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Gießen, Sonntag, den 10. Februar 1901.
8. Jahrg.
Nr. 6.
Meneftiov:
Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Mitteldeutsche
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Nebaktio nee Donnerstag Nachmittag?
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Bei mindestens
Kleinbauern und Getreidezölle.
Gegenüber dem Gerede der Sendboten des Bundes der Landwirte, sowie auch der antise— mitischen Mittelstandsretter, welche dem Klein⸗ bauer immer wieder weismachen wollen, daß eine Erhöhung der Getreidezölle auch in seinem Interesse liege, muß es unsere Auf⸗ gabe sein, dem Landvolke die Thatsache vor Augen zu führen, daß im Gegenteil der kleine — und auch der mittlere— Bauer nicht nur keinen Nutzen, sondern sogar Schaden von einer Zollerhöhung hat. Wir brauchen uns dabei gar nicht besonders anzustrengen, denn in weiten Kreisen der Landwirte hat sich diese Ueberzeugung längst Bahn gebrochen. Diejenigen, die selbst Hand anlegen müssen, um in harter, mühevoller Arbeit ihren paar Morgen Land wenige Doppelzentner Frucht abzuringen, merken, daß sie von den Junkeru und Hroßgrundbesitzern als Vorspann gebraucht werden sollen und lehnen es ab, in das Geschrei nach höheren Zöllen ein⸗ zustimmen. Namentlich hier in unserer Gegend zeigt sich nirgends unter der Landbevölkerung Sympathie für den Brotwucher. Das ist auch ganz natürlich. Wer kein Getreide verkaufen kann, dem nützt der höhere Zoll nichts und wenn die Preise dadurch um das Zehnfache stiegen. Dieser Erkenntnis können sich die Klein⸗ bauern je länger je weniger verschließen.
Das zeigt auch ein Bericht über die Haupt⸗ versammlung des land wirtschaftlichen Vereins in Wiedensahl, Kreis Stolzenau in Hannover. Veröffentlicht ist dieser Bericht in dem Wochenblatt des Oertchens Stolzenau und man wird dem Blättchen gewiß keine agitato⸗ rischen Entstellungskünste nachsagen können.
Dort heißt es— zweifellos zum größten Kummer der Kornzollagrarier—: Ein Redner wies auf die vom Bunde der Landwirte unter Führung der getreidebauenden ostelbischen Groß⸗ grundbesitzer erhobene Forderung der Verdoppe⸗ lung oder einer noch höheren Bemessung der Getreidezölle hin und führte aus, daß durch den Getreidezoll der Preis für Brot⸗ und Futter⸗ getreide etwa um den Zollsatz erhöht werden solle. Der Zoll betrage jetzt 3,50 Mk. für den Doppelzentner oder 87¼ Psg. für den Himten). Der Bund der Landwirte verlange, er solle mindestens auf 7 Mk., d. i. 1,75 Mk. für den Himten erhöht werden. Von dem erhöhten
Kornzoll hätten die getreidebauenden Landwirte
einen Nutzen, aber nur die, die mehr ern⸗ ten als sie verbrauchen. Deutschland habe etwa 5 ½ Millionen landwirtschaftliche Betriebe, von denen 4¼ Millionen unter 20 Morgen bleiben, etwa eine Million habe die Größe von 20 bis 80 Morgen, und nur 307000 gingen darüber hinaus. Von den landwirtschaftlichen Betrieben unter 20 Morgen werde keiner einen Nutzen von erhöhten Zöllen haben, von den Landwirten, die 20 bis 80 Morgen bebauen, nur etliche. Es blieben mithin in der Haupt⸗ sache nur die 307000 Großbetriebe. Ihr Profit werde mit der Größe der bebauten Fläche steigen. Den Schaden von erhöhten Kornzöllen hätten dagegen alle, die ihr Brodkorn kaufen
) 1 Himten= 31,15 Liter.
müssen. Auch der Viehzüchter habe Nach— teil von erhöhten Getreidezöllen, weil dadurch auch das Futterkorn verteuert würde. Zwar solle auch von Erzeugnissen der Viehzucht Zoll erhoben werden, ob aber diese dadurch ebenso im Preise steigen werden als das Getreide, sei sehr fraglich. Keinenfalls habe der Viehzüchter Nutzen. Er müsse vielmehr befürchten, daß durch den Minderverbrauch an Fleisch, Butter und Eier sein Produkt im Preise falle. Viele Viehzüchter würden zum reinen Getreidebau zurückkehren, weil der Verkauf von Getreide vielleicht einen höheren Nutzen abwerfe als der⸗ jenige von Erzeugnissen der Viehzucht.„Wir wollen aber nicht von einer höheren Kulturstufe zu einer niederen zurückkehren, umsomehr, weil alsdann auch der Landbau leiden wird“, so schloß der bäuerliche Redner.„Nur der Vieh⸗ züchter vermag eine zweckmäßige, regelrechte Fruchtfolge inne zu halten, wodurch hauptsächlich unser Acker lohnendere Erträge abwirft. Des⸗ halb müssen wir gegen eine Erhöhung der Ge⸗ treidezölle sein. Wir sind es auch, weil es unserem sozialen Gefühl widerstrebt, daß dem Besitzer großer Güter ungezählte Millionen in den Schoß geworfen werden, und zwar derart, daß er desto mehr erhält, je größer sein Gut ist, und daß diese Summen zum größten Teile aufgebracht werden müssen von denen, die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft.“
Dem Vortrage folgte eine lebhafte Debatte; die gegnerischen Ausführungen blieben aber ohne wesentlichen Eindruck. Gegen eine zum Schluß vom Referenten eingebrachte und von der Versammlung angenommene Resolution waren nur drei Stimmen. Die Resolution hatte folgenden Wortlaut:„Der landwirtschaft⸗ liche Verein Wiedensahl wünscht, daß der Korn⸗ zoll in gegenwärtiger Höhe bestehen bleibt, er⸗ klärt sich aber gegen jede weitere Er⸗ höhung.“
Es ist zu erwarten, das diese Stimme nicht vereinzelt bleibt, sondern in andern Kleinbauern⸗ kreisen Echo finden wird. Natürlich werden aber die Wucherzöllner die unbequeme Oppo⸗ sition im eigenen Lager totschweigen.
