die dazu gestellten Anträge abzulehnen.
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeilung.
müsse man entschieden gegen die Vorlage Front machen, wenn sich keine Verbesserungen schaffen lassen, dann solle man lieber bei dem bisherigen Gesetz bleiben, mit dem man auch Erfolge erzielt habe. Bei den nächsten Wahlen werden wir einen harten Kampf haben, außer ihm und Berthold scheiden alle übrigen Genossen aus. Durch⸗ greifende Agitation sei notwendig.— Ueber diesen Gegen⸗ stand tritt eine lebhafte Debatte ein. Mater⸗Bürgel, Streb⸗ und Heilmann-⸗Offenbach sprechen nachein⸗ ander für Ablehnung des Entwurfs, wenn nicht die Voraussetzung dreijähriger Ortsansässigkeit und Staats⸗ angehörigkeit beseitigt werden könne. Bei dem bisherigen Gesetz hätten wir ja noch nichts verloren. Da vid tritt dem entgegen. Ohne, daß man sich für den Entwurf zu begeistern brauche, dürfe man doch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Selten engagiere sich eine Regierung für das direkte Wahlrecht. Sachsen's Vor⸗ gehen sei ja in dieser Richtung hin bezeichnend. Das direkte Wahlsystem sei zwetfellos ein großer Vorteil. Während das indirekte Wahlsystem gar keine rechte Wahlbewegung aufkommen lasse, sei die direkte Wahl für die träge Masse ein Erziehungssystem, das nicht hoch genug veranschlagt werden könne. Es sei nicht richtig, daß wir bei dem bisherigen System stark ge⸗ worden seien, denn sonst müßten wir angesichts unserer Anhängerzahl eine viel größere Vertretung im Landtage haben. Ein ungeheurer Vorteil sei es auch, daß mit der Sicherung des Wahlgeheimnisses Ernst gemacht werde. Bei Durchführung der Wahlpflicht müsse natürlich eine geeignete Wahlzeit gewährt werden oder eventuelle mate⸗ rielle Verluste den Wählern entschädigt werden. Eine Konsequenz der Wahlpflicht set auch der Wegfall der Steuerklausel, denn ohne diesen Wegfall könne er sich keine Wahlpflicht denken. Die Abgeordneten hier direkt für Ablehnung zu verpflichten, ginge schon aus formellen Gründen nicht, da bekanntlich die Volksvertreter nicht an Aufträge gebunden werden könnten, aber auch sachlich sei dieser Vorschlag zu verwerfen. Wir müßten in die Verhandlungen eintreten und zu retten suchen, was zu retten sei. Nur dürften wir unter keinen Umständen einwilligen, daß der Kreis der Wahlberechtigten verringert werde, denn für eine Wahlrechtsentrechtung sei man nicht zu haben und dürfte dies der Punkt sein, der unter Umständen unsere Abgeordneten zur Ablehnung zwinge. — Im gleichen Sinne spricht sich Abg. Haas⸗Mainz aus, der bezüglich der Stellung des Zentrums erklärte, daß dieses nicht wagen könne, den Entwurf zu Fall zu bringen, weil es sonst sich selbst den Boden abgrabe.— An der weiteren Debatte beteiligen sich noch Friedbeerg⸗ Mainz und Erkrath⸗- Mülheim.
In seinem Schlußwort verwahrt sich Genosse Cramer dagegen, eine direkt ablehnende Stellungnahme gegenüber dem Entwurf eingenommen zu haben. Für die Wahlpflicht agitieren die Gegner sehr rührig, was uns ja ziemlich kalt lassen könne. Beschlossen wurde, der Landtagsfraktion freie Hand zu lassen, was ja übrigens selbstverständlich ist.
Nach der Mittagspause gelangte das Statut der Landesorganisation zur Beratung. Hierüber refe⸗ rierte Dr. Da vid. Er faßte sich kurz, weil der Ent⸗ wurf nicht viel Anfechtungen erfahren habe. Der Ent⸗ wurf trägt dem Wunsche, etwas Einheitliches für das ganze Land zu schaffen, Rechnung. Der Entwurf gelangte nebst einigen Verbesserungsvorschlägen Davids zur An⸗ nahme. Damit sind auch die Bestimmungen über die Höhe der Beiträge angenommen.— Nunmehr kam das Kommunal⸗Programm zur Beratung. Abg. Berthold referierte darüber. Vorher sollte die Er⸗ örterung dieses Gegenstandes überhaupt vertagt werden, doch lehnte die Konferenz die dahin zielenden Anträge ab. Der Referent befürwortete den Entwurf und empfahl, Gen. Fried⸗ berg⸗Mainz kritisiert den Entwurf sehr scharf; er meint, man dürfe über die ganz berechtigten Einwände des Genossen Hugo nicht hinweggehen. David meint, in dieser Sache sei praktische Erfahrung mehr wert, als theoretische Ansichten. Bei vielen Vorschlägen spielt der Kostenpunkt eine entscheidende Rolle. Man müsse eben immer das Erreichbare im Auge behalten. Verschiedene Einzel wünsche wurden noch in der ziemlich ausgedehnten Debatte vorgebracht und dann über die einzelnen Anträge abgestimmt. Als Einleitung zu dem Programm wird folgender Satz vorangestellt:
„Die von den Parteigenossen zu wählenden Ge⸗ meindevertreter müssen das Programm der sozialdemo⸗ kratischen Partei Deutschlands als für sie bindend anerkennen und für folgende Forderungen eintreten“.
