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MitteldeutscheSountags⸗Zeitung.
traurige sein.— Der Wahrspruch der Geschworenen autete auf Schuldig ohne Zubilligung mildernder Um⸗ stände. Er wurde zu drei Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehtenrechte auf fünf Jahre verurteilt.— Die Verhandlung am Dienstag richtete sich gegen den Dienstknecht Chr. Dörr wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes, Diebstahl und Sachbeschädigung. Der Angeklagte war bei dem Kauf⸗ mann Sternheim in Bad Nauheim in Dienst gewesen, dort aber am 29. März wegen verschiedener Diebstähle entlassen worden. Jedenfalls in Aufregung darüber, lärmte er von dem Anwesen feines bisherigen Arbeit⸗ gebers; vorher hatte er verschiedene Wirtschaften besucht. Schließlich legte er ein Wagenrad auf das Eise n⸗ bahngeleise der Strecke Frankfurt Gießen. Die Ent⸗ gleisung des bald darauf die Stelle passierenden Per⸗ sonenzuges war nur dadurch verhütet worden, daß sich das Rad in fast unerklärlicherweise unter der Maschine festgekeilt und so schwebend über den Schienen getragen wurde. Dörr wurde sofort als der Thäter ertappt. Die Geschworenen bejahen die Schuldfrage. Der viel⸗ fach vorbestrafte Angeklagte wird darauf zu 5 Jahren Zuchthaus, 10 jährigem Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
Am Mittwoch wurde der wegen Brandstiftung angeklagte 53 jährige Wagner Phil. Loth aus Nieder⸗ ohmen freigesprochen.
— Der hier wegen des Raubmordes in Kloppenheim in Untersuchungshaft befindliche Georg Ermer aus Schirmitz hat, wie berichtet wird, den Raubmord eingestanden. Ueber diese Sache verhandelt das Schwurgericht am 10. Juni.
— Zur Beteiligung am Heuchel⸗ heimer Fest des Arbeiterbildungsvereins ver⸗ sammeln sich die Gießener Genossen Sonntag Mittag auf der Pulvermühle. Unsere Freunde wollen sich pünktlich einfinden, da⸗ mit spätestens ½2 Uhr der Abmarsch erfolgen kann. In dem Programm tritt bei ungünstigem Wetter keine Veränderung ein.
Schwer gekränkt haben wir den Redakteur der„Gieß. Neuesten Nachrichten“, der sich hier vor unseren Augen in wenigen Wochen vom „absolut Unparteiischen“ zum Sozialistenfresser erster Güte durchmauserte und der, seit er von uns zum Fallenlassen seiner unparteiischen Maske genötigt wurde, die Sozialistenvernichtung in einer Art betreibt, die den Neid aller kapi⸗ talistischen Soldschreiber einschließlich Schwein⸗ burgs erregen muß. Wir haben in der letzten Nummer die frühere Behauptung der„G. N. N.“, Herr H. sei in Lichterfelde Magistrats mitglied gewesen, als Flunkerei erklärt und weiter be⸗ hauptet, er sei in seinem Lichterfelder Blättchen für agrarische Interessen eingetreten. Das be⸗ streitet Herr H. und verlangt, daß wir diese Behauptungen zurücknehmen, andernfalls müßte er den Genossen Krumm— der damit gar nichts zu thun hat—„für einen Lumpen in Folio erklären.“ Ob H. Magistratsmitglied war, tann uns ja im Grund fürchterlich gleich⸗ gültig 5 Auch wenn er Minister gewesen wäre, so würde unser Urteil über ihn dadurch nicht weiter beeinflußt. Das kommt von unserem geringen Respekt vor der„Autorität“. Auch wenn er für agrarische Interessen schrieb, kann's uns kalt lassen— wir haben ja hier seine Gesinnungstüchtigkeit genügend kennen gelernt. Diese Mitteilungen gingen uns von vertrauens⸗ würdiger Seite gelegentlich zu und wir ver⸗
endeten sie mit zur Charakterzeichnung des istenvernichters. Sollten weitere Er⸗
12 gungen deren Unrichtigkeit er⸗ geben, so nehmen wir sie ohne jede Einschränkung zurück. Wir wollen nichts Unwahres behaupten. Wahrheit ist unsere Waffe. Wir befinden uns damit im Gegensatz zu den Sozialisten⸗ tötern aller Zeiten von Pindter und Hammer⸗ stein an bis Schweinburg und Hoppstädter, die im Laufe der Jahre Millionen bewußte Lügen über die Sozialdemokratie verbreiteten. Mit der Mär vom„Teilen“, der„freien Liebe“ ꝛc. stehen die Hoppstädterschen Behaup⸗ tungen von den„gewerbsmäßigen Hetzern“ auf gleicher Stufe. Noch eins. Aeußerungen unseres Blattes schiebt er schimpfend dem Genossen Krumm unter. Das geschieht wider besseres Wissen. Die G. N. N.“ wissen, daß K. weder Besitzer der Mitfeld. S.⸗Ztg. ist, noch daß ihm mehr E. fluß darauf zusteht als jedem Genossen. Wr sind in der Lage, den G. N. N. aus ihren Nummern der letzten Wochen noch Dutzende
bewußter Lügen nachzuweisen. Danach müssen wir es Herrn H. überlassen, sich in Konsequenz seiner Grundsätze als einen Lumpen in Groß⸗Folio zu betrachten.— Daß Herr H., der in jeder Nummer unsere Partei aufs niedrigste verleumdet, sich über Schimpfen un⸗ sererseits beklagt, daß der unser Blatt als „Organ für Volksverrohung“ bezeichnet, der die Kolonialbestie Peters als vorzüglichen Menschen hinstellt und der die Hunnenthaten verteidigt, wollen wir nur nebenbei zur Er⸗ heiterung unserer Leser hinzufügen.