Desto mehr sind wir verpflichtet, die Köpfe zu erhellen, die Bevölkerung über die wirklichen Verhältnisse aufzuklären. Die Regierung kann nun und nimmer riskieren, gegen den klaren und bestimmten Willen des Volkes den Getreide⸗ zoll zu erhöhen.— Wehrt sich das Volk nicht, bleibt es unthätig gegenüber den agrarischen Raubgelüsten, so bekommt es den Zoll, den es verdient. Wird aber dann ein beträchtlicher Teil der kleinen Einkommen vom Brotzoll auf⸗ gefressen, die Lebenshaltung der großen Masse verschlechtert, stockt Handel und Wandel infolge einer verfehlten Handelspolitik, dann dürfen wir jene da oben nicht schelten, die zu ihrem Vor⸗ teil rafften, wo sie raffen konnten. Das Volk ist selbst schuld daran und anzuklagen! Und jeder Einzelne, den diese Zeit nicht zum Kämpfer und zum Agitator gemacht hat, wird vor seinen Kindern erröten müssen, wenn sie ihn fragen, wie das gekommen ist, wie es kommen konnte, kommen durfte. Es ist eine schicksalsschwere Zeit, es ist eine Prüfung unserer politischen Reife. Thue deshalb ein Jeder seine Pflicht!
Politische Rundschau.
Gießen, den 7. Februar.
Christliche Verleumder der Sozial⸗ demokratie.
Bei der vorjährigen Gewerbegerichtswahl in Kalk bei Köln wurden von Seiten des christ⸗ lichen Wahlkomitees Flugblätter verbreitet, in denen die Kandidaten der Freien Gewerkschaften und die sozialdemokratische Partei in unerhörter, unglaublich niedriger Weise beschimpft wurden. Die Beleidigten stellten Strafantrag und das Schöffengericht in Köln verurteilte fünf Mit⸗ glieder des christlichen Wahlkomitees zu je 50 Mk. Geldstrafe. In diesem Prozesse gelang es, als Verfasser der verleumderischen Flugblätter den Kaplan Ziellessen zu entlarven. Um nun der ihm drohenden gerichtlichen Bestrafung zu entgehen, mußte der Verleumder einen Vergleich eingehen, wonach er unter Uebernahme sämtlicher Kosten in drei dortigen Zeitungen folgende Ab—⸗
bitte leistet: Erklärung. g
Bei der vorjährigen Gewerbegerichtswahl in Kalk sind gegen die freien Gewerkschaften Flugblätter verbreitet worden, worin sich folgende Stellen fanden:
Christliche Arbeiter, Ihr seit vor die Wahl gestellt, wollt Ihr den Enkel eines Affen nach Mühlheim ins Gewerbegericht schicken oder einen Christlichen, der auf seine Menschenwürde hält.
Der Beisitzer am Gewerbegericht muß schwören, daß er nach bestem Wissen und Ge⸗ wissen urteile und richte. Wenn ein Sozial⸗ demokrat den Schwur leistet, so ist es nur etwas Aeußerliches, aber kein Schwur, auf den Ihr Euch verlassen könnt...
Umstürzler, Revolutionäre, blutdürstige Mordbuben sind die Sozialdemokraten; wollt Ihr die Kandidaten blutdürstender Revo⸗ lution wählen? 1
Gebt den Sozialdemokraten die richtige Antwort, keine Stimme für die Liebhaber stinkender Schweinereien.. 115
Alljährlich werden von zwei Millionen deutscher Arbeiter zehn Millionen Mark auf⸗ gebracht, und was geschieht damit? 50 Führer erhalten je Mk. 10000, 300 je 5000, 500 je 3000 usw. Das, deutsche Arbeiter, geschieht mit Eurem Gelde, und da hat die Sozial⸗ demokratie die Unverfrorenheit, sich Arbeiter— partei zu nennen. Weg, Ihr Schmarotzer und Aussauger der Arbeiter. ö f
Was sind die Sozialdemokraten in Kalk? Berufsmäßige Verbreiter von Verdächtigungen und Unwahrheiten?.. f
Der„Vorwärts“, die Hauptzeitung der Sozialdemokraten schreibt:
„Und haut man die entmenschte Brut
Millionenfach zu Brei,.
Daß Henkersblut zum Himmel spritzt,
Dann bin ich auch dabei“... i
Ein 1890 in Köln erschienenes Flugblatt bekennt:.
„Die Schranken, die gezogen, müssen fallen,
Durch Blut und Trümmer laßt zum Ziel
uns wallen,
Und selbst den Mord nicht scheuen, wenn's
von Nöten.“


