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Mitteldeutsche Sountags- Zeitung.
das Amtszimmer der Gewerbeinspektion kommen, sondern auch die beschwerdeführenden Arbeiter selbst. Aus den Erörterungen mit den Arbeiter aber gehe hervor, daß wobl die männlich en Arbeiter, besonders die organi⸗ silerten, das rechte Verständneis für die Gewerbe⸗ aufsicht zeigen, die Arbeiterinnen verhielten sich in⸗ deß noch in ihrer Mehrheit teilnahmslos. Die Be⸗ mühungen der Assistentin, die Arbeiterinnen für sie be⸗ rührende Fragen zu interessieren, hätten keinen Erfolg gezeitigt.
Herr Inspektor Engeln, der bisherige Gießener Beamte, hat ebenfalls gefunden, daß der bisherige Ver⸗ kehr der Arbeiter mit den Aufsichtsorganen entschieden erleichtert und gefördert werde, wenn die Arbelter organtisiert sind. Herr Engeln, der seit ersten Mai Gießen verlassen hat unb jetzt dem Inspektionsbezirke Worms vorsteht, leilt weiter mit, daß in Gießen dle organisterten Arbeiter beschlossen haben den Gewerbe⸗ inspektor zu den Versammlungen, in denen Mißstände in den Gewerbebetrieben und sonst mit der Gewerbe⸗ aufsicht zusammenhängende Dinge besprochen werden sollen, einzuladen. Das ist bekanntlich elnigemale geschehen. Auch hielt derselbe Beamte in Gewerkschafts ver— sammlungen etliche Vorträge, die sich in dieser Richtung bewegten.— In Offenbach hat das Gewerkschafts⸗ kartell Vertrauensleute gewählt, die Beschwerden von Arbeltern entgegenzunehmen und dem Inspektor zu über⸗ mitteln haben. Diese Beschwerden zeichnen sich durch Sachlichkeit aus; es set anzunehmen, daß dleselben, bevor sie den Beamten vorgetragen werden, von den Vertrauensleuten erst einer Prüfung auf ihre Richtig⸗ kelt unterzogen würden. Auch das Arbeitersekre⸗ tarkat in Darmstadt hat, wie in dem Bericht er— wähnt, sich mit Erfolg als Mittelsperson zwischen Arbeltern und Gewerbeinspektion bewährt.
Das bewelst wieder, welche nützliche Tbätigkeit die Leute ausüben, die von den reaktionären Soldschreibern als„gewissenlose Hetzer“ verdächtigt werden,
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Politische Rundschau. Gießen, den 6. Juni.
Eine Zollkonferenz
— diese Woche in Berlin unter Vorsitz des eichskanzlers statt. Fast alle Finanzminister der Bundesstaaten beteiligten sich daran. Das dort Ausgeheckte ist noch nicht bekannt, weil die Geheimhaltung der Beschlüsse festgelegt wurde. Dazu werden die Herren auch allen Grund haben.
Mißernte und Getreidezölle.
Für Deutschland steht in diesem Jahre eine Mißernte bevor. Der Saatenstand im Deutschen Reich ist so schlecht, wie es seit einer langen Reihe von Jahren nicht der Fall gewesen; die Wlutersaaten sind größtenteils
anz vernichtet und der ohnedies ärmere Osten ist am schwersten betroffen. Nach den stalist im„Reichsanzeiger“ veröffentlichten 1 Daten wird für Winterweizen die Note 3,5 angegeben, während in dem üblichen Schema 1 elne sehr gute, 2 eine gute, 8 eine mittlere und 4 eine geringe Ernte bedeutet. Wegen Auswinterung und aus sonstigen Gründen wurden bis Mitte Mat umgepflügt, also die Wintersaaten als völlig verloren gegeben bei Winterwelzen 726 400 Hektar, d. i. 38,1 Proz. oder fast zwei Fünftel der gesamten Anbau⸗ fläche im Deutschen Reich; bei Winterroggen 524400 Hektar- 9 Proz., bei Klee 196 100
ektar= 10,8 Proz. usw. Im Ganzen mußten
471200 Hektar umgepflügt werden. Die strichen Westpreußen hat unter sämtlichen Land⸗ trichen am meisten gelitten. Von den 25 länd⸗ lichen Kreisen der Provinz haben nicht weniger als 19 die fast vollständige Vernichtung der Winterung zu beklagen. Der Schaden beträgt bei der Oelfrucht 98, bei dem Weizen 93, bet dem Roggen 75 und bei dem Klee 88 vom Hundert. Diefe Zahlen sind von der west⸗ preußischen Landwirtschaftskammer festgestellt und von den Vertretern der Staatsrege uns nicht beanstandet worden. Die Regterung trat auch nicht der Befürchtung entgegen, daß der Verlust an Roggen sich noch nachträglich auf 90 bis 100 vom Hundert steigern könne. West⸗ p eeußen allein wird Goa das Ende des Som⸗ mers 13 000 Tonnen Weizen und 63000 Tonnen
Rog sen für dle Aussaat zu beschaffen haben. ais nun der Ausfall auch nicht so groß
sein, als es nach den obigen Zahlen der Fall
fein müßte, da noch die umgepflügten Aecker neuerdings bestellt worden— ohne eine Miß⸗ ernte wird es schwerlich abgehen. Eine Kor⸗ respondenz für Zentrumsblätter berechnet be⸗ reits, daß Deutschland voraussichtlich nur knapp 3 Millionen Tonnen Roggen ernten werde, was eine Mehreinfuhr von 16 Millionen Doppel⸗ zentnern an Brotgetreide erfordern und eine Mehrein nahme von rund 56 Millionen Mark an Getreidezöllen herbeiführen werde.
