Ausgabe 
7.7.1901
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.

d urch die Heimarbeit nicht nur eine Lohn⸗ ersparnis, sondern auch Ersparnis an Betriebs⸗ räumen, Licht und Heizung, wie der Bericht zugiebt. Zuwiderhandlungen gegen Schutzbestimmungen und Verordnungen betr. Beschäftigung von Arbeiterinnen wurden von den Beamten in 80 Anlagen ermittelt, welche 120 Einzelfälle betrafen. Acht Personen ge⸗ langten deshalb zur Bestrafung.

Pon Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste

Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Hessische Haudwerkskammer.

Vorigen Dienstag fand in Darmstadt die vierte Plenarsitzung der hess. Handwerks⸗ kammer unter Vorsitz des Herrn J. Falk⸗Mainz und in Gemeinschaft mit dem Gesellenausschusse statt. Trotz der schönen Ansprache, die der Vorsitzende bei Beginn der Verhandlungen an die Versammelten richtete, in welcher er die Interessengemeinschaft der Unternehmer und Arbeiter betonte, zeigen verschiedene durch die Majorität der Arbeitgeber gefaßte Beschlüsse große Rückständigkeit. Zur Gesellenprüfungs⸗ ordnung hatte der Gesellenausschuß mehrere Anträge gestellt, die fast alle abgelehnt wurden. So verlangt§ 15, daß ein Lehrling für seine Prüfung 3 Mk. entrichten soll, welchen Betrag der Gesellenausschuß gestrichen wissen wollte. Sämmtliche Arbeitgeber, mit einer Ausnahme (Ewal d⸗Darmstadt) stimmten gegen den Gesellenausschuß⸗Antrag. Die Herren waren dann auch nicht zu haben, daß diese 3 Mk. der jeweilige Meister bezahlen soll. Ebenso erging es dem weiteren Antrag des Ges.⸗Aussch.: Minimallehrzeit von 2 und Maximallehrzeit von 3 Jahren. Die hessischen Bäckermeister hatten jährige Lehrzeit gefordert. Vier weitere Ges.⸗Aussch.⸗Anträge erfuhren gleiches Schicksal. Dieselben betrafen: Arbeitszeit der Lehrlinge, Lehrgeld derselben, Verpflichtung der

Meister, die Lehrlinge zum Besuch der Fach⸗

schulen anzuhalten und Nichtverwendung der Lehrlinge zu häuslichen Arbeiten. Dieselben wurden von dem Vorsttzenden des Gesellen Aus⸗ schusses eingehend begründet, doch ohne Erfolg.

Nur ein Antrag des Ges.⸗Aussch. fand Gnade vor den Augen der Herren, es betraf dieser das Ersuchen, die Kammer möge dafür eintreten, daß den Lehrlingen alle Vergütungen an baar, Verköstigung ꝛc. als Lohn angerechnet werden, damit die Lehrlinge der Krankenkasse beitreten könnten, also versicherungspflichtig würden. Nach Empfehlung des Antrages durch Herren Lautz wird derselbe angenommen, und soll die Frage bei Beratung des Lehrlings⸗ wesens erledigt werden.

Wie die Fürsorge für Lehrlinge aussieht, der die Handwerksretter obliegen, zeigt die Annahme eines Antrages, wonach die Regierung ersucht werden soll, den Unterricht der obliga⸗ torischen Fortbildungsschule, der jetzt in den Stunden von 57 Uhr erteilt wird, auf die Zeit von 69 Uhr zu verlegen. Als Mit⸗ glieder dieses hohen Hauses fungieren 36 Ar- beitgeber und nur 12 Arbeiter; man kann sich denken, welcher Art da die Beschlüsse sind, die da heraus kommen. Für den in den Kreisen der Arbeitgeber herrscheunden Geist ist das Verhalten des Gießener Bäckermeisters Löber das will ein Freisinniger sein bezeichnend. Dieser Biedermann erklärte früher eine zwei⸗ jährige Lehrzeit als genügend für Bäcker. Auf einmal war ihm der auf Jahre lautende Antrag seiner hessischen Kollegen nicht weitgehend genug und er plädierte für drei Jahre!

Sießener Angelegenheiten.

