wurden durch den Rezitator in ausgezeich

neter Weise verkörpert. Vor dem Vortrage gab Herr W. eine kurze Einleitung, in der er die Darstellunzg der Wahrheit als das Be⸗ streben der neueren Dichtung bezeichnete. Von vielen Besuchern wurde der Wunsch nach baldiger Wiederholung einer derartigen Veran⸗ staltung geäußert.

Ein Preßprozeß spielte sich am Frei⸗ tag vor dem hiesigen Schöffengericht ab. Der Gießener Rechtsanwalt Dr. Spohr ver⸗ klagte den Redakteur derFrkftr. Ztg. Listowsky wegen Beleidigung. Es handelt sich um die seinerzeit auch von uns erwähnte Aeußerung Dr. Spohr's in dem Progsesse eines hiesigen Geschäftsinhabers gegen die autisemitischeDeut⸗ sche Handelswacht, als deren Vertreter Ersterer fungierte. Im Verlauf des Prozesses erklärte Herr Spohr:Die den Juden angeborene Profitwut verleitet sie, ihr Personal bei äußerster Aus⸗ nutzung der Arbeitskraft schlecht zu bezahlen und zu beköstigen. Es giebt zwar auch einzelne anständige Juden, da aber die Mehrheit mit Fehlern und üblen Gewohnheiten behaftet ist, so muß ein Jude vor Gericht erst beweisen, daß er ein anständiger Mensch ist. Kann er das nicht, so muß das Gegenteil angenommen wer⸗ den. Auf diese Aeußerungen erwiderte die Frankfurter Zeitung durch die folgende An⸗ merkung der Redaktion:Eine so haßverblendete und den Grundbegriffen der Gerechtigkeit wohl absichtlich hohnsprechende Denkweise gereicht je dem gebildeten Menschen zum Vorwurf, einem Anwalt des Rechts aber benimmt sie außer der persönlichen auch die berufliche Würde. Dar⸗ aufhin erhob Dr. Spohr Klage. Die Klage⸗ schrift behauptete, die Spohr'schen Aeußerungen seien in dem Bericht derFrankfurter Zeitung unrichtig wiedergegeben. Dr. Spohr habe vor Gericht nur gesagt:Ein Jude sei eben inso⸗ lange mit den gedachten häßlichen minderen Qualitäten(üblen und häßlichen Rasseeigentüm⸗ lichkeiten, grenzenloser Rücksichtslosigkeit in seinem Geschäftsinteresse, Ausbeutung der Schwächeren) behaftet, bis er das Gegenteil durch die That bewiesen habe. Das am Dienstag verkündete Urteil lautete auf 150 Mk. Geldstrafe und Publikationsbefugnis.

Gegen das Urteil kündigt die Frankfr. Ztg. Berufung an. Herr Dr. Spohr mag seine Aeußerung auslegen, wie er will, es wird ihm kein verständiger Mensch beipflichten können. Daran ändert auch die Verurteilung des An⸗ geklagten nichts.

Durchbrenner. Direktor Heinrich Putsch von der Gewerkschaft Elisabetheuhütte bei Hungen, die hier in Gießen ihren Sitz hat, ist durchgebrannt. Seine Unterschlagungen zum Nachteil der Gesellschaft so 20 000 Mk. be⸗ tragen. Außerdem hintekkieß er erhebliche Privatschulden. Auch Fälschungen der Bücher sagt man dem ehrenwerten Bürger nach.

Wegen Wechselfälschung wurde ferner der ÜUhrenhändler Albert Berger ver⸗ haftet. Dieser stellte sich selbst der Behörde. Ferner verfiel der Cigarrenhändler Scheel demselben Schicksale. Er wurde wegen Betrugs

verhaftet. Wieseck.

ch. Eines recht starken Besuches hatte sich der vom GesangvereinSängerkreis veranstaltete Familienabend am Sonntag zu erfreuen. Die Darbietungen verdienen alles Lob und unterhielten die Festteilnehmer aufs beste. Lebhaften Beifall errangen die lebenden Bilder, von denen die sinnbildliche Darstellung der Humanität, der Kunst und der Arbeit recht gut ausgeführt waren und besonders gefielen. Allgemein wurde gewünscht, daß der Verein bald wieder einen so genußreichen Abend bieten möge. Hoffentlich hat auch das Fest dem Verein, der dem Rhein⸗ und Maingau⸗Sängerbund bei⸗ getreten ist, neue Mitglieder zugeführt; es wäre erwünscht, daß sich ihm zahlreiche Arbeiter an⸗ schließen, damit er sich zu einem leistungsfähigen Arbeitergesangvereine entwickelt.

Aus dem Kreise Friedberg. H. In Niederflorstadt sprach am

Sonntag, den 27. Januar, Genosse Busolt⸗ über die politische Lage.

