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Mitteldentsche Sountags⸗Zeiinug.
Nr 14. N
länder in den Zuurbergen, wo eine Kolonne durch die Buren gefangen wurde.— Englische Zeitungen berichten aus Middelburg, daß im Hinblick auf das Herannahen des Winters in Südafrika eine allgemeine Nordwärtsbewegung der Buren nach dem Buschveldt erfolgt, daß aber auf beiden Seiten der Bahnlinie umher⸗ schwärmende Abteilungen zurückbleiben.— Die Pest in Kapstadt gewinnt noch immer an Ausbreitung; es kommen täglich Todes— fälle vor.
Krieg mit China.
Die englisch-russischen Streitig⸗ keiten wegen der Eisenbahn Tientsin⸗ Peking sind mit Mühe und Not wieder beigelegt worden. Neue Meinungsverschiedenheiten haben sich aber schon wieder unter den Gesandten ergeben. Man streitet darüber, wie in dem Gesandtschaftsviertel die Polizei aus⸗ geübt werden soll. Einige Gesandte ziehen ernstlich die Frage in Erwägung, ob es nicht angebracht sei, ihre Regierung zu ersuchen, den Beschluß, starkeesandtschaftswachen einzurichten, einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen, da die Einrichtung solcher Wachen nicht nur den Hof von der Rückkehr nach Peking abhalten, sondern auch für den Verkehr mit den Chinesen eine Quelle der Gefahr bilden würde, weil es unmöglich sei, die Truppen ganz innerhalb des Gesandtschaftsviertels zu halten, worauf Tsching und Li⸗Hung⸗Tschang bestehen.— Erörte⸗ runngen über die Entschädigungsfrage haben ebenfalls stattgefunden, jedoch zu keinem Ergebnis geführt.
Von Rah und Lern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗
kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste
Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir
bitten, alle zum Druck bestimmten Sinsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Gießener Angelegenheiten.
— An die Frauen. Von der That⸗ sache ausgehend, das in Arbeiterkreisen meist die Frau die Zeitung bestimmt, die in der Fam lie gelesen werden soll, daß sie aber hier⸗ bei sehr oft infolge ihrer— unverschuldeten— mangelhaften geistigen Bildung nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe steht, wendet sich unser Kasseler Parteiorgan an die Arbeiterfrauen mit folgenden sehr richtigen und sehr beherzigens⸗ werten Sätzen: Es sind manchmal die neben⸗ sächlichsten Dinge, die bei der Wahl einer Zeitung für sie ausschlaggebend sind. Ein Haufen Papier, das albernste Waschblatt mit dem fadesten Geschreibsel sind ihr manchmal lieber, als eine Zeitung, die ausschließlich für den Arbeiter geschrieben ist. Sie merkt nicht, daß für eine gewisse Sorte von Preßerzeugnissen die sogen.„Unparteilichkeit“ nur das Aus hängeschild ist für die Be⸗ treibung des Abonnentenfangs. Mit frecher Stirn schlägt man oft darin ihrem Stande ins Gesicht, um ihm dann wieder einmal einen Köder hinzuwerfen. Und die Frau ist so gut⸗ mütig, zu glauben, diese Zeitungen vertreten ihre Interessen! Weit gefehlt. Nein, diese Preßkonglomerate haben nur eigene Inter⸗ essen, sie verkörpern das nackte kapitalistische Prinzip, das in dem Arbeiter nicht den denkenden Menschen, sondern nur eine Ware erblickt, aus dem man nach Belieben Kapital schlagen kann. Gerade die Zeitung, die offen und ehrlich für die Verbesserung der Lage der Arbeiterfrau und ihrer Familie kämpft, stößt oft bei ihr auf einen uner⸗ klärlichen Widerstand. Sie denkt nicht daran, daß sie sich damit nur selber schädigt! Hat jemals die Arbeiterfrau in einer gegne⸗
rischen Zeitung gelesen, daß sie offen und ehr⸗
lich für irgend eine Lohnerhöhung, überhaupt für eine Verbesserung der Lage der Arbeiter eintreten? Vergeblich wird sie auf der Suche nach einem solchen Artikel die Zeitung drehen und wenden. Das mögen die Arbeiter- frauen bedenken!— Dem können wir uns nur anschließen. Will die Frau, die in unsern
kultivierten Deutschland nach vielen Richtungen
hin rechtlos ist, sich auf politischem Gebiete Geltung verschaffen, auf Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse hinwirken, so muß sie nach besten Kräften den Einfluß der Arbeiterpresse, unserer Parteipresse zu vermehren suchen, indem sie dieser möglichste Verbreitung verschafft. Das ist gerade jetzt, wo durch den übermächtigen Einfluß der Junker notwen— dige Lebensmittel und Haushaltungs⸗ artikel verteuert werden, ein Gebot der Pflicht! Bestellt deshalb die„Mittleldeutsche Sonntags⸗ Zeitung!“— Unser Blatt kostet nur