Ein sehr gewichtiger Grund mehr, mit äußerster Entschiedenheit nicht nur die Zoll⸗ erhöhung auf Getreide zu verhindern, sondern auch die Aufhebung der Getreide⸗ zölle zu erstreben. Geht es nach dem Willen der Agrarier, so wird das Volk in Folge der Mißernte den Brotwucher doppelt schwer zu kosten bekommen.
Elue entschiedene Niederlage der Agrarier.
Wir teilten schon in letzter Nummer den Sieg des freisinnigen Kandidaten Gothein im Wahlkreise Greifswald⸗Grimmen mit. Der Wahlausfall bedeutet eine agrarische Niederlage. Der Sieg des Freisinnigen ist ein so vollständiger und mit so großer Mehrheit errungener, daß selbst das Organ des Bundes der Landwirte ihn einen glänzenden Sieg des Kandidaten der Freisinnsgen Vereinigung nennt. Und dies Ergebnis wurde erreicht in einem Wahlkreise, in welchem vor noch nicht drei Jahren die Konservativen ohne Stichwahl siegten. Der freisinnige Kandidat hat nach dem amtlichen Resultat 9660 Stimmen erlangt gegen kaum 7457 für seinen konservativen Gegner abge⸗ gebene Stimmen. In den konservativen Wahl⸗ Kugblättern war zu lesen: die Gegner wollten „den deutschen Ackerbau ruinieren, damit wir alles Brodkorn vom Ausland beziehen müssen und das deutsche Volk ein willenloses Werkzeug sei in der Hand der internationalen Kornwucherer, der Börsenleute, der Hintermänner der Frei⸗ sinnigen, die durch ihre Spekulationen Getreide, Steinkohlen, Zucker, Kaffee usw. verteuerten.“ Das hat aber alles nichts geholfen. Die Parole gegen die Brodwucherer war durchschlagend in den Städten und überall dort auf dem Lande, wo eine freie Stimmabgabe möglich war. In den Städten hat namentlich bei der Stichwahl die Gefahr einer Erhöhung der Lebensmittel- zölle eine ganz außerordentliche Wahlbeteiligung mit sich gebracht. Unsere Parteigenossen sind in der Stichwahl ausnahmslos für den frei sinnigen Kandidaten eingetreten.
Die Panzerplattenpatrioten.
Ueber die Frage der Panzerplatten⸗ lieferungen äußerte sich neulich ein Fach⸗ mann in der„Köln. Volkszeitung“, bekanntlich ein führendes Organ der Zentrumspartei. Seine Aufklärungen verdienen größtmöglichste Beachtung. Von Seiten der Regierung wurde vor einiger Zeit erklärt, daß man der Resolution des Reichstages, ein eigenes Panzerplattenwerk für das Reich zu errichten, keine Folge geben könne, weil eine Verbilligung durch staaliiche Fabrikation nicht erreicht werden würde. Diese Erkeärung findet der Sachverständige der „Köln. Volkszeitung“ recht sonderbar. Er sagt dazu:„Die maßgebenden Personen dürften lehr wohl wissen, daß die Plate mit 2330 Mk. pro Tonne bezahlten Platten den Herstellern nur 9301000 Mk. pro Tonne kosten und daß, selbst wenn sie jetzt eine Herahsetzung des Preises auf 1920 Mk. erreichen, den Fabrikanten immer noch ein Nutzen von 100 pCt., auf die Herstellungskosten berechnet, bleiben wü be. Glaubt nun das Reichsmarineamt wirklich, unter allen Umständen 100 pCt. teurer fabrizieren zu müssen, und womit will es diese Ansicht begründen? Schon vor längerer Zeit ist mit⸗ geteilt worden, daß ein rheinisches Konsortium sich bereit erklärt habe, vom Jahre 1903 ab gleiche Qualität Nickelstahlpanzerplatten zu 1550 Mk. pro Tonne, also 770 Mk. billiger als seither den Lieferanten bezahlt wurde, zu liefern, wenn ihm nur die Zusage eines ent- sprechenden Teils der künftigen Lieferungen
gegeben werde. Diese Offerte scheint auch zur
Kenntnis der seitherigen Privilegterten gekommen zu sein, denn sie sollen dem Reichsmarineamt nunmehr den Preis von 1920 Mk.— statt
der zuerst geforderten 2070 Mk.(und statt den
