Ausgabe 
10.2.1901
 
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Seite 2.

Mttlteldeuische Sonutags⸗Zeltung.

Nr. 6.

Der Unterzeichnete bekennt sich als Verfasser und erklärt: Ich gebe zu, daß die in obigen Sätzen enthaltenen Behauptungen der Grundlage ent⸗ behren, und nehme die darin gegen die freien Gewerkschaften, ihr Wahlkomitee, ihre Kandidaten, besonders auch gegen die Sozial demokratische Partei gerichteten Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück.

Kalk, den 1. Februar 1901. Zillessen, Kaplan.

Wenn es auch hier in diesem einzelnen Falle gelang, den Verleumder zu fassen, so werden sich dadurch die Verleumder aller Sorten nicht hindern lasser, iar sauberes Handwerk weiter auszuüben. Höchstens werden sie in der Form 51 geschickter berfahren, als der Pfaffe in Kalk.

Hier zeigt sich in brillanter Beleuchtung, wie unsere Gegner schwindeln. Mit solchen Mitteln arbeiten bald geschickter bald plumper die anti⸗ so zialbemokratische!Arbeiterfreunde jeglichen Kalihers. Mögeg sie sich obige Ehrenerklärung als abschreckendes Beispiel dienen lassen. Auch die sogenauntenUnpartelsschen!

Einen ähplichen Anwurf leistete sich kürzlich ein obskur es evangelisches Blättchen, das Organ hessischer evangelischer Arbeitervereine, der FrankfurterVolksboten. Unter der Stichmarke: Arme Genossen erzählt es seinen gläubigen Lesern, die Frau des franz. Ministers Millerand hatte auf der Aus zellung in Paris ein Arm⸗ band im Werte von 20000 Mk. ausgestellt und knüpft daran die höchst alberne Bemerkung:

Mit welchem Rechte wollen denn die Millerand, Vittor Adler, Paul Singer und wie die roten Millionäre alle heißen, die Geldfürsten bekritteln, wenn sie von ihren Reichtümern den nämlichen Gebrauch machen, wie jene, die dem Sport Sozialismus nicht huldigen.

Zunächst halten wir die Armband⸗Geschichte für Schwindel; soviel wir wissen, ist Millerand nicht begütert. Von Viktor Adler wissen wir bestimmt, daß er fast sein ganzes Vermögen der Arbeiterbewegung opferte. Aber selbst, wenn Frau Millerand ein solches Armbans besitzt und die genannten Leute größere Auf wendungen machen, verdeenen sie deshalb Vor⸗ würfe? Höchstens dann, wenn sie diese Auf⸗ wendungen durch Ausbeutung der Arbeiter, wie die Stumm und Konsorten, durch Betrug wie der fromme Bankräuber Sanden und seine Kumpane, durch Aussaugung des Volkes wie die gottgläubigen Brotwucherer ermög⸗ lichten. Das ist aber nicht der Fell. Ehre diesen Männern, daß sie für die Besitzlosen und Unter drückten eintreten! Wir wünschen uns noch ein paar Hundert solcher! Wir wollten einmal den Jubel bei den Evangelischen sehen, wenn Singer plötzlich zu ihnen überschwenkte! Sogar die Antisemiten würden toll vor Freude, wenn er zu ihnen käme!

Agrarische Weisheit.

Der Haupttrumpf agrarischer Weisheit besteht in der Behauptung, daß das Ausland den Zoll trage und daher die Inlandpreise nicht steigen würbeu. Wie nechtfertigen sie aber ihre ganze Agitation für die Getreidezoller höhung? Doch mit der andern Behauptung:Die Getreide preise sind zu niedrig und müssen durch den Zoll auf eine den Produkrionskosten augemessene Höhe gebracht werden. Eine glänzende Logik! Der Zoll erhöht den Getreidepreis nicht, folglich muß, damit der Preis eine den Produktionskosten besser ent⸗ sprechende Höhe erreicht, der Zoll er⸗ höht werden!.

Ein anderes Argument der Agrarier ist ebenso kief und ebenso schlagend. Nur durch die Ge⸗ treidezölle kann die Kaufkraft der Landwirtschaft und überhaupt des Inlands erhalten bleiben und gesteigert werden, also liegen erhöhte Ge⸗ treidezölle im Interesse der Industrie und der Arbeiterschoaft. Nun wird aber der Arbceiter⸗ klasse, wie auch den übrigen nicht an der Land⸗ wirtschaft beteiligten Klassen ein größerer Teil ihres Einkommens als bisher für ihre Lebens⸗ mittel abgeknöpft und in die Taschen einer

kleinen Zahl von Großgrundbesitzern gesteckt. Die Kaufkraft verschiebt sich also von der einen Klasse zur andern Klasse. Wo aber da eine Steigerung derselben für des Inland herkommen soll, das wissen allein bie Agrarier.

