Ausgabe 
9.6.1901
 
Einzelbild herunterladen

mer noch dauernß die Koh. le Heere. eben Felh. rohrlief⸗ ingsfähig orden, der 9. Den onkurrenz , welche k. anbot, h bon den ermäßigt bei der der Ge⸗

ihrohr hal irma einen F ergattern 300⁰ Ole n beinahe man noch on in den Verdient der Reichs atriotischen et ansehen, berfehlen em Reiche preise di omehr, de Thatsachen

beit.

die Schl abenpolül usbeutach Zille nul Wie abe len Atlel Ostpreußeh r Nubkül ihrer dan sind N Sie 0 fte bu det t auf U

Nr. 28.

Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 3.

das nicht mehr als menschenwürdig bezeichnet werden kann. Von ordnungsmäßigen Woh⸗ nungen ist natürlich nicht zu reden und die tagtägliche Nahrung der Leute besteht fast nur aus trockenem Brot und dem berühmten Mac⸗ caroni. Auf diese Art können sie mit höchstens einer Mark pro Tag ihren Lebensunterhalt be⸗ streiten, sparen sogar bei Löhnen von 26 bis 28 Pfennigen die Stunde noch Geld, das sie nach ihrer Heimat senden. Sobald Italiener zugereist kommen, werden sie eingestellt, während deutsche Arbeiter wochenlang ohne Beschäftigung sind. Und dabei zweifeln deutsche Arbeiter immer noch an dervaterländischen Gesinnung unserer Kapitalisten! Und nur vaterlandslose Nörgler können geringschätzig über die Fürsorge der Regierung für die Arbeiterschaft denken!

Sehnsucht nach Ausnahmegesetzen.

Von großen und kleinen Scharfmachern, den Schweinburg und Konsorten wird in letzter Zeit unter Hinweis auf den Bremer Vorfall der Erlaß eines Aus nahmegesetzes gegen die Anarchisten lebhaft befürwortet. Natürlich handelt es sich dabei weniger darum, anarchistische Attentate zu verhüten, sondern es kommt den Ordnungsleuten darauf an, die Sozial⸗ demokratie nach den bekannten, aber nicht be⸗ währten Rezeptzu vernichten und damit die Arbeiterschaft zu knebeln und unterdrücken. Die Anarchisten wirkliche und vermeintliche haben durch ihre Streiche und Thorheiten den Gewaltpolitikern bewußt und und unbewußt soviel Dienste erwiesen, daß diese es mit der Bekämpfung des Anarchismus kaum ernst meinen können.Most ist mir viel lieber als Sie! rief der verflossene Polizeiminister Putkamer unserem Genosse Bebel bei einer Sozialistengesetzdebatte zu, womit er sicher seine innerste Ueberzeugung ausgesprochen batte. Das tolle Geschrei der Ausnahmegesetzlüsternen fehlen aber vorläufig noch seine Wirkung ver⸗ ehlen.

Kann ein Christ Sozialdemokrat sein?

Ueber dieses Thema sprach der ehemalige Hofprediger Stöcker auf der sechsten kirchlich⸗ sozialen Konferenz, die vor wenigen Tagen in Stuttgart stattgefunden hat. Natürlich verneinte er die Frage. Zuerst suchte er sie möglichst objektiv zu behandeln. Man könne sie nicht ohne Weiteres in ablehnendem Sinne be⸗ antworten. Es sei nicht denkbar, daß die Sozialdemokratie zurückgehen oder gar von der Bildfläche verschwinden werde. In dem gesamten gedruckten Programm der Sozial⸗ demokratie stehe nichts, was einen ehrlichen Christen, sofern er sich zur Sozialdemokratie rechnet, unmittelbar v. anlassen müßte, dieser Partet den Rücken zu kehren. An und für sich sei es nicht unchristlich, eine andere Staatsform zu wünschen. Auch die Bestrebungen der Sozialdemokratie bezüglich der Auswüchse des Kapitalismus seien vom christlichen Stand⸗ punkt aus nicht zu verwerfen. Im Gegenteil, es müsse den Regierungen und den sogenannten bürgerlichen Parteien zum Vorwurf gemacht werden, daß ste sich erst durch das drohende schenb Ungewitter auf das Gebie der vorher⸗ ehenden und vorbeugenden u litik drängen lassen mußten. Aber nun kam das Aber das thatsächliche Verhalten der Sozialdemo⸗ kratie stehe mit ihrem Programm im Wider⸗ spruch. Es sei diktiert von Klassenhaß, es sei eine Aufhetzung der Arbeiterklassen und eine Abwendung derselben von Obrigkeit, Gesetz und Vaterland. Die Sozialdemokratie wage zu behaupten, es gebe keine geistigen Antriebe im menschlichen Leben, alle Erscheinungen seien im letzten Grunde auf wirtschaftliche, materialistische Ursachen zurückzuführen. Ein denkender Christ könne unmöglich zugeben, daß bei allen großen Errungenschaften und Fortschritten ideale, sitt⸗ liche oder religiöse Beweggründe nicht mitge⸗ wirkt hätten. Ein bewußter Christ könne also nicht zugleich auch ein bewußter Sozial⸗ demokrat sein. Soll die Sozialdemokratie überwunden werden, so kann das nur von innen heraus geschehen, durcheine große