Friedberg Redner

erntete in der gut besuchten Versammlung reichen Beifall; es wurde eine Filiale des Kreiswahl⸗ vereins gegründet, der sofort 28 Mann beitraten. Man hofft, in kurzer Zeit die Mitgliederzahl zu verdoppeln. Man sieht, unsere Freunde im Friedberger Kreise sind recht rüstig an der Ar⸗ beit und der Erfolg bleibt nicht aus. Es muß aber nachgerade auch der letzte Arbeiter einsehen, daß, wenn wir gegen die agrarische Wucher⸗ politik und kapitalistische Ausbeutungs- und Unterdrückungssucht wirksam ankämpfen wollen, fester Zusammenschluß notwendig ist. Drum tretet alle in die gewerkschaftliche und politische Organisation ein!

Gewerkschaf sfest in Friedberg.

B. Am Samsta ,, den 2. Februar, fand da⸗ hier im Saalbau das zweite vom hiesigen Ge⸗ werkschaftskartell in diesem Winter arrangierte

Vergnügen der hiesigen Arbeiterschaft statt. Die

Darbietungen des Abends waren diesmal be⸗ sonders großartig. Neben zwei flottgespielten Theaterstuͤcken waren es besonders die lebenden Bilder, die allgemeinen Beifall fanden. Drei stellten den Ideengang des LiedesEin Sträußel am Hute usw. dar, während die andern beiden den Arbeitern ganz besonders naheliegende Motive zum Untergrund hatten. In dem einen erschien Lassalle mit der roten Fahne, während des andere die Freiheit darstellte, wie sie über alle Schlangen und Reptilien hingeht mit dem Motto: Durch Kampf zum Sieg. Die Aufführung wirkte geradezu begeisternd und war daher auch

der große Beifall ein von Herzen kommender. Genosse Stenzel hatte sich durch die Arran⸗

gierung dieser Darbietungen, zu denen er viel Zeit und Mühe aufgewendet hat, besonders verdient gemacht und darf daher des Dankes aller hiesigen Arbeiter sicher sein. Gleichzeitig wünschen wir, daß er auch in Zukunft seine sachkundige Hand uns noch recht oft zur Ver⸗ fügung stellen möge. zahl verheirateter Arbeiter nicht möglich teilzu⸗ nehmen. Die gesteigerten Ausgaben für den Lebensunterhalt, teuere Kohlen, die tags vorher fällige Miete, erlaubten ihnen nicht, sich ein bescheidenes Vergnügen zu gönnen. Aus Wetzlar.

t. An sehr starker Nervosität leidet der frühere Mechaniker, jetzt vermutlicher Teil⸗ haber einer optischen Werkstätte, O hlenburger. Auf den ersten Blick sollte man das eigentlich nicht glauben, deun der sehr ehrenwerte Maun verfügt über eine ganz ungewöhnliche Korpulenz. Die Erschütterung seines Nervensystems datiert von einem Vorfalle, der sich im Juni vorigen Jahres auf der Straße von Nauborn nach Wetzlar abspielte. Da mußte er nämlich mit ansehen, wie der Hund des Gerbereibesitzers Michel auf den seinen zusprang. Gebissen hat der eine Köter den andern nicht, trotzdem zittert die hochgradige Aufregung, in die der Tierfreund durch die Hundegeschichte versetzt wurde, noch heute in seinen Nerven nach, wes⸗ halb er den Besitzer des Hundeattentäters der fahrlässigen Körperverletzung anklagt und mehrere hundert Mark Entschädigung von ihm verlangt. Das Schöffengericht konnte aber nicht die Ueber⸗ zeugung gewinnen, daß deutsche Nerven so über⸗ aus empfindlich sein sollen und sprach den Missethäter von dieser Anklage frei. Ja, wir

leben eben in einem sehr nervösen Zeitalter! Was wäre aber aus dem Nerbensystem des wenn er als Hunne den

Herrn O. geworden, f. chinesischen Kreuzzug hätte mitmachen müssen!!

Tapfer ausgekniffen ist vor Gericht der von den Odenwälder Bauern

aus dem Reichstag gewählte Antisemit Hirschel. Von seinem früheren Gesinnungsgenossen, dem

jetzigen Nationalsozialen Erdmannsdörffer,

wegen Beleidigung und Verleumdung verklagt, 1

hat er reumütig pater peceavi gesagt und will

alle Kosten zahlen! Herr Hirschel ist wohl

ausgekniffen nicht nur, weil seine Verurteilung

wegen gröblicher Beleidigung sicher war, son⸗

dern auch deshalb, weil ihm, dem urteutonischen Judenfresser, sonst vor Gericht der Nachweis geliefert worden wäre, daß er thatsächl ich an einem jüdischen Berichterstatter parlamentarische

Nachrichten verkauft hat.

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