Von derNot der Landwirtschafi

scheint der Reichstagspräsident, Graf Balle⸗ strem nichts zu verspüren. Er ist natürlich Großgrundbesitzer in den gesegneten schlesischen Gefilben. Seine Verhältuisse gestatteten ihm aber, zu dem Bau einer neuen Kirche in Ruda 200000 Mk. zu spenden. Also muß doch die Landwirtschaft schon bei dem gegenwärtigen Zollsatz sehr einträglich sein. Als Zentrums⸗ mann und Agrarier schreit aber der edle Graf auch mit nach höheren Zöllen.

Lehrreich zu diesem Kapitel ist auch eine Verlautbarung des Grafen Mirbach ig der konservativen Presse. Er hat im preuß. Herren⸗ hause einen trag auf Abäuderung des Er⸗ gänzungssteuergesetzes gestellt und lamen⸗ tiert darüber, daß er von seinen Gütern im Werte von zwei Millionen Mark 1000 Mt. Ergänzungssteuer bezahlen müsse, während der durchschnittliche Reinertrag der letzten acht Wirischaftsjahre nur Mk. 16793 betragen habe. Es wäre doch zunächst von Interesse, einmal zu untersuchen, wie dieser Reinertrag berechnet ist. Doch abgesehen davon, ist Jemand, der Güter im Werte von zwei Millionen besitzt uud über Mk. 16000 Einkommen hat, ein armer Mann, der wirklich Not leidet? Gleich⸗ wohl sind es aber grade diese Leute mit großem Besitz, denen in der Getreidezollerhöhung Geschenke aus den Taschen der Aermsten gemacht werden sollen.

Und Graf Mirbach steht ja nicht allein. Er wird in Bezug auf Besitz und Einkommen von zahlreichen gräflichen und fürstlichen Stan⸗ desgenossen noch bei weitem überragt. Nach einer statistischen Zusammenstellung derKöln. Volkszeitung über die Latifundien in Schlesten besitzt Fürst Guido von Donners mark, der Gefürstete vom 18. Jauuar, in Schlesien 22750 Hektar Land. Außerdem besitzt der Herr große Güter in Rußland und Galizien. Noch größer ist der schlesische Besitz einiger andererBauern: Fürst Pleß mit 46500 Hektar, Herzog von Ratibor 32750, Herzog von Ujest 35250, Graf Schaff⸗ gotsch⸗Warmbrunn 30000, Graf Ar⸗ nim⸗Muskau 31250, Herzog von Sagan 23551, Prinz Hohenlohe⸗Ingelfingen 25450, Fürst Stolberg-Wernigerode 25422 Hektar. Nun folgt das pleußische Hausfideikommiß mit 21882 Hektar, der König von Sachsen(Fürstentum Oels und Herrschaft Gutentog) 21198, Prinz Biron 15000, Fürst Carolath⸗Beuthen 14607, Graf Hugo Henckel⸗Naklo 14386, Graf Thiele⸗Winkler 13420, Herzog Günther von Schleswig 12898, Prinz Albrecht von Preußen 12612, Graf Maltzahn⸗Mielitsch 10650 Hektar. Damit sind die Besitzer von mehr als 10000 Hektar erschöpst. Der Besitz des preußischen Staats in Schlesien beträgt: der Domänenfiskus hat 23200, der Forstfiskus 159994 Hektar.

Diese Leute siud nach der agrarischen Theorie die hauptsächlichNotleidenden. Je größer der Besitz, desto größer dieNot, weil ja nach agrarischer Wissenschaft jeder Hektar nicht genug einbringt. Darum müssen die Aermsten der Armen noch etwas mehr hungern, damit diese großen Herren noch etliche Tausende mehr im Jahr verpulvern können.

Volksparteiliche Brotwucherer.

Der württembergische Landtag nahm mit 61 gegen 25 Stimmen den Antrag des Zentrums betr. die Getreidezölle an. Da⸗ gegen stimmten das Gros der Volkspar⸗ tei, die Sozialdemokraten und ein Deutschparteiler, dafür die übrigen Par⸗ teien sowie sechs Mitglieder der Volks⸗ partei. Das müssen ja sonderbare Heilige sein, die sich Volksparteiler nennen und dann den Brotwucher mitzumachen bereit sind.

