Ausgabe 
8.9.1901
 
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Seite 6.

Parteigenossen! Denkt an die bevorstehenden Gemeinde⸗

ratswahlen! Bedenkt ferner, daß die

e o beste Waffe

im Kampfe gegen Volksaussaugung und Unterdrückung

unsere Parteipresse ist, sorgt deshalb für deren weiteste Ver⸗ breitung und werbt eifrig Abonnenten für die Mitteldeulsche Sonntags⸗Zeitung

des einzigen in Oberhessen erscheinenden

Arbeiterblattes!

Zu den Gemeinderatswahlen in Hessen.

Mit Hinsicht auf die bevorstehenden Gemeinderats⸗ wahlen in zahlreichen Gemeinden Hessens ist es jetzt wohl angebracht, das Wichtigste aus den Bestimmungen über den Gemeinderat mitzuteilen.

Zusammensetzung des Gemeinderats. Laut Artikel 11 des Gesetzes, betreffend die Landge⸗ meinde⸗Ordnung für das Großherzogtum Hessen, besteht der Gemeinderat in Gemeinden bis zu 3000 Seelen aus 9, von 3000 bis zu 5000 Seelen aus 12 Mit⸗ gliedern. Die Hälfte des Gemeinderats muß aus dem höchstbesteuerten Drittteil der Wählbaren gewählt werden. Unter 9 Gemeinderäten müssen 5, unter 15 müssen 8 Höchstbesteuerte sitzen.

Daraus ist zu ersehen, daß auch im Gemeinderat die Vertreter der Großen in der Mehrheit find; ein Grund mehr für die Kleinen, fest zusammenzu⸗ halten, damit wenigstens die übrigen Mitglieder des Gemeinderats Kleine sind, und zwar solche von echtem Schrot und Korn.

Amtsdauer. Die Wahl des Gemeinderats er⸗ folgt auf neun Jahre. Alle drei Jahre scheidet ein Drittel der Mitglieder aus und wird durch Neuwahlen ersetzt.

Wenn vor der regelmäßigen Ergänzung mehr als ein Drittteil der Gemeinderatsmitglieder abgegangen ift(Todes fälle usw.) oder wenn der Gemeinderat etwa aufgelöst wird, so wird die Ersatzwahl in der Zwischen⸗ zeit vorgenommen.(Art. 12.)

Wer kann wählen? Jeder 25 Jahre alte Einwohner der Gemeinde, wenn er vom 1. April 1900 ab Gemeindesteuern in dem betreffenden Orte gezahlt hat und am Tage der Wahl bei dieser Steuer nicht länger als zwei Monate mit dem zuletzt fällig ge⸗ wesenen Ziel im Rückstande ist. Jedoch muß der Be⸗ treffende:

1. entweder die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen Bayern und Elsaß⸗Lothringen sind ausgeschlossen), und mindestens vier Jahre in dem betreffenden Ort wohnen oder aber

2. Orts bürger der betreffenden Gemeinde sein, in welchem Fall er auch wählen darf, wenn er wenigstens seit dem 1. April 1900 Gemeinde⸗ steuern zahlt.

25 Jahre alte und seit dem 1. April 1900 in dem betreffenden Orte gemeindesteuerpflichtige Bayern und Elsaß⸗Lothringer können bei den Gemeinderatswahlen nur dann wählen, wenn sie die hessische Staats⸗ angehörigkeit erwerben, in welchem Fall sie aber, um wählen zu dürsen 4 Jahre in dem jeweiligen Orte wohnen müssen oder aber, wenn sie auch noch Ortsbürger werden, in welchem Fall sie dann um wählen zu dürfen, vom 1. April 1900 ab daselbst Gemeindesteuern bezahlt haben müssen. Ortsbürger kann somit nur derjenige werden, welcher zuvor hessischer Staatsbürger ist oder wird

Jeder 25 Jahre alte Einwohner, welcher seit 1. April 1900 an dem jeweiligen Orte wohnt, und aus irgend einem oben angeführten Grunde nicht wählen darf, kann wählen, wenn er das Universalmittel ergreift und einfach Ortsbürger wird. Seine seitherige Staatssngehörigkeit braucht derselbe, wenn er hessischer Staatsbürger oder Ortsbürger werden will, nicht aufzugeben, sondern er kaun ruhig auch noch Mitglied eines anderen Staats nebenbei bleiben.