Heuchelheim.
n. Auf das Stiftungsfest des Arbeiter⸗ bildungsvereins in Heuchelheim machen wir nochmals aufmerksam. Es wird alles aufge⸗ boten werden, um unsere Gäste zufrieden zu stellen. Genosse Dr. David wird die Fest⸗ rede halten. Damit die Aufstellung des Zuges rechtzeitig erfolgen kann, ersuchen wir die Vereine und Gewerkschaften, die sich am Festzug beteiligen wollen, spätestens um 2 Uhr zur Stelle zu zu sein. Alle Genossen, Gewerkschaftsmitglieder und Freunde unserer Sache sind natürlich herzlich eingeladen und werden um recht zahl⸗ reiche Betetligung gebeten.
Wetzlar.
n. ee en gros wird in der„Mechanischen Werkstätte“ von Chr. Kremp betrieben. Nicht weniger als 10 Lehr- jungen bevölkern nebst ganzen zwei Gehülfen die Werkstelle. Der Herr Chef vereinbart mit seinen angehenden Kunstjüngern Kontrakte, deren Schönheiten erst später mehr hervortreten; drum thun die Eltern gut, sich dieselben vor⸗ her genauer anzusehen. Wir wenigsteus halten es für unsere Pflicht, ste darauf aufmerksam zu machen, um sie vor Schaden zu bewahren. Unter Anderem verspricht Herr Kr. laut Kon⸗ trakt, den jungen Leuten im 1. Jahre 1 Mk., im 2. zwei Mk. und dann drei Mk. wöchent⸗ lich Taschengeld zu gewähren. Das ist aber ein„freiwilliges Geschenk“ und wird dem Lehr⸗ ling wieder entzogen, wenn der Geschäftsinhaber nicht mit ihm zufrieden ist. Es liegt nahe, daß es den Lehrling manchmal schwer fallen mag, die Zufriedenheit des Meisters zu erwerben. Entschieden zu verurteilen ist aber die Praxis des Herrn K., für mangelhafte oder mißlungene Arbeit von den Jungen Schadenersatz zu verlangen. Wenn die Eltern solchen nicht leisten können, wird unter Umständen der Lehr⸗ ling ee Das ist wirklich stark. Wir meinen, jeder Handwerker hat in seinen Lehr⸗ jahren Arbeiten verpfuscht; wo sollte es hin⸗ führen, wenn dann jeder Lehrmeister in dieser Weise vorgehen wollte.
th. Vorige Woche tagte hier die General⸗ versammlung des land wirtschaftlichen Vereins, an welche sich die der Herdbuch⸗ gesellschaft anschloß. Dann folgte ein solennes Festessen, bei welchem nach dem Berichte des „Wetzl. Anz.“ mehr Reden geschwungen wurden, als bei den vorhergegangenen beiden General- versammlungen. Als Redner traten auf der Herr Landrat, Direktor Schlabach, Bürger⸗ meister v. Zengen etc. Manches wurde da ge⸗ sagt, was mit den Thatsachen nicht ganz über⸗ einstimmt und der Kritik durchaus nicht Stand hält. Bemerkenswert ist eine Mitteilung des Vorsitzenden, wonach der Verein im Hinblick auf die Dienstbotennot eine Prämie von 50 Mk. für solche Dienstboten auswirft, die 20 Jahre in einer Arbeitsstelle aushielten. Für alljährige Prämitrung der Bullen hingegen wurden 250 Mk. vorgeschen. Jeder wahre Freund unserer vaterländischen Land⸗ wirtschaft und Viehzucht wird das Verhältniß der Prämien für Bullen und der für Dienst⸗ boten als ein durchaus günstiges bezeichnen müssen.— Bei den Tischreden leisteten sich einzelne Herren Sätze, die sich bei Lichte be⸗ sehen, etwas korrigieren müßten. So kam der Herr Landrat auf den verunglückten Kreuzzug zu sprechen und meinte, unsere Truppen hatten „trotz der Ausstreuungen einer gewissenlossen Presse“ uns alle Ehre gemacht. Das ist nun zwar nicht die Meinung aller Deutschen;
wenn der Herr Landrat aber mit den„Aus streuungen“ die„Hunnenbriefe“ im Auge hatte,
dann muß er sein Amtsblatt, den„Wetz⸗ larer Anz.“ mit zu„ge wissenlosen
Presse“ rechnen, denn der veröffentlichte mit
Stolz einen der ersten Hunnenbriefe. Auch die Behauptung, daß der Kaiser für die agrarischen Zollforderungen sei, ist ziemlich ge⸗ wagt, kommt doch von ihm das Wort„Brot⸗ wucher“!— Herr Bürgermeister v. Zengen zitierte dann noch deu geistreichen Spruch: „Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt.“ Zum Glück forderte ihn niemand auf, den Satz zu beweisen, sonst wäre der Herr in arge Verlegenheit gekommen.