Volksbuße und Volkserneuerung und durch die Rückkehr zu einem lebendigen, thatkräftigen Christentum und durch christliche Nächstenliebe im großen Stil. In der Debatte trat nun der Konsistorialrat a. D. Frank⸗Danzig auf, der den Frommen schon einmal durch einen Vortrag über dasselbe Thema anrüchig geworden ist, und sagte: Das Programm der Sozial⸗ demokratie könne nicht christentumsfeind⸗ lich aufgefaßt werden. Die Forderungen der Sozial demokratie bezüglich eines maßlos ge⸗ häuften Reichtums und einer grenzenlosen Armut seien auch die Forderungen des Christentums, ebenso die weitere Forderung, daß der Arbeiter nicht als eine Sache oder käufliche Ware, sondern als ein Mensch mit einer unsterblichen Seele gewürdigt werden soll. Daß die Weltanschauung der Sozialdemokratie eine materialistische set, sei wohl richtig; aber es gehöre doch ein unge⸗ heuerer Glaube dazu, um angesichts der Vor⸗ gänge in Südafrika und anderer an der Ueber⸗ zeugung von der göttlichen Vorsehung festzu halten. Die Sozialdemokratie stelle sich in einen scharfen Gegensatz zu der gegenwärtigen Staatsordnung und der Kirche, nicht aber zum Christentum. Die Regierung, die Parteien und auch die Kirche seien in erschreckendem Maße der Herrschaft des Kapitalismus verfallen. Wir haben diesem treffenden Urteil nichts hinzuzufügen.

Ende des Kreuzzuges.

Mit der Beendigung des chinesischen Kon fliktes wird nun endlich ernst gemacht. Am 31. Mat erschien im Reichsanzeiger der von Urville 17. Mat datierte kaiserliche Erlaß, der die Auflösung des Expeditionskorps und des Armeeoberkommandos anordnet. Eine Brigade soll noch zuBesatzungszwecken in China ver⸗ bleiben.

So rüsten sich denn die Kreuzfahrer zur Heimreise. Die Abreise des Weltgenerals aus Peking ist bereits erfolgt. Natürlich ging das nicht ohne eine große Parade derverbündeten Truppen zur Abschiedsfeier ab. Es gab Salutschießerei, Musik, Aoschiedsdieners, Reden, Toaste und gegenseitige Anhocherei. Ober leutnant Rauch aber bleibt noch in Peking, um seiner Zeit den Prinzen Tschin nach Berlin zu begleiten, wo dieserdas Bedauern des Kaisers von China über die Ermordung des deutschen Gesandten aussprechen soll.

Als Entschädigung sind dem deutschen Reiche von China 240 Millionen Markfeierlich zugesichert. Ob und wann die Summe bezahlt wird, bleibt natürlich der Zukunft überlassen, vorläufig steht sie noch auf dem Papier.

Eine andereAbschiedsfeier, die das un⸗ getrübte Einvernehmen derverbündeten Mächte prächtia verbildlicht, wird gleichzeitig vom Tele⸗

rape berbreitet. Danach töteten die

alliser Füsiltere, die Polizeidienste ver⸗ richteten, bei einem Krawall in der etwas be⸗ rüchtigten Takustraße in Tientsin am Sonntag Abend einen französischen Soldaten und verwundeten drei, außerdem fünf Deutsche. Vier Walliser Füsiliere und ein Japaner wurden leicht verwundet. Die Ur⸗ sache zu diesem letzten Auftreten dereuropäi⸗ schen Mächte auf der Weltbühne war der Sturm französischer Soldaten auf ein Haus, in dem sie Chinesinnen suchten, was die Eng⸗ länder verhindern wollten. Infolge dieses eee der Kulturverbreiter unter- einander mußte Waldersee seine Abreise noch verschieben, um erst den nicht sauberen Handel zu schlichten.

Krieg in Südafrika.