bisher gezahlten 2820 Mk.)— gestellt haben, wenn ihnen der Gesamtbedarf bis zum Jahre 1907 fest übertragen mürde. Damit soll der Entstehung eines neuen Werkes der Boden ent⸗ zogen werden, da dieses dann auf Jahre hinaus von allen Lieferungen für das Reich ausge⸗ schlossen sein würde. Man kann kaum annehmen, daß das Reichsmarineamt ein der⸗ artiges plumpes Manöver nicht durch⸗ schauen wird, durch welches ein immer noch exorbitant hoher Preis auf 6 Jahre dauernd festgelegt werden soll.“ Was durch die Kon⸗ kurrenz erreicht werden kann, zeige die Heeres⸗ verwaltung.„Bei Beschaffung der neuen Feld⸗ artillerie waren die ersten Geschützrohrliefe⸗ rungen an eine sehr bekannte und leistungsfähige Firma zu einem Preise vergeben worden, der 4000 Mk. pro Stück überstieg. Dem Kriegsminister gelang es später, eine Konkurrenz⸗ firma für die Sache zu interessiren, welche dasselbe Material zu 1950 Mk. anbot, und schließlich wurde der Preis auch von dem ursprünglichen Lieferanten 1900 Mk. ermäßigt! Aehnliche Verhältnisse ergaben sich bei der Lieferung von Granaten.“ Soweit der Ge⸗ währsmann der„Köln. Volksztg.“
Also bei einem einzigen Geschützrohr hat die„bekannte und leistungsfähige“ Firma einen Schwindelprofit von 2100 Mark zu ergattern versucht. Bei einer Lieferung von 3000 Ge⸗ schützen macht das einen Profit von beinahe 6% Millionen Mark, wobei man noch berücksichtigen muß, daß natürlich schon in dem Preise von 1900 Mk. ein ansehnlicher Verdienst enthalten ist.— Hoffentlich wird sich der Reichs⸗ tag die Lieferungsverträge mit den patriotischen Panzerplattenlieferanten einmal näher ansehen. Unsere Genossen werden sicher nicht verfehlen, das Verhalten dieser Edelen, die dem Reiche aus lauter Vaterlandsliebe Wucherpreise dik⸗ tieren, gebührend zu beleuchten, umsomehr, da die kapitalistische Presse sich diesen Thatsachen gegenüber in Schweigen hüllt.
„Schutz der nationalen Arbeit“.
Mit diesem Schlagwort suchen die Schutz⸗ zöllner seit Jahrzehnten die Liebesgabenpolitik und die von den Ostelbiern geübte Ausbeutung des werkthätigen Volkes durch die Zölle und indirekte Steuern zu rechtfertigen. Wie aber der Schutz der wirklichen nationalen Arbeit praktiziert wird, zeigen Berichte aus Ostpreußen, wo durch die massenhafte Einführung lohn⸗ drückender polnischer und russischer Arbeiter
den Einheimischen eine Aufbesserung ihrer Lage
unmöglich gemacht wird. Daran sind die deutschen Arbeiter schon gewöhnt. Sie sind aber mit Recht empört darüber, daß sie von allen besser bezahlten Arbeiten grundsätzlich ferngebalten werden. Mit Rücksicht auf die Besitzer, die die letstungsfähigeren deutschen Arbeiter im Sommer nicht missen wollen, werden zu den öffentlichen Arbeiten, wie Chausseebauten, Kulturarbeiten in den Brüchen und bei Bahnbauten fast ausnahmslos Zuchthäusler oder polnische Arbeiter herangezogen. Mit welchen Gefühlen müssen es die ansässigen Arbeiter sehen, wenn die russisch⸗-polnischen Arbeiter von Chaussee⸗ und Bahnbauten Sonntags in Schaaren in die Dörfer kommen, dort Dinge einkaufen und ge⸗ nießen, die der einhelmische Arbeiter bei seinem viel geringeren Verdienst sich nicht leisten kann. Als Beispiel sei nur Wie daß bei dem Bau der Kleinbahn Mehlauken.—Popelken im Kreise Labiau gegen 200, 11* beschäftigt sind, aber kein deutscher Arbeiter. Dieses Vel⸗ fahren heißt die Lust zur Abwanderun
bei den ansässigen Leuten geradezu gewaltsam
hervorrufen. ehen uns ähnliche Klagen zu.
Vom Rhein Bei der im Bau begriffenen Bahnlinie Ober⸗
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