Um den Kaual

tobt der Kampf im preußischen Abgeordneten⸗ hause. Die junkerliche Mehrheit sucht natürlich. unterstützt vom Centrum, die Vorlage zu Fall zu bringen. Ja, wenn sich diese Sippe bei dem Kulturwerke ein paar Hundert Millionen ergaunern könnte, wäre sie dafür zu haben!

Das Lübecker Streikposteuverbot ist rechtsungültig.

So hat das Reichsgericht entschieden und sich damit auf den Standpunkt gestellt, den die sozialdemokratischen Vertreter im Reichstage eingenommen haben. Der Senat der Freien Stadt Lübeck hatte bekauatlich eine Verordnung erlassen, welche das Postenstehen bei Ausständen unter Strafe stellte. Zweifellos steht diese Ver⸗ orduung im Widerspruch mit der Gewerbe ordnung, die im§ 152 alle Verbote und Strafbestimmungen gegen streikende Arbeiter aufhebt. Dies legte ein im vorigen Jahre im Hamburger Echo erschienener Artikel eingehend dar, und forderte zur Uebertretung der Verordnung auf, damit deren Rechtsungültigkeit gerichtlich festgestellt werde. Daraufhtn klagte die Hamburger Staatsanwaltschaft den damaligen Redakteur, Abgeordneten Nolkenbuhr, wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze an und die Strafkammer verurteilte ihn zu 100 Mk. Geldstrafe. Hiergegen legte Molken⸗ buhr Revision ein, über die das Reichsgericht am Montag verhandelte. Es sprach den An⸗ geklagten frei. In der Begründung erklärt es die Verorduung in ihrem ganzen Inhalte für ungültig. Schlietzlich weist aber das Reichs⸗ gericht die Behörden darauf hin, das Streik⸗ postenstehen im Wege der Straßenpolizeiverord⸗ nung unmöglich zu machen. Daß es damit, sagt unser Leipz ger Parteiblatt, eine Auweisung giebt, ein Recht, das von ihm selbst als ein Teil eines reichsgesetzlich garantierten Rechts bezeichnet wurde, illusorisch zu machen, sich also zu dem positiven Teil des Urteils in Wider⸗ spruch setzt, gehört so mit zu den Gepflogenheiten unserer sozialen Rechtsprechung. Diese Fest⸗ stellung kaun leicht für die gewerkschaftlichen Arbeiter eine Quelle zahlloser Polizeiplackereien werben und praktisch das Streikpostenrecht illu⸗ sorisch machen.

Was ist derhöchste Stand im Reiche?

Ein Leipziger Schöffengericht beantwortet diese Frage. Der preußische Gardelieutenant v. Kunowsky klagte nämlich wegen Beleidigung, die ihm als Erfinder einerNational⸗Stenogra⸗ phie zugefügt worden sein soll. Das Schöffen⸗ gericht verurteilte den Zeleidiger zu 100 Mk. Geldstrafe und sagt in seiner Begründung:

Trotz der ungünstigen Vermögenslage des Angeklagten habe man die Strafe hoch be⸗ messen, weil seine intensiven Angriffe sich gegen einen Angehörigen des Offiziers⸗ standes richteten, des höchsten Standes im Deutschen Reiche. Dies war straf⸗ schärfend zu berücksichtigen.

Das Leipziger Schöffengericht erklärt in wundervoller Harmlosigkeit, daß wir nicht im Rechtsstaat, souderu im Ständestaat leben, den einige Vorwitzige im Schooß vergangener Jahrhunderte versunken wähnten. Und der höchste Stand in der Offiziersstand, dessen be⸗ leidigte Ehre höhere Strafe fordert als die Ehre der niederen Stände.

Sozialistische Wahlerfolge.

Bei den Stadtverordnetenwahlen in Braun⸗ schweig siegten unsere Genossen in ber dritten Klasse in 2 Bezirken. Unter den 38 Mitgliedern der Braunschweiger Gemeindevertretung befinden sich jetzt 6 Sozialdemokraten.

Hessische Gewerbe⸗Inspektion.

Von Zentrumsabgeordneten wird bei der Zweiten Kammer beantragt, dieselbe wolle die Regierung ersuchen, die Gewerbe-Aufsicht für das Großherzogtum Hessen in der Weise zu zentralisieren, daß ein im Gewerbe⸗-Auf⸗ sichtsdienste praktisch vorgebildeter Beamte als Oberinspektor angestellt wird, welchem die ein⸗ heitliche Leitung und Durchführung des Ge⸗

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