Wählbar zum Gemeinderat ist Jeder, der stimmberechtigt ist. Voraussetzung ist, daß ihm nicht etwa infolge einer Verurteilung die Fähigkeit, öffentliche Aemter zu bekleiden, abgesprochen ist.

S

eil.

Kriegerische

Abenteuer eines Kriedfertigen. Erzählung von Heinrich Zschokke.

3(JFortsetzung) Nun Generaladjutant.

Karl der Große nahm mich am vierten Tage des Abends auf die Seite. Ich sah es ihm längst an, daß er über große Pläne brütete. Herr Doktor, sagte er,im Kriege macht man sein Glück. Ich bin seit acht Jahren Lieutenant; jetzt oder nie werde ich General. Ich komman⸗ diere gegenwärtig fast zweihundert Mann. Ehe wir die Oder erreichen, habe ich vielleicht zwei⸗ tausend gesammelt, die ich unserm König zu⸗ führe. Ich führe sie ihm aber erst nach einigen Heldenthaten zu. Ich falle mit meinem Corps in Sachsen ein, und agiere dem Feind im Rücken.

Wie? Sie wollen nicht nach Berlin? fragte ich, und dachte an die verlassene Friederike.

Nein, rechts ab, gegen Mittenwalde! Doktor, die Feldpredigerstelle taugt für Sie nicht. Ich dächte, Sie würden Soldat. Ich gebe ihnen einen Militärhut, blauen Ueberrock, Degen und Pferd Sie sollen mein General⸗ adjutant werden. Ich weiß, Sie verstehen Mathematik und zeichnen gut. Ich kann Sie beim Rekognoszieren gebrauchen und zum Kro⸗ kieren(Abzeichnen) der Gegenden.

Da half kein Opponieren. Ich nahm die Stelle des Generaladjutanten an, weil sie mir auf den Rücken eines Pferdes half, mit dem ich desto schneller Friederiken wieder zu sehen hoffte. Ich gelobte Karl dem Großen Treue, und vertauschte die designierte Pfarre mit dem Schwert Petri, doch gedachte ich niemandem ein Ohr abzuhauen.

Der Feldherr zählte noch den gleichen Abend sein Heer, ernannte neue Kapitäne, Korporäle und Lieutenante; stellte mich als seinen künftigen Adjutanten vor, und entwickelte den staunenden Preußen seine Riesenplane.

Ja, Kameraden, rief er, und spreizte beide Arme auseinander:es ist beschlossen! Wir wollen durch unsere Thaten den Namen der Preußen wieder ruhmreich machen. Der Geist des großen Friederichs umschwebt uns. Das zitternde, blutende Vaterland sieht auf uns wie, Kameraden, sollen wir in schmähliche Knecht⸗ schaft fallen? Was haben wir zu wählen? Sieg und Ruhm vor der Welt, oder eine unge⸗ heure Reise in französische Knechtschaft. Wer mir treu sein, wer mir für Gott, König und Vaterland folgen will, der rufe mit:Sieg oder Tod!

Diese Rede entflammte das ganze Heer. Die meisten schrien.Sieg oder Tod! nur einige, denen noch nach den Fleischtöpfen Berlins gelüstete, riefen mit komischem Euthusiasmus dazwischen:Sieg oder Brot!

Die Königin Elisabeth war auch bei dem feierlichen Auftritt zugegen. Man sah es ihr an, wie empfindlich sie gekränkt sei, die wichtige Maßregel ohne ihr Vorwissen ergriffen zu sehen. Eine Prise nahm sie um die andere; bald schüttelte sie den Kopf hohnlächelnd; bald nickte sie für sich trotzig und drohend hin.

Den folgenden Morgen wir waren un⸗ weit Brandenburg rückte das Heer aus. Karl der Große mit imperatoris der Hoheit voran; ich auf einem hartmäuligen R welches das letzte Nachtquartier auf dem Wege der Requisition hatte liefern müssen, neben ihm. Links ging die breite Landstraße nach Berlin, rechts der enge, kotige Karrweg des Ruhms und unsterblichen Namens nach Mittenwalde, glaube ich. Wir, das heißt der Imperator und ich ich aber wahrhaftig mit blutendem Herzen zögerten nicht einen Augenblick am

A/ CS Anker!

altungs⸗ 1 A

Scheidewege, sondern schlugen die Heldenbahn

rechts ein. Die Armee folgte. Den Schluß

des Zuges machte die Marketenderin mit ihrem

Wagen. Als sie am Scheidewege war, lenkte

sie links ab, in die Straße nach Berlin.

