Ausgabe 
7.4.1901
 
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Nr. 14.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

überzeugen lassen wollen. Wir wissen so⸗ gar bestimmt, daß mehrere Abgeordnete für den Antrag Haas stimmten, trotzdem sie von der Nutzlosigkeit der Zollerhöhung für die Landwirtschaft überzeugt sind. Sie machen aber den Rummel mit,weil die Bauern an den Nutzen der Zölle glaubten! Wirklich charakterfeste Volksvertreter! Die für die Zollerhöhung eintretenden Centrums⸗national⸗ liberalen und antisemitischen Redner waren denn auch nicht entfernt in der Lage, die Argumente unserer Genossen zu entkräften. Von den Ausführungen der einzelnen Redner können wir in Rücksicht auf den uns zur Ver⸗ fügung stehenden Raum nur das Hauptsächlichste

wiedergeben.

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Nachdem schon am Dienstag der Berichterstatter Abg. Heidenreich die Notwendigkeit höherer Zölle nachzuweisen versucht und sich für den Antrag Haas ausgesprochen hatte, ergriff am Mittwoch als erster Redner Genosse Haa s-Mainz das Wort. Ex beschäftigte sich zunächst mit den Anträgen des Abg. Köhler⸗Langs⸗ dorf, der in seinem Antrag vom 8. Februar einen Minimalzoll von mindestens 7 Mark verlangte, in dem späteren Antrag mit einer Verdoppelung der bestehenden Getreidezölle zufrieden gewesen, und der nunmehr unter weiterem Kompromisseln dem berühmten Autrag der vereinigten Zollfreunde beigetreten sei, in dem nur noch einausreichender Zollschutz verlangt werde. Daß man neben der Forderung hoher Agrarzölle in Punkt 4 des Antrages neue Handelsverträge anstreben will, könne nicht ernst gemeint sein, da das Organ des Bundes der Landwirte offen ausgesprochen habe, daß man den Abschluß von Handelsverträgen als einen schweren wirtschaftlichen Fehler betrachte. Redner ver⸗ kennt nicht die Notlage der Land wirtschaft, sie set aber nur die eine Seite der allgemeinen sozialen Notlage. Die deutsche Landwirtschaft habe über die Hälfte ihres Bodens mit Getreide bestellt, könne aber schon seit Jahrzehnten den Bedarf an Brotkorn und anderen land⸗ wirtschaftlichen Produkten nicht decken. Auch die Fleischversorgung durch die deutsche Landwirtschaft sei eine nicht ausreichende, und die Statistik weise nach, daß den Zoll für die eingeführten Lebensmittel das Inland getragen habe. Die Erhöhung der Getreidezölle bedeute eine Herabdrückung der Lebenshaltung der Arbeiter und damit eine Herabsetzung ihrer Leistungs⸗ fähigkeit. Und während man im Begriff stehe, die Er⸗ nährungsfrage zu erschweren, errichte man Heilstätten für Lungenkranke und Genesungsheime; viel wirksamer wäre es, den Ursachen dieser Krankheiten entgegenzu⸗ wirken. Statt dessen aber dazu zu helfen, den aller⸗ notwendigsten Fonds von Kraft, die der Arbeiter braucht, zu vermindern, das sei eine That, die sich nicht recht⸗ fertigen lasse. Höhere Lebensmittelpreise bedingten nicht höhere Löhne. Im Gegenteile, durch das Nichtzustande⸗ kommen von Handelsverträgen leide die Industrie, da⸗ durch würden Tausende von Arbeitern brotlos und die Arbeitslosigkeit bedinge wieder, daß die Löhne niedriger werden. Jetzt kämpften Kleinbauern, mittlere Bauern und Junker gegen die Industrie, der letzte Kampf um die Getreidezölle würde aber ausgekämpft werden zwischen kleinen und mittleren Bauern gegen die Junker. Die Zentrumsleute lehrten das Volk beten: Unser täglich Brot gieb uns heute. Sie trügen aber dazu bei, die Masse des Volkes in ihrer ohnehin kümmerlichen Lebens⸗ haltung noch herunterzudrücken. Die Sozialdemokraten würden weder für eine mäßige, noch für eine ausreichende, sondern für gar keine Zollerhöhung zu haben sein.