25 Pfennige den Monat.
— Maifeier. Die Arbeiterschaft Gießens wird die diesjährige Maifeier in der bisher üblichen Weise begehen. Am 1. Mai abends findet eine Versammlung statt, für die das Lokal noch bestimmt wird. Sonntag den 5. Mai wird ein Waldfest abgehalten. Weger Liefe⸗ rung der Maizeitung wollen sich die aus⸗ wärtigen Vertrauensleute recht bald unter An⸗ gabe der von ihnen benötigten Zahl Exemplare an den Genossen Bock, Dammstr. 22 wenden.
— Gewerkschaftsfest. Nach den Vor⸗ bereitungen zu schließen, die für das am zweiten Feiertag in Steins Garten stattfindende Ge⸗ werkschafts fest getroffen sind, dürfte das Fest in Bezug auf Darbietungen frühere ähnliche Ver⸗ anstaltungen weit übertreffen. Das Komitee hat sich Mühe gegeben, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Musik hat die Kapelle des Herrn Pauli sen., Marburg, übernommen, die in dem Rufe besonderer Leistungsfähigkeit steht. Es gelangen ferner zwei Theater⸗ stücke zur Aufführung; Gesänge, Couplets, Deklamationen vervollständigen das Programm. Daß auch die Tanzlustigen auf ihre Rechnung kommen, ist ebenfalls gesorgt. So steht zu hoffen, daß zahlreicher Besuch die Bemühungen des Gewerkschaftskartells belohnt, sich die Arbeiter Gießens und der Umgebung in statt⸗ licher Zahl einfinden, um miteinander einige vergnügte Stunden zu verleben und dem Ge⸗ danken der Arbeiter-Solidarität Ausdruck zu geben.— Auswärtige erhalten Eintritts⸗ karten zum Preise von 50 Pfg. nur von Kartelldelegierten. An der Kasse kostet der Eintritt 1 Mk.
— Ausflug. Der Schneiderverband unternimmt am zweiten Feiertag Vormittag einen Ausflug über Hangelstein, Lollar, Staufenberg ꝛc. Treffpunkt morgens 7 Uhr am Wallthor. Rückkehr per Bahn 12 Uhr Mittags.
— Wieder ein Majestätsbeleidi⸗ gungsprozeß spielte sich am Freitag vor acht Tagen vor der Gießener Strafkammer ab. Auch in diesem Falle kam das Gericht zur Freisprechung des Angeklagten. Der Gene— ralagent W. Hartenfels aus Gießen war von seinem ehemaligen Bureauvorsteher Annussek angezeigt worden, daß er in mehreren Fällen den Kalser beleidigt habe. Der als Zeuge vernommene Denunziant beschwor seine Behaup⸗ tungen, doch schenkte der Gerichtshof ihm keinen Glauben, und zwar weil man annahm, die Denunziation sei aus Rache geschehen, da An⸗ nussek aus seiner Stellung entlassen sei. Uebri⸗ gens hat sich der Angeber Strafthaten zum Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers zu schulden kommen lassen.
Noch ein weiterer Majestätsbeleidigungsprozeß, der dritte seit kurzer Zeit, gelangte am Dienstag vor der Strafkammer zur Verhandlung. Auch in diesem Falle erfolgte Freisprechung; der Denunziant hatte es vorgezogen, nach Amerika zu flüchten, weil ihm sonst der Prozeß wegen Meineids gemacht worden wäre.— Bedauerlich genug ist, daß auf die Bekundungen irgend eines erbärmlichen Subjekts hin, ein Prozeß eingeleitet werden kann, der, wenn er auch mit Freisprechung endet, dem Betroffenen Aufregung und Kosten verursacht.
Heuchelheim.