Kaum sah die Arrieregarde das Brannt, 2 weinfaß den breiten Weg dahinziehen, so schwenkte auch sie, und marschierte ihm ohne ein Wort

zu sagen nach. Ein Nachbar steckte mit seinem

Beispiel den zweiten an; einer nach dem andern

drehte sich um, ließ die Unsterblichkeit des Namenz im Stich, und folgte dem rumpelnden Wagen,

bis der Imperator und ich noch allein beisammen

ritten, er vertieft in Kriegsoperationsplanen, ich voller Wehmut um die verlassene Braut.

Nun denke sich jeder den zügellosen Schmerz

Karls des Großen, als er von ungefähr bemerkte, daß sein Heer hinter uns verschwunden war! Da marschierte es hin, dem geliebten Fasse nach, uns den Rücken kehrend, ach, und an der Spitze der Heerscharen die Königin Elisabeth auf der Branntweintonne sitzend, wie auf einem 1 Dabei sang sie mit hellgellender ehle: . Freut euch des Lebens, Weil noch das Lämpchen glüht.

Der Imperator schäumte vor Wut. Wir ritten der bundesbrüchigen Kriegsschar nach, Wir kommandierten: Halt! aber erst, als die stolze Königin ihren Wagen in seinem Sieges, laufe zu hemmen geruhte, gehorchten unsere zuchtlosen Helden.

Jetzt stimmte der heldenmütige Lieutenant seine Philippika mit donnernder Stimme an,

Nicht Kenophons, nicht Plutarchs Helden

sprachen mit größerer Kraft. Die Soldaten hörten der Rede mit vieler Andacht und Auf⸗ merksamkeit zu; doch bemerkte ich, daß sie sich nicht enthalten konnten, von Zeit zu Zeit auf Elisabeths Zauberwagen hinzuschielen, damit er ihnen nicht entwische.

Ich weiß auch nicht, was trotz der Bered⸗ samkeit unsers Oberfeldhern aus allem zuletzt geworden wäre denn Königin Elisabeth fing wieder ihr äußerst verdächtiges Wackeln mit dem Kopfe an wenn nicht ein neuer Auftritt unsere ganze Neugier rege gemacht hätte.

Marsch mit der Armee Karls des Großen.

In vollem Galopp kam plötzlich ein Husaren⸗ lieutenant die Berliner Sraße daher gegen uns angesprengt. Wie der grimmige Kaiser Chau⸗ migrem in der asiatischen Banise die Geschichte des blutigen, jedoch mutigen Pegu mit einem Donnerwetter von Verwünschungen eröffnet, so kündigte sich uns dieser ohne weiteres Präludium

mit einem fünf Minuten langen Fluch an. i

Wohin wollt ihr ins drei Teufels Namen? Die Franzosen sind in Berlin eingerückt! Wir sind abgeschnitten. Der König ist über Küstrin nach Westpreußen zurück! Wir müssen ver suchen, uns nach der Oder, nach Schlesien durchzuschleichen!

Wetter! brüllte ihu Karl der Große zu: Wir sind Preußen, Herr, und schleichen nicht. Wir hauen uns durch! f

Dies Bonmot imponierte dem wütenden Chaumigrem, der seinen schwarzen Knebelbart strich, und ganz ehrerbietig zu unserm Feldherrn herantritt. 1

Wenn Sie sich an meine Truppen anschließen wollen, die ich gesammelt habe, um sie unserm König zu retten, sagte der Lieutenant mit großer Hoheit,so sind Sie uns willkommen. Ich übergebe Ihnen in diesem Fall das Kom⸗ mando über die gesamte Kavallerie, welche vor handen ist(nämlich zwei Dragoner und ier Trompeter), und welche ich sonst noch erwarte; alles aber unter meinem Befehl. Und jebt Bataillon! rechts um! mir nach. Der eiste, der nach Berlin denkt, wird als Ausreißer behandelt; ich lasse ihn am ersten besten Baume aufhängen. Marsch!

Und vorwärts ging's wieder die eng schmutzige Ehrenbahn nach Mittenwalde. N sah sich nach Berlin mehr um, zwar nicht au Furcht vor den Bäumen, sondern aus dau vor den Franzosen. Selbst Elisabeth folgte 55 gedemütigt der Armee; sie war auch bescheide

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