Abg. Dr. Frenay(Zi.) erklärt, seine Freunde wollten durch die Zollgesetze im Reichstage die Land⸗ wirtschaft schützen, aber den Abschluß von Handelsver⸗ trägen nicht gefährten. Durch die Zölle soll die Land⸗ wirtschaft in die Lage versetzt werden, mehr Kapital in ihren Betrieb zu stecken und dadurch die Produktlons⸗ kosten veringern. Auch unsere kleineren und mittleren Landwirte hätten ein Interesse daran, sür die Verbesserung der Getreidepreise einzutreten, denn es sei schon bei einem Besitz von 3 Hektaren der Fall, daß Getreide verkauft würde. Höhere Preise wirkten in günstigem Sinn auch für die Allgemeinheit; wenn die Landwirte höhere Preise für ihre Produkte bekämen, wären sie auch Abnehmer für die Industrieprodukte. Abg. Reinhardt: Je mehr Industrie und Handel sich entwickelten, sei es Pflicht der Mehrheit für die Minderheit mit aller Kraft einzutreten, damit die Landwirtschaft und die übrigen Gewerbe lebensfähig erhalten werden. Die amerikanische Lederindustrie sei durch die Erhöhung der amerikanischen Eingangszölle auf 40 Prozent des Wertes konkurrenz⸗ fähig geworden. Möchten die notleidenden Gewerbe aus den zukünftigen Handelsverträgen Vorteil ziehen im Interesse des Arbeiterstandes, um diesen iu seinem Einkommen hochzuhalten. Wolf(Antisemit) wendet sich gegeu eine Broschüre des Handelsvertragsvereins, in der den Bauern gesagt werde, daß sie entweder nur

Körn erbau oder Viehzucht treiben sollten. Das sei unmöglich; Beides müsse nebeneinander bestehen. Er protestiere dagegen, daß die Agrarier, die für ihre be⸗ rechtigten Forderungen eintreten, mit Spitzbuben ver⸗ glichen werden. Er werde so wie seit Jahren den Ruf Bauer wache auf! in das Land hineinrufen. Er schlteßt mit einigen Phrasen. Staats minister Rothe: Erst wenn die Zollvorlage eingebracht sei, könne die Regierung Stellung nehmen. Der Antrag Haas Darmstadt sei weit gefaßt, ihm könne die Regierung zustimmen, wenn seitens der Reichsregierung Rücksicht auf die Industrie und das Zustandekommen neuer Handelsverträge genommen wird. Jedem solle werden, was ihm gebührt. Abg. Genosse David findet, daß die Antwort der Regierung noch allgemeiner ge⸗ halten ist, als der Antrag Haas⸗Darmstadt.(Heiterkeit.) Das war aber auch das beste, was die Regierung in diesem Falle thun konnte. Wenn sie sich bemüht, allen Bevölkerungskreisen Rechnung zu tragen, wird sie der Auffassung der Sozialdemokratie näher kommen, als der der Gegenseite. Redner weist an der Hand der von der Regierung aufgenommene Statistik unter An⸗ führung einer großen Zahl von Landgütern nach, daß die kleinen Bauern keiuen Nutzen von den Zöllen haben können, weil sie nicht nur kein Getreide verkaufen, fondern noch Futtermittel zukaufen müssen. Nahezu drei Fünftel der deutschen Landwirtschaft hat einen direkten Schaden von einer Erhöhung der Getreidezölle. In Hessen haben die Gütchen unter zwei Hektar nicht nur keinen Nutzen von den Getreidezöllen, sondern direkten Schaden, weil ihre Besitzer Brotgetreide hinzukaufen müssen. In dieser Lage befinden sich aber von den Millionen land wirtschaftlichen Betrieben ganz Deutschlands 48 Prozent, nämlich ca. 31/ Millionen. Bei den Gütern zwischen 2 und 4 Hektar heben sich Gewinn und Verlust auf, und nur die Güter über 5 Hektar hätten Nutzen aus den Zöllen. Das sei etwa ein Zehntel der Bevölkerung. Bei diesen fange, wie es scheine, nach Ansicht der Agrarier das wirkliche Volk erst an. Den kleinen und mittleren Bauernstand könne man nicht durch Getreidezölle heben; eine Entlastung bedeute es vielmehr, wenn die Aufhebung der reinen Finanzzölle, der Zölle auf Kaffee und Petroleum er⸗ folgte.(Zustimmung bei den Antisemkten.) Durch die Getreidezölle werden den 25,000 Großagrariern und Junkern, die sschon jetzt aus der Kontingentierung des Spiritus und der Zuckerprämien vom Reiche jährlich ganz erhebliche Liebesgaben beziehen, erneut die Taschen gefüllt, auf Kosten der Aermsten und Allerärmsten in Stadt und Land. Das sei gewiß keine Politik zur Erhaltung der Landwirtschaft. Noch niemals war das Junkertum zum Vorteil der Bauern thätig. Freiherr v. Heyl kaufe die Bauern aus. Helfen werde man dem Landwirte nicht durch künstliche Verteuerung der Lebens⸗ mittel, sondern dadurch, daß man ihm die Ausnützung der Fortschritte der Technik und Wissenschaft durch staatliche Unterstützung erleichtere, ihn durch staatliches Eintreten bei Seuchenverlust usw. vor großem Schaden bewahre. Dafür sind auch die Sozialdemokraten zu haben.