Das ganze Programm soll noch den Abstimmungen ge⸗ mäß von einer Kommission redigiert werden.
Bemerkenswert ist noch die Annahme einer vom Gen. Bremer beantragten, die Bürgermeister⸗ wahlen betreffenden Resolution, die folgendermaßen lautet: a „Die Sozialdemokratische Partei des Landes hat keine Ursache mehr, sich der Ausübung des Wahlrechtes zum Bürgermeister⸗ und Beigeordnetenamt zu enthalten. Es ist deshalb den Genossen der einzelnen Orte die Beteiligung an diesen Wahlen unter der Voraussetzung
zu empfehlen, daß nur tüchtige und prinzipienfeste Männer zu Kandidaten bestimmt werden. Wo dies nicht möglich ist oder im Falle einer engeren Wahl zwischen Gegnern ist es unseren Genossen gestattet, für denjenigen Kandi⸗ daten zu stimmen, welcher den Parteigrundsätzen am Nächsten steht, oder in Bezug auf einzelne Forderungen, unseren Genossen bestimmte Konzession macht. Der Be⸗ schluß der Landeskonferenz von 1893 in Mainz ist hier⸗ mit aufgehoben.“
Unter„allgemeinen Anträgen“ war von
Fröder⸗Mainz der Antrag eingegangen:
„Die Landeskonferenz wolle beschließen, daß sie mit dem Schiedsspruch der Hamburger Akkordmaurer nicht einverstanden ist, ebenso mit dem Spruch der Kontro⸗ leure und den Parteitag ersucht, diesen Spruch auf⸗ zuheben.“
Hierüber entspinnt sich eine lange und ziemlich heftige Debatte. Genosse Dr. David verteidigt sehr eingehend den Schiedsspruch, meint, man dürfe sich nicht binden, sondern man müsse das Vertrauen zum Parteitag haben, daß er den richtigen Entscheid treffe. Der Antrag wird abgelehnt.— Der Fraktion zur Berücksichtigung wird ein Antrag betreffend die Lohn- und Arbeitsbedingnngen der Waldarbeiter überwiesen, ebenso ein solcher, der auf die von der hess. Regierung festgesetzte Taxe für ärztliche Hülfeleistung Bezug nimmt.
Als Ort der nächsten Landeskonferenz wird Worms bestimmt,— Das bisherige Landeskomitee wurde wiedergewählt. Seine Mitglieder sind: Ulrich(Vor⸗ sitzender), Orb(Kassterer), Berthold-Darmstadt, Orbig⸗Gießen und Stock-Mainz(Beisitzer),— Vor⸗ sitzender Ulrich schloß hierauf mit einer kurzen An⸗ sprache, die in ein Hoch auf die Sozialdemokratie aus⸗ klang, die Konferenz. Während der Offenbacher Musik⸗ 57 85 den Sozialistenmarsch spielte, leerte sich langsam er Saal.
Von Nah und Lern.
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Zum Schaden des Armen
fällt doch jede Neuerung aus, die von der Regierung eingeführt wird. Es ist ein großes Aufhebens gemacht worden, von der Einführung der 45 tägigen Gültigkeitsdauer der Eisenbahn⸗ Rückfahrkarten; den Nutzen davon haben aber keinesfalls die Arbeiter und überhaupt die Minderbemittelten, denn diese können sich nicht wochenlang auf Reisen begeben. Wohl aber waren die auf vielen Strecken eingeführten Sonntagsrückfahrkarten, eine für die ärmere Bevölkerung wohlthätige Einrich! ung. Und gerade diese sollen beseitigt werden, in erster Linie die nach großen Plätzen, wie die Eisenbahndirektion Mainz an die Frkftr. Ztg. schrieb. Daß von dieser Maßnahme gerade die ärmeren Volksschichten Nachteil haben, braucht nicht weiter auseinandergesetzt zu werden.— Die Landtagsabg. Haas und Dr. David in Mainz haben deshalb an die zweite Kammer folgenden Antrag abgehen lassen:
„Hohe Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, in der Preußisch⸗Hessischen Eisenbahn⸗ gemeinschafts⸗Verwaltung dahin zu wirken, daß die im früheren Gebiete der Hessischen Ludwigsbahn seit Jahrzehnten geltenden Sonntags-Rückfahrkarten, die sich im Wirtschafts⸗ und Verkehrsleben eingebürgert haben, auch für die Folge beibehalten werden.
Der Wegfall dieser Fahrkarten bedeutet für einen großen Teil der Bevölkerung eine schwere Benachteiligung, die um so weniger berechtigt erscheint, als bei Uebergang dieser Bahn in die Preußisch⸗Hessische Eisenbahn⸗ emeinschaft der Fortbestand dieser Verkehrs-
rleichterung in sichere Aussicht gestelltwurde.“
Sießener Angelegenheiten.