Im Sommer dieses Jahres sind 10 Jahre seit der Gründung des Arbeiterbildungs⸗
vereins Heuchelheim verflossen. Aus diesem Anlasse beabsichtigen die Heuchelheimer Genossen
am 9. Juni eine arößere Festlichkeit zu veran⸗
stalten. Alle parteivolitischen und gewerkschaft⸗ lichen Organisationen in der Umgegend sollen dazu eingeladen und ein besonders reichhaltiges Programm soll aufaestellt werden. Es sei deshalb schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, damit die einzelnen Vereine sich für den anae⸗ gebenen Tag nicht anderweit verpflichten. Da in unserm Kreise ein derartiges Fest zum ersten Male in größerem Umfange stattfindet, ist eine große Beteiligung aller Parteiorganisationen zu erwarten.
Alten ⸗Buseck.
Mit der drohenden Erhöhung der Getreide f
zölle beschäftigte sich eine am Sonntag bei Wirt Becker abgehaltene Volksversammlung. Genosse Vetters zeigte bei eingehender Be⸗ sprechung des indirekten Steuersystems, wie die Junker und Junkergenossen es jederzeit ver⸗ standen hätten, die Klinke der Gesetzgebung für ihre Interessen und ihre Habgier in Bewegung zu setzen. Eine kleine Zahl Besitzender fülle sich die Taschen auf Kosten der besttzlosen Volksmehrheit, deren Lebenshaltung durch die Getreidezölle noch mehr herabgedrückt werde. Die Kleinbauern, die von hohen Zöllen Vor⸗ teile erhofften, und als Mitglieder des Bundes der Landwirte, Junkern, Großgrundbesttzern und Getreidewucherern Vorspanndienste leisten, werden bald zu ihrem Schaden die verderbliche Politik der Agrarier erkennen.— Eine Protest⸗ resolution gegen die Lebensmittel fand ein⸗ stimmige Annahme, nachdem in der Diskussion zu festem Zusammenschlusse in unseren politschen Organisationen und zur Unterstützung den sozialdemokratischen Presse aufgefordert worden war.— Der Besuch der Versammlung war zufriedenstellend.
Aus Wetzlar.
Kontrollversammlungen. Für Wutz⸗ lar⸗Stadt finden die Kontrolversammlungen statt: am 9. April, vorm. 8 Uhr im Schützen⸗ garten für Ersatz-Reserve; am 12 April 1.30 nachmittags ebendaselbst für Reserve, und Landwehr. Für Wetzlar⸗Land, wozu die Orte: Hof Altenberg, Bahnhof-Wetz⸗ lar, Garbenheim, Nauborn, Niedergirmes, Oberbiel, Steindorf gehören, am 11. April vormittags 8 Uhr im gleichen Lokale. In Krofdorf, Stiel, am 16. April, vormittags 8 Uhr für Gleiberg, Krofdorf, Lannsbach, Odenhausen, Salzböden. Vetzbera, Wißmar. In Dutenhofen, am Bahnhof, 16. April, 12 Uhr 30 Nachmittags für Atzbach, Dorlar, Dutenhofen, Kinzenbach, Münchholzhausen.
th. Die Buderusschen Eisen werke haben kürzlich für 1901 ihren Geschäftsbericht erscheinen lassen. Der ist auch für die Arbeiter insofern interessant, als darin mitgeteilt wird, daß der Reingewiun Mk. 745,891.58 also fast dreiviertel Millionen betrug; gegen das Vorjahr sich fast verdoppelte. Es wird weiter mitgeteilt, daß die Verschlechterung der Marktlage die Ergebnisse des Werkes nicht nachteilig beeinflußte. Trotzdem haben wir schon mehrfach von Lohnreduktionen, die gerade mit der ungünstigeren Geschäftslage be⸗ gründet wurden, berichten müssen. Die Ar⸗ beiter ersehen daraus, daß die Abzüge durch⸗ aus nicht gerechtfertigt waren. Bemerkenswert ist noch, daß an Beamte 7000 Mk. Be⸗ lohnungen gezahlt wurden.
* Vor der Strafkammer stand am Mittwoch ein Steiger von der Grube„Amanda“, der schweren Körperverletzung angeklagt. Dieser soll er sich dadurch schuldig gemacht haben, daß er Leute, denen er eine gefährliche Arbeit im Schacht übertrug, darüber nicht genügend in⸗ struierte. Der am 23 Nov. v. Js. erfolgte Absturz des Arbeiters Jung von Reißkirchen, der dabei schwere Verletzungen erlitt, soll durch die Nachlässigkeit des Steigers veranlaßt worden
sein. Der Staatsanwalt beantragt 100 Mk. Geldstrafe, das Gericht erkeunt jedoch auf Freisprechung.
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