Ministerialrat Braun: Die Erörterungen hätten nur soweit Wert, als sie sich mit den speziellen Verhältn issen Hessens befassen. Hierauf sei nur Abg. David einge⸗ gangen. Er habe betont, daß wir Hessen die relativ höchsten Getreidepreise hätten und daß die Zahl der zwangsweisen Veräußerungen des landwirtschaftlich be⸗ nutzten Bodens zurückgegangen set. Nach der ihm(dem Redner) vorliegenden amtlichen Statistik seien die Ge⸗ treidepreise gesunken, der landwirtschaftliche Betrieb sei intensiver geworden, und wenn auch die Zwangs ver⸗ steigerungen zurückgegangen seien, so sei doch nach der Hypothekstatistik die Ueberschuldung der Landwirtschaft erschrecklich angewachsen. Indem Redner in der Zoll⸗ erhöhung ein gutes Mittel zur teilweisen Zurückdämm ung der Krankheitserscheinungen erblicke, sei er sich nicht zweifelhaft darüber, in welchem Lager die Regierung in der Stunde der Entscheidung zu stehen habe.

Abg. v. Brentano dankt dem Regierungsvertreter für seine warmen Worte. Die Erhöhung der Zölle ver langten insbesondere die kleinen und mittleren Bauern. Für die Begriffe des Redners sei es verwerflich, von Brotwucher zu sprechen Die endlosen Zahlenreihen des Abg. David seien absolut nicht zu kontrollieren. Frei⸗ herr v. Heyl habe durch den Ankauf von 1400 Morgen Land vielleicht Manchem eine Wohlthat erwiesen.

Redner polemisiert gegen den Abg. Haas, der das christliche Gebet ironisiert habe. Redner bestreitet, daß das deutsche Vaterland nicht im Stande sei, durch seine eigenen Brotfrüchte sein Volk zu ernähren. Noch weit e Strecken wären anbaufähig, wenn sich der Anbau ren⸗ tieren würde. Abg. Graf Oriola tritt für die Zollerhöhung ein. Woher kommt in erster Linie der große Preissturz? Weil der Getreidepreis heute abhängt von den Produktionskosten ganz anderer Länder, der überseeischen Länder. Für die deutsche Landwirtschaft sei der Körnerbau das Wichtigste. Schließlich verliest Redner einen Artikel aus dem Hamburger Echo mit

solchem dramattschen Schwung, daß sogar der Abg. Ulrich ruft: Bitte lesen Sie doch noch ein bischen!

Köhler⸗Langsdorf wendet sich gegen die Theore⸗ tiker und besonders gegen den Abg. David, der die Bauern unter sich uneins machen wolle, indem er be⸗ haupte, daß die mit über 30 Morgen die Unterdrücker der übrigen wären. David war früher auch Schul⸗ meister, und das hat seine ganze Politik verdorben. Redner verliest am Schlusse seiner längeren, oft von Heiterkeit unterbrochenen Ausführungen ein Gedicht aus dem Offenbacher Abendblatt, daß dieNotlage der Junker behandelt, und dann, um die Vergnügungssucht, der Arbeiter zu illustrieren, Inserate aus demselben Blatt.