Präsident Krüger richtete an die Re⸗ gierungen von Rußland und Frankreich die Bitte, seinen Antrag auf Ueberweisung der südafrikanischen Angelegenheiten an das inter nationale Schiedsgericht zu unterstützen. Dr. Leyds wird in dieser Sache sich demnächst nach Paris und Petersburg begeben.

Durch Wegnahme der Eisenbahnzüge sollen Dewet ganz erhebliche Geldbeträge in die Hände gefallen sein. Bis Neujahr hätten sich

diese Summen schon auf 10 Mill. Mark be⸗ laufen! Alles Verstecken half nichts; ob die Engländer Granaten oder Kanonen mit den Souvereigns geladen hatten oder diese in Kisten oder Kasten bargen, Dewet fand sie immer und verteilte den größten Teil unter seine Leute.

Schwere Verluste erlitten die Engländer nach einer Meldung Lord Kitcheners vom 30. Mai. Danach wurde am 29. die Streit⸗ macht des Generals Dixon in Vlakfontein von den Truppen Delareys angegriffen. Nach heftigem Kampfe wurde der Feind mit schweren Verlusten zurückgeschlagen und ließ 35 Tote zurück. Kitchener sagt: Zu meinem Bedauern sind auch die britischen Verluste schwer. Sie betragen 174 Tote und Verwundete, darunter vier Offiziere tot. Wenn der edle Kitchener selbst die britischen Verluste viel höher beziffert, als die der Buren, scheinen auch hier die Eng⸗ länder sehr schlecht abgeschnitten zu haben. Die Verluste der Buren sind infolge des energischen Sturmangriffes ebenfalls stark.

Eine weitere englische Schlappe bedeutet die Uebergabe von Jamestown(Kapkolonte) an die Buren am 2. Juni. Letztere überwältigten unter Kruitzinger die Stadtwache und die städtischen Freiwilligen nach lebhaftem Kampfe. Viele Vorräte stielen den Buren in die Hände.

In Johannesburg streikten die Berg⸗ arbeiter.

5 2 f d Fer on Aah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Ueber Stellung unter Polizeiaufsicht

hat das hessische Justizministerium neue Be⸗ stimmungen herausgegeben. Danach soll diese Maßregel nur dann zur Auwendung kommen, wenn die begründete Befürchtung besteht, daß der Verurteilte seine wiedererlangte Freiheit in gemeingefährlicher Weise mißbrauchen werde. Ferner verfügt das Ministerium, daß dem Vernrteilten eine geordnete Thätigkeit nicht erschwert werden solle; so z. B. soll das Er⸗ kundigen nach ihm durch Polizeibeamte mög⸗ lichst vermieden werden. Wir finden 5 Bestimmungen sehr angebracht. Es* 1 oft vorgekommen, daß Verurteilt aAulit vieler Mühe endlich eine ite zelle erhalten hatten, sie durch die der Polizei wieder verloren haben. Es nicht zum wenigsten dem Auftreten uner Thätigkeit der sozial⸗ demokrat!s ea Fraktion im hessischen Lan dtag zu danken, wenn in Hessen in Ver⸗ waltung und Justiz allmählich humanere Grund⸗ sätze bethätigt werden.

Ausschank geistiger Getränke während des Gottesdienstes

ist in den hessischen Landgemeinden und auch in manchen preußischen Orten an Einheimische untersagt. In Hessen stützt sich das Verbot auf§ 228 des alten hessischen Polizeistrakgesetzes. Wegen Beseitigung dieser veralteten Bestim mung, die thatsächlich eine nicht geringe Belästig ung der Wirte wie auch der Gäste darstellt, wurde neulich eine Deputation von Gastwirten bei dem Minister des Innern, Rothe, vorstellig. Der Herr Minister erklärte, die Kreisämter würden angewiesen, die Ortsbehörde und Gen⸗ darmen dahin zu instruteren, daß ste keine Anzeigen mehr auf Grund dieser Bestimmung machen sollten.

Gießener Angelegenheiten.

Schwurgericht. Die zweite Schwurgerichtsperiode für die Provinz Oberhessen begann mit der Sitzung am Montag, in welcher gegen den Maurer Dietrich aus Kleinkarben wegen Brandstiftung verhandelt wurde. Präsident des Gerichtshofes ist Landgerichtsrat Schmeckenbecher, die A u klage vertritt Ober⸗Staatsanwalt Dr. Güngerich. Der Angeklagte, der unter sehr zer⸗ rütteten Familtenverhältnissen lebt, steckte einen in der Nähe seines Wohnortes befindlichen Strohhaufen in Brand, wie es scheint, nur, um in's Zuchthaus zu kommen und damit der Sorge für seine Familie enthoben zu sein. Wenn der Angeklagte aus solchen Motlve die That beging, so müssen seine Berhältnisse überaus