Aufgewärmtes.
Vor vier Wochen erschien in der Marburger „Hessischen Landeszeitung“ ein Leitartikel des Nationalsozialen E. G. Bauernfreund, „Konservative und sozialdemokratische Staats⸗ klugheit“ betitelt. Darin wird unserer Partei zum soundsovielten Male gesagt, daß sie doch eine elende, stü m mperhafte, verrückte Politik treibt, daß wir überhaupt von Politik nichts verstünden. Dem staatsklugen Herrn
Bauernfreund,„kribbelt es in den Fingern“,
wenn er sieht, wie wir mit unserer„saudummen“ — wie der Schwab sagen würde— Politik immer leidlich vorwärts kommen, während die doch so überaus kluge nationalsoziale Politik die Naumänner nicht vom Flecke bringen will. Darum sagt er der Sozialdemokratie, doch endlich vernünftig zu sein und mehr Flotten, Kanonen, Soldaten zu bewilligen, als die Re⸗ gierung verlangt, um dadurch„Volksrechte“ einzutauschen. Sicher hat dieser Artikel auf die verstockten Sozialdemokraten starken Ein⸗ druck gemacht; gewiß hat die Parteileitung schon eine Aenderung der Taktik im Sinne der Natinalsozialen erwogen. Gute Vorsätze halten aber nicht lange vor; man muß das Eisen schmieden, so lange es warm ist— deshalb giebt die„Hess. Laudeszeitung“ geuau den⸗ selben Leitartikel vier Wochen später nochmals in ihrer Nr. 131 zum Besten, um der Sozialdemokratie in's Gewissen zu reden. Wir finden das sehr probat. Wir raten der „Hessischen Landesztg.“ diesen Artikel, der ihr so gut gefällt, noch öfter, wenns nötig ist, ein paarmal die Woche zu bringen, er wird dann seine Wirkung nicht verfehlen. Die Sozial⸗ demokraten laufen in Massen zu den National⸗ sozialen, Naumann kommt endlich in den Reichs⸗ tag, die Sozialdemokratie ist„aogeiöst“; Bebel, Singer, Kautsky ꝛc. köunen blau pfeifen. Also los, schreibt und schwätzt die Umsturzpartei tot!
Auch ein Kämpfer für Ordnunng und Sitte. O Eine„Futterlieferungsanstalt“ (Korrespondenzbureau) für Centrums⸗ und „unparteiische“ Blätter der Rheinprovinz
thut sich in letzter Zeit durch eine besonders“
rohe und gehässige veschimpfung der Arbeiter
hervor. Der Leiter dieses Blattchens ist ein
Herr Hermann Bauer in Bonn. Wie nun der„Vorwärts“ berichtet, bezieht dieser Herr vom Bunde der Landwirte jährlich
2000 Mk. Subventioa und für diese Summe müht sich nun Herr Bauer im Schweiße seines Angestchts ab,„Material“ zur Bekämpfung
der Sozialdemokratie, aber auch der ch rist⸗ liichen Arbeitervereine zu erbringen. Alle diese Journalisten, die so in besonders auf dringlicher Weise ihre Fähigkeit zum Beschimpfen der Arbeiter beweisen, und in⸗
brünstig die heiligsten Güter der Ration? zu schützen vorgeben, sind meist Hörige einer
kapttalistischen Interessengruppe. Ein schauderhaftes Familiendrama
hat sich am Montag in Frankfurt abgespielt.
Der dort im Hause Neuhofstraße 15 wohnende Warenagent Valentin Ehrmann tötete sich und seine aus Frau und 3 Söhnen bestehende Familie mittels Leuchtgases. Ehrmann saß
auf einem Stuhle, als man am Montag früh die Wohnung erbrach, weil sich von der Familie niemand sehen ließ und sich ein intensiver Gas⸗
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Der Klosl
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