Ministerialrat Braun sucht nachzuweisen, daß Hessen in guten Erntejahren seinen Bedarf decken könne. Man müsse Körnerbau und Viehzucht treiben. Abg. Gutfleisch(freis.) spricht sich gegen die Zollerhöhung aus. Gegenseitige Belehrung sei auf diesem Gebiete fast unmöglich Am Freitag kamen noch die Antrag⸗ steller und Berichterstatter zum Wort. Genosse Ulrich weist in einer beinahe zweistündigen Rede die von den Zollfreunden angeführten Gründen zurück. Er beginnt mit der Ankündigung, daß er nicht nur an der Hand allgemein deutscher, sondern auch hessischer Ziffern nachweisen werde, welche Gefahr die Zollerhöhung auch für Hessen sei. Der Antrag der Vierzig habe ihm riesiges Vergnügen gemacht; er sage gar nichts und wolle Alles sagen. Der Staatsminister habe schon ge⸗ sagt, es sei so allgemein gefaßt, daß man keine Bedenken tragen könnte, ihm zuzustimmen. Er sei ebensv nichts⸗ sagend, daß es möglich gewesen sei, den Grafen Ortola Arm in Arm mit Köhler-Langsdorf in die Arena marschieren zu sehen. Ein schönes Bild!(Heiterkeit.) Der Bauer Köhler mit dem Großagrarier Oriola! Wenn sieausreichende Erhöhung der Getreidezölle wollten, könnten sie, davon sei Redner felsenfest überzeugt, keine Handelsverträge bekommen. Caprivi habe schon als der Zoll 5 Mark stand, gesagt, es erscheine ihm zweifellos, daß auf diesem Wege fortzufahren nicht nur der Ruin unserer Industrie und unseres Arbeiterstandes, sondern des ganzen Volkes sei. Wenn ein Mann in so verantwortlicher Stellung angesichts des Fünf⸗ markzolles von der Gefahr eines Krieges Aller gegen Alle spreche, dürfte für manchen klar werden, daß die Forderung auf Verdoppelung der Zölle die Autorität mehr untergräbt, als alles, was die Sozialdemokraten thun. Der Hinweis der Agrarier auf den Patriotis⸗ mus sei bei dieser Sache, wo es sich um ihren Profit handle, schlecht angebracht. Wenn man, wie Redner, jahrelang in Fabriken gearbeitet habe, wisse man. wie es einem Arbeiter zu Mute ist, der bei 16 und 18 Mark Wochenlohn 3 bis 4 Kinder ernähren muß, dann wisse man, was Brotwucher heißt. Das vielgeschmähte Wort stamme vom Kaiser, der damit Recht gehabt habe. Wolf habe den Ausspruch gethan:Was macht es dem Arbeiter aus, wenn der Laib Brod 4 Pfennig mehr kostet! Der deutsche Arbeiter müsse sein Brot 5 in Millionen von Fällen als Fleisch zu Kartoffel essen. Nach dem vom kaiserlichen statistischen Amt auf den Kopf der Bevölkerung ausgerechneten Getreidekonsum müsse der deutsche Arbeiter in Folge einer Zollerhöhung 20 Mark mehr ausgeben. Das bedeute für den Arbeiter mehr als den Verdienst einer Woche. 60 Prozent der Bauern seien in Hessen gezwungen, Getreide zuzukaufen, und von diesen 60 Prozent mit nicht einmal 8 Morgen. Das beweise, daß die große Mehrheit der hessischen Bauern kein Interesse an höheren Zölle habe und die Uebrigen hätten kein Recht, Vorteile zu verlangen, die man den anderen nicht geben könne. Darauf werde man sagen: dann hätten die Arbeiter auch kein Recht auf höhere Löhne. Ja, aber die Arbeiter bekämen doch keine höhere Löhne durch Staatshilfe, sondern sie müßten darum kämpfen, Brotverteuerung komme einer Lohn⸗ erniedrigung gleich. Der Arbeiter müsse wieder kämpfen, um das zu erhalten, was ihm genommen worden sei. Redner protestiert schließlich gegen den Antrag der Vierzig im Namen dee Mehrheit der hessischen Be⸗ völkerung. Nachdem sich Abg. Schmitt(Centr.) in längeren Ausführungen für den Antrag Haas ⸗Darm⸗ stadt ausgesprochen, wird dieser von vierzig Abgeordnete unterstützte Antrag gegen 5 Stimmen angenommen. Vorher erfolgte die Ablehnung des Antrages Ulrich gegen dieselben Stimmen.

Krieg in Südafrika.

Noch immer gelang es den Engländern nicht, den Burengeneral Dewet, dem sie stets auf den Fersen folgten und schon oft genug umzingelt hatten, zu erwischen. Jetzt wird englischerseits berichtet, daß Dewet eine Zu sammenkunft mit Both a haben wird. Letzterer sei in bedrängter Lage bei Petrusberg, wo sich auch die Engländer konzentrieren. Die Zahl der bis heute gefangenen Buren beträgt 17,350 Mann. Eine Schlappe erlitten die Eng