— Die schönen Sommertage scheinen für dieses Jahr mit dem Eintritt des September endgültig vorüber zu sein und sind einer empfind⸗ lichen Kühle gewichen. Vom Rhein, aus der Gegend von St. Goar, wird sogar Frost ge⸗ meldet; in der Nacht zum Dienstag sank im Hunsrück das Thermometer auf 3 Grad Kälte! Für unsere Schulkinder, die jetzt ihre„Sommer⸗ ferien“ haben, ist die niedere Temperatur eine recht unangenehme Sache, sie müssen jetzt in der Stube sitzen, statt sie sich in freier Luft
erholen sollten! Und während der kroplschen
Hitze im Juli waren sie ebenfalls in die Schul. räume eingepfercht. Man müßte bei den maß.
gebenden Stellen dahin wirken, daß die Schul. ferien in die warme Sommerzeit gelegt werden denn sonst verfehlen sie ihren Zweck vollständig
— Ueber die Zustände in hiesigen Zigarrenfabriken sind uns in letzter Zeit lebhafte Beschwerden zugegangen. So wird besonders darüber geklagt, daß, wenn jetzt die Zeit eintritt, wo bei Licht gearbeitet werden muß, der in den Fabrilen herrschende Dunst durch die offenen, mit keinem Cylinder ver⸗ sehenen Gasflammen noch beträchtlich vermehrt wird, was eine sehr nachteilige Wirkung auf die Gesundheit der Arbeiter ausübt. Aus einer Fabrik hören wir, daß die im Akkordlohn stehenden Arbeiter, wenn bei eintretender kühler Witterung geheizt werden muß, das Feuerungs⸗ material selbst herbeischaffen müssen, wenigstens waren ste bisher immer dazu genötigt. Gegen solche Zumutungen können sich die Arbeiter eben nur wehren, wenn ste sich ihrer Gewerkschaft anschließen, namentlich ist das den zahlreichen, in der Zigarrenindustrie beschäftigten Frauen anzuraten, deren Arbeitsverhältnisse sich sonst stets mehr verschlechtern.
— Goldene Fünfmarkstücke. Mit Ende September läuft die Frist ab, in der die goldenen Fünfmarkstücke bei den zuständigen Kassen noch in Zahlung genommen werden. Ende Juli 1901 waren noch für reichlich 4 Mill. Mark im Verkehr.
Wieseck.
— n. Schon im vorigen Jahre beschloß der Gemeinderat, einen geschlossenen Wagen für den Transport des innerhalb der Gemarkung verendeten Viehes anzuschaffen. Diesen Beschluß wird jedermann für sehr an⸗ gebracht halten, denn die Anschaffung eines derartigen Wagens hat sich längst als not⸗ wendig erwiesen. Merkwürdigerweise kam aber der Beschluß bis heute noch nicht zur Ausführung; über der Gründe der Verzögerung ist Niemanden etwas bekannt. Fast hat es den ande als wollte man auch in unserer Gemeinde notwendige, im allgemeinen Interesse liegende Dinge zurückschieben, während man es mit der höchst überflüsstgen Herstellung des Kriegerdenkmals at eilig hat. Der Gemeinde⸗ rat müßte doch dafür sorgen, daß seine Be⸗ schlüsse respektiert und ausgeführt werden.
Watzenborn und Steinberg.
— r. Die Wählerliste zur Ge⸗ meinderatswahl liegt auf der hiestgen Bürgermeisterei von 3. bis zum 11. September zu Jedermanns Einsicht offen. Keiner unserer Genossen darf versäumen, sich von der Ein⸗ tragung seines Namens zu überzeugen, damit er am Wahltage nicht zurückgewiesen wird und seines Wahlrechts verlustig geht. Auch Sonntags kann die Liste nachgesehen werden. Thue jeder am Wahltage seine Pflicht und wähle Männer, die das Interesse des Ge⸗ meinwohles, der Mindermittelten und Be⸗ 05 vertreten, nicht das des Geldsacks.
uch der Kleinbauer muß endlich einsehen, daß er mit den Arbeitern genau die gleichen Interessen hat. 5
Die hiesigen Kleinbauern haben wahrhaftig keine Ursache als Nachläufer des antisemitischen Bauernbundes für höhere Zölle einzutreten, denn damit schaden sie nur sich selbst.
— Sonntag, den 8. Sept. findet im Saale Schmandt Wtw.„zum grünen Baum“ in Steinberg nachm. 3/ Uhr eine öffentliche Volksversammlung statt mit der Tagesordnung: „Wem nützen die Getreidezölle?“ Alle Ar⸗ beiter und Landwirte sowie deren Frauen sind hierzu freundlichst eingeladen. Sorge jeder für zahlreichen Besuch!
Aus dem Kreise Friedberg.
Die Stadtverordnetenwahl fand am Montag in Friedberg statt. Zum erstenmal hatten wir uns durch Aufstellung eines eigenen Kandidaten beteiligt. Das hatte unsere Gegner, besonders die tapfern nattonallibe⸗
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