Eine Bezirksversammlung der Buchdrucker, die auch von 16 Kollegen aus Friedberg, Nauheim, Fulda und Grünberg be sucht war, fand am Sonntag im Vereinslokale statt. Nach Begrüßung der auswärtigen Kollegen konstatierte der Vorsitzende eine erfreuliche Zu⸗ nahme an Mitgliedern im Bezirk, beklagte aber anderseits den hohen Krankheits- und Arbeits-

losenstand, der die Kasse stark belaste. Nach Ablage der Kassenrechnung und Entlastung des Kassierers wird eine Bewilligung des Vorstandes an die Weber in Sachsen gutgeheißen; ihm überhaupt für außergewöhnliche Fälle die ge⸗ samte Bezirkskasse zur Verfügung gestellt. Eine rege Debatte entspann sich über die untariflichen Verhältnisse in verschiedenen Druckereien im Bezirke. Die in Frage kommenden Mttglieder wurden über die einzuschlagenden Wege zur Abhülfe informiert. Zum Schlusse lud der Vorsitzende die auswärtigen Kollegen zu dem nachmittags auf der Liebigshöhe stattfindenden Johannisfeste ein, worauf die Versammlung mit einem Hoch auf den V. d. d. B. schloß. Der Nachmittag vereinigte fast vollzählig die hiesige Mitgliedschaft, sämtliche auswärtigen Kollegen und 10 Durchreisende, sowie viele Gäste beim Johannisfeste; das reichhaltige Programm befriedigte die Teilnehmer allgemein, das vom Festkomitee Dargebotene übertraf weit die gehegten Erwartungen. Den Schluß bildete ein flottes Tänzchen, an dem sich Alt und Jung bdeteiligte.

Ortskrankenkasse. Mittwoch fand imLonys Bierkeller die Generalver sammlung der Orrskasse statt, in der acht Vertreter der Arbeitgeber und 61 Arbeitnehmer⸗ vertreter anwesend waren. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Bericht und Rechnungs⸗ ablage berichtete Holtberg namens der Prüfungskommission, daß abgesehen von einzelnen unwesentlichen Auständen die Geschäftsführung eine musterhafte sei. Beschwerden irgend welcher Art über die Verwaltung wurden nicht vor⸗ gebracht. Eine vom Arbeit⸗Vertreter Beck⸗ mann eingebrachte Resolution in der die Stadtbehörde ersucht wird, für Beseitigung der in Bezug auf das Kränkenhauswesen hier herrschenden Mißstände zu wirken, wird, nach⸗ dem sich eine Anzahl Redner dafür ausgesprochen und nur Herr Bäckermeister Löber dagegen aufgetreten war, einstimmig angenommen. Nachdem Vorsitzender Dahmer über die Generalversammlung der Vereinigung hessischer Krankenkassen kurz berichtet hatte, wurde über den Antrag des Vorstandes verhandelt, der dahin geht, einen im vorigen Jahre gefaßten Beschluß nach welchem der frühere Vorsttzende Winn für einen durch Verkauf nicht mündel⸗ sicherer Papiere entstandenen Verlust von 860 Mk. regreßpflichtig gemacht werden sollte, wieder auf⸗ zuheben. Nach längerer Debatte wird der An⸗ trag des Vorstandes angenommen, womit die Tagesordnung erledigt war. Schließlich brachte Herr Bäckermeister Löber eine Be⸗ schwerde vor. Ihm paßt es nämlich nicht, daß ein Beamter der Ortskasse noch dem Bäcker⸗ verband angehört und sogar Vorsitzender des selben ist. Er fragt deshalb, ob dies statthaft sei. Der Vorsitzende belehrte den zünftlerischen Scharfmacher, daß sich der Vorstand der Kasse als Arbeitgeber nicht darum zu kümmern habe, was die bei ihm Beschäftigten mit ihrer freien Zeit anfangen. Andere Arbeitgeber waren gleicher Ansicht, Herr Löber indessen schien das nicht begreifen zu können; als tapferer Freisinns⸗ kämpe will er den Beamten verbieten, ihre An⸗ sicht in wirtschaftlichen Dingen zu bethaͤtigen. Natürlich wurde Herrn L. von Seiten der Ar⸗ beitnehmer gründlich heimgeleuchtet und im Laufe der Debatte geradezu gesagt, er würde jedenfalls nichts einzuwenden haben, wenn Beamte im Interesse der Innung thätig gewesen wären. Schließlich gab er die Absicht zu erkennen, die Sache noch weiter zu ver⸗ folgen. Er hat offenbar an einer Blamage nicht genug.

Der Sozialistenvernichter und ⸗verleumder in den Gieß. N. N. der übrigens seine edle Thätigkeit in den letzten Tagen eingestellt zu haben scheint benutzt unsern Bericht über die letzte Wahlvereins⸗ versammlung dazu, seinen paar Lesern von einer grund sätzlichen Meinungsverschiedenheit in der Oktroifrage innerhalb unserer hiesigen Ge⸗ nossen zu erzählen. Er täuscht sich. Prinzipiell sind alle Genossen für Beseitigung dieser un⸗ gerechten indirekten Steuer. Ob sich aber die Aufhebung empfiehlt, wenn nicht zugleich weitere

Maßnahmen ergriffen werden, damit sie der Gesamtheit zu Gute kommt, ist fraglich und allein darum dreht es sich. So liegt die Sache, Herr Professor Dr. Hans Georg Wil⸗ helm Viktor von Hoppstädter.

Berichtigung. Vor einiger Zeit haben wir die frühere Mitteilung der Gieß. N. N., ihr neuer Redakteur Hoppstädter sei Magistratsmitglied in Lichterfelde gewesen für Flunkerei erklart. Wir haben das auf Grund von einer gelegentlichen Mitteilung gethan, die uns von vertrauenswürdiger Seite wurde. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß H. that⸗ sächlich Gemeindeschöffe, also Magistratsmit⸗ Ffle in L. war, weshalb wir es für unsere

licht halten, unsern damaligen Vorwurf hier⸗ mit zurückzunehmen. Das Verhalten des Genaunten, der in seinem Blatte in zahl⸗ reichen Fällen Unwahrheiten über unsere Partei wider besseres Wissen ver⸗ breitete, kann uns nicht abhalten, unsererseits aufgestellte Behauptungen zu korrigieren, sobald sich deren Unrichtigkeit herausstellt.

Der Arbeiter⸗Sängerbund des Main⸗Rheingaues hält am 6., 7. und 8. Juli in Bockenheim sein erstes Bundes⸗ fest ab, das nach den Vorbereitungen zu schließen, großartig zu werden verspricht. Zahlreiche Arbeiter⸗Gesangvereine des Gaues beteiligen sich daran. Die GießenerEintracht fährt Sonntag früh mit dem Zuge 6.55 nach Bocken⸗ heim. Da die Eintracht Fahrpreisermäßigung bewilligt erhielt(Hin⸗ und Rückfahrt Mk. 2.60 3. Kl.), thun Auswärtige(auch Delegierte zur Konferenz in Offenbach) gut, sich derselben an⸗ zuschließen. Wer sich beteiligen will, muß spätestens 6.15 auf dem Bahnhofe sein. Gießener Teilnehmer müssen Samstag Abend in der Wirtschaft Orbig das Fahrgeld einzahlen.

Aus Friedberg.

Arbeiter und Parteig enossen! Lasse sich jeder im Laufe dieses Monats in die Liste zur Stadtverordnetenwahl ein tragen!

J. Unfreiwillige Feiertage. Zur Feier der Einweihung der Stadtkirche ließ die Möbelfabrik Binde wald die Arbeit ruhen. Daß die Arbeiter für den vom Unternehmer dekretierten Feiertag bezahlt würden, wäre eigentlich selbstverständlich, wir haben es aber schon in voriger Nummer bezweifelt. Jetzt schreibt uns ein Arbeiter: Ihre in Ihrem voll⸗ ständig zutreffenden Artikel ausgesprochene Ver⸗ mutung ist eingetroffen. Kein Mensch hat an das Bezahlen des Feiertags gedacht. Wenn man die Gesichter der Arbeiter am Samstag gesehen hat, so muß man sich nur noch wundern, daß sie sich das Alles immer so gefallen lassen. Der frühere Werkführer, Herr Nohl sagte einmal, als ihm selbst die viele Sonntagsarbeit zu toll wurde:, Die Arbeiter sind zu dumm, sonst wäre schon längst Sonnt ags die Polizei hier gewesen. Es geschieht ihnen aber recht. Dieses Zengniß aus sachver⸗ ständigem Munde sollte den Arbeitern doch zu denken geben. Hoffentlich werden sie gescheiter.

Wetzlar.

t. Eine Ankleidehalle in der Frei⸗ badeanstalt ist nun endlich errichtet worden. Lange genung hats gedauert; aber auch jetzt würden noch die früheren schaurigen Zustände herrschen, wenn nicht die Krankenkassen dies⸗ bezügliche Eingaben gemacht hätten. Allerdings bleibt die Frage offen, ob dieHalle den Bedürfnissen genügt. Und eine richtige Antwort hierauf vermag auch der auswärtige Leser zu geben, wenn er hört, daß dieHalle ganze einhundert fünfundzwanzig Mark kostet. Wir sind gewiß, manchem Hof- oder Billenbesitzer kostet seine Hundehütte mehr! Na, schließlich muß man Gott für alles danken und noch froh 515 daß wir es endlichso herrlich weit gebracht haben.

Im Anschluß an die Musterung kam es in Burgsolms am Donnerstag voriger Woche zu einem Streite zwischen einem Musterungspflichtigen und einem älteren Land⸗

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